Montag, 19. Oktober 2020

Offene Themen im Vatican und keine Vision?

In seiner heutigen Kolumne bei Monday in the Vatican befaßt sich A. Gagliarducci mit Problemen der Kriche, die Papst Franziskus zu bewältigen haben wird und stellt sie in den Kontext des aktuellen Geschehens im Vatican.
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PAPST FRANZISKUS - VIER THEMEN FÜR DIE ZUKUNFT DER KIRCHE LIEGEN AUF DEM TISCH

"Bis jetzt scheint Papst Franziskus von der Kritik und den Angriffen gegen die Kirche verschont geblieben zu sein. Sogar wenn es um den jüngsten Finanzskandal im Vatican geht, wird sein Name nie erwähnt. Das ist merkwürdig, weil der Papst- auch wenn er nie Verantwortung für etwas übernommen hat, sich selbst immer als ein Garant, als Führer präsentiert hat, der sich darin engagiert, die schwierigsten Situationen zu klären und zu bereinigen. 

Obwohl die Angriffe nicht direkt auf Papst Franziskus zielen, wirft die Situation ein Licht auf einige seiner Fehlschläge bei der Leitung der Kirche und im handling einiger der wichtigsten- noch verborgenen Themen.

Viele Themen liegen auf dem Tisch und die Zukunft der Kirche hängt auch von ihnen ab. 

Das erste wichtige Thema sind die Finanzskandale. Es ist verblüffend, daß das Narrativ über die Untersuchung des Vaticans vollständig in den Händen italienischer Gerichtsreporter liegt. Diese Journalisten spielen die Hauptrolle, sie bekommen geleakte Dokumente und veröffentlichen sie und entscheiden, wer ins Visier genommen werden muß. Es ist möglich, daß sie als Haus-Reiniger arbeiten, die von höheren Mächten ausgenutzt werden. Wahrscheionlich haben sie den Auftrag bekommen, das zu tun.  Wer den Vatican kennt, weiß immer, wer das wahre Ziel der Angriffe ist. 

Die Kommunikationsabteilung der Hl. Stuhls sollte diese Situation managen. Wo ist sie? Und wo ist das Gericht des Vatican-Staates? Außer bei einigen spektakulären Verhaftungen und Ausweisungsverfügungen scheint das Gericht des Vatocans untätig zu sein, während seine Dokumente geleakt werden. Es ist kein Zufall, daß das Nachrichtenportal "Il Sismografo" bemerkte, daß der Präsident der Vatican-Gerichtes, Giuseppe Pignatone, auch Autor bei der GEDI-Verlagsgruppe ist, zu der mehrere Zeitungen und  Magazine gehören- darunter die Repubblics, La Stampa und L´ Espresso. 

Papst Franziskus jedoch scheint sich nicht für die Verflechtung zwischen einigen Medien und den Amtsinhabern des vaticanischen Justizsystems zu interessiren und ebenso wenig irgendwer in der Kommunikationsmaschinerie des Vaticans, Über die Notwendigkeit Transparenz zu verlangen hinaus, geht niemand das Medien-Thema scharf an. Papst Franziskus versäumt es nie, persönlich den Medien zu danken, die die schwierigsten Fälle aufdecken.  Hochachtung für sie. Warum greift Papst Franziskus nicht zur Verteidigung der Institution ein? Und warum akzeptiert er, daß der Herzschlag des Narrativs in Händen der italienischen Gerichtsreporter ist? 


Das zweite Thema ist die Beziehung zu Italien.  Unter Papst Franziskus hat sich das Narrativ des Hl. Stuhls immer mehr dem Italienischen angenähert, während internationale Themen verschwunden sind. 

So erlebt der Hl. Stuhl einen Bipolarismus, einerseits bringt der Hl. Stuhl sein internationales Engagement als ein Staat unter anderen voran, wie es sein muß; andererseits bewegt er sich bei diesem Engagement in einer italienischen Mentalität vorwärts- nicht in einer internationalen. Es sieht so aus, als unternehme die Kirche eine Reise in die Vergangenheit. Um die Wahrheit zu sagen, die Internationalisierung der Kurie und des Kardinalskollegiums geht auf die Zeit von Pius XII zurück.

Warum hat Papst Franziskus dann nicht auf den Generationswechsel gesetzt sondern auf die Rückkehr zu einer alten- italienisch orientierten Mentalität zurückgegriffen? Es ist bemerkenswert, daß Papst Franziskus kürzlich fünf Herren Seiner Heiligkeit ernannt hat, die alle aus italienischen zeremoniellen Rängen kommen? 

Beim dritten Thema geht es um die Souveränität des Hl. Stuhls: die war immer ein wirkliches Ziel der Angriffe und wird von vielen Leuten innerhalb der Kirche in Frage gestellt. Es ist schwer zu verstehen, warum die Wichtigkeit der Souveränität des Hll. Stuhls nicht erkannt wird, aber es ist leicht, festzustellen, daß die Skandale ausgenutzt werden, um in den Medien das Bild eines korrupten Staates zu zeichnen. Daher die Wahrnehmung eines Glaubens, der sich körperlos, frei vom Gewicht eines Staates, ausdrücken kann. Pius XI hat den Vatican-Staat als "kleines Stück Fleisch, das die Seele trägt" untermalt. "Dieses Stück Fleisch rechtfertigt die Präsenz des Hl. Stuhls in der internationalen Arena und verleiht dem Hl. Stuhl genügend Gewicht, um überall in der Welt über Religionsfreiheit zu sprechen und sie zu schützen.

Entweder hat Papst Franziskus versehentlich die Angriffe gegen die Souveränität nicht bemerkt oder- wenn er es hat- betrachtet sie als zweitrangig im Vergleich zur großen pastoralen Aufgabe der Kirche. Manchmal sieht es so aus, als kümmere der Papst sich nicht um diese Themen. Wenn der Papst die Souveränität des Hl. Stuhl allerdings dazu benutzen kann, seine Botschaften zu verstärken, zögert er nicht, das zu tun. 

Beim vierten Thema geht es um die Lage im Vatican. Wie üblich-betreffen die jüngsten Skandale nicht nur diejenigen, gegen die ermittelt wird, sondern auch den "verborgenen Vatican" der den Hl. Stuhl stützt. Die Leute im "hidden Vatican" sind demoralisiert. Manchmal sehen sie ihre Namen zu Unrecht in den Zeitungen auftauchen. Manchmal erleben sie, wie Personen suspendiert oder ohne Erklärung oder formelle Beschuldigungen entlassen werden. Aus diesem Grund lebt der Verborgene Vatican in Verwirrung, lebt täglich von einer Entscheidung zur nächsten und nimmt an keinem kreativen Prozess zur Reform der Dinge teil.

Wird Papst Franziskus bei diesen Leuten um Wegweisung suchen? Oder wird er weiter so allein im Kommandostand bleiben und das größere Team des Vaticans ausgrenzen- zugunsten kleiner Gruppen, die ihm helfen, das, was er im Sinn hat, zu verwirklichen? 

In allen diesen Fällen übersieht Papst Franziskus einige wesentliche Themen. Statt dessen agiert der Papst instinktiv, ohne wirkliche Strategie, Auch geht die Kurienreform einen Schritt vorwärts, einen Schritt rückwärts weiter- ohne klare Vision, Laut Pater Antonio Spadaro, einem der engsten Vertrauten von Papst Franziskus, sollten wir nicht nach irgendeiner großen Vision suchen. 

Am Ende ist der Hl. Stuhl zur Kriegsbeute der Justiznachrichten geworden, während die Angriffe gegen die Kirche weitergehen. Jene, die über die Angriffe berichten, schauen allerdings nicht auf den größeren Zusammenhang, Sie konzentrieren sich meistens auf Details der Korruption und verlieren dabei die wertvolle Arbeit aus den Augen, die der verborgene Vatican leistet. Der Papst tut manchmal das selbe, Wir wissen nicht zu welchem Zweck," 

Quelle: A. Gagliarducci, Monday in the Vatican

 

 

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