Dienstag, 2. Februar 2021

Fr. Hunwicke spricht....

bei liturgicalnotes heute über die "Gesimas" und veröffentlicht eine Präfation. Hier geht´s zum Original: klicken und klicken.

"EINE PRÄFATION ZU DEN "GESIMAS"?"

Ungefähr vor einem Jahr ist die Gottesdienstkongregation tätig geworden.
Interessierte Leser werden wissen, daß dieses Dikasterium die Aufgaben der guten
alten Heiligen Ritenkongregation hinsichtlich der authentischen Form des römischen
Ritus übernommen hat. Und besonders erfreulich: ihre Tätigkeit hat einen Liturgisten
namens Grillo in Wut versetzt. Er ist nämlich der Ansicht, daß es falsch wäre, noch
irgendetwas hinsichtlich der authentischen Form zu unternehmen, da sie doch bereits
unwiderruflich in der Vergangenheit erstarrt sei. Woher wissen wir, daß sie so erstarrt
ist? Nun, weil sie sich nicht verändert hat – ein schönes Beispiel für eine
Argumentation im Kreis.

Die Änderungen durch die Gottesdienstkongregation (die alle lediglichWahlmöglichkeiten eröffnen) bezogen sich auf die Präfationen und in einem eigenen Dekret auf das Kalendarium. Die Einführung weiterer Präfationen war bereits von Benedikt XVI. in Summorum Pontificum vorgeschlagen worden. Und tatsächlich waren einige weitere (gallikanische) Präfationen aus dem Frankreich des 18. Jahrhunderts mit einer Sondererlaubnis bei der Piusbruderschaft und anderswo schon seit langem in Gebrauch. 

Was also hat die Glaubenskongregation gemacht? Sie setzte einen Konsultationsprozess in Gang. In einem der dabei entstandenen Dokumente war auch eine „gallikanische“ Präfation für den Advent enthalten; und auch eine für die Gesima-Sonntage. Aber im Schlußdokument waren diese beiden nicht mehr enthalten, nur ein Hinweis, daß die Zulassung weiterer Präfationen in der Zukunft nicht ausgeschlossen sei. Diese Weglassung erklärte die Kongregation damit, daß der Geist der authentischen Form im 20. Jahrhundert sich gegen die Aufnahme von (kirchen-jahreszeitlichen) Präfationen gewandt habe – tatsächlich waren alle neuen Präfationen des 20. Jahrhunderts zu Festtagen oder Totenmessen, nicht zu Zeiten des  Kirchenjahres.

Im Folgenden beschäftige ich mich mit der Gesima-Präfation, die die Gottesdienstkongregation zunächst erwogen, dann aber doch nicht aufgenommen hatte. Das ist eine alte Präfation, an der man in den 70ern bei ihrer Aufnahme in den Novus Ordo herumgebastelt hatte. Sie findet sich in mehreren alten Sakramentarien entweder für den letzten Sonntag nach Epiphanias oder für Septuagesima selbst. Von daher vermute ich mal, hat sie eher jahreszeitlichen Charakter. Mein Problem damit besteht darin, daß der Novus Ordo mit dem alten Text ziemlich frei umgesprungen ist – es ist immer wieder das selbe...


Novus Ordo, 3. Präfation für die Sonntage im Jahreskreis:  VD ... omnipotens aeterne Deus: Ad cuius immensam gloriam pertinerecognoscimus ut mortalibus tua Deitate succurreres; sed et nobis provideres de ipsa mortalitate nostra remedium, et perditos quosque unde perierant, inde salvares, per Xtm Dnm nostrum.

Zuerst habe ich darüber nachgedacht - Sie wissen ja, wie das geht – weil ich mir einfach keine Antwort auf die naheliegende und selbst einem Drittklässler auffallende Frage geben konnte: Warum stehend die konjunktivischen Verben in der Zeitenfolge im Imperfekt? Diesen Knoten in einem Gehirn habe ich immer noch nicht aufgelöst.  In meiner Verzweiflung griff ich dann, wie man das wohl zu tun pflegt, zum  Sakramentar von Verona, auch als das Leoninische Sakramentarium bekannt, von dem ich annehme, daß es die älteste uns bekannte Version dieser Präfation enthält, (für den Anfang Oktober). Die wesentlichen Unterschiede: Statt des „pertinere cognoscimus“ hat das VS lediglich „pertinet“, und die konjunktivischen Verben stehen in der Perfekt-Form: „succureris … provideris … salvaris“.

Gut, damit ist mein Problem der Zeitenfolge gelöst, oder? Diese kerngesunden Konjunktive im Perfekt scheinen dann aber schon im Sakramentar von Bergamo und dem „Missale Gregors“ zu der Form im Imperfekt mutiert zu sein. [Salvaris ist eine gebräuchliche Zusammenziehung für salvaveris. Eine Quelle hat sich aber regelrecht von hinten durch die Brust ins Auge getroffen und schreibt: succuras.]

Können wir also die Version des Sakramentars von Verona so übersetzen: „Es gereicht Dir zu unübertrefflicher Ehre, daß Du geholfen... geboten ... gerettet hast? Das scheintmir sinnvoller und grammatisch richtiger zu sein als die (wie ich vermute) späteren Änderungen. Das entspricht übrigens auch ungefähr dem, wie unsere gegenwärtige ICEL die Formel übersetzt. 
Ich habe diese Frage mehrere Jahre lang ventiliert und wurde mit zwei sehr guten Kommentaren gesegnet, die ich zurückhalte. Morgen werde ich eine kleine Exegese anbieten---oder -wie Sie vielleicht fühlen werden- Eisegese.

(2. Teil) So, hier jetzt also die nach den Quellen bereinigte Version aus der gestern
vorgestellten Präfation:
VD ... Ad cuius immensam pertinet gloriam ut non solum mortalibus tua deitate*
succurreris; sed et de ipsa etiam mortalitate nostra nobis remedium provideris,
et perditos quosque unde perierant, inde salvaris; Per.
[Grob und ziemlich wörtlich übersetzt: Es ist in Wahrheit würdig und recht.... dem es
zur höchsten Ehre gereicht, daß Du nicht allein mit Deiner Gottheit den Sterblichen zu
Hilfe gekommen bist, sondern aus unserer eigenen Sterblichkeit uns ein Heilmittel
bereitet und die Verlorenen allesamt von da aus errette hast, von wo ihr Verderben
ausging.]
Das zeigt die strenge Eleganz und die Meidung aller Geschwätzigkeit, die wir aus den
besten Vorlagen aus den alten Römischen Sakramentaren kennen, ja, vielleicht ist
sogar ein Hauch vom Stil des Hl. Leo dabei. (Edmund Bishop hat einst die Präzision der
Römischen Pfingst-Präfation neben eine „gotische“ Pfingstpräfation gestellt, die 80
Zeilen lang herumlaberte.)
Der hochgebildete Maristenpater Anthony Ward (dem im gegenwärtigen Pontifikat so
übel mitgespielt worden ist) hat hierzu Texte des hl. Ambrosius  (De Sac 2:17) des Hl.
Leo (Sermo 22; 1;) und von Chromatius von Aquila (Sermo 19:7) angeführt, und von
letzterem möchte ich hier einen kurzen Abschnitt übersetzen:
Christus „erhielt Übles, aber er vergalt es mit Gutem; er empfing den Tod, aber gab
das Leben. Nicht ohne Grund wurde er an dem Platz gekreuzigt, wo, wie es heißt, der
Leib Adams begraben wurde. Und so wurde Christus da gekreuzigt, wo Adam
begraben ward, damit von da aus Leben ausgehe, wo vorher der Tod am Werk war,
und so aus dem Tod das Leben sich neu erhebe:Tod durch Adam, Leben durch
Christus.“
Sie sehen, wie sehr solche Sätze typologisch zu den Berichten aus der Genesis
passen, die wir in dieser Zeit alljährlich im Brevier lesen. Und sie erinnern sich der
Bedeutung des dem Osten und dem Westen gemeinsamen ikonographischen
Elements des Totenkopfes am Fuß des Kreuzes von Kalvaria, und ebenso auch der
Darstellung Christi in der Auferstehungsikone, wo er Adam und Eva aus dem Rachen der 
Hölle rettet."

* Fußnote: Dazu gibt es eine hoch interessante textliche Variante, die sogar die
ursprüngliche Form darstellen könnte: "pietate“ statt "deitate“ Das große P und das
große D kann man leicht verwechseln.

Quelle: liturgicalnotes, Fr.J.Hunwicke , M.Charlier

  

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