Freitag, 26. März 2021

George Weigel demontiert einen allgegenwärtigen Häretiker

und Cheerleader der Politik des gegenwärtigen Pontifikates - Massimo Faggioli. Und das tut er  in "The Catholic World Report" in einer gründlichen und fundierten Widerlegung einer Kritik Faggiolis an einem Artikel, den George Weigel vor kurzem in der Washington Post veröffentlicht hat.
Hier geht´s zum Original:  klicken

"DIE SOTTISEN DES PROFESSOR FAGGIOLI"

Da ist etwas furchtbar Unrichtiges daran, wie Massimo Fagiolli das derzeitige China versteht und an seiner Verteidigung der vaticanischen Ostpolitilk der späten 60-er und 70-er Jahre. Dier Verteidigung des Zweifelhaften durch die Schlechtinformierten kann zu Unsinnigem führen - und genau das ist die slippery road, auf die Villanovas Massimo Faggioli in seiner Kritik an meinem kürzlich erschienenen Artikel der Washington Post und meinen anderen Schriften gerät, in denen ich eine direktere Verteidigung der Religionsfreiheit und anderer grundlegender Menschenrechte in China fordere.
Professor Faggioli bemängelt, daß meine Meinung von der aktuellen China-Politik des Vaticans eine "US-zentrierte Weltsicht und einen US-zentrierten Katholizismus wiederspiegelt". Tatsächlich habe ich in der "Serie von Artikeln" zum Vatican-China-Abkommen, die Faggioli .verletzend findet, immer betont, daß meine Kritik eine grundlegend evangelische ist; daß die Vertragsabschlüsse des Vaticans mit einer zunehmend repressiveren chinesischen Regierung die Verkündigung des Evangeliums behindern- jetzt und in Zukunft. Wenn sich China dann am Ende -nachdem die aktuelle Regierung nur noch eine traurige Erinnerung ist- zur Welt öffnet, wird China das größte christliche Missionsgebiet sein, seit die Europäer im 16. Jahrhundert in die westliche Hemisphäre kamen. Der Katholizismus wird bei der post-kommunistischen Evangelisierung Chinas einen schwerwiegenden Nachteil haben, wenn die Kirche wegen ihres Kotaus vor einem verachteten und untergegangenen Regime erinnert wird, während die religiösen Gemeinschaften, die gegen das alte Regime oppponiert haben, sich einer Glaubwürdigkeit erfreuen können, die sie durch ihren Widerstand gegen Gottlosigkeit und Tyrannei erworben haben. 

Was dieses Urteil mit einer "US-zentrierten Weltsicht" und mit "US-zentriertem Katholizismus" zu tun haben soll, ist nicht klar. 

Dann ist da Faggiolis Verteidigung der Vatican.-Ostpolitik der späten 60-er und 70-er Jahre: die diplomatische Bemühung ein Übereinkommen mit den kommunistischen Regimes hinter dem Eisernen Vorhang zu finden. 



In drei Büchern - "Die finale Revolution" und den zwei Bänden meiner Biographie von Johannes Paul II  "Zeuge der Hoffnung" und "Das Ende und der Anfang" habe ich sorgfältig die Annahmen, Praktiken und Ergebnisse der vaticanischen Ostpolitik dokumentiert. In diesem Werk habe ich mich auf ausführliche Gespräche mit den Protagonisten der Ostpolitik, einschließlich der Kardinäle Agostino Casaroli, Giovanni Cheli, Luigi Poggi und Achille Silvestrini  und ausführliche Gesprächen mit führenden Klerikern  und Laien in Zentral -und Osteuropa bezogen, die von der Ostpolitik betroffen waren. Stundenlange Diskussionen mit dem Hl. Papst Johannes Paul II und 25 Jahre der Erforschung der Primärquellen dieser Zeit- einschließlich von Dokumenten der kommunistischen Geheimdienste in Ostdeutschland, Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und der Sowjet-Union, die in den letzten Jahren zugänglich wurden.

Aus diesen Untersuchungen - und nicht von "konservativ gesinnten intellektuellen Kreisen in den USA und Osteuropa, die Teil der Ablehnung der Welt nach dem Kalten Krieg sind und jetzt von "Antiliberalen bevorzugt werden",  habe ich geschlossen und schließe noch immer- daß, was auch immer die Absicht war, die Ostpolitik ein Fehlschlag war, weil sie die entscheidende Natur eines totalitären Regimes nicht verstanden hat. Und das ist auch heute noch eine Warnung. 

In Ungarn resultierte die Ostpolitik darin, daß die großen Strukturen der Kirche de facto Tochterunternehmen der Kommunistischen Partei wurden. In der damaligen Tschechoslowakei hat die Ostpolitik diejenigen Katholiken demoralisiert, die versuchten einer ähnlichen Inbesitzbahne ihrer Kirche Widerstand zu leisten und die eine tiefe Spaltung zwischen den regime-treuen und den regime-kritischen Katholiken hervorrief.  In Polen hatte die Ostpolitik einen erkennbaren Effekt, sie machte das Leben für Kardinal Stefan Wyszynski, den Primas und Kardinal Karol Wojtyla komplizierter und schwerer, trug aber nichts dazu bei, den kommunistischen Druck auf die Kirche zu mindern,. 

Und im Vatican- wie ich in "Das Ende und der Anfang" detailliert dargelegt habe,  war die Ostpolitik eine Gelegenheit für kommunistische Geheimagenten in den Hl. Stuhl einzudringen, deren Zugang zum Material des Vaticans genau die Verhandlungen, in denen die Ostpolitik engagiert war, kompromittierte.  

Professor Faggiolis Versuch, die Ostpolitik zu verteidigen, kann von keinem ernsthaften Kenner dieser Ära ernst genommen werden. Er versucht zu behaupten, daß wegen der Ostpolitik die beiden in Polen residierenden Kardinäle an den Konklaves von 1978 teilnehmen konnten. Schön, der gesamte polnische Episkopat hatte in den Jahren vor der Ostpolitik an allen vier Sitzungen des II. Vaticanischen Konzils teilgenommen und Kardinal Wyszynski nahm an den Konklaves von 1958 und 1963 teil, ebenfalls vor der Ostpolitik. Warum also sollte die Ostpolitik die polnischen Kommunisten dazu bewogen haben, Wyszynski und Wojtyla die die Teilnahme an den Konklaves von 1978 zu erlauben? Die kommunistischen Führer in Polen waren nicht die schärfsten Messer in der Schublade - aber selbst sie hätten nicht so etwas Dummes getan, wie die in Polen residierenden Kardinäle-die beide polnischen Nationalstolz und Prestige repräsentierten- daran zu hindern, ihre Stimmen als Papstwähler abzugeben. Ich habe mehr als nur einige Versuche erlebt, die Ostpolitik als Erfolg zu interpretieren; dieser ist sicher der am wenigsten überzeugende von allen. 

Faggioli zitiert auch "Korb III" der Menschenrechtskonvention der Schlußakte von Helsinki von 1975 als einen weiteren "großen Erfolg der vaticanischen Ostpolitk" . In "Die finale Revolution" zitiere ich diese Vorkehrungen als einen entscheidenden Faktor zur Vortbereitung der Bühne für das, was die Revolution von 1989 in Zentral- und Osteuropa werden sollte, weil Korb III half, die Menschenrechtsbewegungen hinter dem Eisernen Vorhang mit Leben zu erfüllen. Aber es gibt keinen Hinweise, die ich kenne, darauf, daß die Vatican-Diplomatie für der Aufnahme von Korb III in die Schlußakte von Helsinik entscheidend war, obwohl der Hl. Stuhl sicher seine Annahme unterstützte und ein Unterzeichner der Akte war. 

Und dann ist da die unbequeme Tatsache, daß es Politik der Ostpolitik war, keinen harten Druck auf kommunistische Regimes wegen ihrer zahllosen Menschenrechtsverletzungen auszuüben- Verträge von Helsinki oder nicht. Johannes Paul II hat sicher Korb III mit gutem Erfolg eingesetzt, aber das hatte nichts mit der Ostpoliitk zu tun. Praktisch widersprach die Förderung der Menschenrechte durch Johannes Paul II leise der Taktik Casarolis, solche Dinge nicht laut auszusprechen. (Wie ich in "Zeuge der Hoffnung" notiert habe, hat Casaroli sogar versucht, aus der Rede Johannes Pauls II vor den Vereinten Nationen jede Menschrechtskritik zu entfernen, die kommunistische Regimes hätten verletzen könnten.) 

Da ist auch etwas zutiefst Schiefes in Professor Faggiolis Verständnis des derzeitigen chinesischen Regiomes von Xijinping, das in den vergangenen Jahren repressiver, aggressiver gegen religiöse Gemeinschaften und intoleranter gegenüber Widerspruch geworden ist. Das jüngste Beispiel dafür ist das Hong Kong aufgezwungene Nationale Sicherheitsgesetz, das Jimmy Lai, Martin Lee und andere Katholische Führer der demokratischen Bewegung in Hong Kong in große Gefahr gebracht hat. Wegen dieses Gesetzes ist auch Kardinal Joseph Zen, ein ausgesprochener Kritiker der antikatholischen Aggressionen Pekings, in Gefahr, verhaftet zu werden. Schlimmer noch. das Regime Xi Jinpings führt eine Nazi-artige Völkermord-Kampagne, bei der Konzentrationslager jetzt "erziehen", was kulturelle Lobotomie bedeutet, mit Zwangssteriliseierungen und Zwangsabtreibungen. 

Dann ist da Faggiolis bemerkenwerte Behauptung, daß "in Xis China heute Religion gedeihen kann. Aber nur so lange als sie nicht die Politik herausfordert und der Politik nützt. Wirklich? Der letzte chinesische  Partei-Kongress war der "Sinisierung" aller religiösen Glauben und Praktiken in China gewidmet. Das hat nichts mit dem zu tun, was die Katholische Kirche unter "Inkulturation" versteht, aber mit allem, was der Schaffung eines Xi Jinping-Kultes- als eine Art ultramondäne Art Gottheit, dient, dessen Gedenken in religiösen Gemeinschaften zelebriert und durchgesetzt werden soll. Sich vorzustellen, daß Religion unter diesen Umständen gedeihen kann, ist einfach fatal. 

In Artikeln und Essays aus dem Jahr 2000 habe ich argumentiert, daß die einzige Macht, die der Hl. Stuhl heute in der Weltpolitik ausüben kann, moralische Macht ist, die Macht der moralischen Überzeugung und des Zeugnisses, das in der Tat mächtig sein kann, wie Johannes Paul II. in Zentral- und Osteuropa in den 1980er Jahren sowie in Lateinamerika und Ostasien zeigte.. Professor Faggioli macht geltend, daß dies eine zu eingeschränkte Sichtweise sei und daß "einige Instrumente der Staatsmacht ein Schlüsselaspekt der Tätigkeit des Heiligen Stuhls sind“. Zur Veranschaulichung zitiert er die diplomatische Vertretung des Vatikans in vielen Ländern, den ständigen Beobachterstatus des Heiligen Stuhls in den Vereinten Nationen und "seine Unterzeichnung des Vertrags über das Verbot von Atomwaffen". Was das alles damit zu tun hat, daß der Vatikan "Instrumente der Staatsmacht“ benutzt, entgeht mir. Ob bei der UNO, in bilateralen Beziehungen oder in Gesprächen über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, hat der Heilige Stuhl keine "Macht“, außer der Macht der moralischen Überzeugung; Welche andere Kraft würde er einsetzen? Die Macht der Wirtschaftssanktionen? Die Schweizer Garde? 

Am Ende seines Aufsatzes gibt Professor Faggioli zu, daß "eine katholische Kirche in der heutigen globalen Welt zu sein, eine schwierige Entscheidungen bedeutet“ und daß es "keine leichten oder einfachen Lösungen“ für den Heiligen Stuhl im Umgang mit einer solchen Welt gibt. Da haben wir  keine Meinungsverschiedenheiten. Schwierige Entscheidungen werden jedoch nicht durch Fälschungen der Geschichte, Fehlinterpretationen der gegenwärtigen Realität und das Versäumnis, alternative Ansätze für den genauen und ehrlichen Umgang mit diesen Schwierigkeiten zu beschreiben, erleichtert.

Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß "Lösungen“ für die Dilemmata des 21. Jahrhunderts- allen Beweise zum Trotz - durch hartnäckiges Beharren  gefunden werden können, daß die vatikanische Ostpolitik des späten 20. Jahrhunderts ein großer Erfolg war. Es war nicht so. Und wenn die gleiche Einstellung - daß die Anpassung an das Totalitäre, indem sie seine systemischen Menschenrechtsverletzungen nicht in Frage stellt, eine wirksame diplomatische Strategie ist - die die heutige China-Politik des Vatikans prägt, wird dies ebenfalls ein Misserfolg werden: für verfolgte Katholiken in China heute, für die Glaubwürdigkeit des Heiligen Stuhls und für die Evangelisierung Chinas in einer postkommunistischen Zukunft."

Quelle: catholicworldreport, G.Weigel 

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