Der Osservatore Romano und vaticannews melden, daß Angelo Gugel, der Kammerdiener dreier Päpste gestern, am 15. Januar im Alter von 90 Jahren in Rom gestorben ist, R.i.P.!
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"ABSCHIED VON ANGELO GUGEL, KAMMERDIENER DREIER PÄPSTE"
Der Kammerdiener von Johannes Paul I., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. starb am Donnerstagabend im Alter von 90 Jahren in Rom. Treu und zurückhaltend in seinem Dienst, stand er Johannes Paul II. am Tag des Attentats auf dem Petersplatz am 13. Mai 1981 zur Seite.
L'Osservatore Romano - Vatican News
Mit Diskretion und Zurückhaltung hatte Angelo Gugel ein halbes Jahrhundert lang drei Päpsten als Kammerdiener gedient. Er verschied am Abend des 15. Januar 2026 im Alter von 90 Jahren in Rom im Kreis seiner Familie. Seine Laufbahn im direkten Dienst der Päpste – sehr jung war er bereits als Gendarm in den Vatikan gekommen - startete im kurzen Pontifikat des aus Venetien stammenden Johannes Paul I., der seinen Landsmann zu seinem Kammerdiener ernannte. Anschließend begleitete er das sehr lange Pontifikat von Johannes Paul II., dessen stiller Zeuge er fast 27 Jahre lang war, bis zum Beginn des Pontifikats von Benedikt XVI., als er im Alter von 70 Jahren seinen Dienst beendete.
Im Dienst von drei Päpsten
Geboren wurde er am 27. April 1935 in Miane (Treviso). Seit 1964 war er mit Maria Luisa Dall'Arche verheiratet, mit der er vier Kinder hatte: Raffaella, Flaviana, Guido und Carla Luciana Maria. Gugel war einer der Menschen, die Johannes Paul I. an seinem Lebensende aus nächster Nähe miterlebt hatten – die Kammerdiener sind integraler Bestandteil der päpstlichen Familie –, so dass er dann auch bei dem Prozess aussagte, der die Seligsprechung seines verschiedenen Dienstherren ermöglichte. Die weitaus längste Zeit verbrachte er an der Seite von Wojtyła; doch er begleitete auch die ersten Schritte von Josef Ratzinger als Nachfolger des polnischen Papstes.
Er stammte aus einer Bauernfamilie und hatte zwei Jahre im Seminar verbracht, bevor er 1955 als Gendarm im Vatikan eingestellt wurde. Nachdem er an Tuberkulose erkrankt war, wurde er nach einer langen Genesungsphase in die Vatikanverwaltung im Governatorat versetzt, bis Albino Luciani, sein ehemaliger Bischof in Vittorio Veneto, zum Papst gewählt wurde. Der Mann, der den Namen Johannes Paul I. wählte, kannte die Mutter und die Frau Gugels, deren Bruder Mario Dall'Arche er zum Priester geweiht hatte. Außerdem war Gugel bereits während des Zweiten Vatikanischen Konzils sein Chauffeur in Rom gewesen und hatte auch bei ihm zu Hause zu Abend gegessen.
Vertrauensverhältnis mit Johannes Paul I.
Der langjährige Kammerdiener, der stets makellos gekleidet war und eine schlichte Eleganz ausstrahlte, bewahrte auch nach seiner Pensionierung die Zurückhaltung, die seine heikle Rolle erforderte. Er gab selten Interviews. Anlässlich des hundertsten Geburtstags von Johannes Paul II. wollte er einige Erinnerungen in der Sonderausgabe des Osservatore Romano veröffentlichen, die zur Feier dieses Jubiläums herausgegeben wurde. „Meine Beine zitterten, als ich nach dem Tod von Johannes Paul I. erneut (zum Dienst, Anm.) in die päpstliche Wohnung gerufen wurde“, schrieb er damals mit Blick auf seine Bestätigung im direkten Dienst unter dem Papst, der „von weit her gekommen war“: „Aber die Atmosphäre des Vertrauens, die der Heilige Vater“ und „auch Monsignore Stanislao und die Schwestern geschaffen hatten, gab mir das Gefühl, zu Hause zu sein“, schrieb er in Bezug auf den Privatsekretär von Wojtyła, heute Kardinal Dziwisz, und die polnischen Ordensschwestern, die ihn bei den häuslichen Belangen unterstützten.
Hilfreicher Schatten von Johannes Paul II.
Als er von den 27 Jahren mit Johannes Paul II. erzählte, die voller Aktivitäten, Begegnungen und Reisen waren, erinnerte er sich an die internationalen Reisen auf fünf Kontinenten, aber auch an die ruhigeren Momente, wie die wenigen Urlaubstage in Cadore oder im Aostatal, während denen auch Gugel seinen unverzichtbaren dunklen Anzug mit Krawatte ablegte und Pullover und Berghosen trug. „Es war normal, auch in der Familie über meine Arbeit Stillschweigen zu bewahren. Wenn wir mit dem Heiligen Vater privat unterwegs waren, erfuhren sogar meine Familienangehörigen davon aus der Zeitung”, fügte er hinzu. Tief ins Gedächtnis eingebrannt blieben ihm die Eindrücke des Attentats vom 13. Mai 1981, vom Einschussloch angefangen, über den Papst, der vor dem Sanitäts-Gebäude im Vatikan auf dem Boden lag, bis hin zur ewig scheinenden Fahrt zum Gemelli-Krankenhaus.
Angelo Gugel, links im Papamobil, stützt Johannes Paul II. , der bei dem Attentat am 13. Mai 1981 getroffen wurde.worden war A
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„Wenn ich bei einem Wort den Akzent falsch setze, ist das zu 50 Prozent Angelos Schuld“
In einem Interview mit dem Corriere della Sera aus dem Jahr 2018 erzählte Gugel zwei Anekdoten: „Zwei Tage nach der Wahl rief der Substitut des Staatssekretariats, Giuseppe Caprio, um 11.30 Uhr im Governatorato (Vatikanverwaltung, Anm.) an und sagte: ‚Herr Gugel soll sich so, wie er gekleidet ist, in der Privatwohnung des Papstes einfinden. Ich stieg in den obersten Stock des Apostolischen Palastes hinauf. Meine Beine zitterten. Es waren nur polnische Prälaten anwesend, ich war der einzige, der Italienisch sprach.“ Eine Eigenschaft, die nützlich war, um dem neuen Papst bei der korrekten Aussprache seiner ersten Reden zu helfen. „Ich war verblüfft, als mich der Heilige Vater am Morgen des 22. Oktober 1978, bevor er sich zum feierlichen Beginn seines Pontifikats auf den Petersplatz begab, in sein Arbeitszimmer rief und mir die Predigt vorlas, die er gleich halten würde: „Habt keine Angst! Öffnet, ja, öffnet weit die Türen für Christus! Habt keine Angst! Christus weiß, was im Menschen ist. Nur er weiß es!“. Er bat mich, ihm die falschen Aussprachen zu zeigen, und notierte sich mit einem Bleistift, wo die Akzente gesetzt werden mussten. Zwei Monate später, als er meine ehemaligen Kollegen von der Gendarmerie traf, kam er mit einem Satz daher, der mich sprachlos machte: ‚Wenn ich bei einem Wort den Akzent falsch setze, ist das zu 50 Prozent Angelos Schuld‘, und lächelte mich an.“
Das Gebet des Papstes für die Tochter Gugels
Im selben Interview erinnerte er sich an den Zeitraum, als seine Frau Maria Luisa mit ihrer vierten Tochter schwanger war. Zu Ehren der Päpste, die mit bürgerlichem Namen Albino Luciani und Karol Wojtyła hießen, wollten sie die neue Erdenbürgerin Carla Luciana Maria nennen. Während der Schwangerschaft, so erzählt er, „traten schwerwiegende Probleme mit der Gebärmutter auf. Die Gynäkologen des Policlinico Gemelli, Bompiani, Forleo und Villani, schlossen aus, dass die Schwangerschaft fortgesetzt werden konnte. Eines Tages sagte Johannes Paul II. zu mir: „Heute habe ich die Messe für Ihre Frau gefeiert.“ Am 9. April wurde Maria Luisa für einen Kaiserschnitt in den Operationssaal gebracht. Als sie herauskam, sagte Dr. Villani: „Jemand muss sehr viel gebetet haben.“ Auf die Geburtsurkunde schrieb er „7.15 Uhr“, den Zeitpunkt, zu dem die Morgenmesse des Papstes beim Sanctus war. Beim Frühstück informierte Schwester Tobiana Sobotka, Oberin der im Apostolischen Palast tätigen Ordensschwestern, den Papst, dass Carla Luciana Maria geboren worden war. „Deo gratias“, rief Wojtyła aus. Und es war ihm ein Anliegen, sie am 27. April selbst in der privaten Kapelle zu taufen."
Quelle: Osservatore Romano, vaticannews
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