Donnerstag, 8. Januar 2026

Eröffnung des Konsistoriums

Vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Ansprache des Hl. Vaters zum Beginn des außerordentlichen Konsistoriums :Hier geht´s zum Original:  klicken

Wir dokumentieren hier in einer offiziellen Übersetzung die Ansprache von Papst Leo XIV. bei der Eröffnung des außerordentlichen Konsistoriums von diesem Mittwoch, 7. Januar 2026, im Vatikan.

ANSPRACHE DES PAPSTES ZUR ERÖFFNUNGS DES KONSISTORIUMS IM WORTLAUT

"Liebe Brüder,

ich freue mich sehr, euch zu empfangen und willkommen zu heißen. Danke für eure Anwesenheit! Möge der Heilige Geist, den wir angerufen haben, uns in diesen zwei Tagen der Reflexion und des Dialogs leiten.

Ich halte es für sehr bedeutsam, dass wir uns am Tag nach dem Hochfest der Erscheinung des Herrn im Konsistorium versammelt haben, und möchte unsere Arbeit mit einem Gedanken einleiten, der gerade aus diesem Geheimnis herrührt.

In der Liturgie ist der stets bewegende Aufruf des Propheten Jesaja zu vernehmen gewesen: »Steh auf, werde Licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht strahlend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. Nationen wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz« (Jes 60,1-3).

Zeichen und Werkzeug

Diese Worte erinnern an den Anfang der Konstitution über die Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ich zitiere den ersten Absatz vollständig: »Christus ist das Licht der Völker. Darum ist es der dringende Wunsch dieser im Heiligen Geist versammelten Heiligen Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint, zu erleuchten, indem sie das Evangelium allen Geschöpfen verkündet (vgl. Mk 16,15). Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit. Deshalb möchte sie das Thema der vorausgehenden Konzilien fortführen, ihr Wesen und ihre universale Sendung ihren Gläubigen und aller Welt eingehender erklären. Die gegenwärtigen Zeitverhältnisse geben dieser Aufgabe der Kirche eine besondere Dringlichkeit, dass nämlich alle Menschen, die heute durch vielfältige soziale, technische und kulturelle Bande enger miteinander verbunden sind, auch die volle Einheit in Christus erlangen« (Lumen gentium, 1).

Wir können sagen, dass der Heilige Geist im Abstand von Jahrhunderten den Propheten und die Konzilsväter dieselbe Vision eingegeben hat: die Vision vom Licht des Herrn, das die heilige Stadt erleuchtet – anfangs Jerusalem, später die Kirche – und sich in ihr widerspiegelt, sodass alle Völker durch die Finsternis der Welt wandeln können. Was Jesaja „in Bildern” ankündigte, das erkennt das Konzil in der vollständig offenbarten Wirklichkeit Christi, dem Licht der Völker.

Konziliare Perspektive

Die Pontifikate von Paul VI. und Johannes Paul II. können wir insgesamt in dieser konziliaren Perspektive interpretieren, die das Geheimnis der Kirche ganz in das Geheimnis Christi eingeschrieben sieht und so die Evangelisierungsmission als Verströmen jener unerschöpflichen Kraft versteht, die vom zentralen Ereignis der Heilsgeschichte ausgeht.

Die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus haben diese Vision dann in einem Wort zusammengefasst: Anziehung. Papst Benedikt tat dies in seiner Homilie zur Eröffnung der Konferenz von Aparecida im Jahr 2007, als er sagte: »Die Kirche betreibt keinen Proselytismus. Sie entwickelt sich vielmehr durch „Anziehung“: Wie Christus mit der Kraft seiner Liebe, die im Opfer am Kreuz gipfelt, „alle an sich zieht“, so erfüllt die Kirche ihre Sendung in dem Maß, in dem sie, mit Christus vereint, jedes Werk in geistlicher und konkreter Übereinstimmung mit der Liebe ihres Herrn erfüllt.« Papst Franziskus stimmte diesem Ansatz uneingeschränkt zu und wiederholte ihn mehrfach in verschiedenen Zusammenhängen.

Heute greife ich ihn mit Freude wieder auf und teile ihn mit euch. Und ich lade mich und euch ein, genau darauf zu achten, was Papst Benedikt als die „Kraft“ bezeichnet hat, die dieser Anziehung zugrunde liegt: Diese Kraft ist die Charis, ist die Agape, ist die Liebe Gottes, die in Jesus Christus Mensch geworden ist und die der Kirche im Heiligen Geist geschenkt wird und all ihr Handeln heiligt. Tatsächlich ist es nicht die Kirche, die anzieht, sondern Christus, und wenn ein Christ oder eine kirchliche Gemeinschaft anzieht, dann deshalb, weil durch diesen „Kanal” die Lebenskraft der göttlichen Liebe herausfließt, die aus dem Herzen des Erlösers entspringt. Es ist bezeichnend, dass Papst Franziskus, der mit Evangelii gaudium »über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute« begonnen hat, mit Dilexit nos »über die menschliche und göttliche Liebe des Herzens Jesu Christi« abgeschlossen hat.

Der heilige Paulus schreibt: »Caritas Christi urget nos« (2 Kor 5,14). Das Verb sunechei besagt, dass die Liebe Christi uns antreibt, weil sie uns besitzt, uns umgibt, uns fesselt. Dies ist die Kraft, die alle zu Christus hinzieht, wie er selbst prophezeite: »Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen« (Joh 12,32). In dem Maße, in dem wir einander lieben, wie Christus uns geliebt hat, gehören wir zu ihm, sind wir seine Gemeinschaft, und er kann weiterhin durch uns anziehen. Denn nur die Liebe ist glaubwürdig, nur die Liebe ist vertrauenswürdig.[1]

Einheit vs. Spaltung

Einheit zieht an, Spaltung zerstreut. Dies scheint mir auch in der Physik zu gelten, sowohl im Mikrokosmos als auch im Makrokosmos. Um also eine wirklich missionarische Kirche zu sein, d. h. eine Kirche, die fähig ist, die Anziehungskraft der Liebe Christi zu bezeugen, müssen wir vor allem sein Gebot in die Tat umsetzen, das einzige, das er uns gegeben hat, nachdem er seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte: »Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.« Und er fügt hinzu: »Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt« (Joh 13,34-35). Der heilige Augustinus kommentiert: »Dazu also hat er uns geliebt, dass auch wir einander lieben, indem er durch seine Liebe zu uns dies uns verlieh, dass wir durch wechselseitige Liebe untereinander verbunden werden und infolge der Vereinigung der Glieder mittels eines so süßen Bandes der Leib eines so großen Hauptes seien« (65. Vortrag über das Johannesevangelium, 2).

Liebe Brüder, ich möchte von hier, von diesem Wort des Herrn, für unser erstes Konsistorium und vor allem für den Weg dieses Kollegiums ausgehen, den wir mit Gottes Gnade gehen sollen. Wir sind eine sehr vielfältige Gruppe, bereichert durch unterschiedliche Herkunftsorte, Kulturen, kirchliche und soziale Traditionen, Ausbildungs- und Bildungswege, pastorale Erfahrungen und natürlich durch unsere persönlichen Charaktere und Eigenschaften. Wir sind vor allem dazu berufen, uns kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam im Dienst der Kirche arbeiten zu können. Ich hoffe, dass wir in der Gemeinschaft wachsen können, um ein Modell der Kollegialität vorzuleben.

Heute setzen wir in gewisser Weise das denkwürdige Treffen fort, das ich zusammen mit vielen von euch unmittelbar nach dem Konklave hatte, mit „einem Moment der Gemeinschaft und Brüderlichkeit, des Nachdenkens und des Austauschs, um den Papst in seiner schweren Verantwortung der Leitung der Weltkirche zu unterstützen und zu beraten“ (Einberufungsschreiben zum außerordentlichen Konsistorium, 12. Dezember 2025).

In diesen Tagen werden wir Gelegenheit haben, bereits gemeinsam über vier Themen nachzudenken: Evangelii gaudium, d. h. die Mission der Kirche in der Welt von heute; Praedicate Evangelium, also der Dienst des Heiligen Stuhls, insbesondere an den Teilkirchen; Synode und Synodalität, Instrument und Stil der Zusammenarbeit; Liturgie, Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens. Aus Zeitgründen und um eine echte Vertiefung zu ermöglichen, werden nur zwei davon Gegenstand einer spezifischen Behandlung sein.

Alle 21 Gruppen werden zu unserer Entscheidung beitragen, aber da es für mich einfacher ist, diejenigen um Rat zu fragen, die in der Kurie arbeiten und in Rom leben, werden die 9 Gruppen aus den Ortskirchen diejenigen sein, die berichten.

Synodale Dynamik

Ich bin hier, um zuzuhören. Wie wir während der beiden Versammlungen der Bischofssynode 2023 und 2024 gelernt haben, bedeutet die synodale Dynamik in erster Linie Zuhören. Jeder Moment dieser Art ist eine Gelegenheit, unsere gemeinsame Wertschätzung für die Synodalität zu vertiefen. »Die Welt, in der wir leben und die in all ihrer Widersprüchlichkeit zu lieben und ihr zu dienen wir  berufen sind, verlangt von der Kirche eine Steigerung ihres Zusammenwirkens in allen Bereichen ihrer Sendung. Genau dieser Weg der Synodalität ist das, was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet.« (Franziskus, Ansprache zur 50-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode, 17. Oktober 2015).

Unser anderthalbtägiges Zusammensein wird eine Vorwegnahme unseres zukünftigen Weges sein. Wir müssen nicht zu einem Text gelangen, sondern ein Gespräch führen, das mir in meinem Dienst für die Mission der gesamten Kirche hilft.

Morgen werden wir die beiden ausgewählten Themen mit der folgenden Leitfrage behandeln:

Mit Blick auf den Weg der nächsten ein oder zwei Jahre: Welche Schwerpunkte und Prioritäten könnten das Handeln des Heiligen Vaters und der Kurie in dieser Frage leiten?

Auf den Verstand, das Herz und den Geist jedes Einzelnen hören; einander zuhören; nur den wichtigsten Punkt und nur sehr kurz zum Ausdruck bringen, damit alle zu Wort kommen können: Das wird unsere Vorgehensweise sein. Die alten römischen Weisen sagten: Non multa, sed multum! Und in Zukunft wird diese Art, einander zuzuhören, indem wir die Führung des Heiligen Geistes suchen und gemeinsam voranschreiten, für den Petrusdienst, der mir anvertraut wurde, weiterhin eine große Hilfe sein. Auch aus der Art und Weise, wie wir lernen, in Brüderlichkeit und aufrichtiger Freundschaft zusammenzuarbeiten, kann etwas Neues entstehen, das Gegenwart und Zukunft in Bewegung setzt.

Meine Lieben, ich danke Gott schon jetzt für eure Anwesenheit und eure Beiträge. Möge die Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, uns immer beistehen."

Quelle: vaticannews 

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