Freitag, 27. März 2026

Fastenpredigt

 Alessandro di Bussolo und Stefan von Kempis berichten bei vaticannews über heutige Predigt, die der Fastenprediger des Päpstlichen Hauses Roberto Pasolini heute gehalten hat.
Hier geht´s zum Original: klicken

"FASTENPREDIGT IM VATIKAN: DIE FREIHEIT DER KINDER GOTTES" 

Nichts, nicht einmal Ablehnung, Krankheit oder Tod, können uns jemals von der Liebe Gottes trennen: Das betonte der Prediger des Päpstlichen Hauses, Roberto Pasolini, an diesem Freitag in seiner vierten und letzten Fastenmeditation im Vatikan.

Papst Leo XIV. und zahlreiche Vertreter der römischen Kurie lauschten aufmerksam, während der Kapuziner über „Die Freiheit der Kinder Gottes“ nachdachte. Ausgangspunkt für Pasolinis Predigt war das Leben seines Ordensgründers, des Hl. Franz von Assisi, an dessen Todestag vor 800 Jahren dieses Jahr erinnert wird.

„Der heilige Franziskus hat eine spirituelle Erfahrung von großer Intensität erlebt, die jedoch nicht weit von unserer Menschlichkeit entfernt war. Er wurde nicht heilig, weil er Außergewöhnliches vollbracht hat, sondern weil er gelernt hat, sich von Gott in der Konkretheit und Armut seines Daseins leiten zu lassen. Deshalb hat die spirituelle Tradition ihn als ‚alter Christus‘ bezeichnet, also als einen Menschen, der, indem er den Heiligen Geist bereitwillig aufnahm, dem menschgewordenen Sohn Gottes ähnlich wurde. Die Bekehrungen, Heilungen und Zeichen, die auf seiner Pilgerreise durch diese Welt geschahen, sind nichts anderes als das Spiegelbild eines vollständigen und wirksamen Eintauchens in die Gnade des neuen Lebens in Christus.“

                                  Die Krise des Hl. Franziskus

Dabei sei aber auch dem heiligen Franz von Assisi in den letzten Jahren keineswegs die „große Versuchung“ einer Krise erspart geblieben. Pasolini skizzierte, was er damit meinte: Der Orden der Minderbrüder „war gewachsen und hatte sich verändert“, und Franziskus „fühlte sich beiseitegeschoben, fast nutzlos, ja sogar als ‚Idiot‘ betrachtet“. Doch ausgerechnet unter diesen Umständen habe der Heilige gegenüber Bruder Leo ausgeführt, dass „die authentische Freude sich daran zeigt, dass Ablehnung, Demütigung und Unverständnis uns den Frieden nicht nehmen können“. Die wahre Freude, kommentierte Pasolini, liege in der Art und Weise, „wie wir auf widrige Umstände reagieren, wenn wir abgelehnt und ausgeschlossen werden“.


„Glück bedeutet nicht, sich vor der Realität abzuschirmen, sondern zu lernen, sie auch dann anzunehmen, wenn sie wehtut“


„Glück bedeutet nicht, sich vor der Realität abzuschirmen, sondern zu lernen, sie auch dann anzunehmen, wenn sie wehtut – doch ohne sich davon überwältigen zu lassen. Genau dort wird das christliche Leben konkret, und wir lernen, eine Freude zu bewahren, die nicht davon abhängt, wie die Dinge laufen, sondern davon, wie wir uns entscheiden, sie zu leben.“


Die vollkommene Freude sei also keineswegs „die Abwesenheit von Verletzungen“, sondern „die Freiheit, sich nicht von ihnen definieren zu lassen“. Eine Freiheit, die den Schmerz nicht auslöscht, sondern dafür sorgt, dass er nicht das letzte Wort hat. Genau diese Sinnebene habe Jesus in seinen Seligpreisungen aufgezeigt. In dieser Hinsicht seien die Seligpreisungen kein Gesetz, sondern ein Versprechen: „kein Programm zur moralischen Vervollkommnung, sondern die Offenbarung eines Glücks, das bereits im Herzen der Wirklichkeit am Werk ist“.


                                       Das Leben nicht aufschieben

„Die Seligpreisungen laden nicht dazu ein, vor der Realität zu fliehen oder das Glück in eine ferne Zukunft zu verschieben. Sie fordern uns auf, tiefer in dem zu leben, was wir erleben, auch wenn es sich als zerbrechlich und unvollendet erweist. Sie verkünden, dass der Weg zu einem erfüllten Leben durch unsere konkrete Erfahrung führt, durch das, was wir sind und was wir gerade durchleben. Sie zeichnen keinen heroischen Weg vor, sondern befähigen uns, dem, was uns zu leben gegeben ist, demütig zuzustimmen, auch wenn es Mühe, Einsamkeit und Verfolgung kostet… In der Akzeptanz der Realität öffnet sich eine neue Freiheit, die nicht mehr von äußeren Bedingungen abhängig ist.“


Das bedeute gleichzeitig, dass das Leben weder aufgeschoben noch idealisiert werden dürfe, sondern in seiner tragischen wie erhabenen Konkretheit angenommen werden müsse. In diesem Licht las Pasolini auch die Überlieferung, dass der hl. Franz von Assisi auf dem Berg La Verna die Stigmata empfing. „Gott braucht unseren Schmerz nicht, um befriedigt oder verherrlicht zu werden“, so Pasolini; wenn Gott einen Menschen im Tiefsten berühre, dann füge er ihm keinen zusätzlichen Schmerz hinzu, sondern verwandle und verkläre das, was bereits in seiner Geschichte vorhanden sei, und lasse es zu einem Zeichen der Liebe werden.

                              Stigmata als Zeichen einer inneren Verwandlung

„Die Leiden des Franziskus – das Scheitern seiner Pläne, das Unverständnis der Brüder, die Einsamkeit 

dessen, der sich vorbehaltlos hingegeben hat – hören auf, eine Last zu sein, und werden zu einem Ort der Beziehung. Was ihn von den anderen zu trennen schien, verwandelt sich in das, was ihn mit Christus verbindet und ihn folglich mit den Brüdern aussöhnt.“


Die Stigmata seien somit „das sichtbare Zeichen einer inneren Verwandlung“: Franziskus steige von La Verna herab „mit gezeichnetem Körper und freiem Herzen“. Der Schmerz verschwinde nicht, aber er habe nicht mehr das letzte Wort. Und das sei auch für uns eine gute Nachricht: Das Leiden verschwinde nicht, „aber es hat nicht mehr die Macht, uns zu verschließen. Tief im Herzen entdecken wir einen Frieden, den uns nichts und niemand nehmen kann“.

                                                      Das freie Leben

Der Weg des Franz von Assisi, so schloss der Prediger, sei keine Ausnahme, die nur wenigen vorbehalten ist, „sondern die vollkommene Verwirklichung dessen, was das Evangelium jedem Getauften verspricht: ein freies Leben, fähig, bis zum Ende zu lieben und den Schmerz zu durchleben, ohne von ihm besiegt zu werden“. 

„Wir dürfen das Evangelium nicht unseren Ängsten anpassen, es auf einen beruhigenden Vorschlag oder eine Reihe religiöser Praktiken reduzieren, die zwar den Schein wahren, aber seine wahre spirituelle Kraft aushöhlen. Ein billiges Christentum anzubieten, das einfacher, aber weniger anspruchsvoll ist, bedeutet, den Menschen das vorzuenthalten, was sie wirklich brauchen: einen Weg, der unsere Schritte ins ewige Leben führt.

                                    „Das Evangelium bietet keine Abkürzungen“

Das von Franziskus verkündete Evangelium, so der Kapuziner, biete keine Abkürzungen, sondern befähige uns zu einem Weg der Läuterung und der Bekehrung, der zur Freiheit der Kinder Gottes führe. Es sei die Aufgabe der Hirten der Kirche, „diese Wahrheit zu bewahren, ohne sie abzuschwächen, und Wege aufzuzeigen, die die Türen zur vollen Reife in Christus öffnen“.


Quelle:A.d.Bussolo, A.v.Kempis, vaticannews


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