Anne Preckel berichtet für vaticannews über die Begegnung Papst Leo mit den katholischen Gläubigen in der Marienbasilika Algiers. Hier geht´s zum Original: klicken
"DER PAPST WÜRDIGT DAS WIRKEN DER ALGERISCHEN KIRCHE IM DIALOG"
Papst Leo hat das Wirken der katholischen Kirche Algeriens für Frieden und Geschwisterlichkeit gewürdigt. In einer Welt der Spaltungen und Kriege sei dies „ein bedeutendes Zeichen“, sagte er am Montag bei einer Begegnung mit katholischen Gläubigen in der Marienbasilika „Notre-Dame d’Afrique“ in Algier.
In der Basilika „Unserer Lieben Frau von Afrika“ wandte sich der Papst am Montagabend an Bischöfe und Priester, Ordensleute und Gläubige, die in dem Land muslimischer Mehrheit wirken.
Kleine und wertvolle Gemeinschaft
Algeriens katholische Kirche sei eine „kleine und wertvolle Gemeinschaft“ mit „tiefen Wurzeln“, betonte er in seiner Ansprache. Leo XIV., selbst Augustiner, erinnerte an den Kirchenlehrer Augustinus von Hippo und an bedeutende christliche Märtyrer, die in Algerien wirkten, darunter Charles de Foucauld und die Mönche von Tibherine. Das Gedenken an diese Glaubenszeugen sei für Algeriens Christen auch heute „ein klarer Aufruf, glaubwürdige Zeichen der Gemeinschaft, des Dialoges und des Friedens zu sein“, so Leo XIV.
Wichtig im kirchlichen Leben seien Gebet, Nächstenliebe und Einheit, betonte der Papst. Der Dialog mit Gott sei „unverzichtbares Element nicht nur für das Leben der Kirche, sondern für das Leben eines jeden Menschen“, so Leo XIV., Beten verbinde und mache menschlich, stärke und reinige das Herz – „und die algerische Kirche sät dank des Gebets Menschlichkeit, Einheit, Kraft und Reinheit um sich herum aus und erreicht so Orte und Situationen, die nur der Herr kennt“.
Zeichen der Nächstenliebe
Der Papst würdigte das soziale Wirken der kleinen katholischen Kirche in Algerien, die sich etwa im Gesundheitssektor für Kinder mit Behinderungen einsetzt. Eine katholische Ordensfrau berichtete bei der Begegnung in der Basilika vom schrittweisen Aufbau einer Hilfsorganisation, die mit einfachen Krankenbesuchen bei Familien begann. Barmherzigkeit und Dienst bedeuteten Bereicherung und Entwicklung für Bedürftige wie Helfende, erinnerte der Papst.
Auch das Zeugnis der Märtyrer, die angesichts von Hass und Gewalt bis zuletzt an Seite der Bevölkerung blieben, sei ein Beispiel der Nächstenliebe, diese Zeugnisse seien „Quelle der Hoffnung“ und „Saat des Dialogs“ für die gesamte Gesellschaft, betonte der Papst. Leo XIV. nannte als Beispiel den hochbetagten Trappistenmönch und Arzt Bruder Luc von der Klostergemeinschaft von Notre-Dame de l’Atlas, der 1996 von Islamisten ermordet wurde. Es hatte sich sich trotz Lebensgefahr zum Bleiben entschieden, weil er seine Patienten und Freunde nicht im Stich lassen wollte:
Einsatz für Frieden
Frieden und Einheit seien von Anfang an grundlegende Merkmale der christlichen Gemeinschaft gewesen, erinnerte der Papst, darauf hätten auch die frühchristlichen Kirchenväter Augustinus und Cyprian verwiesen. Bis heute sei dies ein Auftrag an Algeriens Kirche, so Leo XIV., der das Motto seines Besuches in Algerien ins Gedächtnis rief: „Friede sei mit euch!“ (Joh 20, 21) Der Papst hob die Offenheit der algerischen Kirche für Menschen hervor, die nach Würde, Liebe, Gerechtigkeit und Frieden strebten – über Religionsgrenzen hinweg.
Eine algerische Muslima berichtete bei der Feier über die Zusammenarbeit von Christen und Muslimen im sozialen Bereich und von Beispielen der Geschwisterlichkeit aus dem Alltag, etwa in der Nachbarschaftshilfe und beim Austausch von Glückwünschen zu religiösen Festen. Wahrer Glaube isoliere nicht, sondern öffne, er schaffe Nähe, ohne zu uniformieren, zeigte sich die Frau überzeugt.
Darauf Bezug nehmend hob der Papst die Bedeutung von Dialog und Geschwisterlichkeit in Algeriens Glaubensgemeinschaft hervor, vor allem vor Hintergrund der aktuellen Weltlage: „In einer Welt, in der Spaltungen und Kriege Leid und Tod unter den Völkern, in den Gemeinschaften und sogar in den Familien säen, ist euer Leben in Einheit und Frieden ein bedeutendes Zeichen. Vereint verbreitet ihr Geschwisterlichkeit und weckt in euren Mitmenschen den Wunsch nach und das Gefühl für Gemeinschaft und Versöhnung. Das ist eine Botschaft, die umso stärker und klarer ist, wenn sie in Einfachheit und Demut bezeugt wird.“
Leo XIV. ermutigte Algeriens Kirche, ihr Wirken „als geeinte und offene Glaubensgemeinschaft“ fortzusetzen, „als eine Kirche, die das ,allumfassende Heilssakrament‘ ist“, so der Papst, der hier einen Begriff aus der dogmatischen Konstitution Lumen gentium verwendete.
Mosaikkirche
Der Erzbischof von Algier, Kardinal Jean-Paul Vesco, zeichnete in seinem Grußwort ein buntes Bild der algerischen Kirche. „Unsere Kirche ist eine Mosaikkirche, die sich aus mehreren Dutzend Nationalitäten zusammensetzt. Sie ist eine Kirche Nordafrikas, der Sahara und Subsahara-Afrikas. Sie gehört zu diesem Land, Algerien, und sie gehört auch der ganzen Welt“, formulierte der französische Ordensgeistliche. Die Marienbasilika sei ein Ort der Begegnung und Geschwisterlichkeit, mehr als neun von zehn Menschen, die herkämen, seien Muslime, so der Kardinal. Die katholische Kirche unterhalte Kontakte zum Islam, zum Judentum wie auch zu den anderen christlichen Denominationen im Land.
Vesco richtete dem Papst auch Grüße von Häftlingen in 60 Gefängnissen im Land aus, die Kirchenvertreter „regelmäßig“ und „in bester Übereinstimmung mit der Strafvollzugsverwaltung“ besuchten, wie er sagte. „Es sind jene Migranten auf der Suche nach einer besseren Zukunft, deren Leben, vorzeitig beendet, allzu oft auf dem Meeresgrund oder in der Wüste endet. Sie zählen auf Ihr Gebet und versichern Sie ihres.“ Dass der Papst seine Afrikareise in dieser Kirche beginne, sei bedeutsam, fügte er an. Von hier aus habe sich das Evangelium in viele Länder Afrikas verbreitet.
Privates Treffen mit Bischöfen
Muslimische und christliche Gläubige stimmten bei der Feier gemeinsam eine Friedenshymne an, mit dem sie alle Menschen dazu einluden, zu Handwerkern des Friedens zu werden. Die Vortragenden sind Teil einer Gemeinschaft, die in Algerien seit 40 Jahren interreligiösen Dialog pflegt. Nach der Begegnung mit der katholischen Gemeinschaft fuhr der Papst in die Apostolische Nuntiatur, wo für Montagabend ein privates Treffen mit den Bischöfen von Algerien auf dem Programm stand."
Quelle: A. Preckel, vaticannews
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