Samstag, 4. April 2026

Kreuzweg im Kolosseum

Gudrun Sailer kommentiert für vaticannews den gestrigen Kreuzweg im römischen Kolosseum.
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ROM/JERUSALEM: EIN KREUZWEG MIT BLICK AUF DAS HEILIGE LAND"

Papst Leo XIV. hat am Karfreitagabend den traditionellen Kreuzweg am Kolosseum in Rom mit Zehntausenden Gläubigen geleitet. Das Kreuz trug er an allen 14 Stationen selbst. Das hatte zuletzt Johannes Paul II. im Jahr 1994 so gehalten. Die Meditationen stammten von dem Heilig-Land-Franziskaner Francesco Patton und gingen an vielen Stellen deutlich auf das Leid der Menschen im Kriegsgebiet Nahost ein.

             

Der Kreuzweg ist nichts für Frömmler, die abstrakte Andachten mögen, sondern der Weg jener, die wissen, dass Glaube und Liebe in der realen Welt gelebt werden müssen: Das schickte Patton seinen Kreuzweg-Texten in der Einleitung voran. Tatsächlich sind seine Meditationen von äußerst konkreten Herausforderungen durchzogen, die das Leben im vom Krieg zerfurchten Nahen Osten prägen. An jeder der 14 Stationen wurde der Kreuzweg aber auch zu einer Einladung zur Umkehr, zur Anerkennung der Würde jedes Menschen und zur Ablehnung jeder Gewalt, die im Namen Gottes ausgeübt wird.

Gleich bei der Ersten Station, Jesus wird zum Tod verurteilt, hielten Pattons Mediationen zum Nachdenken über Macht und Gewalt an. Franz von Assisi habe daran erinnert, dass „jede Obrigkeit“ vor Gott Rechenschaft ablegen müsse über die Art und Weise, wie sie Macht ausübe: „die Macht, einen Krieg zu beginnen oder zu beenden; die Macht, zur Gewalt oder zum Frieden zu erziehen; die Macht, das Verlangen nach Rache oder nach Versöhnung zu nähren“, so der Kreuzwegtext. Patton öffnete aber auch den Blick auf Fragen globaler Gerechtigkeit, ob also Macht dazu genutzt werde, „um Völker zu unterdrücken oder sie aus dem Elend zu befreien“, um Leben zu verteidigen oder es zu ersticken. Letztlich sei ein jeder Mensch dazu aufgerufen, seinen eigenen Umgang mit Macht zu überprüfen. „Du, Jesus, sagst zu jedem: Nutze die dir gegebene Macht gut und bedenke, dass du alles, was du einem Menschen antust, besonders wenn er klein und schwach ist, mir antust.“ 

Bei der achten Station, „Jesus begegnet den weinenden Frauen“, lenkte Patton den Blick auf die Frauen, die zur Stelle sind, wo Leid und Not ist – besonders aber auf die Mütter. „ Seit Jahrhunderten weinen sie um sich selbst und um ihre Kinder, die etwa während einer Demonstration abgeführt und inhaftiert werden, die deportiert werden aufgrund einer Politik die kein Mitleid kennt, die auf verzweifelten Reisen der Hoffnung Schiffbruch erleiden, die in Kriegsgebieten niedergemetzelt werden, die in Vernichtungslagern ausgelöscht werden.“ Auch heute weinten die Frauen. Patton in Gebetsform: „Schenk auch einem jeden von uns, Herr, ein mitfühlendes Herz, ein mütterliches Herz und die Fähigkeit, das Leiden anderer als unser eigenes zu empfinden. 

Die Schrecken des jüngsten Kriegs zwischen Israel und den Palästinensern klangen besonders deutlich an der 13. Station an: „Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt.“ Patton lenkte den Blick in seiner Meditation auf Kriegsopfer und ihre Familien. „Es sollte niemals Leichname geben, die nicht herausgegeben und nicht beerdigt werden: Die Mütter, Verwandten und Freunde von Verurteilten sollten niemals gezwungen sein, sich vor der Obrigkeit zu demütigen, um die geschundenen Überreste eines Angehörigen zurückzuerhalten. Auch der Leichnam eines Verstorbenen behält seine Menschenwürde und darf nicht verhöhnt, versteckt, vernichtet, nicht zurückgegeben werden oder ohne reguläre Bestattung verbleiben.“ 
 

Patton wirkte bis 2025 als Franziskaner-Kustos des Heiligen Landes und damit als „Hüter der Heiligen Stätten" im Auftrag des Papstes. Heute lebt er in einer Gemeinschaft in Jordanien. Für die Kreuzwegmeditationen arbeitete mit Evangelientexten sowie mit Auszügen aus den Schriften des Heiligen Franz von Assisi. Die Einladung, die Meditationen für den Papst-Kreuzweg zu schreiben, erhielt er von Papst Leo über das Staatssekretariat. Die Via Crucis als Andachtsform geht auf die Franziskaner zurück. Überdies wird in diesem Jahr der 800. Todestag des Heiligen Franz von Assisi begangen.

Erstmals seit 2022 Via Crucis am Kolosseum mit Papst

Fackeln und Kerzen erleuchteten das Kolosseum, den größten Bau der römischen Antike, an dem die Päpste seit Paul VI. am Karfreitagabend diese Andacht leiten, und eine Schola des Papstchors der Sixtinischen Kapelle begleitete die Via Crucis mit Passionsgesängen. Etwa 30.000 Gläubige waren gekommen. Zum ersten Mal seit 2022 fand der Kreuzweg wieder in Anwesenheit des Papstes statt. Leos Vorgänger Franziskus hatte aus gesundheitlichen Gründen in den vergangenen drei Jahren seine Anwesenheit absagen müssen; er starb am Ostermontag 2025.


Leo XIV. begeht dieses Jahr sein erstes Osterfest als Papst. Das klassische römische Programm der Kar- und Ostertage hat er weitgehend von seinen Vorgängern übernommen, mit zwei kleinen Änderungen: Die Fußwaschung am Gründonnerstag nahm er wieder in der Lateranbasilika und an Priestern vor, statt – wie Franziskus – an Gefangenen oder Bedürftigen in eigenen Einrichtungen. Die zweite Änderung betrifft den Kreuzweg am Kolosseum. Leo trug das schlichte schwarze Holzkreuz an allen 14 Stationen selbst als Zeichen der Verbundenheit mit allen Leidenden. In den vergangenen etwa 30 Jahren hatten die Päpste das Kreuz nur jeweils an der ersten und an der letzten Station selbst getragen. Dazwischen kamen ausgewählte Gläubige zum Einsatz, beispielsweise Familien, Ordensleute, Franziskaner aus dem Heiligen Land, die symbolisch die Last des Kreuzes mit dem Papst teilten.2


Quelle: G. Sailer, vaticannews

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