Donnerstag, 14. Mai 2026

Ein Papst kehrt in La Sapienza zurück

Anläßlich des bevorstehenden Besuchs Papst Leos XIV  in der Römischen Universität La Sapienza erinnert Edward Pentin in einem Beitrag für den NewCatholicRegister NCR an ein Ereignis während des Pontifikats Papst Benedikts XVI. Hier geht´s zum Original:  klicken

"LEO XIV KEHRT IN LA SAPIENZA ZURÜCK - WO BENEDIKT XVI ZUM SCHWEIGEN GEBRACHT WURDE"

18 Jahre nachdem Proteste Benedikt zur Absage zwangen, enthüllt diese Episode an eine größere Kluft zwischen Glauben und Vernunft und die oftmals falsche säkulare Toleranz.

Die Italienische Polizei blockierte deb Haupteingang der Römischen Univerität La Sapienza, als Studenten am 17. Januar 2008 gegen Benedikt XVI protetierten. 

Wenn Papst Leo XIV Donnerstag in Roms Ladazu zwang Sapienza -Universität spricht, wird er ...vermeiden, die Benedikt XVI vor 18 Jahren dazu zwang, seinen Besuch wegen der anwachsenden Proteste abzusagen. 

Nie zuvor war ein Papst gezwungen worden, eine Rede in irgendeiner Universität in der Statd abzusagen. Die Sapienza wurde ironischerweise von Papst Bonifaz VIII gegründet, uns ihm folgte der Besuch seiner Nachfolger - Hl. Johannes Paul II 1991 und Hl. Paul VI 1964.  Die Vorlesung Benedikts, selbst ein renommierter Professor, wurde    erwartet. 

Aber als der Termin näher kam, wurde die Opposition größer. Am 15. Januar 2008 - gerade 2 Tage vor seinem Besuch- unternahm der Papst den präzedenzlosen Schritt seinen BBEsuch abzusagen, nachdem der Italienische Innenminister  sagte, daß es zu einem Zusammenstoß zwischen Extremistischen Gruppen kommen könnte. Der damalige Kardinal-Staatssekretär tarcisio Bertone  sagte, diese Entscheidung sei der "vorsichtige Weg, um jedem Vorwwand für Demonstrationen zuvorzukommen, die für alle unerfreulich gewesen wären." Benedikt schickte der Uniiversität statt dessen seinen vorbereiteten Text.

Ich erinnere mich gut, über die Geschichte berichtet zu haben, weil die Absahe das kirchliche, zivile und akademische Establishment schockierte und den Italienischen Präsidenten  ind den Vikar Roms dazu veranlaßte, ihre Unterstützung auszudrücken, obwohl nur wenige prominente Personen dem folgen. Wichtiger war, daß sich durch diese Affäre eine tiefere Kluft zwischen den Ansprüchen der Katholischen Tradition - spetiell über Glauben und Vernunft- und einer säkularen liberalen Kultur herauskristalliisierte, die sich selbst als retional, tolernt und inklusiv präsenteirt, das aber in der Praxis häufig nicht ist. 

Unmittelbarer Auslöser war eine Bemerkung Benedikts in einer Rede, die er 18 Jahre  zuvor- als Kardinal Joseph Ratzinger-gehalten hatte, ironischerweise ebenso in La Sapienza, in der er den Agnostischen Amerikanisch-Österreichischen Wissenschaftsphilosophen Paul Feyerabend zitiert hatte, Feyerabend hatt argumeniterit, daß zur Zeit Galileos "die Kirche der Vernunft gegenüber treuer war als Galileo selbst" und daß das Urteil der Kirche bzgl. der breiteren ethischen und sozialen Belange "vernünftiger und gerechter war". 

Der Punkt, den Kardinal Ratzinger betonte, war, daß die Galileo-Affäre nicht auf eine simple Geschichte der Oppoition der Kirche gegen die Wissenschaft reduziert werden sollte, wie es das von der Aufklärung entwickelte Narrativ behauptete, Stattdessen pflegte er zu argumentieren, daß die modernen Diskussionen über Wissenschaft, Vernunft und Verantwirtung komplizierter sind. Indem er Feyerbend (und den deutschen Physiker und Philosophen Carl Friedrich von Wezzäcker, der in Nazi-Deutschland  auf dem Gebiet der Nuklearphysik  forschte) zitierte, bewies er, daß sogar nichtreligiöse Denker Galileo benutztenm um zu fragen, ob die Wissenschaft es immer besser weiß, besonders wenn der wissencschaftliche Fortschritt ernsten Schaden verursachen kann. Er bemerkte, daß Weizäcker einen sehr direkten Weg beschrieb, der von Galileo zur Atombombe führt. 

Die Proteste an der La Sapienza gingen jedoch an Ratzingers eigentlichem Punkt vorbei und nutzten diesen stattdessen als Vorwand für einen weitgehend ideologisch motivierten Protest, der behauptete, der Glaube stehe im Widerspruch zum wissenschaftlichen Fortschritt. Marcello Cini, ein älterer Physikdozent, der die Proteste anführte, warnte davor, es sei „gefährlich“, wenn der Papst das Wort ergreife; er unterstellte Benedikt, er wolle die Wissenschaft unter die „Pseudorationalität religiöser Dogmen“ „zwingen“. Der Besuch, so Cini, bedrohe die Autonomie sowohl der Kultur als auch der Universität.

Neben Einwänden gegen Benedikts Bezug auf Galileo monierten Kritiker, eine päpstliche Ansprache an einer öffentlichen, säkularen Institution sei „unangemessen“ – und beriefen sich dabei auf die langjährige Unabhängigkeit der „La Sapienza“, ungeachtet ihrer päpstlichen Gründung. Insgesamt unterzeichneten 67 Professoren – von den rund 4500 Dozenten und Forschenden der Universität – einen Brief gegen den Besuch, während etwa 100 Studenten demonstrierten.

Doch genau solche Einwände hatte Benedikt bereits in jenem Vortrag vorweggenommen, den er nie persönlich gehalten hat. Er betonte, dass sowohl das Papsttum als auch die Universität der Wahrheit verpflichtet seien – wenngleich auf unterschiedlichen Wegen. Der Papst, so schrieb er, verordne den Glauben nicht „auf autoritäre Weise“, sondern stelle die moralische und intellektuelle Tradition der Kirche der öffentlichen Vernunft zur Erörterung. Die Universität ihrerseits strebe nach der Wahrheit durch die Vernunft, verwurzelt in der sokratischen Befragung und im historischen Wechselspiel zwischen Glaube und Vernunft.

Er warnte davor, die Vernunft auf bloße Nützlichkeit oder wissenschaftlichen Positivismus zu reduzieren und dabei die tieferen Fragen nach dem Sinn und dem Guten aus den Augen zu verlieren. "Was ist das Gute, das uns wahr macht?“, fragte Benedikt. „Die Wahrheit macht uns gut, und die Güte ist Wahrheit. Dies ist der Optimismus, der im christlichen Glauben lebt, weil ihm die Schau des Logos geschenkt wurde – jener schöpferischen Vernunft, die sich in der Menschwerdung Gottes zugleich als das Gute, als die Güte selbst offenbart hat.“

Letztlich betonte er, dass sowohl das Papsttum als auch die Universität eine „Sensibilität für die Wahrheit“ bewahren müssten, und ermutigte die Menschen – insbesondere im akademischen Leben –, weiterhin nach moralischer und geistiger Wahrheit zu suchen, selbst wenn dies herausfordernd sei. „Die Gefahr für die westliche Welt besteht nun darin, dass der Mensch – gerade angesichts der Größe seiner Weisheit und Macht – vor der Frage nach der Wahrheit kapitulieren könnte“, warnte er. „Und dies bedeutet zugleich, dass die Vernunft am Ende unter dem Druck von Partikularinteressen und unter der Verlockung des Nützlichkeitsdenkens zusammenbricht und gezwungen ist, genau dies als das letzte Kriterium anzuerkennen.“

In einem Beitrag für den *L’Osservatore Romano* verteidigte der Mathematiker Giorgio Israel von der Universität La Sapienza Benedikt und wies auf die Ironie hin, dass gerade jene, die sich auf Voltaires berühmtes Plädoyer für die Meinungsfreiheit beriefen, dem Papst das Recht auf freie Rede absprachen. Die italienischen Universitäten, so merkte er an, stünden jeder Form des Ausdrucks offen – außer, so schien es, jener des Papstes."

Hätten sich die Protestierer doch nur die Mühe gemacht, Benedikts Rede in ihrer Gesamtheit zu lesen – so schrieb Israel –, weil ihr Thema die Vertrauenskrise in die Wissenschaft selbst war und als Beispiel dafür den Wandel der Haltung im Fall Galileo anführte.

Auch die Hochschulpolitik, ein tief verwurzelter Antiklerikalismus sowie eine weitgehend feindselige italienische Presse trugen zu dieser Auseinandersetzung bei. Doch die tiefere Ironie blieb bestehen: Jene, die Benedikt vorwarfen, er sei gegen die wissenschaftliche Methode, spiegelten faktisch genau jene Intoleranz wider, die sie der Kirche zuschrieben – indem sie eine Stimme zum Schweigen brachten, deren Ansichten sie nicht teilten.

Wie Israel es formulierte, enthüllte diese Episode eine Strömung der säkularen Kultur, die „nicht argumentiert, sondern dämonisiert; die nicht diskutiert, sondern Monster erschafft“. In diesem Sinne war der Versuch, die Ansprache des Papstes zu unterbinden, nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein zivilgesellschaftliches Versagen.

Mit großer Aufmerksamkeit wird man beobachten, wie Papst Leo XIV. auf die Absage Benedikts zurückblicken wird – oder ob er dies womöglich unterlassen wird.

Quelle: E. Pentin, NCR

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.