Montag, 4. Mai 2026

Neue Herausforderungen für Papst Leo

In seiner heutigen Kolumne für Monday at the Vatican  kommentiert A. Gagliarducci eine der Herausforderungen des aktuellen Pontifikates: die Einheit innerhalb der Kirche.
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"LEO XIV - HERAUSFORDERUNG DURCH DIE TRADITION"

Das große Ziel des Pontifikates LEos XIV ist es, die Einheit innerhalb der Kirche wiederherzustelen. Das ist jedoch eine besonders schwierige Aufgabe. Kurz gesagt, das ist leichter gesagt als getan. 

Die Kommentare des Pontifex zu den Journalisten während der Rückreise von Afrika nach Rom  können diesen Punkt illustrieren.

Leo wurde zu der Entscheidung von Kardinal Reinhard Marx , gleichgeschlechtliche Paare formal zu gesegnen befragt und seine Antwort hat viele unterschiedliche Reaktionen ausgelöst-sowohl in Deutschland als auch in der Welt, aber letztlich lehrreich ist die Antwort des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.

Der Erzbischof von Limburg Georg Bätzing, dessen Amtszeit als Präsidentn der Deutschen Bischofskonferenz endet, hat schlicht festgestellt, daß er mit dieser pastoralen Praxis fortfahren wird, weil er nicht glaubt, daß die in der Kirche Uneinigkeit stiftet.

Das mag ein Schuss zum Abschied eines "Burschen" (fellow)  sein, der sich verabschiedet und dem es ziemlich egal ist, oder es könnte sein, daß Bätzing den Papst herausfordern will, ihn aufzuhalten.

Man wird sehen. 

Auf die Einheit lauert eine andere Gefahr, eine die aus der Welt der Traditionalisten kommt. 

Die FSSPX bereitet ihre ersten Bischofsweihen seit 1988 vor. 

Diese Weihen wären gültig aber nicht legitim, weil es für sie kein päpstliches Mandat gibt. Jemand, der einen Bischof ohne päpstliches Mandat weiht, zieht sich die Exkommunikation latae sententiae zu, einfach nur, weil er diese Handlung ausgeführt hat. 

Das ist Erzbischof Marcel Lefebvre und den von ihm geweihten Bischöfen 1988 passiert, nachdem ein formelles Exkommunikations-Dekret formuliert und veröffentlicht wurde. 

Jetzt gibt es Gerüchte, daß ein ähnliches Dokument bereits für den Fall vorbereitet wurde, daß die Gesellschaft beschließt, die geplanten Weihen zu spenden.

Diese Art Dekrete sind in der Tat Standard, es ist also nicht sicher, ob es den Entwurd nicht schon seit einiger Zeit gibt, ganz gleich, wie die Diskussionen innerhalb der SSPX verlaufen. 

Die FSSPX ihrereits glaubt, daß eine Exkommunikation derzeit für sie nicht anwendbar ist. Grund ist, daß das Kanonische Recht die Verhängung der Strafe der Exkommunikation nicht erlaubt, wenn die Handlung, die sie nach sich ziehen würde, als Antwort auf eine wahrgenommene große Gefahr für die Kirche erfolgt , oder wenn man glaubt, im guten Glauben zu handeln. 


Das ist richtig, aber es ist das selbe Argument, daß Lelebvre 1988 benutzte, als ein päpstliches Dekret erlassen wurde, gegen das es keinen Einspruch gibt.

In den letzten Wochen hat die FSSPX auch ein ausführliches Interview mit ihrem Superior, Pater Davide Pagliarani veröffentlicht, der wieder auf das Gefühl der Dringlichkeit bei der Gesellschaft und die Notwendigkeit zurückgriff, neue Bischöfe zu weihen, um ihr Überleben zu sichern 

Tatsächlich fehlt der SSPX selbst der aufrichtige Wunsch, in einen Dialog mit dem Heiligen Stuhl zu treten. Schon in früheren Stellungnahmen wurde deutlich gemacht, dass viele Entscheidungen oder Vorgehensweisen des Heiligen Stuhls als grenzwertig häretisch erachtet werden und dass es folglich in dieser Frage keinen Dialog geben kann.

Kurz gesagt: Leo XIV. sieht sich zwischen zwei Fronten gefangen – zwei Fronten, die sich beide durch besondere Sturheit auszeichnen.

Auf der einen Seite stehen jene, die eine Weiterentwicklung der Lehre bis hin zu einer Anpassung an die Gesellschaft fordern – denn andernfalls, so lautet ein häufig wiederkehrendes Argument, verliere die Kirche ihre Relevanz. Auf der anderen Seite finden sich jene, die der Ansicht sind, die Kirche habe sich bereits zu weit entwickelt – so weit, dass sie alles, was vom Heiligen Stuhl ausgeht, als unzulässig betrachten, insbesondere in lehramtlicher Hinsicht.

Die Frage, die sich hier schlicht stellt, lautet: Auf welcher Seite steht Leo XIV.?

Das Handeln des Papstes lässt zumindest darauf schließen, dass es irgendwo eine klare Linie gibt – jedoch nicht eine Linie an sich; es ist keine Linie, die bloß dem Willen des Papstes entspringt, und schon gar keine, die er gewaltsam durch seinen eigenen Willen zu ziehen gedächte.

Leo XIV. befürwortet jene Erscheinungsformen, in denen die Gegenwart Gottes spürbar wird – ungeachtet aller Debatten über deren Legitimität.

Im vergangenen Jahr war es beispielsweise überraschend, dass Leo XIV. angeblich ein Grußwort an die Wallfahrt von Paris nach Chartres sandte – eine Pilgerfahrt, an der Tausende teilnahmen, größtenteils junge Menschen, die alle dem überlieferten Ritus verbunden sind. Es hieß sogar, der Papst bete für die Wallfahrt und habe Auszüge aus einem Brief verlesen, den er an die Katholiken Frankreichs gerichtet hatte. Wenig später gab der Nuntius für England, Erzbischof Miguel Maury Buendía, bekannt, dass Leo XIV. darum gebeten habe, Ausnahmen zuzulassen, um die Liturgie nach dem alten Ritus zu feiern, wann immer dies gewünscht werde.

Kurz gesagt: Leo XIV. streckte der traditionalistischen Welt die Hand entgegen und versuchte, jene Haltung der strikten Abschottung zu überwinden, die das Ende des Pontifikats von Papst Franziskus geprägt hatte.

Diese Haltung hatte auch jene Ordensgemeinschaften getroffen, die als traditionalistisch gelten – wie etwa die „Herolde des Evangeliums“ (Heralds of the Gospel), eine Organisation, die ihren Ursprung in Brasilien hat und sich von dort aus weltweit verbreitete. Jahrelang war es den Herolden des Evangeliums untersagt gewesen, neue Priester zu weihen. Sie wurden unter Sonderverwaltung gestellt – als Apostolischer Kommissar fungiert Kardinal Raymondo Damasceno Assis –, und dies aufgrund von Vorwürfen, die nie vollständig verifiziert wurden, wobei zudem sämtliche zivilrechtlichen Verfahren letztlich zu ihren Gunsten ausgingen.

Nach vielen Jahren des Stillstands konnten die Herolde des Evangeliums jedoch am 11. und 12. April endlich 26 neue Priester weihen – im Rahmen einer tief bewegenden Feier, die zugleich ein Zeichen der wiedererwachten Hoffnung setzte.

Die Herolde sind lediglich ein Beispiel für jene Gruppen, die als zu traditionell eingestuft und unter Papst Franziskus ins Visier genommen wurden. In einigen Fällen handelte es sich dabei um sehr kleine Gruppen, denen es folglich nicht gelang, nennenswerten Einfluss zu gewinnen. In anderen Fällen brach ein regelrechter Sturm los – wie etwa im Fall des *Sodalitium Christianae Vitae* (einer Gemeinschaft, die dem damaligen Erzbischof Prevost bestens vertraut war): Hier führten Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer nicht etwa zu einer Reform (wie dies in ähnlichen Fällen – etwa bei den Legionären Christi – geschehen war), sondern zur faktischen Auflösung des Ordens.

Es muss jedoch angemerkt werden, dass das Pontifikat von Papst Franziskus auch von einer Art „lateinamerikanischem Bürgerkrieg“ geprägt war, der sich in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entwickelt hatte und in dessen Verlauf die Spannungen zwischen der Befreiungstheologie und eher traditionellen Bewegungen beinahe unerträglich geworden waren.

Leo XIV. blieb von diesen Spannungen unberührt, wenngleich er sie als Missionspriester und Bischof in Peru selbst erlebt hatte. Aus diesem Grund war Leo XIV. dazu berufen, ein schwieriges Gleichgewicht zu finden: zwischen den Forderungen jener, die sich eine in sozialen Fragen präsenterere und lebendigere Kirche wünschten, und der Notwendigkeit, zu evangelisieren, neue Berufungen zu gewinnen und das Wachstum der Kirche zu fördern.

Dies ist die große Herausforderung, der sich der Papst bei der Bewältigung der traditionalistischen Problematik gegenübersieht.

Die Traditionalisten sind sich dessen bewusst und verbreiten das Narrativ eines Heiligen Stuhls, der nicht bereit ist zuzuhören und mit dem keine Einigung erzielt werden könne. Tatsächlich sollte Leo XIV. – so die Auffassung der SSPX – sie einfach gewähren lassen, ohne mit der Exkommunikation zu drohen.

Die Exkommunikation ist jedoch notwendig, damit der Papst seine Autorität innerhalb der Kirche unter Beweis stellen kann; genau deshalb existiert die Exkommunikation *latae sententiae* – das heißt: allein aufgrund der bloßen Tatsache, eine bestimmte Handlung begangen zu haben.

Inzwischen ist die Vorstellung, der Papst müsse im Namen eines unklaren Barmherzigkeitsprinzips alles akzeptieren, ist ein haltloses Argument, obwohl es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil immer wieder vorgebracht wurde.

Dieses Thema wird mit Sicherheit während des gesamten Pontifikats Leos XIV. immer wiederkehren. Mit der Zeit wird sich zeigen, ob der Papst die Krise einfach nur hinnehmen oder sie vielmehr angehen und die Hindernisse beseitigen will, die Spaltung und Streit hervorrufen – auch in diesem Fall im Hinblick auf die Einheit der Kirche.

 

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