Mittwoch, 14. November 2012

Neue Glocken für Nôtre Dame de Paris

Nächstes Jahr feiert die Kathedrale Nôtre Dame de Paris ihren Baubeginn vor 850 Jahre ( über dem Vorgängerbau St. Etienne) .
Sie hat so manchen Sturm der Geschichte überstanden- sogar die französische Revolution - wenn auch nicht ganz unbeschadet.
Die steinernen Königsfiguren an der Fassade, die die Könige Judas darstellten, wurden von den nicht allzu belesenen und gebildeten Revolutionären für die Könige Frankreichs gehalten und flugs zertrümmert und die Kathedrale büßte bei diesem umstürzlerischen Anlass aus ihrem 9-Glockengeläut- bis auf eine, die Bourdonglocke Emmanuel ( 1685 von den 3 lothringischen Wandergießern Chapelle,Gillot & Mourea gegossen)- 8 ihrer Glocken ein.
Im Rahmen größerer Restaurierungsarbeiten ab 1855  wurden sie 1856 durch 4 minderwertigere ersetzt.
Wie man hört- beleidigten ihre scheppernden, dissonanten, verstimmte Klänge zuletzt die Ohren der Pariser.

         
Vor dem großen Jubiläum sind diese 4 nun abgehängt worden - während in der Traditionsgießerei Cornille-Havard in der Normandie 8 neue Glocken, jede von ihnen wird einen Namen erhalten- nach altüberlieferter Rezeptur gegossen werden.



Sie sollen im Februar 2013 feierlich geweiht und im Nordturm der Kathedrale, in den für sie ein neuer Glockenstuhl eingebaut wurde -aufgehängt werden.
Die alte Bourdonglocke Emmanuel hängt im Südturm, auch dort wurde ein neuer Glockenstuhl eingebaut,- für eine weitere Bordoun, die etwas kleinere und höher gestimmte Marie, die in den Niederlanden in der Gießerei Royal Eijbouts gegossen wird.
Mit dieser Renovierung wird der alte, der vorrevolutionäre Klang des Geläuts wieder hergestellt.
Um die abgehängten alten Glocken ist ein possenreifer Streit entbrannt- etliche Personen und Institutionen haben Besitzansprüche angemeldet. Die Kathedrale ist - als Folge von Revolution und Säkularisation unter dem kleinen Korsen im Besitz des französischen Staates, der der Kirche ein " quasi ewiges" Nutzungsrecht eingeräumt hat. Besitzer der Glocken ist also der Staat. Das Dom-Kapitel betrachtet die streitenden Glockenliebhaber gelassen und hat bekannt gegeben, daß die ausgedienten  Mißtönenden weder verkauft noch eingeschmolzen werden.
Ob es auch einen Nachfolger von Quasimodo, dem berühmten Glöckner gibt, wissen wir nicht.

Quelle: LaCroix et al

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