Sonntag, 8. Februar 2015

"Der Nachfolger" Rom in Prae-Konklavestimmung?

Auch wenn der Amateurdramatiker Rolf Hochhuth sich nicht berufen fühlt, eine Fortsetzung seines Propagandarührstücks "Der Stellvertreter" zu Papier zu bringen, so ist der potentielle Titel in der Welt.
"Der Nachfolger" -so überschreibt Pater Pio Pace ( nom de plume eines bekannten Klerikers) seinen Beitrag bei rorate caeli  klicken  . "Der Nachfolger.Rom in Prae-Konklavestimmung?"


                                                    "DER NACHFOLGER"
Don Pio Pace

Was wird bleiben, wenn das Pontifikat Jorge Mario Bergoglios zuende ist?
Sicher ist, daß dieser Papst schon dadurch, daß er aus der Peripherie kam, großes Aufsehen erregte, aber eher im Hinblick auf den Stil als auf die Substanz-bezieht man die vorläufigen Ergebnisse mit ein.
Wirklich wird alles davon abhängen, was diesem Pontifikat folgen wird. Wir können fragen, ob Papst Bergoglio nicht im Wesentlichen der ist, der den Weg für grundlegende Erneuerungen der Kirche bereitet, ob er nicht "der Übergangspapst" ist.
Das laufende Pontifikat erinnert unausweichlich an das von Papst Roncalli. Johannes XXIII wurde einerseits von einer Gruppe gewissenhafter Wähler (Ottaviani, Rufini) andererseits von den Progressiven (den Franzosen Gerlier, Liénart) gewählt.
Genau wie Franziskus von einer sehr großen Gruppe Kardinäle auf den Thron Petri gehoben wurde, von denen viele sich jetzt nicht schämen, zu sagen, daß sie den, für den sie in der Panik der merkwürdigen Wahlgänge am Mittwoch, 13. März 2013, stimmten, nicht kannten und die ihre Wahl jetzt bereuen.

Es ist wahr, Johannes XXIII eröffnete das II.Vaticanische Konzil, eine wahre Großtat. Aber was wäre aus dem Konzil ohne die (schwierige) Wahl Giovanni Battista Montinis 1963 geworden?
Beim Tod Johannes´ XXIII war noch über keinen Text abgestimmt worden. Wäre der von Kardinal Siri angeführte "rechte Flügel" des Heiligen Kollegiums diszipliniert genug gewesen, hätten sie die Wahl eines moderaten Papstes erreichen können, der an statt dessen, was dann passierte, das Treffen schnell mit einer sanften Reform beendet hätte.
Das wirkliche Konzil wurde von Papst Paul VI geleitet, einem intelligenten Mann, einem besorgten und entschlossenen Reformer, während er verglichen mit den Progressiven à la Rahner und anderer der "Concilium"-Gruppe relativ moderat war.

Papst Montini war derjenige, der eine lange Konzilsarbeit plante, diese bis zum Ende regelte und sie mit einer liturgischen Reform krönte, die er als eine Art wundervolle Erneuerung des Gesichtes der Kirche, das die moderne Welt begeistern sollte, träumte.


Franziskus erfreut sich derselben Medienpopularität wie Papa Roncalli . Und er ist- das ist wahr- unendlich viel autoritärer als Johannes, aber er ist auch viel gröber.
Er ist anders begabt als Johannes XXIII, das Genie der Gesten und Verkündigungen. Aber wie bei Johannes XXIII ist es sehr schwer zu wissen- weiß er es selbst?- was seine konkreten Ziele sind. Welche Reform wird er am Ende in die Tat umsetzen?
Die der Kurie (wie alle außer den hagiographischen Journalisten bestätigen werden) wird sich darauf beschränken, eine bestimmte Zahl Päpstlicher Räte durch die Schaffung eines Dikasteriums für soziale Belange und eines anderen für die Laien und die Familien beschränken.
Und die der Doktrin? Die riesige Synodenmaschinerie, Generalversammlung, Konferenzen und Diskussionen in allen Diözesen der Welt sorgen bereits für großes Unbehagen in den Geistern, aber was soll konkret dabei herauskommen außer nebelhaften Standpunkten zum spezifischen Problem der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen?
Was die Erneuerung des Personals in Rom und an den Spitzen der Diözesen angeht, so ist diese nicht erwähnenswert, außer die Entlassungen zur Begleichung alter Rechnungen.

Kardinal Tagle: das Konzil nach der Schule von Bologna
Deshalb gibt es zur Zeit keine schwerwiegenden Veränderungen. Natürlich, einige wenige Dinge wurden durch den neuen Stil des "so-wenig-Papst-wie-möglich-Papstes" vorangebracht und werden große Konsequenzen für die Zukunft haben.
Bedingung dafür aber ist, dass diesem neuen Johannes XXIII ein neuer Paul VI folgt, der die Fähigkeit haben müßte, wirklich eine neue Phase der Verwandlung der Kirche konkret werden zu lassen, einer, der der Mann für eine Art Vatican III (mit oder ohne das Zusammenkommen der Bischöfe der Welt) wäre.

Der einzige, der die intellektuellen Fähigkeiten, die theologische Ausbildung und die notwendige Erscheinung zu haben scheint - ist nicht Kardinal Maradiaga, der einen (alle vergessen ihn heute, während damals so viele von ihm sprachen) an Kardinal Tettamanzi erinnert, der während der gesamten letzten Zeit des Pontifikates von Johannes Paul II in einem Wahlkampf engagiert war und am Ende, im Konklave 2005 zwei oder drei Stimmen erhielt-einschließlich seiner eigenen-. Nein der Papabile, der hinter Bergoglio steht, wie damals Montini hinter Roncalli- um die Kirche in ein Superaggiornamento zu führen, ist Tagle.

Luis Antonio Tagle, gerade 57 Jahre alt, Kind einer guten Familie aus Manila, wurde durch Benedikt XVI in den Kardinalsrang erhob, dem es gefiel, mit wenig Vorsicht kluge Theologen zu Kardinälen zu kreieren, selbst wenn sie nicht Kombattanten der Hermeneutik der Kontinuität waren, so wie z.B: der Neo-Bultmannianer Ravasi, der Kardinal und Präsident des Päpstlichen Rates für Kultur wurde.
Kardinal Tagle erhielt seine akademischen Ausbildung in den USA, war Mitglied der Internationalen Theologenkommission und nahm an den Arbeiten des Teams teil, das die Arbeiten an der Geschichte des II. Vaticanischen Konzils überwachte, die von der superprogressiven Schule von Bologna (Alberigo, Melloni) herausgegeben wurde-essentiell als Geschichte der Hermeneutik des Bruches.

Und bei der außerordentlichen Versammlung der Familiensynode im vergangenen Oktober war Kardinal Tagle einer der 3 Co-Präsidenten, zusammen mit Kardinal Vingt-Trois von Paris und Kardinal Assis von Aparecida. Er selbst zählt sich zum liberalen Flügel.
Er sagte, als er bei der Pressekonferenz im Pressesaal der Hl. Stuhls sprach, diese oft wiederholten Worte: "Bei dieser Synode haben die Väter den Geist des II. Vaticanischen Konzils gespürt."

Diesem großen Vertreter des "asiatischen theologischen Denkens" ist gerade die Ehre des Besuches des Papstes in Manila zuteil geworden, wo der vor einem Publikum von Millionen von Gläubigen zelebrierte.
Im nächsten Oktober wird er wieder Vizepräsident der Synodenversammlung sein, wieder an der Seite von Kardinal Vingt-Trois und Damasco Assis, denen der Papst noch Wilfrid Napier, den Erzbischof von Kapstadt, Süd-Afrika, einen Verteidiger der traditionellen Morallehre, zugesellt hat.

Es ist nicht unwichtig festzustellen, daß Tagles Hauptarbeitsgebiet die Kollegialität ist, die auch Thema seiner Doktorarbeit war. Eine Kollegialität, die auf sehr demokratische Weise erweitert wird und die er mit dem pastoralen Lehramt verbindet.
"Er ist vor allem Hirte und theologische Kontroversen interessieren ihn nicht" sagt der Philippinische Jesuit Catalino Arevalo. Sehr umsichtig, nicht das Erscheinungsbild eines Progressiven zu bieten ( "weder progressiv noch konservativ"), er weiß sehr genau, wie er das kirchliche Mauerbauen einsetzen muß. Nichtsdestotrotz ist die Linie klar: Vaticanist Andrea Tornielli hatte ihn 2013 als Kandidaten im Konklave gesehen, weil er "weniger Moralist" ist.

Bei einer Pressekonferenz in der Katholischen Universität Amerikas in Washington am 16. Mai 2014 betonte er, daß die Distanz zwischen der Lehre der Kirche und den Männern und Frauen unserer Zeit nicht eine Sache des Mißverstehens sei, was bedeutet, daß die gläubigen Christen absichtlich und bewußt außerhalb der kirchlichen Morallehre leben. Und daß er bei der Oktobersynode im letzten Jahr auf dem einzigartigen Charakter der Synode bestand und die Einbeziehung einer theologischen Debatte ablehnte, sollte mit den Erwartungen einiger zu den -wie er es nannte- sehr konkreten Aspekten der aktuellen Familiensituation zusammen passen.

Ohne Frage ist Tagle die Person, die Bergoglios Ankündigungen konkretisieren kann. Außer, das "rechts" ebenfalls bereits eine Atmosphäre von Prae-Konklave herrscht. Und auch, daß der Heilige Geist sich über die menschlichen Planungen lustig macht,
Quelle: rorate caeli, Pater Pio Pace


  

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