Freitag, 5. Januar 2018

Sandro Magister läßt Antonio Caragliu zur Theologie Ratzingers zu Wort kommen.

Sandro Magister hat Antonio Caragliu, einem Rechtsanwalt des Foro di Trieste und Mitglied der Italienischen Katholischen Juristen-Union, auf Settimo Cielo Gelegenheit gegeben, die These A. Livis zu kommentieren und überläßt es ihm, Livi zu widerlegen, der mit seinem Buch eine Art Entlastungsangriff für das aktuelle Pontifikat und gegen den Papa emeritus geführt hat.
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"DER THEOLOGE JOSEPH RATZINGER. KEIN MODERNIST SONDERN MODERN."
von Antonio Caragliu

"Antonio Livi hat in seiner Rezension des letzten Bandes von Enrico Maria Radaelli (auf das wir bei Settimo Cielo hingewiesen haben) das Verdienst, ganz klar zu sein und uns einzuladen, einige Probleme von Grund auf zu überdenken, die die immer aktuelle Beziehung zwischen Glaube und Vernunft betreffen.

Er fordert Joseph Ratzinger heraus, "die erkenntnistheoretische Voraussegzeung der Unmöglichkeit der rationalen Erkenntnis Gottes und des Naturrechts" zu übernehmen und damit die klassische  Lehre der "preambula fidei" zu leugnen und zum Komplizen des skeptischen und subjektivistischen Modernismus zu werden.

Die These Livis überzeugt mich nicht. Aber sie bringt uns dazu, uns eine interesante Frage zu stellen: welches der spezifische moderne Charakter der Theologie Joseph Ratzingers ist?

Tatsächlich beanprucht der Papa emeritus ausdrücklick Modernität für seine theologischen Überlegungen: "Ich habe  versucht, die Kirche auf Basis einer modernen Interpretation des Glaubens voran zu bringen," sagt er in "Letzte Gespräche" mit Peter Seewald.

Wie Livi betont, beeinflußt die Modernität von Ratzingers Theologie die Betrachtung der klassischen Lehre der "preambula fidei" oder jener Wahrheit einer rationalen und natürlichen Ordnung, die den Glauben vorbereiten. Aber diese andere Betrachtungsweise widerspricht nicht-wie Livi behauptet- dem Prinzip der rationalen Erkenntnis Gottes, zu der Ratzinger auf anderem Weg gelangt.

Dieser andere Weg macht die Rechnung mit dem metholischen Atheismus besonders der experimentellen Wissenschaften, die- abgesehen vom logischen Aspekt der Frage nach der Existenz Gottes- den Übergang von der klassischen zur modernen Kultur markieren.




Im Umgang mit diesem methodischen Atheismus gehen Livi und Ratzinger zwei getrennte Wege.

Livi nimmt den Weg einer Metaphysik des "gesunden Menschenverstandes" , der von ihm als "organisches Miteinander jener Gewißheiten über die Existenz  der Entität der unmittelbaren Erfahrung, die immer und notwendigerweise die Basis jeder anderen Gewißheit ist, jeder anderen Forderung nach Wahrheiten in den Urteilen zur Existenz und der Zuschreibung." (A.Livi "Philosophie des gesunden Menschenverstandes. Logik der Wissenschaft und des Glaubens", Rom 2010, S.7)
Livis klare Straße der Metaphysik konzentriert uns auf die "primären Erkenntnisse" die im Vergleich gerade zu den von den modernen Wissenschaften durchgeführten Untersuchungen der Realität im Wesentlichen fremd bleiben.

Ratzinger wählt dagegen einen Weg, den ich als "ontologische Vertiefung" der selben epistemischen Voraussetzungen der modernen Wissenschaft nennen würde. Eine ontologische Vertiefung, die den Ursprung der menschlichen Rationalität in einer "schöpferischen Vernunft" des Seins ausschöpft.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, darauf hinzuweisen, dass das Wissen, das in der modernen Wissenschaft entsteht, nicht so sehr eine Beschreibung von Tatsachen und Dingen ist (das ist der Fehler, auf dem Neopositivismus und analytische Philosophie bestehen), sondern die Kenntnis von Gesetzen oder Beziehungen zwischen Dingen und Funktionen.

Ein ähnlicher methodischer Ansatz vernachlässigt die Untersuchung der Ursache der Existenz der Dinge.

Deshalb orientiert sich die ontologische Vertiefung Ratzingers nicht an den Entitäten und am Grund ihrer Existenz- wie es die klassische Metaphysik oder die Livis tun- sondern an jener Gesetzlichkeit und Rationalität, die die unvermeidliche transzendentale Voraussetzung wissenschaftlicher Forschung bildet..

Das ist ein moderner Weg und gleichzeitig außerordentlich dem biblischen Glauben anhängend.

Schreibt Ratzinger in der "Einleitung zur Neuauflage von 2000" seines Klassikers "Einführung in das Christentum", der Gegenstand der Kritik von Radaelli und Livi ist:

"Der Prolog des Johannes präsentiert die Idee des Lógos alls zentral für den christlichen Glauben an Gott. Der Begriff Lógos bedeutet Vernunft aber auch Wort; also in dem Sinn, daß er Wort ist, das Beziehung ist, das schöpferisch ist. Gott, der Lógos ist, sichert dem Menschen die Sinnhaftigkeit der Welt, die Sinnhaftigkeit der Existenz, die Übereinstimmung von Gott mit der Vernunft und die Übereinstimmung der Vernunft mit Gott, obwohl seine Vernunft immer über unsere hinausgeht und und uns manchmal dunkel erscheint.
Die Welt entsteht aus der Vernunft und diese Vernunft ist Person, Liebe: und das ist die Botschaft des biblischen Glaubens an Gott.
Die Vernunft kann von Gott sprechen, muß von Gott sprechen, wenn sie sich nicht selbst amputieren will.  An die Vernunft gebunden ist die Idee der Schöpfung.
Die Welt ist nicht nur Erscheinung, die der Mensch letztlich zurücklassen muß. Die Welt ist nicht auf das unendliche Rad des Leidens beschränkt, dem der Mensch sich zu entziehen versuchen muß.
Die Welt ist positiv." ("Einführung ins Christentum" Brescia, 2005, S. 21)

Zwischen der ontologischen Wahrheit der schöpferischen Vernunft und den transzendenten Voraussetzungen der Wissenschaft besteht keine logisch notwendige Beziehung.
Wie oben gesagt: die wissenschafltichen Gesetze gehen von der Frage nach der Existenz Gottes und dem Ursprung der Wirklichkeit aus. Aus diesem logischen Grund behauptet Ratzinger, daß das, was von Gott bleibt "die beste Hapothese sei, obwohl es eine Hpothese ist."(J.Ratzinger "Das Europa Benedikts in der Krise der Kulturen" , Siena 2005, S.123)

Und in der Überlegung dieser logischen Vernunft liegt meiner Meinung nach der moderne Charakter der Theologie Joseph Ratzingers.

Und in der Erwägung dieses logischen Grundes liegt meiner Meinung nach der Charakter

Eine moderne Theologie, aber nicht diese skeptische, subjektivistische und modernistische."

Quelle: S. Magister, Settimo Cielo, A. Caragliu

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