Freitag, 16. März 2018

R. Cascioli kommentiert die erstaunliche "kriminelle Energie" des Präfekten für Kommunikation

Auch Riccardo Cascioli kommentiert  bei La Nuova Bussola Quotidiana den seltsamen Versuch des vaticanischen Kommunikationssekretariates den Antwortbrief des Papa Emeritus an Msgr. Viganò, der seinen Hoffnungen nicht entsprach, so zu manipulieren, daß er als Lob für den amtierenden Pontifex erscheinen mußte. Wie Marco Tosatti hat auch Cascioli einen Brief von Sandro Magister bekommen, der bei der ominösen Präsentation anwesend war und dem die Diskrepanz zwischen dem vom vaticanischen Pressebüro verteilten Foto und dem von Viganò vorgelesenen Brief aufgefallen war. Hier geht´s zum Original:  klicken


        "BENEDIKT XVI, FRANZISKUS UND DER KRIMI DES BRIEFES" 

"Der Brief des Papa emeritus zur Unterstützung von Franziskus hat sich in Wirklichkeit als Medienoperation - gemanaged vom Präfekten des  Sekretariates für die Kommunikation, Mesg. Viganò ( mit der Komplizenschaft der Kaste der Vaticanisten) - und sofort aufgedeckt .

Wenn das der "Herr" der Vaticanischen Kommunikation ist, dann ist es gut, daß Papst Franziskus anfängt, sich ernsthafte Sorgen zu machen. Wir sprechen offensichtlich  von Msgr. Dario Edoardo Viganò, dem mächtigen Präfekten des Sekretariates für die Kommunikation, er, der alle Medien des Hl. Stuhls zur Verfügung hat, um sie zu einer effizienten Kriegsmaschine mit mehr Feuerkraft zu machen, die sich auf das selbe Ziel konzentriert.

Also hatte Msgr. Viganò für den fünften Jahrestag des Pontifikates von Franziskus einen großen Knalleffekt vorbereitet: einen Brief von Benedikt XVI, der die tiefgründige Theologie von Franziskus preist und die Kontinuität mit seinem Pontifikat unterstreicht.
Tatsächlich war der Coup gelungen: gestern haben alle Zeitungen der Nachricht, daß Benedikt XVI die Kritiker von Papst Bergoglio ohrfeigte. Der Brief wurde von Vatican News (dem neuen, von Msgr. Viganò geschaffenen neuen Portal) wie ein Beitrag präsentiert, den Benedikt XVI "machen wollte, um die innere spirituelle Einheit der beiden Pontifkate zu bezeugen".

Es handelt sich um einen Brief - sagt Vatican News - den Msgr. Viganò anläßlich der Präsentation der Reihe in 11 Bänden "Die Theologie von Papst Franziskus", die von der LEV herausgegeben wird, in der verschiedene Theologen aus allen Teilen der Welt die theologischen Linien dieses Pontifikates interpretieren.

Im Verlauf der Pressekonferenz hat Viganò die zentralen Passagen dieses Briefes vorgelesen, die zweifellos berührt haben: "Ich applaudiere dieser Initiative" schreibt Benedikt XVI, "die auf das dumme Vorurteil reagieren und ihm widersprechen will,  nach dem Papst Franziskus nur ein Mann der Praxis sei - ohne jede theologische oder philosophische Bildung, während  ich nur ein Theoretiker der Theologie gewesen sei, der wenig vom konkreten Leben eines heutigen Christen vestanden hat."
Und dann : "Die kleinen Bände zeigen zu Recht, daß Papst Franziskus ein Mann mit profunder philosophischer und theologischer Bildung ist und helfen so, die innere Kontinuität zwischen den beiden Pontifikaten zu sehen - trotz aller Unterschiede in Stil und Temperament."

Das genügte, um den Enthusiassmus der Laienpresse und der üblichen "Revolutionswächter" zu entfesseln,  mit Einsprengseln von Triumphalismus - wie in den Tweets von Pater Antonio Spadaro, Direktor von Civiltà Cattolica, der offensichtlich nicht die Gelegenheit verpassen wollte, noch einmal die Kardinäle der Dubia zu verspotten.





In der Tat haben viele die Einzigartigkeit der Botschaft sowohl wegen des Stils - der so anders ist als bei den anderen Äußerungen des emeritierten Papstes - als auch wegen des Inhalts bemerkt, auch wenn die Reichweite viel weniger beunruhigend ist, als man glauben machen will.

Aber hier hat gestern das blog von Sandro Magister den vollständigen Brief von Benedikt XVI  (der nie in Vatican News erschienen ist) veröffentlicht  und man versteht, daß Msgr. Viganò zwei wichtige Besonderheiten verborgen hatte, derart, daß er die Bedeutung der Briefes auf den Kopf stellte:  die erste betrifft die Umstände der Botschaft: der Brief ist am 7. Februar datiert (vor mehr als einem Monat) und Papst Benedikt antwortet damit Msgr. Viganò , der ihn am vergangenen 12. Januar die 11 kleinen Bände geschickt und ihn um einen theologischen Beitrag gebeten hatte. Es handelt sich also um einen Höflichkeitsbrief, der nichts mit dem Willen zu tun hat, Franziskus zum fünften Jahrestag seines Pontifikates seine Unterstützung zuzusagen.

Die zweite Besonderheit ist noch verblüffender: Viganò hat zwei Abschnitte des Briefes zitiert und den dritten weggelassen, der unmittelbar folgt und sich genau auf die 11 erhaltenen Bände bezieht und folgendes besagt:
"Deshalb fühle ich mich nicht in der Lage über sie eine kurze, dichte theologische Seite zu schreiben, weil während meines ganzen Lebens klar war, daß ich nur über Bücher schreibe und mich auslasse die ich auch wirklich gelesen habe. Leider bin ich auch aus physischen Gründen nicht in der Lage  die 11 kleinen Bände in naher Zukunft zu lesen, umso mehr als mich andere Verpflichtungen erwarten, denen ich bereits zugestimmt habe."

Zusammenfassung: Viganò schreibt an Benedikt XVI um ihm eine "dichte theologische Seite" zu entlocken, die er als Trophäe bei der Präsentation der Reihe anfügen wollte. Und der Papa emeritus -mit seinem demütigen, leicht ironischen Stil, antwortet ihm "Nein Danke. Sehr nett, aber ich habe wichtigere Dinge zu tun, als diese Beiträge zu lesen (die schon  nach ihrem Inhaltsverzeichnis nicht besonders attraktiv zu sein scheinen) und meinerseits einen Beitrag zu schreiben."
Eine verschlossene Tür also, die Viganò für sein ursprüngliches Ziel hatte nutzen wollen.

Tatsächlich geben die von ihm zitierten Sätze bei der Pressekonferenz den Eindruck einer starken Unterstützung für das Pontifikat von Franziskus seitens Ratzingers, aber fast sicher, wenn man den Brief lesen könnte, den Viganò an Beneditk am 12. Januar geschickt hat, um den Sinn besser zu verstehen. In diesen Fällen ist es durchaus üblich, daß der Angesprochene höflich antwortet und Sätze und Konzepte seines Gesprächspartners übernimmt.

Auf jeden Fall - was auch immer die offiziellen Erklärungen sein mögen, daß die Diskontinuität des Franziskus-Pontifikates hinsichtlich dem seines Vorgängers über Stil und Temperament hinausgeht, kann nur ein Blinder nicht bemerken, wie der beweinte Kardinal Carlo Caffarra so gern sagte. Aber hier ist nicht der Ort um dieses Urteil weiter zu entwickeln.

Was man hier dagegen feststellen kann sind die Ungeschicklichkeit und Idiotie bestimmter medialer Operationen: sicher würden die großen Medien sich nicht korrigieren und bei ihren Lesern und Zuhörern das Gefühl aufrechterhalten, daß Papst Benedikt Zeugnis für Papst Franziskus ablegt.
Das ist ihnen heute recht. Aber es bleibt die Tatsache, daß die Journalisten, die sich mit der Kirche befassen, wissen, daß sie sich mit einem Kommunikationsmanager des Vaticans befassen müssen, der nicht zögert, die Informationen zu manipulieren, um den gewünschten Medieneffekt zu erzielen.
Und das kann dem Papst und der Kirche viele Peinlichkeiten bereiten.

P.S::
Lieber Cascioli,
Ich teile Dir eine weitere Einzelheit vom Geschehen um den Brief von Beneditkt XVI  mit.
Ich war bei der Präsentation der Bücher über die Theologie von Papst Franziskus. Und außer mir
waren da noch um die zwanzig andere Vaticanisti.
Also, Viganò hat den gesamten Brief vorgelesen, während gleichzeitig das Kommunikationsbüro das gedruckte Comuniqué verteilte, das nur die zwei in Anführungszeichen gesetzten Abschnitte enthielt, was das Resultat, das wir kennen, hervorbrachte.
Am Tag danach habe ich versucht herauszufinden, ob irgendwo der Gesamtext des Briefes veröffentlicht wurde. Vergebens. Und dann habe ich zu mir gesagt; Basta!
Habe die Videoaufzeichnung vom Auftritt Viganòs hervorgeholt und davon- habe ich den kompletten Text transskribiert.

Obwohl mindestens 20 Kollegen mit ihren Ohren alles das gehört haben, was im Brief Benedikts XVI geschrieben stand, war die Wirkung die, die wir kennen. Das war keine Glanzleistung des Berufs. Und das war nicht nur die Schuld Viganòs.

Ciao!"
Sandro Magister

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