Donnerstag, 27. August 2020

G. Weigel erklärt, warum die Lage in den USA ist wie sie ist,

Wie als Ergänzung zur Unwin-Studie beschreibt und erklärt George Weigel in einem Artikel bei firstthings die Gründe für die aktuelle Lage in den USA. Der Großteil seiner Diagnose kann auch für unsere Situation gestellt werden,
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           "WARUM WIR SIND, WO WIR SIND" 
Zu Beginn des Monats März 1865 hatten mehr als eine Million Amerikaner sich im Bürgerkrieg gegenseitig verwundet oder getötet; das Töten, Verwunden und Verstümmeln ging noch rund einen Monat lang weiter. Dennoch rief Abraham Lincoln während dieses präzedenzlosen Gemetzels bei seiner zweiten Amtseinführung ins Präsidentenamt die Amerikanische Republik dazu auf, sich im Namen der Großmut neu zusammen zu fügen; "Mit Bosheit gegen niemanden, mit Nächstenliebe für alle, fesr im Recht, weil Gott uns die Fähigkeit gibt, das Richtige zu erkennen, laßt uns danach streben...die Wunden der Nation zu verbinden; für den zu sorgen, der die Schlacht geschlagen hat, für seine Witwe und seine Waise- alles zu tun. was einen gerechten und andauernden Frieden unter uns herbeiführen und bewahren kann."

Diese wunderbaren Worte, jetzt in sein Denkmal in Washington eingraviert, konfrontieren die Amerikaner mit einer harten Wahrheit: Es ist sehr schwer, wenn nicht unmöglich, sich jeden der beiden Präsidentschaftskandidaten vorzustellen, wie sie den Gefühlen in Lincolns zweiter Amtseinführungsrede ein Echo geben. Der eine Kandidat könnte das nicht glaubwürdig tun, weil- wie auch immer seine persönliche Liebenswürdigkeit oder sein Aufruf zur Mäßigung sein mögen- seine Partei sich zur inhärenten Spaltung einer "woken" Identitätspolitik bekennt und einige ihrer prominentesten Mitglieder den Gedanken verabscheuen, daß das amerikanische demokratische Experiment ein würdiges ist. Der andere würde das mit ziemlicher Sicherheit nicht tun, da Großmut seinem Charakter fremd zu sein scheint und das Verschärfen der Spaltung zu seiner gewohnte Art zu regieren geworden ist.

Lincolns Fähigkeit die majestätischen Rhythmen der englischen Sprache zu beherrschen, ist nicht leicht zu wiederholen, Aber das ist nicht das Thema, oder? Es ist schwer - wenn nicht unmöglich, sich den Präsidenten bei seiner Amtseinführung im kommenden Januar vorzustellen, der das Land dazu aufruft, sich in Großmut zu einigen, weil unsere politische Kultur so rau geworden ist, daß es keinen Präsidentschaftskandidaten aufbieten kann, der glaubwürdig einen solchen Appell ausrichten könnte. Und ein Grund, warum es das nicht kann, ist daß zu viele Amerikaner sich nicht für solche Aufrufe interessieren oder den Sinn solcher Aufrufe nicht verstehen können.





Wie sind wir so weit gekommen?

Wir sind zum Teil dahin gekommen, weil die Amerikaner Ernst Wolfgang Böckenförde zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet haben. Der Name ist nicht besonders bekannt. Aber das definiert das Problem. Weil Ernst-Wolfgang Böckenförde den Hauptgrund für unseren aktuellen Distress vor über einem halben Jahrhundert diagnostiziert hat,

Böckenförde war ein deutscher Verfassungsrechtler, dessen  "Dictum" Politwissenschaftlern bekannt ist, aber von ihnen oft ignoriert wird: "Der freiheitliche,säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“.
Anders gesagt- die liberalen Institutionen einer modernen Demokratie- freie Rede, freie Presse, Versammlungsfreiheit, allgemeines Erwachsenenwahlrecht, Mehrheitsherrschaft und Schutz von Minderheitsrecchten, Religionsfreiheit etc. beruhen auf ihrer Glaubwürdigkeit und ihrer Widerstandskraft unter Druck. Auf der kulturellen Grundlage können diese liberalen Institutionen sich nicht selbst schaffen oder verteidigen. Deshalb kann die amerikanische Demokratie keine Maschine sein und kann es nie werden, die von alleine läuft. Das kulturelle und moralische Schmieröl dieser Maschinerie- tatsächlich die wahre Rationale dieser Art von Maschinerie-muß eher als bei anderen Arten von woanders her kommen.

Vor über 200 Jahren war dieses "woanders" in den Vereinigten Staaten eine öffentliche moralische Kultur, die von der biblischen Religion und der Philosophie des Naturrechts geprägt war. Die biblische Religion lehrte die Amerikaner, die eingeborene Würde und den Wert jedesr menschlichen Person als Person- unabhängig von den Bedingungne, Die Philosophie des Natturrechts lehrte die Amerikaner, daß es moralische Wahrheiten gibt, die der Welt und uns eingeschrieben sind und daß wir diese Wahrheiten durch die Vernunft erkennen können und daß ihre Kenntnis uns unsere Pflichten lehrt. Diese kulturellen Normen, die der amerikanischen Demokratie zugrunde liegen, werden manchmal vergessen oder ignoriert.
Aber sie waren da und die Menschen mit Charakter konnten sich auf sie berufen, um die Republik zu refornieren und ihr zu helfen, ihr Versprechen von Freiheit in Solidarität für alle Amerikaner zu verwirklichen.

Der beschleunigte Prozess des politischen Zerfalls, dessen Zeugen wir in den letzten 6 Monaten geworden sind, ist nicht einfach so passiert, Amerikas einst noblen liberalen politischen Institutionen zerbröckeln, weil während der vergangenen sechseinhalb Dekaden die kulturellen Fundamente, auf die sich diese Institutionen lange verlassen konnten, durch eine seelenzerstörende Säkularisierung (die sogar die religiös Gläubigen betrifft) und eine öffentliche Ethik des "I did it my way" erodierte.

Das annus horribilis, in dem wir leben, sagt uns, daß Amerika an einem Wendepunkt steht. Wenn dieser Wendepunkt zu einer nationalen Erneuerung führt, müssen die Katholiken in den Vereinigten Staaten den öffentlichen Raum wieder mit den Wahrheiten über die menschliche Person, das moralische Leben und das Allgemeinwohl ausfüllen, die eine demokratische Selbstverwaltung ermöglichen. Fehlen diese Wahrheiten, kann es keine Aufrufe zur Einheit durch Großmut geben.Weil,
wenn diese Wahrheiten fehlen, diese Worte nur leere Hüllen sind."

Quelle: G. Weigel, firsthings 

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