George Weigel kommentiert bei firstthings politische Entscheidungen, die zu unvorhergesehenen Folgen führten und warnt davor, diese Fehler im russischen Krieg gegen die Ukraine zu wiederholen. Hier geht´s zum Original: klicken
"TRIGGER WARNUNG: DIE NÄCHSTEN SÄTZE WERDEN EINIGE VON IHNEN BEUNRUHIGEN"
Man kann behaupten, daß die USA den Vietnam-Krieg verloren haben, oder mindestens, daß das militärische Endspiel des Krieges und seine Nachwirkungen waren schrecklicher als sie hätten sein müssen, weil die Demokraten im Kongress sich weigerten, die Süd-Vietnamesische Armee weiterhin mit Waffen zu versorgen, um das Pariser Friedensabkommen von 1973 zu verteidigen, das die Nord-Vietnamesen systematisch in ihrer blutige Entschlossenheit, Vietnam unter kommunistischer Führung zu vereinen.Aber verlieren wir uns nicht in dieser Diskussion. Nehmen wir an, daß die konventionelle Weisheit Recht hat: der Vietnam-Krieg war ein Fehler schlechter Außenpolitik, wie auch der Afghanistan- und der Irak-Krieg, der 2003 begann. Warum folgt daraus notwendig, daß es ein weiterer schwerer Fehler der Außenpolitik der USA war, der Ukraine weiterhin substantielle humanitäre und militärische Hilfe zu gewähren, während das Land seine nationale Existenz gegen ein brutales- tatsächlich- genozidalen russischen Angriff führt?
Um den Langzeit-Sportreporter der Washingtoner Gegend zu zitieren "Fangen wir an Videoaufnahmen zu machen."
In " The Road Less Traveled: The Secret Battle to End the Great War, 1916–1917," plädiert Philip Zelikow in jenen Jahren eindrucksvoll , daß die militärischen, ökonomischen uns diplomatischen Realtitäten beiseite gelassen wurden, daß die militärischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Realitäten in jenen Jahren so aufeinander abgestimmt waren, daß ein diplomatisches Ende des Ersten Weltkriegs möglich war. Aber Präsident Woodrow Wilson, der einzig mögliche Vermittler eines ausgehandelten Friedens, verpasste die Gelegenheit aufgrund seiner angeborenen Unentschlossenheit und seiner Besorgnis über die bevorstehenden Wahlen im November 1916.
In "Peacemakers: The Paris Peace Conference of 1919 and Its Attempt to End War“ argumentiert Margaret MacMillan überzeugend, daß Wilson (und der Brite David Lloyd George, der Franzose Georges Clemenceau und der Italiener Vittorio Orlando) die Nachkriegsregelung durch die Ausarbeitung des Versailler Vertrags gründlich vermasselt haben (die Winston Churchill in The Gathering Storm als "eine traurige Geschichte komplizierter Idiotie“ beschrieb). Danach fuhr Churchill fort: "Mächtige Kräfte trieben umher, die Leere war offen, und in diese Leere schritt nach einer Pause ein Wahnsinniger von wildem Genie, der Träger und Ausdruck des bösartigsten Hasses, der jemals die menschliche Brust zerfressen hat – der Gefreite Hitler."
Also: Hatten die Isolationisten der 1930er Jahre recht, als sie behaupteten, daß die amerikanische Intervention im Ersten Weltkrieg ein schrecklicher Fehler gewesen sei, daß "Händler des Todes“ den Ersten Weltkrieg verursacht hätten, daß es Nazi-Deutschlands Territorialpolitik gab, weil Präsident Wilson so viel Chaos angerichtet hatte? Ambitionen in Europa uns nichts angingen – und daß die Vereinigten Staaten sich weigern sollten, Großbritannien zu bewaffnen, als dieses Land allein dastand, nachdem Frankreich 1940 dem Blitzkrieg des Dritten Reiches zum Opfer gefallen war?
Dean Acheson wird von seriösen Historikern als der größte Außenminister in der amerikanischen Geschichte angesehen. (Er schrieb zweifellos die großartigsten Memoiren Washingtons, als er "Present at the Creation: My Years in the State Department“ verfasste.) In einer Rede im Januar 1950 entließ Außenminister Acheson Südkorea aus dem, was er den amerikanischen "Verteidigungsbereich“ im Pazifik nannte, aus. Eine Unterlassung, die möglicherweise die Entscheidung des nordkoreanischen Machthabers Kim Il Sung beeinflusst hat, am 25. Juni 1950 in Südkorea einzumarschieren. Hätten die Vereinigten Staaten angesichts dieses Fehlers die Verteidigung Südkoreas ablehnen sollen?
Da Präsident Biden in einem noch ungeheuerlicheren verbalen Fauxpas anzudeuten schien, dass ein "geringfügiger Einmarsch“ Russlands in die Ukraine keine große Sache wäre, wird die Politik der Biden-Regierung seit der massiven Invasion Russlands im Februar 2022 dadurch entkräftet?
Die Frage der amerikanischen Hilfe für die Ukraine sollte nach eigenem Ermessen und mit einem klaren strategischen und moralischen Verständnis der aktuellen Situation entschieden werden. Wenn Russlands Wladimir Putin irgendeinen Sieg in der Ukraine erringen kann, wird das Putin-Projekt, das Urteil der Geschichte im Kalten Krieg umzukehren, bestätigt, und dieses Projekt wird fortgesetzt. Wenn die Invasion eines nicht bedrohlichen Nachbarn durch einen Aggressor, der wirtschaftliche und soziale Infrastruktur im Wert von einer Billion Dollar zerstört, absichtlich auf Häuser und Krankenhäuser von Zivilisten abzielt, ungestraft Vergewaltigungen und Morde durchführt und über 19.000 Kinder entführt, Erfolg haben darf, was soll das schon? den übrigen Verbrecherregimen der Welt nicht zulässig erscheinen? Was würde das für die Sicherheit der Vereinigten Staaten bedeuten – und für das Schicksal des Anstands in der Weltpolitik des 21. Jahrhunderts?
Das sind die Themen. Nicht Vietnam. Nicht Afghanistan. Und nicht Irak."
Quelle: G. Weigel, firstthings
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