In seiner heutigen Kolumne für Monday at the Vatican kommentiert und analysiert A. Gagliarducci Absicht und Umgang des Papstes mit der "Neuen Synode" und den Vorschlägen aus der Peripherie und ihren möglichen Folgen.
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"PAPST FRANZISKUS, IST DIE NEUE SYNODE EINE REVOLUTION?
Die Nachricht, daß die Synode nicht länger "Auditoren" haben wird, sondern Mitglieder- seien es Bischöfe, Priester, Ordensleute oder Laien- war nicht unerwartet. Bereits in Praedicate Evangelium, der Apostolischen Konstitution, die das Wirken der Kurie reguliert, wird sie nicht länger Bischofs-Synode genannt. Und deshalb ist es logisch, daß das Abstimmen auf alle ausgedehnt wird. Und dennoch muß diese Neuigkeit von jeder Heuchelei befreit werden. Die Synode der Bischöfe, wie Paul VI sie sich vorgestellt hatte, hört auf zu existieren. Nicht weil es bei den kontinentalen Erfahrungen immer schon Laien unter den Teilnehmern gegeben hat- genau so wie bei den örtlichen Stufen. Im Gegenteil es hat z.B. neun Europäische Symposien gegeben und zu jeder gehörte eine regionale Diskussionsebene, die in einer weiteren Versammlung und mit allgemeineren Schlußfolgerungen endete.
Nicht weil die Synode kein Parlament ist. Papst Franziskus hat das mehrmals gesagt. Dennoch ist es paradox, obwohl die Synode kein Parlament ist, scheinen die Entscheidungen, die bzgl. der Synode getroffen werden, die eines Parlaments zu spiegeln.
Tatsächlich hat Papst Franziskus seit Beginn seines Pontifikates dem synodalen Prozess absolute Priorität gegeben. Schon bei seinem ersten Konsistorium stellte er Kardinal Lorenso Baldisseri, der Generalsekretär der Synode geworden war, an die zweite Stelle der neuen Kardinäle hinter Staatssekretär Pietro Parolim, aber vor Kardinal Gerhard Müller, den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation.
Papst Franziskus hat während seines Pontifikates zwei außerordentliche Synoden und zwei ordentliche Synoden gefeiert. Jetzt feiert er die dritte außerordentliche Synode, die sich über einen Zeitraum von drei Jahren erstreckt und zwei Vollversammlungen sehen wird.
Die Entscheidungen, die der Papst trifft, betreffen besonders die Philosophie der Synode selbst. Zuvor wurden die Paragraphen des Schlußdokumentes, die nicht die synodale Zustimmung erreichten, d.h.2/3 der Stimmen nicht veröffentlicht. Der Grund war, daß Übereinstimmung mit der Synode angestrebt wurde, nicht eine Mehrheit oder eine Opposition. Papst Franziskus ordnete an, daß alle Modi (d.h. Paragraphen) veröffentlicht werden, sogar jene, die nicht die Zustimmung der Synode erreicht hatten. Außerdem wollte er, daß die Abstimmungsergebnisse für jeden Paragraphen bekannt gegeben wird.
Schon diese Entscheidung schien die Synode zu parlamentarisieren. An diesem Punkt wurde das zueinem Standartschritt in Richtung einer größeren Inklusivität, um aus ihr eine Versammlung zu machen, in der nicht nur die Bischöfe abstimmten.
Aber es lohnt sich, das Gebiet von jeder Heuchelei u reinigen: es wäre nur dann eine richtige Demokratisierung der Kirche, wenn die Synode zu bindenden Entscheidungen führte, wenn sie eine beratende und nicht nur eine Körperschaft wäre und wenn der Papst die Entscheidungen der Synode akzeptieren würde. Aber das ist nicht der Fall noch war es das jemals.
Alle Synoden enden mit einer postsynodalen apostolischen Exhortation, die dem Papst zusteht und nur dem Papst. Obwohl der Papst entscheiden kann den Regeln zu folgen, kann er dann eine Entscheidung treffen, die nicht mit dem übereinstimmt, was während der Diskussion gehört wurde. Nicht nur. Die postsynodale apotolosche Exhortation ist kein lehramtliches Dokument. Sie betrifft keine doktrinalen Entscheidungen. Es gint Hinweise, die manchmal ein großes Lehramtliches Gewicht haben, aber sie gehröt nicht zu den wichtigsten Dokumenten, die ein Papst produzieren kann.
Das bedeutet, die Synode als einen Platz zu betrachten, an dem endgültige Entscheidungen getroffen werden, wäre irreführend. Stattdessen ist die Synode ein Ort für Diskussionen, ein Ort an dem Standpunkte aufeinander treffen.
Paul VI wellte eine Bischofs-Synode, weil er- auf gewisse Weise die außerordentliche Erfahrung des II. Vaticanischen Konzils wiederholen wollte. Aber wes gab noch einen anderen Grund. Paul VI wollte, daß die Bischöfe die ersten Evangelisierer ihrer Diözese sein sollten, die Diskussionen aufnehmen und seine Vision der Universalen Kirche in ihre Diözesen bringen.
Sie wurde Bischofssynode genannt, weil große kontinentale und regionale Erfahrungen bereits durch die Konzilsdokumente ermutig worden waren. Diese kontinentalen Erfahrungen waren dann die Basis für die Diskussionen der Bischöfe bei den Synoden, aus denen sie Stärkuzng bezogen. D.h. von den Menschen zu den Bischöfen, von den Bischöfen zum Papstund vom papst zurückzur Universalen Kirche.
Vor den Synoden gab es also eine Serie dazwischenliegender Erfahrungen mit präziser Bedeutung. Alle diese Erfahrungen scheinen mit einem Federstrich weggewischt worden zu sein. Welchen Wert soll eine kirchliche Versammlung haben, wenn es eine Synode mit der selben Zusammensetzung gibt? Welchen Wert wird ein kontinentales Symposium haben, wenn die kontinentalen Treffen der Synode dann den Platz der Kontinental-Versammlungen einnehmen?
Mit dieser Entscheidung hört die von Paul VI gewollte Synode auf zu existieren und alles ist auf gewisse Weise noch weiter zentralisiert worden. Besonders seit die Mitglieder der Synode - sogar die Laien- dem Papst vorgeschlagen, nicht gewählt werden und der Papst sucht sie persönlich aus. Auch das schafft eine andere Situation: Katholische Vereinigungen werden versuchen, sich als eine Lobby zu organisieren und an der Synode teilzunehmen. Sie werden ihre Bischöfe und das Generalsekretariat der Synode darum bitten. eines ihrer Mitglieder zuzulassen, aus Angst abgeschnitten hzu werden und nicht Teil der Diskussion.
Das konkrete Ergebnis ist, daß die Synode zu einem "kleinen Parlament" gemacht wird, das Gegenteil des Ideals von Papst Franziskus. Kardinal Mario Grech, Generalsekretär der Synode, hat diesen synodalen Weg eröffnet und auch betonte, daß wir anfangen müssten, über eine andere Arbeitsweise in der Synode nachzudenken, beginnend mit dem Abstimmungsprozess der Paragraphen im Abschlussdokument, weil sie bei zu vielen zu der Idee eines demokrartischen und parlamentarischen Prozesses führte.
Wahr. Aber wenn es keine Abstimmung gibt, wenn der Diskussionsprozess ein anderer ist, wird auch die Idee, Frauen das Stimmrecht zu geben, der heute so reviólutionär erscheint, verloren gehen.
Vielleicht sollten wir bei diesem synodalen Prozess die Beteiligung des gesamten Gottesvolkes würdigen. Aber vielleicht sollten wir uns auch erinnern, daß es diese Beteiligung schon gab, wenngleich das nicht betont wurde, obwohl sie manchmal besonders massiv erlebt wurde. Deshalb gab es wirklich die Notwendigkeit die Herzen zu bekehren und den Prozess wiederzubeleben.
Dieser Schritt riskiert eher eine weitere Bürokratisierung und Zentralisierung als einen natürlichen Schritt vorwärts. Die Kardinäle Grech und Hollerich mußten Briefe schicken, um zu erklären, daß die Rolle keineswegs erschöpft war. Dennoch gibt es eine große weltweite Diskussion, wo das Zuhören um jeden Preis eingefordert wird, riskieren die Bischöfe Einfluss und Bewußtsein für ihre funktionale Identität zuu verlieren. Das Risiko besteht, daß ihr munus docendi, ihr Auftrag zulehren, unterschätzt wird.
Vielleicht ist diese Lesart zu negativ und wahrscheinlich gibt es bei alle dem Nutzen. Was jedoch verblüfft, ist daß Papst Franziskus mehr exklusiv als inklusiv zu werden scheint, zentralisierender als susbsidiär und zu versuchen, das Feld zu vergrößern. Weil -nach allem- der Synodale Prozess fest in der Hand Roms bleibt. Nicht, daß das eine schlechte Sache wäre, weil die Institution essentiell und fundamental und das Papsttum vor allem eine Garantie für die Einheit der Kirche ist. . Es ist jedoch zu bemerken, daß diese Zentralisierung das Gegenteil von dem ist, was man über das jetzige Tun des Papstes sagt."
Quelle: A. Gagliarducci, Monday at the Vatican
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