Fr. Raymond de Souza kommentiert im New Catholic Register die Krönungszeremonie in Westminster Abbey - und legt ihre katholischen Ursprünge und die Ähnlichkeit mit einer Bischofsweihe dar. Hier geht´s zum Original: klicken
"KÖNIG CHARLES´ KÖNIGLICHES PRIESTERTUM"
KOMENTAR: Die Krönung von König Charles hat ihn symbolisch als einen Priesterkönig wie Salomon geweiht.
GOTT SCHÜTZE DEN KÖNIG! LANG LEBE DER KÖNIG!
So stiegen die Rufe in Westminster Abbey bei der Krönung von König Charles III auf. Katholische Zuschauer wurden vielleicht an eine häufige Akklamation in Anwesenheit des Hl. Vaters erinnert: Viva il Papa! Land lebe der Papst!
Es gab eine Zeit, als der Papst als zeitlicher Souverän über die päpstlichen Staaten herrschte, in der die Rufe manchmal anders lauteten: Viva il Papa Re! Lang lebe der Papst König!
Und bei der Krönung wäre es passend gewesen zu rufen, Gott schütze den König Bischof! Lang lebe der Bischof König!
Am Samstag - nachdem Monate über die Krönung geredet wurde, hat endlich die Krönung gesprochen. Sie hat gesprochen- wie alle guten Liturgien sprechen. Der verstorbene Rabbi Abraham Joshua Herschel hat uns daran erinnert, daß der Hauptpunkt des liturgischen Gottesdienstes nicht ist, daß sie aussagt, was wir meinen, sondern daß wir meinen, was sie sagt.
Die Krönung hat poetisch und machtvoll gesprochen. Sie glorreich gesungen, in Geist eingetaucht, Gott Fürbitten für den König vorgetragen- und, könnte man sagen, symbolisch für einen Bischof.
Der Krönungs-Ritus ist rein anglikanisch -aber mit tiefen Katholischen Wurzeln und erinnert sogar noch heute an nichts mehr als an die Weihe eines Bischofs. Wenige Katholiken mögen an der Weihe (Krönung) eines Bischofs teilgenommen haben, aber die das haben, hätten in Westminster Abbey die Schlüsselelemente wiedererkannt.
Tatsächlich ist die Salbung und Krönung eines Königs im "königlichen Priestertum" verwurzelt- mit dem biblischen Beispiel der Salbung König Salomos, der sowohl regiert als auch priesterlich anbetete.
Das Ritual ist ein priesterliches. Die Lesung des Evangeliums ist Lukas 4 -"Der Geist des Herrn ruht auf mir"- das auch bei der Chrisam-Messe in der Karwoche gelesen wird, der Messe, bei der Katholische Priester ihr Weihe-Gelübde erneuern.
Vor der Salbung des Königs wird das Veni Creator Spiritus gesungen, wie häufig bei Weihen.
Der König kniete- analog der Prostratio der Männer, bevor sie zu Diakonen, Priestern, Bischöfen geweiht werden.
Im Zentrum der Krönungs-Zeremonie steht die Salbung des Königs- seiner Hände, Brust und seines Hauptes. Katholiken werden mit Heiligem Öl bei der Taufe auf der Brust gesalbt; die Hände eines Priesters bei der Weihe; und das Haupt eines Bischofs, wenn er geweiht wird.
Vor der Salbung wurden König Charles seine "Staatsroben" abgenommen- die Gewänder seiner weltlichen Autorität. Nach der Salbung wurde er nicht in die Staatsgewänder sondern als Priester gekleidet- genauer gewandet.
Die Gewänder wurden als das colobium sindonis supertunica und girdle beschrieben. Wir kennen sie als Albe, Dalmatic oder Tunika, die von Diakonen und Unter-Diakonen getragen wird und als cingulum.
Der König legte die "Königliche Stola" und das "Königliche Gewand" an - das wirklich ein Mantel ist-das gleiche Gewand, das der Erzbischof von Canterbury trug. So als Priester gekleidet wurden ihm die "Regalia" Sporen, Schwerter, Armbänder, Ring, Zepter, Stab, Reichsapfel gereicht- genau wie einem neu geweihten Bischof Ring und Hirtenstab.
Schließlich empfing Charles seine Krone, genau wie ein Bischof seine Mitra empfängt. Das tat er nicht in militärischer oder königlicher Kleidung sondern in den Gewändern eines Hohenpriesters.
Während der Salbung des Königs wird Händels Hymne "Zadok the Priest and Nathan the prophet anointed Solomon king" gesungen. Salomon als König, der den Tempel weihte und dort das Opfer leitete- einen großer priesterlicher Akt. Die Krönung hat König Charles symbolisch zum Priesterkönig - wie Salomo- geweiht.
Die Könige David und Salomo sind ein Widerhall des Priesterkönigs, der in der Genesis erscheint, Melchizedek. Es ist üblich, daß bei Priester-Weihen ein Ausschnitt aus Psalm 110 gesungen wird. "Tu es sacerdos in aeternum secundum ordinem Melchisedech". Du bist Priester auf ewig- nach der Ordnung des Melchisedek".
Warum das Beharren darauf, daß christliches Königtum auch eine priesterliche Dimension hat? Die Mission des Königs ist, dem Wohl seines Volkes zu dienen und ihr höchstes Gut ist, Gott und sein Wort zu kennen, ihm im Gebet zu begegnen und ihn richtig zu verehren. Dafür sollte ein König sorgen.
Die Krönungs-Rituale sind einmalig. König Charles wir nie wieder die St. Edwards-Krone tragen, mit der er gekrönt wurde. Er wird nie wieder auf seiner "cathedra", dem Krönungsstuhl sitzen. Er wird nie wieder die Albe, Stola und den Mantel für den Dienst am Altar tragen. Dennoch, daß er das alles im feierlichsten Moment tut, ist zutiefst lehrreich. Ein guter König kann sich nicht nur um weltliche Dinge kümmern. Ein christlicher König soll nach Christus dem König gestaltet sein, der auch der Hohe Priester war.
Viva il Papa Re! war so etwas wie eine zeitliche Zustimmung zum Dienst Petri, aber dafür nicht notwendig. Die priesterliche Rolle des Königs ist für das Selbstverständnis der Britischen Krone essentiell, eine Mission die das rein Zeitliche überschreitet. God save the King!"
Quelle: Fr. R. de Souza, NCR
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