Rorate Caeli veröffentlicht einen Beitrag von Weihbischof Rob Mutsaerts von `s-Hertogensbosch zur Erklärung "Mater populi fidelis". Hier geht´s zum Original: klicken
"BISCHOF MUTSAERTS ZUM DOKUMENT DER GLAUBENSKONGREGATION ÜBER DIE TITEL MARIENS: "KARDINAL FERNANDEZ SORGT ERNEUT FÜR VERWIRRUNG"
Kardinal Fernandez sorgt erneut für Verwirrung.
Es erstaunt mich immer wieder, dass die Menschen in der modernen Welt vor allem Angst vor Worten haben . Sie scheinen weder Sünde noch Torheit zu fürchten, sondern nur noch Missverständnisse. Und als ob es nicht schon deutlich genug wäre: Es gibt keine Wahrheit, die nicht missverstanden werden kann. Die römisch-katholische Theologie hat Christus als den einzigen Erlöser stets außerordentlich betont. Genau deshalb habe ich nie eine Bedrohung darin gesehen, wie man von Maria spricht. Christi Stellung ist so absolut, dass es absurd wäre zu glauben, irgendjemand könne ihn wirklich in den Schatten stellen. Zusammenarbeit bedeutet nicht Rivalität. Wenn Gott wirklich Mensch geworden ist, dann hat er sich nicht nur selbst erniedrigt, sondern sich auch vom Gehorsam der Menschen abhängig gemacht: zuerst von Maria, später von den Aposteln und letztlich von uns allen. Kardinal Fernandez irrt sich gewaltig, wenn er sagt, es sei nicht mehr ratsam, Maria den Titel „Miterlöserin“ zu geben .
Ich sehe daher nichts Unvernünftiges in der Vorstellung, dass Maria, in völlig untergeordneter Weise und aus Gnade, am Werk Christi mitwirkte. Der Begriff „Miterlöserin“ ist nicht so schockierend, wie manche befürchten. Und ehrlich gesagt, wenn Kardinal Fernandez Angst hat, Maria mit Christus gleichzusetzen, dann liegt das Problem nicht bei Maria, sondern bei ihm selbst. Gerade Marias Gegenwart erinnert mich daran, dass der christliche Glaube keine Idee, keine Philosophie und kein Moralsystem ist, sondern Geschichte. Die tatsächliche Mitwirkung Marias an unserer Erlösung entspringt nicht menschlicher Erfindung, sondern der Tatsache, dass Gott selbst beschloss, durch menschliche Vermittlung zu wirken. Jeder Schritt der Heilsgeschichte zeigt, dass Gott nicht trotz des Menschen, sondern durch den Menschen handelt. Marias „Fiat“ ist das erste und vielleicht deutlichste Beispiel dieser übernatürlichen Mitwirkung.
Wenn die Kirche von Maria als Miterlöserin spricht – ein Begriff, der von Heiligen und Päpsten nicht leichtfertig verwendet wird –, bedeutet dies nicht, dass ihre Verdienste an sich irgendeinen Wert hätten oder dass sie Christi einzigartige Stellung schmälere. Die Tradition besagt vielmehr, dass sie durch eine unaussprechliche Gnade auf unvergleichliche Weise an dem, was Christus vollbracht hat, beteiligt ist.
Diese Lehre hat eine gewisse Entwicklung durchlaufen. Diese Entwicklung bedeutet keine Änderung des Dogmas, sondern vielmehr die Entfaltung dessen, was ihr stets innewohnte. Mir scheint, dass der Titel „Miterlöserin“ keine Neuheit ist, sondern eine Konsequenz dessen, was seit jeher geglaubt wurde: dass Maria durch die Gnade das Werkzeug war, durch das das Wort Fleisch wurde, und dass sie durch Glauben, Liebe und Leiden an Christi Erlösungswerk teilhatte.
Jahrhundertelang wurde der Titel „Miterlöserin“ friedlich in den Schriften der Kirche verwendet. Heilige gebrauchten dieses Wort nicht leichtfertig, sondern aus Ehrfurcht. So sprach der heilige Bonaventura von Maria als derjenigen, die „mit Christus an der Erlösung wirkte“. Bernhardin von Siena hatte den Mut, die Zusammenarbeit der Jungfrau mit dem Sohn zu preisen, denn er wusste, dass Zusammenarbeit (co-operatio) nicht Gleichheit bedeutet. Die Kirchenväter sorgten sich nicht, dass die Gläubigen Christus vergessen würden, sobald Maria gepriesen wurde. Sie vertrauten darauf, dass die Menschen den Unterschied ebenso verstehen würden wie den zwischen Sonne und Mond.
Und die Päpste? Leo XIII. sprach von Maria als derjenigen, „durch die wir das Geheimnis der Erlösung empfangen haben“. Pius X. sprach von ihrer einzigartigen Vereinigung mit Christus in seinem Leiden. Benedikt XV. gebrauchte Worte, die heute als gefährlich gelten würden: Er nannte ihren Kampf am Kreuz in seiner Absicht „beinahe gleich“ dem Christi – beinahe, ich wiederhole, nicht wirklich, und nur eine Welt, die nicht genau hinhört, würde den Unterschied nicht erkennen. Pius XI., der Papst, der nicht für romantische Schwächen bekannt war, benutzte in einer Rede sogar ausdrücklich den Begriff Miterlöserin, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, dass die Mutter des Herrn einen solchen Titel trage. Die Heiligen und Päpste fürchteten nicht, dass Maria zu groß werden könnte. Sie fürchteten vor allem, dass wir zu klein werden könnten.
Es ist ein seltsames Phänomen, dass Fernández ein Wort verbieten will, weil er befürchtet, es könnte missverstanden werden. Man würde erwarten, dass er zunächst versucht, es durch eine einfache Erklärung verständlich zu machen. Wenn jemand sagt, eine Karte sei verwirrend, bringt man ihm bei, Karten zu lesen. Man zerreißt die Karte ja auch nicht und erklärt dann die Erde für flach. Wenn man sagt, ein theologischer Begriff sei gefährlich, könnte man erklären, dass „ko“ von „cum“, „mit“, kommt; es ist kein Koordinierungsbegriff. Darüber gab es nie ein Missverständnis. Stattdessen aber macht der Präfekt der Glaubenskongregation das Wort verdächtig.
Wenn Gott keine Scheu hatte, einem Mädchen aus Nazareth den Titel „Mutter Gottes“ zu verleihen, warum sollten wir uns dann scheuen, ihr geringere Titel zu geben? Antike Häretiker schauderten vor diesem göttlichen Paradoxon, die Kirche jedoch nicht. Wer könnte sich ein demütigeres Geschöpf als Maria vorstellen? Und doch verlieh Gott ihr einen Titel, der das Universum erschütterte. Dies beweist, dass Gott aus Demut Größe erschafft.
Der Katholizismus lehrt uns, dass Gott mit den Menschen zusammenwirkt. Das Evangelium beginnt mit dieser Zusammenarbeit: Ein Engel wartet auf die Antwort eines Menschen, der „Ja“ sagt, und der Himmel hält den Atem an. Wenn das keine Zusammenarbeit ist, dann hat dieses Wort keine Bedeutung. Die ganze Geschichte der Menschwerdung ist der Triumph der von Gott gewollten Zusammenarbeit zwischen Schöpfer und Geschöpf. Und wenn die Menschheit – durch Maria – an der Ankunft des Erlösers teilhaben durfte, warum nicht auch an seinem Opfer am Kreuz, allein aus Gnade Gottes? Es ist leichter, große Worte zu erklären, als einen schwachen Glauben zu heilen. Christen zu bekehren ist immer noch eine heidnische Aufgabe. Die Kirche wollte die Wahrheit nie verfälschen, um die Menschen zu beruhigen. Sie wollte die Menschen immer erheben, damit sie die Wahrheit ertragen können.
Ich möchte einige Vorschläge machen:
1.Man sollte den Menschen die Bedeutung vermitteln, anstatt Wörter zu streichen.
2.Die Kontinuität der Kirche sollte nicht von zeitgenössischen Empfindungen abhängen.
3.Paradoxien und komplexe Sprache sind untrennbar mit der katholischen Identität verbunden. 4
4.Und Marias Rolle ist keine Bedrohung für Christus, sondern vielmehr eine Bestätigung seiner Menschwerdung und seiner Liebe zur menschlichen Zusammenarbeit.
Rob Mutsaerts
Quelle: Rorate Caeli
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