Montag, 12. Januar 2026

Über das erste Konsistorium des Pontifikates

In seiner heutigen Kolumne für Monday at the Vatican kommentiert A. Gagliarducci das erste, am 8. Januar zuende gegangene Konsistorium des Pontifikates Papst Leos XIV.                                            Hier geht´s zum Original:  klicken

"LEO XIV: DREI SIGNALE, DIE VON SEINEM ERSTEN KONSISTORIUM AUSGEHEN"

Das erste außerordentliche Konsistorium Leos XIV., das sich über zwei Tage, vom 7. bis 8. Januar, erstreckte, brachte keine konkreten Ergebnisse. Es waren auch keine erwartet worden.

An den Gesprächen nahmen fast zweihundert Kardinäle teil, die sich – nach eigenem Ermessen – auf Evangelisierung und Synodalität konzentrierten, zwei der vier Themen, die Leo ihnen zur Diskussion vorschlug.

Die liturgische Frage wurde – vorerst – zurückgestellt, ebenso wie die Diskussion über Papst Franziskus’ Reform der Römischen Kurie. Leo stellte jedoch klar, dass diese beiden Themen nicht auf unbestimmte Zeit vernachlässigt werden könnten.

Die Kardinäle trafen sich in Arbeitsgruppen mit verschiedenen Referenten, und der Papst war nicht immer anwesend.

Leo mied die Gruppendiskussionen des ersten Tages und nahm nur zu Beginn und am Ende teil. Er wünschte sich, dass die Kardinäle in Ruhe alle Angelegenheiten untereinander diskutieren und frei erörtern könnten.

Als er schließlich sprach, um die Arbeit des Tages zu strukturieren, betonte er, dass das Konsistorium eine Zeit des Zuhörens und Nachdenkens über die bevorstehenden Herausforderungen sei. Er forderte alle Kardinäle auf, die Prioritäten der Kirche für die nächsten zwei Jahre zu überdenken.

Drei Leitprinzipien lassen sich aus dem ersten Konsistorium Leos XIV. ableiten:

• Priorität des Glaubenslebens – insbesondere des Ordenslebens – gegenüber bürokratischer Organisation.

• Streben nach Ausgewogenheit in der Synodalität.

• Die Stärkung der Gemeinschaft innerhalb der Kirche angesichts globaler Herausforderungen.

Diese Prinzipien bilden zusammen das Kernargument des Konsistoriums.

Die Priorität, die dem Ordensleben eingeräumt wurde, lässt sich vor allem daraus ableiten, dass Leo XIV. die erste Sitzung des Konsistoriums von Kardinal Ángel Artime, dem Propräfekten des Dikasteriums für das Ordensleben, koordinieren lassen wollte.

Normalerweise übernimmt das Staatssekretariat als päpstliches Sekretariat die Koordination. Auch die erste Einberufung des Konsistoriums erfolgte jedoch nicht durch den Dekan des Kardinalskollegiums, sondern durch das Staatssekretariat. Alles deutete also darauf hin, dass das Staatssekretariat eine zentrale Rolle einnehmen sollte. Dies tat es zumindest in der Vorbereitung des Konsistoriums.

Die Betonung des Ordenslebens durch den Papst ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Leo XIV. stellte von Anfang an klar, dass das Konsistorium eine Glaubensgemeinschaft und kein Expertenteam ist. Dies war eine wichtige und eindringliche Botschaft. Der Papst sah sich einer synodalen Debatte gegenüber, die oft auf funktionale Begriffe reduziert schien, und setzte dieser mit einer Glaubensvision entgegen, die vor allem durch die Gemeinschaft genährt wurde.


Als Augustinerbruder ist Leo diese Herangehensweise für ihn selbstverständlich, tief in seiner religiösen Persönlichkeit verwurzelt. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft ermöglicht es ihm zudem, sich von Problemen zu distanzieren und Selbstbezogenheit zu vermeiden. Indem er das Ordensleben in den Mittelpunkt stellte, forderte er die Kardinäle auf, es ihm gleichzutun. Damit schlug er ein wirksames Gegenmittel gegen Feindschaft vor. Dies war die Grundlage seiner Weihnachtsansprache an die Kurienmitarbeiter: „Kann man in der Kurie Freunde sein?“

Diese Freundschaft fördert auch die Synodalität.

Der Papst interpretiert Synodalität als Zuhören. Mit dem Konsistorium rief er alle Kardinäle zur gemeinsamen Verantwortung auf. Dennoch war – und ist – ein Ausgleich zum synodalen Drang notwendig, und so folgte das Konsistorium vom 7. und 8. Januar dem Format der letzten Synode: runde Tische, feste Sitzplätze, Sprachgruppen und ein Berichterstatter für die Schlussfolgerungen jeder Gruppe.

Diese Struktur lässt keine wirkliche Offenheit oder Ehrlichkeit zu. Kein Kardinal kann sich sicher fühlen, seine Gedanken einer allgemeinen Zusammenfassung anzuvertrauen, da eine solche Zusammenfassung seine Ansichten zwangsläufig verwässert.

Wenn es ums Zuhören geht, ist ein traditionelleres Format möglicherweise besser geeignet.

Eine Generalversammlung gibt jedem Mitglied Gelegenheit zum Sprechen, wie in den Konsistorien vor dem Konklave. Das Format der Arbeitsgruppe wurde erst zwei Tage vor dem Konsistorium bekanntgegeben. Wir wissen nicht, ob Papst Leo von diesem Format überzeugt wurde oder ob er es für künftige Konsistorien für geeignet hält. Unklar ist auch, ob es sich um einen Kompromiss handelte, um den Eindruck eines Bruchs mit Papst Franziskus zu vermeiden.

Wir wissen, dass Leo XIV. in seiner Antrittsrede als Papst die Synodalität ansprach und das Erbe von Papst Franziskus mit kleineren Reformen weitergeführt hat. Er stellte den Zentralsektor für das Bistum Rom wieder her.

Das Konsistorium – das jährlich einberufen wird – ersetzt den Kardinalsrat und erweitert die Konsultationsplattform. Möglicherweise war es notwendig, nicht den Eindruck eines allzu radikalen Bruchs mit der Vergangenheit zu erwecken. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.

Der Papst rief jedenfalls zu einer engeren Gemeinschaft auf. Synodalität und Mission wurden als Hauptthemen gewählt. Der Papst stellte klar, dass auch die anderen Themen – die Reform der Kurie und die Liturgiereform – wichtig sind und diskutiert werden sollten. Leo XIV. möchte nicht ohne Rücksprache mit den Kardinälen handeln, obwohl er weiß, dass manche Entscheidungen unpopulär sein könnten.

Leo XIV. wollte sich nicht auf die Leitung der Kirche konzentrieren. Er sprach von der Notwendigkeit, dass die Kirche sich nach außen wendet und die Einheit trotz unterschiedlicher Perspektiven sucht. Dies führte zu seiner Bitte an Kardinal Timothy Radcliffe, die Eröffnungsmeditation zu halten. Radcliffe erklärte, dass es innerhalb der Kirche Unterschiede gebe, dies aber ihre Einheit nicht schmälere.

Gemeinschaft erfordert auch Zusammenarbeit. Leo XIV. muss zu brennenden Fragen Stellung beziehen. Er wird möglicherweise nicht immer die bisherigen Praktiken mit seinem eigenen Ansatz in Einklang bringen können. Es ist unwahrscheinlich, dass er die Lehre trotz des Drucks ändern wird, insbesondere bei Themen wie der Kommunion für Geschiedene und Wiederverheiratete oder dem weiblichen Diakonat, das Radcliffe nachdrücklich unterstützt. Es bleibt unklar, wie der Papst diese Herausforderungen angehen wird.

In seiner Eröffnungsansprache zitierte Leo XIV. Benedikt XVI. in Aparecida und die Idee, dass sich der Glaube durch Anziehungskraft verbreitet. Der Papst konzentrierte sich in erster Linie auf die Evangelisierung, und dies beeinflusste wahrscheinlich auch seine Wahl der Kardinäle. Jetzt ist die Zeit zu regieren. Gleichzeitig wird es einen Generationswechsel in der Kurie geben. Dieser Generationswechsel wird in gewisser Hinsicht auch die Richtung der Reformen bestimmen. Dieses Pontifikat muss genau beobachtet werden.

Kurz gesagt, markierte das Konsistorium den eigentlichen Beginn des Leoninischen Pontifikats."

Quelle; A. Gagliarducci, Monday at the Vatican

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