Freitag, 27. Februar 2026

Zur bevorstehenden Reise des Papstes in Afrkanische Länder

Anna Bono befaßt sich in La Nuova Bussola Quotidiana mit der Situation in den Ländern, die Papst Leo im April besuchen wird. Und sie beschreibt Situationen, von denen wir-um nicht der Islamophobie oder des Rassismus beschuldigt zu werden, -hierzulande nichts erfahren.                                            Hier geht´s zum Original:  klicken

"ALGERIEN, ANGOLA, GUINEA, CAMERUN, DIE SCHWIERIGE REALITÄT, DIE DER PAPST BESUCHEN WIRD"

In seiner ersten Pastoralreise nach Afrika wird Papst Leo XIV vier ein wenig schwierige Länder besuchen: Algerien, Camerun, Angola und Äquatorial-Guinea. Länder mit einer Diktatur oder einer Demokratur, mit gerade überstandenen oder noch stattfindenden schrecklichen Konflikten.

Der Vatikan hat bekannt gegeben, dass Papst Leo XIV. im kommenden April seine erste Pastoralreise nach Afrika unternehmen wird. Er wird vom 13. bis 15. April Algerien, vom 15. bis 18. April Kamerun, vom 18. bis 21. April Angola und vom 21. bis 23. April Äquatorialguinea besuchen. Der Heilige Stuhl erklärte, der Papst sei von den Staatsoberhäuptern und religiösen Führern der vier Länder eingeladen worden.

Es werden arbeitsreiche Tage. Der Papst wird Länder in großer Not besuchen und einige der umstrittensten afrikanischen Staatschefs treffen. In Algerien absolviert Abdelmadjid Tebboune seine zweite Amtszeit als Präsident. Er wurde 2019 mit dem Versprechen von Reformen und dem Kampf gegen Korruption und Verschwendung gewählt und weckte damit Hoffnungen auf einen Wandel nach 20 Jahren autoritärer Herrschaft von Abdelaziz Bouteflika. 2024 wurde er mit 84,3 % der Stimmen wiedergewählt, doch laut offiziellen Angaben lag die Wahlbeteiligung nur bei 46 % der Wahlberechtigten, möglicherweise sogar noch niedriger. Seine Präsidentschaft hat die ohnehin schon beträchtliche Macht des Militärs weiter gestärkt und deren Notwendigkeit mit realen oder vermeintlichen, inneren und äußeren Bedrohungen für das Land begründet. 
Zweifellos dient es Präsident Tebboune, abweichende Meinungen zu unterdrücken und damit das Beispiel seines Vorgängers fortzusetzen. Algerien, seit 1962 unabhängig von Frankreich und dessen Bevölkerung fast ausschließlich muslimisch ist, ist wohl das Land, das am stärksten unter dem Dschihad, dem islamischen Heiligen Krieg, gelitten hat. In den 1990er Jahren ermordeten islamische Fundamentalisten der FIS (Islamische Heilsfront) und später der GIA (Bewaffnete Islamische Gruppe) Zehntausende Menschen im Namen Allahs. Unter den 150.000 zivilen Opfern waren viele Familien und ganze Dörfer, die ausgelöscht wurden, weil sie angeblich „falsch gebetet“ hatten. Die Dschihadisten jagten und töteten kleine Mädchen und junge Frauen auf den Straßen, die auf dem Schulweg waren und an ihren Schuluniformen erkannt wurden. Sie hielten die Kinder an, fragten sie, wie ihre Eltern beteten, und wenn ihnen die Antworten nicht gefielen, brachten sie sie nach Hause und schnitten der gesamten Familie die Kehle durch. Die blutigste Zeit, von 1992 bis 2002, ist als das „Schwarze Jahrzehnt“ in die Geschichte eingegangen.

Auch das unabhängige Angola hat eine tragische Geschichte, die nur schwer bewältigt wurde. Es war eine portugiesische Kolonie und erlangte 1975 die Unabhängigkeit. Doch wie in anderen afrikanischen Staaten, und mit noch gravierenderen Folgen, war der Befreiungskrieg auch ein Stammeskrieg um die Kontrolle der Institutionen. Der Konflikt begann 1970 und dauerte, mit einigen Unterbrechungen, auch nach der Unabhängigkeit bis 2002 an: ein erbitterter, verheerender Bürgerkrieg. José Eduardo dos Santos, einer der Anführer der MPLA, der siegreichen bewaffneten Bewegung, regierte das Land von 1979 bis 2017. Er nutzte den Reichtum des Landes, des zweitgrößten Ölproduzenten in Subsahara-Afrika, um zum reichsten Staatsoberhaupt Afrikas zu werden. Seine Tochter Isabel, Chefin des staatlichen Ölkonzerns Sonangol, war jahrelang die reichste Frau Afrikas mit einem Milliardenvermögen. 
2017 gewann João Lourenço die Präsidentschaftswahlen und wurde ein Jahr später auch zum Präsidenten der MPLA gewählt. Seitdem regiert er das Land. Doch selbst unter seiner Führung hat sich das ölgetriebene Wirtschaftswachstum nicht in Entwicklung niedergeschlagen. Eine Zahl belegt dies: Die Jugendarbeitslosigkeit unter den 15- bis 24-Jährigen liegt bei 54 %. Zudem haben nur drei Millionen der 18-Jährigen im erwerbsfähigen Alter eine reguläre Beschäftigung. Präsident Lourenço hatte versprochen, die von seinem Vorgänger systematisierte Korruption zu beenden, die Wirtschaft zu diversifizieren und Arbeitsplätze zu schaffen.
Acht Jahre später lässt sich sagen, dass er gescheitert ist … oder es zumindest nicht versucht hat, zumindest nicht mit der nötigen Entschlossenheit. „Wir dürfen die Realität unseres Landes nicht ignorieren“, mahnte Monsignore Manuel Imbamba, Präsident der Bischofskonferenz von Angola und São Tomé und Príncipe, zur Eröffnung der zweiten jährlichen Plenarversammlung am 17. September. „Unsere Armut ist nicht nur materieller Natur. Sie ist vor allem sozialer, politischer, ziviler, kultureller und spiritueller Natur. Misstrauen gegenüber Institutionen und ein Gefühl der Verzweiflung durchdringen das Leben der Angolaner, insbesondere das der jungen Menschen.“

Die beiden heikelsten Treffen werden jedoch die mit den Präsidenten von Äquatorialguinea und Kamerun sein. Auch Äquatorialguinea verfügt über große Ölvorkommen. Das Land hat weniger als zwei Millionen Einwohner, die zu den reichsten der Welt zählen könnten, wenn die Familie Nguema das Land nicht seit 1979 als ihr Privateigentum behandeln würde. Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo ist das am längsten amtierende afrikanische Staatsoberhaupt: Er riss 1979 durch einen Putsch die Macht an sich und regiert bis heute, wovon seine Familie und sein Umfeld profitieren. Er wurde sechsmal gewählt, zuletzt 2022, allerdings mit höchst umstrittenen Ergebnissen. Guineas politische Institutionen sind in Wirklichkeit nur ein Schein von Demokratie. Offiziellen Angaben zufolge liegt die Armutsquote bei 23,5 %. Unabhängige Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass mehr als 70 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben und 40 % in extremer Armut.

In Kamerun ist Paul Biya, 92, ist seit 1982 dank eines Staatsstreichs Präsident. Er kandidierte für eine Wiederwahl und gewann im vergangenen Oktober seine achte Amtszeit. Sein Hauptgegner, Tchiroma Bakary, focht die Wahl an, ebenso wie Zehntausende Menschen, die in der Hauptstadt Yaoundé gegen ihn protestierten. Die Polizei eröffnete das Feuer auf die Demonstranten und tötete Dutzende. Biya verspricht seinen Wählern: „Das Beste kommt erst noch.“ Doch neben gravierenden wirtschaftlichen Problemen bereiten zwei weitere Faktoren zunehmend Sorgen um Kameruns Zukunft: der Aufstand in den englischsprachigen Regionen im Norden und Südwesten (in Kamerun sprechen Regierung, Institutionen und die Mehrheit der Bevölkerung Französisch), der seit 2017 andauert; und im äußersten Norden die Übergriffe und Angriffe von Dschihadisten aus dem benachbarten Nigeria. Bakary, der berechtigterweise um sein Leben fürchtete, floh nach Gambia. „Ein Land kann nicht im Dienste eines einzelnen Mannes existieren“, sagte er bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur. Doch im Moment kann Kamerun das offenbar."

Quelle: A. Bono,

  

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