Massimo Scapin berichtet bei OnePeterFive über die Liebe des mit Hilfe einer vom KGB lancierten Schwarzen Legende noch immer verleumdeten Pastro Angelicus zur Musik.
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"PIUS XII: TIEF MIT DER MODERNEN MUSIK VERBUNDEN"
Vor 150 Jahren, am 2.März 1876 wurde Eugenio Pacelli in Rom geboren- der zukünftige Papst Pius XII(1939 - 1958). An diesem wichtigen Geburtstag wenden wir unsere Aufmerksamkeit einer weniger bekannten aber sehr charakteristischen Facette seines Charakters zu: der intensiven, kultivierten, und spirituellen Verbindung zu Musik.
Eugenios Liebe zur Musik zeigte sich früh. Die Familie Pacelli besaß eine Theaterloge, und der Junge besuchte die Vorstellungen regelmäßig, gebannt von dem, was er sah und hörte. Doch er war kein passiver Zuschauer. Er beobachtete aufmerksam, machte sich Notizen, dachte nach und studierte. Zu Hause begann er Geige zu spielen. „Er genoss auch Musik“, erinnerte sich sein Neffe Carlo Pacelli (†1970), „und ich erinnere mich, zwei Geigen zu Hause gesehen zu haben, die ihm gehörten. Ich weiß nicht, welche Musik er in seiner Jugend bevorzugte, aber später, während seiner Zeit in Deutschland, waren seine Lieblingsmeister die großen deutschen Komponisten: Bach, Beethoven und Wagner.“
Vor allem war es Richard Wagner (†1883), der seine Phantasie beflügelte. Wagners Musik - mit ihrer metaphysischen Spannung und nahtlosen Verschmelzung von Wort und Klang- übte eine machtvolle und andauernde Faszination auf ihn aus. Eine typische Episode ereignete sich 1954, als Pius XII die gefeierte Sopranistin Maria Callas (†1977) in Privataudienz empfing. Der Papst hatte 1950 mit großer Begeisterung Parsifal in einer Übertragung des Italienischen Rundfunks gehört und wollte seine Bewunderung persönlich ausdrücken. "Sie haben mich tief bewegt" sagte er zu ihr "und deshalb wollte ich Sie treffen."
Dem folgte eine lebhafte und inspirierte Unterhaltung über Wagner-Opern. "Es ist schade" bemerkte der Ponrifes " daß Sie nicht in der deutschen Originalversion gesungen haben. Wagner verliert viel in der Italienischen Übersetzzung" "Die Sendung war für ein Italienisches Publikum gedacht" erwiderte Marria."Hätten wir auf Deutsch gesungen. hätte es wenige verstanden." "Das ist wahr" gab Pius XII zu, "Aber Wagners Musik ist außer mit den Worten, die er selbst geschrieben hat, undenkbar. Die Musi ist mit ihnen geboren- deshalb untrennbar". "Ich stimme Ihnen nicht zu" erwiderte Callas. "Die Original-Version ist natürlich vollständiger- aber die Italienische Übersetzung ist ihr ebenbürtig.Um die Musik wirklich zu verstehen, ist es wichtig, die Bedeutung der worte zu verstehen." Die UNterhaltung wurde lebhaft- Maria gab nich leicht nach- und der Papst schien amüsiert zu sein."
Das war sicher kein oberflächliches Interesse. Pius´XII Verhältnis zur Musik war in tiefer ästhetischer und spiritueller Reflektion verankert.
Während seines Pontifikats transzendierte die Musik das Persönliche und durchdrang die Räumlichkeiten des Vatikans. Sie wurde zum Medium der Erinnerung, der Schönheit und der Versöhnung. Unvergesslich war das Konzert vom 2. Juli 1945, als Verdis Requiem unter der Leitung von Tullio Serafin (†1968) mit dem Tenor Beniamino Gigli (†1957) als einem der Solisten durch den Hof des Belvedere erklang. Ebenso bewegend war das Konzert vom 26. Mai 1955, als das Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Paul Kletzki (†1973) Auszüge aus Beethovens Siebter Sinfonie im Konsistoriumssaal des Apostolischen Palastes aufführte. Die Veranstaltung war ein Zeichen des Dankes „für die großen humanitären Bemühungen Seiner Heiligkeit, während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Juden zu retten.“
Pius XII war auch ein passionierter Radio-Hörer, und verfolgte die Aufführungen der großen italienischen Opernhäuser aufmerksam. So überrascht es nicht, daß er sich in seinen letzten Lebenstagen Beethovens Erste Sinfonie wünschte. Drei Tage vor seinem Tod im Oktober 1958 verbrachte er einen weiteren Tag im Halbschlaf, hörte Musik und bat um eine Beethoven-Schallplatte.
Viele der größten Künstler jener Zeit wurden von Pius XII. empfangen – nicht aus protokollarischen Gründen, sondern aus aufrichtiger Bewunderung. Neben Maria Callas begrüßte er legendäre Tenöre wie Giacomo Lauri Volpi (†1979), Tito Schipa (†1965) und Beniamino Gigli. Letzterer war von der Herzlichkeit der Begegnung überwältigt: „Es sollte drei Minuten dauern, und es dauerte einundzwanzig. Ich erzählte ihm sogar ein paar Theaterwitze.“[5] Seine Beziehung zum Komponisten Pietro Mascagni (†1945) wurde bereits an anderer Stelle behandelt.
Besonders bewegend ist das Zeugnis von Giacomo Lauri Volpi, einem scharfsinnigen Kenner der Gesangskunst, der ein eindrucksvolles Porträt von Pius XII.s eigener Stimme zeichnete. Er schrieb:
In der stets spirituell erfüllten Stimme des Papstes verschmelzen gesprochene und gesungene Worte. Hören Sie ihm zu, ob er nun zu den Gläubigen spricht oder sich mit ihnen unterhält. Sein Atem ist ruhig, gleichmäßig und spontan. Seine Stimme ist stets reich an Obertönen und Resonanzen: klar, entschlossen und bisweilen prägnant. Um aus Worten Gesang zu machen, bedarf es nur eines tieferen Atemzugs und einer Erhöhung des Luftdrucks, die auf einen konstanten Resonanzpunkt gerichtet ist, und plötzlich erhebt sich das Wort, steigt empor und breitet sich mit melodischer Zartheit aus. Hören Sie ihm beim Rosenkranzgebet und den Litaneien zu; hören Sie, wie er mit wohlklingender Betonung die Worte des erhabenen Gebets artikuliert: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe… gib uns heute unser tägliches Brot…“ – als wolle er den Gläubigen die wahre und tiefe Bedeutung dieser Worte einprägen und ihnen seine eigene Empfindung, seinen eigenen Glauben vermitteln. Seine Seele fließt wahrhaftig in seine Stimme. Darin verwirklicht sich die vollkommene Synthese der Vox mystica: Wort, Klang, Idee und Geist. Welch eine Freude war es für den Verfasser dieser Aufzeichnungen, die Vox mystica Pius’ XII. zu entdecken!"
In einer Zeit, die oft von der formalen Koexistenz von Kultur und Macht geprägt ist, offenbart die musikalische Sensibilität des Pastor Angelicus etwas unerwartet Intimes. Für ihn war Musik nie bloßes liturgisches Beiwerk oder aristokratisches Vergnügen; sie war die Sprache der Seele – ein Weg zum Göttlichen. Unter der strengen und disziplinierten Fassade des Papstes, der die Kirche durch einige der dunkelsten Stunden des 20. Jahrhunderts führte, schlug das Herz eines Zuhörers, eines Künstlers – eines, der die geheimnisvollen Echos der Gnade wahrnahm, die in einer Symphonie, einer Oper oder einer Stimme verborgen liegen."
Quelle: M. Scapin, OnePeterFive
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