Montag, 29. Juni 2026

Papst Leos zweites Konsistorium- oder hat sein Pontifikat jetzt erst begonnen?

In seiner heutigen Kolumne für Monday-at-the-Vatican kommentiert A. Gagliarducci  das vor einigen Tagen zu Ende gegangene Konsistorium.  Hier geht´s zum Original:  klicken

"ÜBER LEOS XIV ZWEITES KONSISTORIUM: EINE FORM DER REGIERUNG ODER EINE KONSULTATION? "

Papst Leos zweites Konsistorium hat auf gewisse Weise gezeigt, daß der Übergang von einem Pontifikat zum nächsten begonnen hat, aber noch nicht vollendet ist. 

Es ist nicht sicher, ob es das jemals sein wird. 

Für Leo XIV scheinen die Treffen eher eine breite Konsultation als ein Instrument des Regierens zu sein - im großen Unterschied zu Papst Franziskus´ bevorzugtem Bezugspunkt: der Bischofs-Synode.

Am Ende des Konsistoriums sagte Leo XIV: "Schritt für Schritt entdecken wir die wahre Bedeutung des Konsistoriums wieder; die Versammlung des Kardinals-kollegiums um den Nachfolger Petri, so daß der Hl. Geist - durch gegenseitiges Zuhören und geteiltes Differenzieren- dem Papst helfen kann,die Kirche zu führen. Es ist kein Parlament, kein Kongress, in dem Meinungen oder Interessen vorherrschen, sondern die Erfahrung von Kommunion im Dienst ab der Mission."

Es bleibt abzuwarten, ob und wie die jährlichen Konsistorien, die Leo einzuberufen plant, die Art beeinflussen wird, in der Bischofs-Synode zur Zeit durchgeführt wird. 

Von Beginn  eines Pontifikates an hat Leo XIV betont, daß sein Ziel die Einheit der Kirche ist und sein erstes Konsistorium folgte unmittelbar auf das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr stellte einen ersten Schritt dar. 

Nach dem Ende des Hl. Jahres mit all den von Papst Franziskus geplanten Ereignissen und sogar einer Reise und einer Apostolischen Exhortation hat Leo XIV alle Kardinäle zusammengerufen, verammelte sie um das froße Thema von Evangelii Gaudium und sie gebeten,  mit der Evangelisierung zu beginnen.  

Bei dieser Gelegenheit drückte Leo XIV seinen Wunsch aus, alle 6 Monate ein Konsistorium einzuberufen, um allgemeine Diskussionen zwischen den Kardinälen zu ermöglichen und zuzulassen. Und diese offenen Diskussionen stellen den großen Untzerschied zum Pontifikat von Papst Franziskus dar. 

Papst Franziskus ist das Thema der Kirchenreformen angegangen, indem er Kommissionen gründete und sich auf einen Kardinals-Rat verließ- den sog. C9 (auch C7 oder C6, je nachdem wieviele Mitglieder gerade beauftragt waren) ohne jedoch den Rat je wirkliche Entscheidungen treffen zu lassen oder Macht auszuüben. 



Die Kardinale trafen sich, während des Pontifikates von Franziskus nur drei mal: bei den ersten zwei Konsistorien um Kardinäle zu kreieren und dann im letzten, um die Kurien-Reform zu diskutieren, die bereits stattgefunden hatte. 

Das regelmäßige Treffen aller Kardinäle stellt deshalb einen fundamentalen Schritt des Übergangs vom Pontifikat von Papst Franziskus zu dem Leos XIV dar. Was aus dieser Änderung werden wird, bleibt abzuwarten. 

Bei den Kardinälen gab es große Erwartungen, so wie gehofft wurde, daß das Konsistorium zu einer offenen Diskussion führen würde, bei der jeder Kardinal sprechen könnte. Die Art, wie Leo das erste Konsistorium geleitet hat, wurde nicht allgemein positiv gewertet.  

Die Kardinäle wurden in Sprachgruppen eingeteilt und ihre Vorträge der Zusammenfassung durch einen Moderator anvertraut. 

Im Allgemeinen bevorzugen die Kardinäle es, die Verantwortung für ihre Äußerungen zu übernehmen, wie es immer gewesen ist und man hoffte, daß das auch bei Leos erstem Konsistorium der Fall sein würde.  Das war nicht der Fall. Die Methode blieb fast gleich. Es wurde auch gehofft, daß die Prozedur sich für dieses Konsistorium ändern würde. Aber selbst in diesem Fall blieb die Methode "synodal" , d.h. Gruppen-Arbeiten. 

Das ist nicht notwendigerweise ein ideologisches Thema. Es ist eher eine organisatorische Entscheidung, Aber es bedeutet auch, daß der Übergang noch nicht vollendet ist. 

Leo XIV ist jetzt mehr als 1 Jahr im Amt und er hat viele Leiter der Dicasterien in der Kurie immer noch nicht ausgetauscht. 

Die wesentliche Veränderung im Kommunikationsdikasterium wird erst im November wirksam, auch wenn sie bereits angekündigt wurde. Auch auf anderen Führungspositionen wird es Wechsel geben – allerdings mit festgelegten Enddaten –, und im Laufe des Jahres ist ein erheblicher, altersbedingter Personalwechsel zu erwarten.

Tatsächlich haben sich also weder die Protagonisten der großen Ära von Papst Franziskus noch die organisatorischen Abläufe geändert. Es ist eine Arbeitsweise, die nicht bei jedem auf Zustimmung stößt, die sich jedoch in gewisser Hinsicht bewährt hat, bekannt ist und von einigen geschätzt wird.

Aus diesem Grund hat sich die Organisation – entgegen den Erwartungen und jenseits der vorbereitenden Schreiben, die bestimmte Themen hervorhoben – inzwischen in etwas anderes gewandelt.

Dieses Konsistorium entwickelte sich zu einem reinen Debattierclub, in dem eine Reihe von Fragen erörtert wurde, deren Formulierung eher an pastorale Gesprächsanstöße als an Impulse für eine Debatte über die Kirchenleitung erinnerte.

Dies scheint dem Wunsch von Papst Leo zu entsprechen, die Kardinäle vor allem zusammenzubringen und Gebet sowie pastorale Reflexion wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Es ist kein Zufall, dass *Evangelii Gaudium*, das erste Apostolische Schreiben von Papst Franziskus, weiterhin das zentrale Thema bildet – schon allein deshalb, weil es von der Evangelisierung handelt, die das Herzstück dieses Pontifikats ausmacht.

Ebenso wenig ist es ein Zufall, dass die Liturgie – die beim ersten Konsistorium noch zu den möglichen Diskussionsthemen zählte – völlig von der Bildfläche verschwunden ist. Wir stehen kurz vor neuen Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. ohne päpstliches Mandat; zudem haben die Mitglieder der Bruderschaft ein ausführliches Schreiben an alle Kardinäle gerichtet, in dem sie Fragen zur Glaubenslehre sowie zu den Irrtümern des Konzils aufwerfen.

Doch der Papst wird all dies nicht zur allgemeinen Diskussion stellen.

Da der Papst in erster Linie als Garant des Glaubens agiert, müssen diese Fragen von der Mitte aus angegangen werden und nicht im Rahmen einer öffentlichen Debatte. Angesichts eines möglichen Schismas könnte das Schüren eines weiteren Konflikts zwischen „Konservativen“ und „Progressiven“ im Konsistorium tatsächlich zu weiteren Spaltungen führen.

Kurz gesagt: Die synodale Methode dient gewissermaßen dazu, Kontinuität zu wahren, Spannungen zu vermeiden und die Debatte zu entschärfen. Es bleibt abzuwarten, ob dies der Regierungsstil von Leo XIV. bleibt oder ob er sich im Laufe der Zeit – und mit der neuen Führung der Kurie – wandeln wird.

Der Übergang hat also begonnen, ist aber noch nicht abgeschlossen – und genau das ist ein wesentlicher Grund, warum es ein Fehler wäre, wenn Beobachter der Methodik der Konsistorien eine zu große Bedeutung beimessen würden.

Dies gilt auch dann, wenn vieles für die Auffassung spricht, dass das Pontifikat von Leo XIV. tatsächlich erst mit seiner Reise nach Spanien begonnen hat.
   
Sein öffentliches Wirken als Pontifex – die Art und Weise, wie er die Außenwirkung und den Inhalt der zu übermittelnden Botschaft prägte – kamen während seines Aufenthalts in Spanien zweifellos voll zur Geltung.

Leos eigentliches Pontifikat der Amtsführung hat noch nicht voll begonnen."

Quelle: A. Gagliarducci, Monday-at-the-Vatican

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