Freitag, 31. Mai 2019

Sandro Magister: Ein Bericht aus der sozialistischen Hölle in Rumänien.

Anläßlich der bevorstehenden Seligprechung von sieben Märtyrern des humanistischen Kommunismus in Rumänien hat Sandro Magister bei Settimo Cielo Ausschnitte aus dem Zeugnis in Buchform eines ebenfalls zum Märtyrer gewordenen rumänischen Bischofs -Ioan Plorascu- veröffentlicht. Gerade in Zeiten, wo sogenannte "antifaschistische Kräfte" sich -von den Maisntreammedien kaum widersprochen- als Moralwächter der Politik aufspielen, ist es gut, sich an ihre geschichtlichen Wurzeln und ihr Versuche, einen"humanistischen Sozialismus" zu erzwingen, zu erinnern.
Hier geht´s zum Original: klicken

"DER ARCHIPEL GULAG IN RUMÄNIEN: DIE GESCHICHTE, DIE NOCH NIE ERZÄHLT WURDE"
"Heute am 31. Mai bricht Papst Franziskus nach Rumänien auf und wird Sonntag, 2.Juni, dem letzten Tag seiner Reise der Göttlichen Liturgie in Blaj -mit der Seligsprechnung von 7 Griechisch-Katholischen Bischöfen, die zwischen 1950 und 1970 unter dem kommunistischen Regime den Märtyrertod "aus Haß auf den Glauben" erlitten.

Diese sieben sind nur einige der rumänischen Christen, Bischöfe,Priester, Laien, die die Krone der Märtyrer verdienen.

Ein weiterer unter vielen ist Ioan Plorascu, ein Bischof, der 1998 starb- im Alter von 87 Jahren von denen er 14 unter unmenschlichen Bedingungen im Gefängnis verbrachte. Er hat einen Bericht über seinen Kalvarienberg einem Buch anvertraut, das 1993 in Rumänien veröffentlichte- dann 2013 bei Edizioni Dehoniane Bologna in Italien. Hier kann man lange Ausschnitte daraus lesen:

Blessed Are the Persecuted. The Story of a Modern Martyr
"Gesegnet sind die Verfolgten. Die Geschichte eines modernen Märtyrers."

Und dann ist da das bewegende Zeugnis, das am 23. März 2004 im Vatican von Tertulian Ioan Langa, einem griechisch-katholischen Priester vorgelesen wurde und unten vollständig wiedergegeben wird.

2004 war Fr. Tertuliasn 82 Jahre alt. Er starb 2013. Sein Bericht ist sehr konkret und gleichzeitig spirituell. Ein bißchen Solschenyzin, ein bißchen Akten der Märtyrer. Zwischen Gnade und mysterium iniquitatis, bis an die Grenzen des Unvorstellbaren getrieben.
Mit "Heiliger Vorsehung"- die durch die unwissenden Hände sadistischer Gefängniswärter handelte.

In Zeiten, in denen "Martyrium" ein mißbrauchter Begriff ist, sogar auf den islamischen "Shahid" , der sich selbst in die Luft sprengt, um ein Blutbad anzurichten, angewandt wird, ist das ein Zeugnis, das hilft die Wahrheit wieder herzustellen. Man sollte es nicht versäumen.



"ABER DER HIMMEL ÜBER UNS IST GRÖSSER" 
von Tertulian Ioan Langa

Mein Name ist Tertulian Langa, und 82 Jahre meines Lebens werde ich nicht wiedersehen. Von denen fanden 16 in kommunistischen Gefängnissen statt.

Im Alter von 24 Jahren, 1946, war ich junger Assistent an der Philosophischen Fakultät an der Universität von Bucharest. Die russischen Truppen hatten dast ein Drittel von Rumänien besetzt und ich wurde als Mitglied meiner Fakultät eingeschüchtert, dringend Mitglied der von der kommunistischen Partei, die von bewaffneten Sowjets an die Macht gebracht worden war,  manipulierten Lehrer-Gewerkschaft einzutreten. 

Mir war der feste Standpunkt des Lehramtes der Katholischen Kirche gegen den KOmmunismus schon bekannt, das ihn als "in sich schlecht" definierte. Deshalb gab es in meinem Gewissen keinen Platz für Kompromisse. Ich verzichtete auf meine Universitäts-Karriere und zog mich als Landarbeiter suf´s Land zurück, aber das war nicht genug, weil ich in der Fakultät bereits als  militanter Katholik und Antikommunist bekannt war. 
Es wurde schnell eine Anklageschrift gegen mich improvisiert und als die Vorwürfe auf Umständen beruhten, die noch nicht in das Strafgesetzbuch aufgenommen waren (Beziehungen zu Bischöfen und der Nuntiatur, Laienapostolat) wurde mein Dossier denen der Großindustriellen beigefügt. 
Nach von Grausamkeiten begleiteten Verhören, erklärte der Staatsanwalt in perfekter kommunistischer Logik: "Es gibt keinen Beweis für die Schuld des Beschuldigten in seinem Dossier, aber wir fordern dennoch die Höchststrafe: 15 Jahre Zwangssarbeit, Immerhin wäre er nicht hier, wenn er unschuldig wäre."
Ich wandte ein : "Aber Sie konnen mich nicht ohne Beweise verurteilen!" Und er: "Das sit nicht möglich? Hier sehen Sie -wie es möglich ist: 20 Jahre Zwangsarbeit weil Sie gegen die Justiz des Volkes protestiert haben". Und das war das Urteil.  

Das geschah, bevor die Griechisch-Katholische Kirche in Rumänien verboten wurde. Es wurde als sicher angenommen, daß meine Haft und die mir zugefügte Folter mich in ein Instrument für kommende Klagen gegen Bise und Priester der Griechische-Katholischen Kirche und der Nuntiatur verwandeln würde. 

Ich werde nur über einige Momente meiner Verköre und Gefangenschaft in den kommunistischen Vernichtungslagern berichten.  

Ich wurde in Blaj verhaftet, im Büro von Bischof Ioan Suciu, dem apostolischen Administrator des griechisch-.katholischen Metropolitansitzes von Rumänien. und zukünftigen Märtyrers. Ich hatte mmich ihm, dem Oberhaupt unserer Kirche, vorgestellt und um die Erleuchtung der Hl.Vorsehung gebeten, weil mein spiritueller Vater, Bischof Vladimir Ghilka, ein weiterer zukünftiger Märtyrer in ein Versteck gegangen war. Jemand hatte mit die Gelegenheit angeboten, das Land zu verlassen. 
Weil das ein wichtiger Schritt war, wollte ich ihn nicht tun, ohne herauszufinden, ob das Gottes Wille sei. Und die Antwort kam: meine Verhaftung. Ich verstand, daß ich mein Leben in den vom kommunistischen Regime geschaffenen Gefängnissen verbringen würde, war aber ruhig: ich folgte dem Weg der Hl. Vorsehung. 

DIE EISERNE RUTE 
Ich erinnere mich an Gründonnerstag 1948. Zwei Wochen lang, jeden Tag hatten sie mich mit einer rute auf die Fußsohlen geschlagen, durch meine Schuhe: es war als ob ein Blitz durch mein Rückenmark schoss und in meinem Gehirn explodierte. Aber sie haben mich nichts gefragt. Sie bereiteten mich vor -indem sie die Rute benutzten, um mich für die Verhöre weich zu klopfen.
Ich wurde an Händen und Füßen gefesselt, kopfüber aufgehängt, meine Gefängniswärter stopften mir eine Socke in den Mund, die bereits seit langem in den Schuhen und Mündern anderer Nutznießer des sozialistischen Humanismus benutzt worden waren. 
Die Socke war zum Schalldämpfer für Geräusche aus dem Verhörraum geworden. Aber es war praktisch unmöglich auch nur einen einziges Stöhnen auszustoßen. Ich war psychisch erfroren: ich konnte nicht mehr schreien oder nicht bewegen. 
Meine Folterer interpretierten dieses Verhalten als Fanatismus meinerseits. Und sie fuhren mit wachsender Wut fort, mich abwechselnd zu foltern. Nacht nach Nacht, Tag um Tag. Sie haben mir keine Fragen gestellt, weil sie nicht an Antworten interessiert waren, sondern daran eine Person auszulöschen, etwas was sich verzögerte. Und als die Bemühungen, meinen Willen zu brechen und meinen Geist zu verwirren, sich hinzogen, wurde auch die Folter fortgesetzt. Die zerschlagenen Schuhe fielen Stück für Stück von meinen Füßen.  

An jenem Gründonnerstag feierten sie in einer nahe gelegenen Kirche das Liturgische Amt-begleitet von den Glocken, die weinten, als ob sie Angst hätten. Ich zuckte zusammen. Jesus mußte meinen erstickten Schrei gehörte haben, wann und wie weiß ich nicht. Ich heulte in dieser Hölle : "Jesus! Jesus!" Weil er durch die Socke kam. war mein Schrei für die Gefängniswärter unverständlich. Weil es der erste laut war, den sie von mir hörten, waren sie zufrieden- sicher, mich gebrochen zu haben.
Sie schleppten mich auf einer Decke in die Zelle, wo ich ohnmächtig wurde, Als ich aufwachte, stand der Inquisitor vor mir mit einem Bündel Papier in der Hand: "Du warst stur, Verbrecher, aber du kommst hier nicht raus, bevor du nicht alles gesagt hast, was du im Inneren verbirgst. Hier sind 500 Blatt Papier. Schreib alles auf über dein Leben, deine Mutter, deinen Vater, deine Schwester, deine Schwager, Verwandte, Freunde, Bekannte, Bischöfe, Priester, Politiker; Professoren, Nachbarn und Kriminelle wie dich. Hör nicht auf, bevor du das Papier aufgebraucht hast."
Aber ich habe nichts aufgeschrieben. Nicht wegen irgendeines Fanatismus, sondern weil ich nicht die Kraft hatte, sogar mein Geist schien leer zu sein. 

DIE WÖLFIN 
Nach vier Tagen sagte das selbe Individuum: "Bist du mit schreiben fertig?" Als er sah, daß das Papier unberührt war, sagte er: Ach so stehen die Dinge, zieh dich aus! Ich will dich sehen wie Adam im Paradies". So gingen Tage vorbei, Tage nackter Haut auf dem Pflaster, typischer Komfort des humanen Sozialismus. Nach einer Weile erschien ein anderes Individuum in der Tür: "Schaun wir mal, was auf dem Papier ist? Nichts? Immer noch verstockt! Du wirst sehen, daß wir noch andere Methoden haben" -dann ging er. Dann kehrte er mit einem riesigen Wolfshund zurück- seine bedrohlichen Fänge gefletscht. 
"Siehst du sie? Das ist Diana, die heldenhafte Hündin, auf die deine kriminellen Freunde in den Bergen geschossen haben. Sie wird dir beibringen, was du zu tun hast.Lauf los!"
Und ich: " Was meinen Sie mit laufen? In einem Raum, der 9 Fuß lang ist?"
In dem Raum gab es auch eine 300-Watt-Birne, viel zu hell, für einen 9x6 Raum und nicht an der Decke befestigt, sondern an der Wand in Augenhöhe. "Lauf!" der Wolf knurrte, bereit anzugreifen. Ich lief 6 oder 7 Stunden lang, aber das stellt ich nur an der Dämmerung fest, als das Licht begann in die Zelle zu dringen und man Geräusche im Gebäude hören konnte. 
Gelegentlich ließ der Mann die Wölfin hinaus, um ihren Bedürfnissen nachzugehen. Mir war das nicht gestattet. Als ich begann das Gleichgewicht zu verlieren und Anzeichen des Aufhörens zu zeigen, versenkte die aufmerksame Wölfin ihre Zähne in meine Schulter, meinen Nacken und meinen Arm. 

Unter ihren Blicken lief ich 39 Stunden ohne Unterbrechung. Am Ende brach ich zusammen und die Wölfin stürzte sich auf mich. Sie biß mir in den Nacken, aber ohne mich zu erwürgen. Dann fühlte ich etwas Warmes auf meiner Stirn und in meinen Augen und ich verstand, daß das  Biest mir ins Gesicht urinierte. Und den Worten meiner Schlächter entnahm ich, daß ich 39 Stunden gelaufen war.
"Wir könnten den hier zum Rio-.Marathon schicken. Was für ein Durchhaltevermögen, dieses faschistische Schwein!" 
Aber weil sie sahen, daß es auch dem Marathon nicht gelungen war, mich zu überzeugen eine Erklärung über die Bischöfe, die Nuntiatur oder einige Freunde abzugeben, hielten sie es für nützlich, zu einer anderen Form der Überredung überzugehen: den Sandsack.

Fortsetzung folgt....

Quelle: Settimo Cielo, S. Magister

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