LICHT AUS DEUTSCHLAND
Als Coda für die obigen Antworten möchte ich zwei Dokumente diskutieren, die hier viel zu wenig bekannt sind.
Zur Formulierung von Pastor Aeternus hat der deutsche Kanzler Bismarck, ein erbitterter Feind der Kirche, im Dezember 1874 eine kraftvolle Ablehnung veröffentlicht. (Wer könnte ihn beschuldigen? Nach seinem Verständnis wurde gesagt, daß der Papst jetzt Gott auf Erden ist...wissen Sie...so wie Katholiken die Päpste seit dem Schreiben von Pastor Aeternus im allgemeinen behandelt haben. Deshalb ist seine Begriffsstutzigkeit hilfreich - umso mehr je mehr die Zeit fortschreitet.) Im Januar und Februar 1875 haben die Katholischen Bischöfe Deutschlands eine Antwort zusammengestellt, die von allen unterzeichnet wurde: Responses auf den Rundbried von Kanzler Bismarck auf die Interpretation der Konstitution “Pastor Aeternus” des Ersten Vaticanischen Konzils.
Warum ist das Internet nicht über und über mit diesem Dokument gepflastert, angesichts dessen, daß sein Inhalt von Pius XI persönlich unterstützt wurde? So weit ich sagen kann, existieren online nur kleinste Ausschnitte daraus. Der volle Text ist im Denzinger, 43. Ausg, Nr. 3112-16 abgedruckt. Werfen wir einen Blick auf das, was die deutschen Bischöfe - damals offensichtlich eine gute Truppe- in ihren Responses sagen. Zuerst fassen sie die falschen Lehre zusammen, die Bismarck (von den heutigen Hyperpapalisten wiederholt) aus seiner falschen Lesart von Pastor Aeternus gezogen hat:
Aufgrund dieser Entscheidungen [d. h. des Ersten Vatikanischen Konzils] hat sich der Papst die Rechte des Bischofs in jeder Diözese angeeignet und die territoriale Macht des Bischofs durch seine eigene päpstliche Macht ersetzt. Die bischöfliche Gerichtsbarkeit wurde von der päpstlichen Gerichtsbarkeit übernommen. Der Papst übt nicht mehr wie in der Vergangenheit bestimmte, ihm allein vorbehaltene Rechte aus, sondern alle Rechte der örtlichen Bischöfe sind in seine Hände übergegangen. Grundsätzlich ist er an die Stelle jedes Bischofs getreten, und es liegt jederzeit bei ihm allein, in praktischen Fragen bei Verhandlungen mit der Zivilregierung an die Stelle des Bischofs zu treten.
Jetzt sind die Bischöfe nur noch seine Instrumente, seine Funktionäre ohne persönliche Verantwortung; in Bezug auf die Zivilregierung sind sie Beamte eines ausländischen Souveräns geworden; tatsächlich eines Souveräns, der aufgrund seiner Unfehlbarkeit absolute Autorität genießt, mehr als jeder absolute Monarch auf der Welt.
Die Bischöfe weisen Bismarcks falsche Verständnis mit bewundernswerter Klarheit zurück
Alle diese Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage und widersprechen dem Wortlaut und der Bedeutung der Entscheidungen des Vaticanischen Konzils, einer Bedeutung, die klar und wiederholt vom Papst, den Bischöfen und den Katholischen Experten ausgedrückt wurde.potestas suprema, ordinaria, et immediata (höchste, ordentliche und unmittelbare Macht), die dem Papst durch Jesus Christus, dem Sohn Gottes, in der Person des Hl. Petrus, übergeben wurde; diese höchste Autorität wird über die gesamte Kirche -und damitüber jede Diözese und jeden Gläubigen ausgeübt.. [...] dennoch liefern die Beschlüsse des Vaticanischen Konzils keine Grundlage für die Behauptung, daß der Papst ihretwegen ein absoluter Herrscher wird...
Erstens unterscheidet sich der von der kirchlichen Autorität des Papstes abgedeckte Bereich wesentlich von dem, über den sich die irdische Macht eines souveränen Monarchen erstreckt, und Katholiken stellen in keiner Weise die Souveränität von Priestern und Fürsten über zivile Angelegenheiten in Frage. Davon abgesehen ist die Anwendung des Begriffs "absoluter Monarch“ auf den Papst in Bezug auf kirchliche Angelegenheiten nicht korrekt, weil er den göttlichen Gesetzen unterliegt und an die Weisungen Christi für seine Kirche gebunden ist. Der Papst kann die der Kirche von ihrem göttlichen Gründer gegebene Verfassung nicht ändern, so wie ein irdischer Herrscher die Verfassung eines Staates ändern kann. Die Verfassung der Kirche beruht in allen wesentlichen Punkten auf göttlichen Weisungen und ist daher keiner menschlichen Willkür unterworfen.
So wie das Papsttum eine göttliche Einrichtung ist, so ist es auch der Episkopat. Letzterer hat seine eigenen Rechte und Pflichten, weil er von Gott eingesetzt wurde, und der Papst hat weder das Recht noch die Macht, das zu ändern. Daher liegt ein völliges Missverständnis der vatikanischen Entscheidungen vor, wenn man aus ihnen schließt, daß "die bischöfliche Jurisdiktion von der päpstlichen Jurisdiktion übernommen wurde“, daß der Papst "grundsätzlich an die Stelle jedes Bischofs getreten“ sei, daß die … Bischöfe nur „seine Instrumente, seine Funktionäre ohne persönliche Verantwortung“ seien… Was insbesondere die [letzte] Behauptung betrifft, müssen wir sie kategorisch zurückweisen; Es ist sicherlich nicht die katholische Kirche, die sich das unmoralische und despotische Prinzip zu eigen gemacht hat, daß der Befehl eines Vorgesetzten einen bedingungslos von jeder persönlichen Verantwortung befreit.
Schließlich beruht die Meinung, dass der Papst „wegen seiner Unfehlbarkeit ein absoluter Souverän“ sei, auf einem völlig falschen Verständnis des Dogmas der päpstlichen Unfehlbarkeit. Wie das Vatikanische Konzil den Gedanken in klaren und präzisen Worten ausgedrückt hat und wie es die Natur der Sache erfordert, ist Unfehlbarkeit ein Merkmal des Papsttums, das sich ausschließlich auf das höchste [d. h. außerordentliche] Lehramt des Papstes bezieht; Es deckt sich mit dem Bereich des unfehlbaren Lehramtes der Kirche im Allgemeinen und beschränkt sich auf die Inhalte der Heiligen Schrift und Tradition sowie auf die Dogmen, die zuvor durch die Lehrautorität der Kirche festgelegt wurden. Folglich hat die Lehre von der Unfehlbarkeit das Verwaltungshandeln der Päpste in keiner Weise verändert.
Papst Pius IX- nicht irgendein Papst- sondern angesichts des Offensichtlichen- genau der, der Pastor Aeternus unterstützt und verkündet hat- richtete am 4. März 1875 das Apostolische Schreiben Mirabilis illa Constantia an die Bischöfe Deutschlands, in dem er ihre gesamte Interpretation offen bekräftigte:
Ihr habt den Ruhm der Kirche erhöht, verehrte Brüder, weil Ihr es euch zur Aufgabe gemacht habt, den wahren Sinn der Definitionen des Vatikanischen Konzils wiederherzustellen, die durch ein weit verbreitetes und irreführendes Rundschreiben verfälscht worden waren. [Ihr habt geschrieben, damit der oben genannte Brief Bismarcks] die Gläubigen nicht täuscht und, vom Neid unterwandert, einen Vorwand für Intrigen gegen die Freiheit der Wahl eines neuen Papstes bietet. Die Klarheit und Festigkeit Eurer Erklärung ist wahrlich so beschaffen, dass sie, weil sie nichts mehr zu wünschen übrig lässt, nur Anlass zu unseren tiefsten Glückwünschen sein kann, es sei denn, die listige Stimme bestimmter Zeitungen verlangt von uns ein noch stärkeres Zeugnis. Denn um dem Brief, den Sie zu Recht abgelehnt haben, wieder etwas Kraft zu verleihen, haben sie versucht, die Glaubwürdigkeit Eures Dokuments anzugreifen, indem sie behaupteten, die Lehre von den konziliaren Definitionen sei von Euch abgeschwächt worden und entspreche daher in keiner Weise der Absicht des Heilige Stuhls. Daher lehnen wir diese listige und verleumderische Unterstellung und Andeutung ab; denn Eure Erklärung stellt das wahrhaft katholische Verständnis dar, das auch das des Heiligen Konzils und dieses Heiligen Stuhls ist; Ihr habt die Lehre so geschickt und brillant mit überzeugenden und unwiderlegbaren Argumenten verteidigt, daß es für jeden ehrlichen Menschen offensichtlich ist, daß in den angegriffenen Definitionen absolut nichts Neues enthalten ist… (Denzinger 3117)
Viele theologische Diskussionen tendieren, wenn sie Theologen (oder Möchtegern-Theologen auf YouTube) überlassen werden, in zwei entgegengesetzte Richtungen: entweder in die esoterisch komplexe Richtung oder in die unbeholfene Vereinfachung. Wenn eine Lehre sozusagen „auf die Straße kommt“, sind Katholiken gezwungen, sich in einer gemeinsamen Sprache zu erklären, die aus der Sicht des Durchschnittsbürgers gut mit der vorangegangenen Lehre der Kirche harmoniert. In diesem Fall, als das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit in Europa "auf die Straße traf“, war Kanzler Bismarck schockiert und verwirrt über das, was er (zweifellos von triumphalistischen Ultramontanisten) hörte. Wir sehen in den Antworten der deutschen Bischöfe eine Erklärung des Dogmas in allgemeiner Sprache, die jeder verstehen kann, und wir sehen in der Befürwortung durch Pius IX. die Überzeugung, daß dieses Dogma nichts "Neues“ (novus) darstellt.
Offensichtlich würde nicht jeder, der Päpstliche Geschichte und Ekklesiologie studiert hat, ohne Bedenken zustimmen, daß diese Definition von 1870 nichts Neues enthält. Das ist ein Punkt, an dem Sie jemanden wie Erick Ybarra befragen müssen.
Von Bedeutung für unsere gegenwärtige Situation ist jedoch das begrenzte Verständnis der päpstlichen Monarchie, das sich in den oben genannten Dokumenten widerspiegelt, und die Bekräftigung der Rechte und Pflichten des Episkopats – Angelegenheiten von höchster Relevanz unter dem tyrannischen Regime von Papst Franziskus, das gegen die Kirche verstoßen hat Die göttlich verordnete Verfassung der Kirche im Hinblick auf die Beziehungen zwischen dem Papst und den Bischöfen wird auf unzählige Arten verändert. Eine große Zahl von Bischöfen, die auf die CDF-Umfrage antworteten, daß sie mit Summorum Pontificum in seiner jetzigen Form zufrieden sind, wurden abgelehnt. Bischöfe wurden ohne Angabe von Gründen oder Verfahren abgesetzt. Viele Bischöfe wurden dazu gezwungen, Mitgliedern ihres Priestertums und ihrer Gläubigen Schaden zuzufügen, die den traditionellen Riten der Kirche traditionell und tugendhaft verbunden sind. Böse Männer wurden zu Bischöfen oder Kardinälen ernannt, während tugendhafte Männer übergangen wurden. In jeder Hinsicht stehen wir vor einem weiteren saeculum obscurum (der dritten Periode dieser Art in der Geschichte der Kirche), in der das Papsttum durch seine eigenen Missetaten geschwärzt wird.
Die Lösung besteht nicht darin, das Papsttum aufzugeben oder sich dem Gallikanismus zuzuwenden. Die Lösung besteht darin, am traditionellen Glauben festzuhalten und täglich zum Herrn für die Hierarchie der Kirche und für die Befreiung seines Volkes durch seinen starken rechten Arm zu beten."
Quelle: P Kwasniewski, OnePeterFive
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