Anläßlich seines 90. Geburtstages veröffentlicht CNA ein Interview, das der ehemalige Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatican Pater Eberhard von Gemmingen SJ in einem Interview mit dem Katholischen podcast "Himmelklar" gegeben hat. Hier geht´s zum Original: klicken
"JESUIT EBERHARD VON GEMMINGEN WIRD 90 UND BEKLAGT NIEDERGANG DER GRUNDBILDUNG"
In einem Interview mit dem Podcast Himmelklar antwortete von Gemmingen auf die Frage, ob er die Welt aktuell als krisenhaft erlebe: „Ja, sehr. Und zwar nicht nur die Kriege. Also ein Präsident Trump, der ist sehr seltsam, und ein Putin, der ist wirklich böse. Ich erlebe aber nicht nur die Kriege – Ukraine, Naher Osten, Mittlerer Osten, Sudan –, sondern ich habe zum Beispiel gestern erst gelesen, dass Kinder nach der Volksschule nicht lesen und schreiben können. Dann kommen sie ins Gymnasium. Und wenn sie das Gymnasium abschließen, sind sie längst nicht vorbereitet auf die Universität.“
„Das Schulsystem funktioniert nicht mehr“, konstatierte der Jesuit. „Warum? Weil Jugendliche und Kinder ununterbrochen abgelenkt sind von etwas anderem. In der guten alten Zeit war das Leben langweilig. Da war die Schule auch eine gewisse Unterhaltung und es gab Druck von den Eltern. Und die Eltern haben auch ihre Autorität ausgespielt.“
„Früher war es auch nicht gut, aber es gab eine Begrenzung“, fuhr von Gemmingen fort. „Eine normale bürgerliche Familie vor 50 oder 100 Jahren hat Grenzen erlebt. Es gibt unendlich viele Arme, aber es gibt auch unendlich viele Leute, die jeden Tag zwei, drei, vier oder fünf Bier trinken müssen oder viel Wein. Leider bin ich kulturskeptisch – vor allem, dass das Bildungswesen so den Berg hinuntergeht.“
Eberhard von Gemmingen wurde am 4. April 1936 geboren. Nach dem Abitur wurde er Jesuit und empfing 1968 die Priesterweihe. Seit 1982 war er für Radio Vatikan in der Ewigen Stadt tätig. Erst 2009 zog er sich von dieser Arbeit zurück und lebt seither wieder in Deutschland.
Im Gespräch mit dem Podcast Himmelklar sprach von Gemmingen auch über das, was ihm Hoffnung gebe, etwa „einige erstaunliche Aufbrüche, neue Anfänge“ im kirchlichen Bereich: „In Augsburg gibt es das berühmte Gebetshaus, wo Tausende von jungen Menschen hinkommen zum Beten, und zwar tagelang. Das ist ein kleines Zeichen.“
„Hoffnung macht aber auch, dass die Rückkehr von Religion – weltweit vielleicht unsichtbar – doch da ist, in ganz anderer Weise“, sagte er außerdem. „Jahrhundertelang war es allgemein üblich, zu beten. Heute taucht es da und dort auf.“
„Die Erwachsenen, die heute in eine Messe gehen, kommen freiwillig, jedenfalls in den Städten“, so der Jesuit. „Die kommen nicht aus Zwang und Pflicht, sondern sie kommen freiwillig. Und das ist wunderbar, dass die Freiwilligkeit, das heißt der eigene Wunsch, da etwas vom Evangelium mitzunehmen, so vorhanden ist.“
Er selbst denke „schon seit ein paar Jahren immer mehr ans Sterben und an den Tod“. Er wünsche sich, „dass ich leicht und schnell sterbe und dass ich nicht ewig lang im Bett liegen muss oder Schmerzen habe. Davor habe ich Angst. Vor dem Sterben als solchem. Ich hoffe, ich bekenne einfach, dass Jesus auf der anderen Seite steht und mich in seine Arme schließt. Das hoffe ich und wünsche ich mir. Aber lange leiden möchte niemand.“
Quelle: CNA, Himmelklar, Pater E.v. Gemmingen SJ
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