Freitag, 10. April 2026

Bischof Eleganti - im Interview zu den geplanten FSSPX-Bischofsweihen, Fortsetzung...

Fortsetzung von hier 

..."Ein Hauptanliegen der Piusbruderschaft ist ja die Erhaltung der Tradition. Nun hat Kardinal Robert Sarah, der große Sympathien für die alte Form der Messfeier hat, so wie sie von den Piusbrüdern gefeiert wird, kürzlich gesagt, man könne die Tradition nicht durch Ungehorsam verteidigen. Da liegt er auf der Linie mit allen Heiligen. Die Heiligen haben in solchen Situationen des Dissenses mit der legitimen kirchlichen Autorität immer gehorcht und nicht ihre eigene Ansicht über die kirchlich legitime Autorität gestellt und einfach durchgesetzt, wie das die Piusbruderschaft tut. 

Können Sie da Beispiele nennen?

Zum Beispiel Pater Pio und Ignatius von Loyola. Letzterer hat sogar ein viertes Gelübde eingeführt, den Gehorsam gegenüber dem Papst, das ja in der Reformationszeit wirklich von ganz wesentlicher Bedeutung war, weil Luther den Papst als Antichristen stigmatisierte und ablehnte. Ignatius und Calvin waren zusammen an der Pariser Universität. Der eine ging in eine schismatische Richtung und wurde zum Reformator und Kirchenspalter, der andere, Ignatius, führte für seine Gemeinschaft ein viertes Gelübde ein: Gehorsam gegenüber dem Papst. Auf die Frage, was er tun würde, wenn der Papst (Paul IV.) seinen erst gegründeten Orden aufheben würde – Kardinal Carafa war Ignatius und seiner Gründung gegenüber sehr kritisch gesinnt, bevor er Papst wurde –, antwortete Ignatius, dass er eine halbe Stunde Zeit im Gebet verbringen, dann aber gehorchen würde. Nun sind Demut und Gehorsam ja schwierige kirchenpolitische Fragen, aber auch vor allem schwierige menschliche Fragen. 

Wie haben Sie denn die Problematik selber erlebt? 

Ich habe vor allem in der Jugendzeit an dieser Frage sehr gelitten. Sie hat mich buchstäblich krank gemacht, weil ich schon als junger Mann in dieser Zwickmühle war. Mein erster geistlicher Vater vertrat die Ansicht, die ich soeben am Beispiel von Ignatius erklärt habe. Die Leitung der Gemeinschaft, in der ich zwölf Jahre lang lebte, wählte den passiven Widerstand. Man hielt den Befehl zur Auflösung der Gemeinschaft als nicht konform mit dem Heiligen Geist. Dieser Ungehorsam hat zur Suspendierung a divinis des Gründers geführt. Diese Frage hat mein Gewissen lange beschäftigt. Ich bin dann zu meiner ursprünglichen Ansicht zurückgekehrt, dass Gott das Werk durchsetzen muss, das Er durch uns  durchsetzen muss, das Er durch uns innerhalb Messe anlässlich der Weihe von sechs Seminaristen der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu Priestern am 28. Juni 2019 auf dem Gelände des Priesterseminars der Piusbrüder in Écône (Schweiz) Jean-Matthieu Gautier/KNA 22 VATICAN 4-2026 INTERVIEW der Kirche realisieren will, nicht wir, schon gar nicht gegen die legitime, von Christus selbst eingesetzte kirchliche Autorität wie z. B. jene des Papstes. Ungehorsam führt zur Spaltung. 

Wie schätzen Sie denn den Papst selber ein? Warum hat er beispielsweise die Leitung der Piusbrüder nicht persönlich empfangen und sie von Angesicht zu Angesicht aufgefordert, ihm gehorsam zu sein? 

Nun, ich kann nicht in ihn hineinschauen. Vielleicht lässt er zuerst seine Mitarbeiter die Dinge vorbereiten, bevor er persönlich und direkt in diesen Dialog einsteigt. Auch wie er diesen Akt qualifizieren wird, falls die Piusbruderschaft tatsächlich ohne seine Autorisierung zur Weihe neuer Bischöfe schreiten wird, kann ich jetzt nicht sagen. 

Haben Sie denn Hoffnung, dass es vor dem Stichtag 1. Juli zwischen dem Vatikan und der Piusbruderschaft noch zu einer Einigung kommen könnte? 

So wie das Denken und die Ansichten auf beiden Seiten sind, bin ich eher pessimistisch und habe keine große Hoffnung, dass es eine Einigung geben wird. Wie gesagt, wenn man der Argumentation der Piusbruderschaft wie auch von Bischof Athanasius Schneider folgt, dann könnten ja auch ganz andere Kreise, zum Beispiel sehr liberale Bischöfe mit ähnlicher Argumentation vorgehen und ihre Ziele ohne den Papst durchsetzen. Aber wo kämen wir hin, wenn jeder Bischöfe weihen könnte, ohne Konsequenzen zu befürchten? Dann wäre doch die Spaltung vorprogrammiert, die schon Paulus im Ersten Korintherbrief beklagt hat: „Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid vielmehr eines  Sinnes und einer Meinung! Es wurde mir nämlich, meine Brüder und Schwestern, von den Leuten der Chloë berichtet, dass es Streitigkeiten unter euch gibt. Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus. Ist denn Christus zerteilt?“ (1 Kor 1,10-13). Paulus hat sein Evangelium Petrus vorgelegt. Er war 14 Tage bei ihm und ließ sich explizit durch Petrus (Jakobus und Johannes) bestätigen und senden, um sicher zu sein, dass er mit seinem Evangelium an die Heiden nicht ins Leere läuft: „Vierzehn Jahre später ging ich wieder nach Jerusalem hinauf, zusammen mit Barnabas; ich nahm auch Titus mit. Ich ging hinauf aufgrund einer Offenbarung, legte der Gemeinde und im Besonderen den Angesehenen das Evangelium vor, das ich unter den Völkern verkünde; ich wollte sicher sein, dass ich nicht ins Leere laufe oder gelaufen bin … Deshalb gaben Jakobus, Kephas und Johannes, die als die Säulen Ansehen genießen, mir und Barnabas die Hand zum Zeichen der Gemeinschaft: Wir sollten zu den Heiden gehen, sie zu den Beschnittenen“ (Gal 2,1-2.9). Paulus hätte die Gabe gehabt, autonom Kirchen zu gründen. Er war durch Christus berufen; er hatte sehr hohe Einsichten; und er hatte eine größere missionarische Dynamik entfaltet als andere. Aber er wollte die Einheit mit Petrus und er wollte von Petrus für seine Heidenmission gesandt sein. Er hat sich diese Sendung nicht selbst gegeben. Sie kam von Christus durch die Bestätigung (Anerkennung) der Kirche (Petrus).

Quelle: Weihbischof M. Eleganti,  vaticanmagazin

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