Samstag, 25. April 2026

Papst Leo an EVP - Abgeordnete: Ideale nicht mit Ideologie verwechseln...

Mario Galgano berichtet bei vaticannews über das Treffen des Hl. Vaters mit Vertretern der EVP und  seine Ansprache an die Abgeordneten. Hier geht´s zum Original:  klicken

"PAPST AN EVP: EINHEIT SUCHEN, NICHT DEN KONFLIKT, DER ZU ZERSTÖRUNG FÜHRT"

Papst Leo XIV. hat am Samstagmittag Parlamentarier der Europäischen Volkspartei (EVP) empfangen und in einer Grundsatzrede die Bedeutung christlicher Prinzipien für die Zukunft des europäischen Projekts hervorgehoben. Unter den Anwesenden befanden sich der Vorsitzende Manfred Weber sowie die Sonderbeauftragte der Europäischen Union für Religionsfreiheit, Mairead McGuinness.

Der Papst betonte in seiner Ansprache, dass Politik die „höchste Form der Nächstenliebe“ sei, sofern sie sich dem Aufbau des Gemeinwohls verpflichtet fühle. Er warnte davor, Ideale mit Ideologien zu verwechseln. Ideologie sei das Ergebnis einer „Verzerrung der Realität“ und unterwerfe Menschen einer Agenda, die deren wahre Bestrebungen nach Freiheit und Wohlbefinden unterdrücke.

Um der Entfremdung zwischen Bürgern und Repräsentanten entgegenzuwirken, forderte das Kirchenoberhaupt eine Rückkehr zum „Analogen“ im digitalen Zeitalter. „Ein echtes Gefühl für ,das Volk' muss neu geschaffen werden, was den persönlichen Kontakt zwischen den Bürgern und ihren Vertretern voraussetzt“, so der Papst. Dies sei das Gegenmittel zu Populismus und Elitismus.

Konkrete politische Schwerpunkte


In seiner Ansprache formulierte der Papst spezifische Anforderungen an die parlamentarische Arbeit, die sich aus einem christlichen Realismus ableiten. Die Politik solle „würdige Arbeitsbedingungen fördern“, die den Einfallsreichtum der Menschen anregten, anstatt sie einem „zunehmend entmenschlichenden“ Markt zu unterwerfen. Es müssten Bedingungen geschaffen werden, die es den Menschen ermöglichen, „die Angst vor der Gründung einer Familie und vor dem Bekommen von Kindern zu überwinden“. 

Leo XIV. forderte, die „Ursachen der Migration an der Wurzel zu bekämpfen“. Dabei müsse die Sorge für Leidende mit den „tatsächlichen Kapazitäten für die Aufnahme und Integration“ abgewogen werden. Herausforderungen wie die Bewahrung der Schöpfung und die Künstliche Intelligenz müssten „auf nicht-ideologische Weise“ angegangen werden.

Das christliche Erbe als Kompass


Der Papst rief die Abgeordneten dazu auf, das christliche Erbe nicht als bloßes Etikett, sondern als Leitfaden für Entscheidungen zu nutzen. Er zitierte dabei seinen Vorgänger Benedikt XVI. und betonte, dass er die „Anerkennung des christlichen Erbes Europas durch Ihre Fraktion schätze“.

„Das europäische Projekt, das aus der Asche des Zweiten Weltkriegs entstanden ist, entsprang gewiss einer praktischen Notwendigkeit – nämlich zu verhindern, dass sich ein solcher Konflikt wiederholt –, ist jedoch ebenso von einem idealen Horizont durchdrungen, nämlich dem Willen, eine Zusammenarbeit ins Leben zu rufen, die Jahrhunderte der Spaltung beendet und es den Völkern des Kontinents ermöglicht, das gemeinsame menschliche, kulturelle und religiöse Erbe neu zu entdecken."

Die Rolle der Gründerväter

Die Gründerväter seien von ihrem persönlichen Glauben beseelt gewesen und hätten die christlichen Prinzipien als einen gemeinsamen und einigenden Faktor betrachtet, der dazu beitragen konnte, den revanchistischen und konflikthaften Geist zu überwinden, der zum Zweiten Weltkrieg geführt hatte, so Papst Leo weiter.

Papst Franziskus hat einen schönen und einfachen Ausdruck geprägt, der diese Idee zusammenfasst: ,Die Einheit steht über dem Konflikt', denn das Streben nach Einheit hat den Mut, über die konflikthafte Oberfläche hinauszugehen und die anderen in ihrer tiefsten Würde wertzuschätzen. Dadurch wird es möglich, etwas Neues und Aufbauendes entstehen zu lassen, während der Konflikt die Gegensätze hervorhebt, die Suche nach Macht und deren Durchsetzung fördert und zur Zerstörung führt."

                         „Die Einheit steht über dem Konflikt“


Christliches Handeln in der Politik bedeute nicht, konfessionell aufzutreten, sondern „dem Evangelium zu erlauben, die zu treffenden Entscheidungen zu leiten, auch solche, die keinen leichten Konsens finden“. Ein besonderes Augenmerk legte er auf die Wahrung der Religions-, Gedanken- und Gewissensfreiheit. Ein „,Kurzschluss' der Menschenrechte“, der letztlich der Gewalt und Unterdrückung den Weg ebne, müsse vermieden werden.

Abschließend erinnerte der Papst an die Gründerväter der Union – Adenauer, De Gasperi und Schuman – und deren Vision einer Einheit, die „größer ist als der Konflikt“. Die Aufgabe der Politik sei es heute, diese Vision durch „schwierige und sogar unpopuläre Entscheidungen“ zum Wohle der Allgemeinheit zu schützen."

Quelle: M. Galgano, vaticannews

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