Alexander Folz berichtet für die KNA, wie Erzbischof Gänswein in einem Interview die Entwicklung des Synodalen Weges in Deutschland und das Schisma der FSSPX nach den illegitimen Bischofsweihen beurteilt hat. Hier geht´s zum Original: klicken
Unter dem Titel:
"ERZBISCHOF GÄNSWEIN: URSPRÜGLICHES ANLIEGEN DES SYNODALEN WEGS "KAM ABHANDEN"
beginnt der Beitrag so: ZITAT
"Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, was ich vom Synodalen Weg halte“, sagte Gänswein. „Ausgangspunkt war die Frage, welche Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal zu ziehen sind. Aus dieser Absicht ist etwas anderes entstanden. Das ursprüngliche und eigentliche Anliegen kam abhanden.“
Zur Begründung verwies der Erzbischof auf einen Brief von Papst Franziskus, der „den deutschen Katholiken damals einen bemerkenswerten Brief geschrieben“ habe, der „klare Aussagen machte über Ziel und Inhalt einer Erneuerung des kirchlichen Lebens“, sagte Gänswein. „Die Bischöfe haben diese Schreiben öffentlich gelobt – nur haben sie es leider nicht ernst genommen. Franziskus hat vorgeschlagen, den Schwerpunkt auf die Evangelisierung zu legen. Stattdessen drehte sich die Debatte immer stärker um Strukturen, Gremien und Machtfragen. Es folgten zahlreiche Gespräche mit Rom. Fragt man heute, was am Ende tatsächlich erreicht wurde, fällt die Bilanz bedrückend aus.“ (...)
Quelle: A. Folz, KNA
Redaktion - Montag, 6. Juli 2026, 15:30 Uhr.
Erzbischof Georg Gänswein hat den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland erneut scharf kritisiert. Das ursprüngliche Anliegen des Reformprozesses sei im Lauf der Zeit verlorengegangen, sagte der Apostolische Nuntius im Baltikum in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
„Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, was ich vom Synodalen Weg halte“, sagte Gänswein. „Ausgangspunkt war die Frage, welche Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal zu ziehen sind. Aus dieser Absicht ist etwas anderes entstanden. Das ursprüngliche und eigentliche Anliegen kam abhanden.“
Zur Begründung verwies der Erzbischof auf einen Brief von Papst Franziskus, der „den deutschen Katholiken damals einen bemerkenswerten Brief geschrieben“ habe, der „klare Aussagen machte über Ziel und Inhalt einer Erneuerung des kirchlichen Lebens“, sagte Gänswein. „Die Bischöfe haben diese Schreiben öffentlich gelobt – nur haben sie es leider nicht ernst genommen. Franziskus hat vorgeschlagen, den Schwerpunkt auf die Evangelisierung zu legen. Stattdessen drehte sich die Debatte immer stärker um Strukturen, Gremien und Machtfragen. Es folgten zahlreiche Gespräche mit Rom. Fragt man heute, was am Ende tatsächlich erreicht wurde, fällt die Bilanz bedrückend aus.“
Gänswein zog ein nüchternes Fazit: „Es wurden viele Kräfte vergeblich gebunden. Wenn ich heute mit gläubigen Katholiken spreche, höre ich oft: Das interessiert mich nicht. Die Menschen wollen den Glauben leben, sie suchen nach Orientierung und nach Gott. Genau darum müsste es gehen.“
Der Vatikan hat unter Papst Franziskus und inzwischen unter Papst Leo XIV. trotz aller Kritik nie förmlich gefordert, den Synodalen Weg zu beenden. Zu den Forderungen des Synodalen Wegs gehören beispielsweise eine positive Bewertung homosexueller Akte durch die Kirche – im Kontrast zur biblisch und naturrechtlich begründeten lehrmäßigen Position –, die Prüfung der Möglichkeit weiblicher Diakone und sogar Priester sowie die reguläre Taufspendung und Predigt durch Laien. Zu letzterem Punkt kam vor wenigen Wochen ein Nein aus dem Vatikan.
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Im selben Gespräch äußerte sich Gänswein auch zur Zukunft der Piusbruderschaft. Anlass waren die am vergangenen Mittwoch in Écône in der Schweiz vollzogenen Bischofsweihen: Hauptkonsekrator Alfonso de Galarreta weihte dort ohne päpstliches Mandat die Priester Pascal Schreiber, Michael Goldade, Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier zu Bischöfen.
Das vatikanische Dikasterium für die Glaubenslehre unter Kardinal Víctor Manuel Fernández stellte daraufhin per Dekret die Exkommunikation von sechs Bischöfen der Bruderschaft fest. Betroffen sind neben den vier Neugeweihten auch de Galarreta als Hauptkonsekrator und Bernard Fellay als Ko-Konsekrator. In einer begleitenden „erklärenden Note“ hielt das Dikasterium zudem fest, dass künftig alle Geistlichen der Piusbruderschaft als Schismatiker betrachtet würden und automatisch exkommuniziert seien, nicht nur die Bischöfe.
Zur Vorgeschichte sagte Gänswein: „Kurz vor der Weihe hatte Papst Leo in einem sehr persönlichen Schreiben an den Oberen der Piusbruderschaft gebeten, diesen Schritt nicht zu tun. Er wollte ihnen eine Brücke bauen. Dieser Versuch blieb leider fruchtlos. Wer ohne das päpstliche Mandat Bischöfe weiht, zieht sich automatisch die Exkommunikation zu. Die kirchenrechtlichen Folgen sind bekannt. Die Weihen sind zwar gültig, da aber die Betroffenen sich gegen die Einheit der Kirche versündigt und dem Nachfolger Petri, dem Garanten der kirchlichen Einheit, den Gehorsam verweigert haben, stehen sie außerhalb der vollen Gemeinschaft mit der Kirche.“
Gänswein zog eine Parallele zum Jahr 2009, als Papst Benedikt XVI. vier Bischöfe der Piusbruderschaft – zwei davon sind inzwischen verstorben – von der Exkommunikation befreite, die 1988 ohne päpstliches Mandat geweiht worden waren. „Die vier von Erzbischof Lefebvre 1988 geweihten Bischöfe hatten Reue und Umkehr gezeigt und um Aufhebung der Exkommunikation gebeten“, sagte er. „Viele wissen nicht, was eine Exkommunikation bedeutet. Sie ist keine Strafe um der Strafe willen, sondern eine Beugestrafe. Sie soll den Menschen zur Einsicht und Umkehr führen. Wenn jemand erkennt, dass er einen schweren Fehler begangen hat, und glaubwürdig umkehrt, hat er ein Recht darauf, dass die Exkommunikation aufgehoben wird. Dass einer der vier Bischöfe, Bischof Williamson, ein Holocaust-Leugner war, wusste Papst Benedikt nicht. Das Unwetter, das über ihm ausbrach, ist bekannt.“
Auf die Frage, ob dies auch für die jetzt geweihten Piusbrüder gelte, antwortete Gänswein: „Ja. Reue darf aber nicht nur ein innerer Akt bleiben. Wo der Bruch öffentlich erfolgt ist, muss auch die Umkehr sichtbar werden. Tätige Reue und Umkehr sind nötig. Aber davon ist im vorliegenden Fall keine Rede.“

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