Mittwoch, 13. Januar 2016

Achse Deutschland-Brasilien: der Kampf um den Zölibat.

Die Rolle des Fußes in der Tür beim Kampf gegen den Zölibat soll die Ausnahmeregelung für verheiratete Priester (viri probati) in bestimmten Gebieten der Amazonas-Region spielen.
Dazu hat Sandro Magister bei www. chiesa einen Artikel verfaßt:  klicken

           
       "VERHEIRATETE PRIESTER. DIE ACHSE DEUTSCHLAND BRASILIEN"
Ein deutscher Theologe und ein brasilianischer Bischof berichten über den Plan von Franziskus örtliche Ausnahmen von der Regel des priesterlichen Zölibates zuzulassen. Beginnend mit dem Amazonas

Ein Briefwechsel, eine Unterhaltung und eine Neuheit, die bereits Gesetz geworden ist, bestätigen den Plan von Papst Franziskus, die Implementierung eines verheirateten Klerus in der Katholischen Kirche zu ermöglichen.

Der Briefwechsel fand auf Initiative des prominenten (?) deutschen Theologen Wunibald Müller, 65, statt, der im Dezember 2013 einen offenen Brief an den Papst schrieb, der an prominenter Stelle auf der offiziellen website der DBK  unter dem Titel "Papst Franziskus, öffnen Sie die Tür" veröffentlicht wurde, in dem der Papst gebeten wird, den Zölibat für die Priester zu beseitigen.

Müller ist nicht irgendwer. Er ist Psychologe und profilierter Autor. Er gründete und leitet das "Recollectio-Haus" in der Benediktiner-Abtei von Münsterschwarzbach in der Diözese Würzburg, in der Priester und Ordensleute in existentiellen Krisen betreut werden- finanziert von 7 anderen Diözesen (Augsburg, Freiburg, Limburg, Mainz, München-Freising, Paderborn, Rottenburg-Stuttgart) ,mit der spirituellen Unterstützung des -nicht nur in Deutschland , sondern weltweit meistgelesenen Benediktiners Anselm Grün.

Müllers Standpunkt drückt sich gut in seiner Diplom- und seiner Doktorarbeit aus ""Der Priester als spiritueller Führer homosexueller Personen" und "Homosexualität, eine Herausforderung für die Theologie und Seelsorge"

Nachdem er auf seine erste Botschaft keine Antwort erhalten hatte, versuchte Müller es im April 2014 ein zweites mal mit einem zweiten Brief an Jorge Mario Bergoglio. Und nach fast 20  Monaten antwortete der Papst ihm am Ende.

Am 25. November des letzten Jahres veröffentlichte die KNA, die Presseagentur der DBK Neues über die Korrespondenz  und über Signale "der Offenheit" vom Papst. Und am 4. Januar interviewte die SZ Müller und fragte ihn nach weiteren Details.



Frage: "Sie haben einen Brief an Papst Franziskus geschrieben?

Müller: Ich habe um die Lockerung des Zölibats gebeten. Es sollte sowohl verheiratete als auch zölibatäre , homosexuelle und heterosexuelle Priester geben."

Frage: "Und die Antwort?"

Müller: " Franziskus hat mir für meine Überlegungen gedankt,was mich sehr glücklich gemacht hat, Er sagte, daß meine Vorschläge nicht für die universelle Kirche zu realisieren sind., aber ich denke, dass das nicht Lösungen auf regionaler Ebene ausschließt. Franziskus hat den Brasilianischen Bischof Erwin Käufer gebeten, herauszufinden ob es in seiner Diözese verheiratete, verdiente Männer (viri probati) gibt, die als Priester ordiniert werden könnten. Der Papst sucht Orte,wo etwas geändert werden kann, das dann eine Eigendynamik entwickelt."

Erwin Kräutler der Bischof, der sich  aus Altersgründen aus der riesigen Prälatur Amazonas von Xingu zurückzieht, aber dennoch sehr aktiv ist als Sekretär der Amazonas-Bischofskonferenz und er ist genau de Bischof der einige Tage vor Weihnachten eine weitere Unterredung mit Papst franziskus hatte über die Möglichkeiten für die Gebiete mit dramatischem Priestermangel auf verheiratete Preister zurückzugreifen.
Radio Vatican hat die Nachrichten über dieses Gespräch durch ein Interview mit Kräutler vom 22. 12. ergänzt:

Frage: "Was hat der Papst über Gemeinden gesagt, die ohne Priester nicht die Eucharistie feiern können?"

Kräutler: "Er sagte mir, daß wir konkrete Vorschläge machen müssen. Sogar kühne, gewagte Voirschläge.Er sagt mir, daß wir den Mut haben müssen zu sprechen. Er selbst wird nicht die Inititative ergreifen, aber den Leuten zuhören. Er will die Schaffung eines Konsenses und den Anfang von Bemühungen in verschiedenen Regionen den Menschen zu ermöglichen, Eucharistie zu feiern. Wenn man die Apostolische Exhortation von Johannes Paul II "Dies Domini" liest, sagt diese ganz klar, daß es keine Christliche Gemeinde gibt, wenn es keine Versammlung um den Altar gibt. Nach dem Willen Gottes müssen wir dann Wege öffnen, damit das gelingt. In Brasilien arbeitet ein Kommission bereits an der Frage, welches wohl diese Wege sein können."

Frage: "Was sollten wir in diesem Punkt vom Pontifikat von Franziskus erwarten?"

Kräutler: " Einen Wendepunkt. Sogar noch mehr, wir sind bereits am Wendepunkt. Ich glaube, daß wir schon an einem Punkt "of no return" angekommen sind. Selbst der nächste Papst oder der nach ihm wird nicht in der Lage sein, hinter das zurück zu gehen, wofür Franziskus steht und was er heute tut."

In einem früheren Artikel, vom 12.7.2015 hatte Kräutler im italienischen Magazin "Credere" bestätigt, daß " der Papst die Amazonas-Kommission schon im April um konkrete Vorschläge gebeten hatte," und "seit damals haben wir über die wenigen Wege nachgedacht, wie man allen Gemeinden die Möglichkeit verschaffen könne, mehr als dreimal im Jahr an der Eucharistie teilzunehmen."

Unter diese "Wegen" war eben auch die Ordinierung verheirateter Männer, um die tatsache zu kompensieren-wie Kräutler fortfuhr- "daß wir für 800 Kommunen nur 30 Priester haben  und die REgion sit sehr wetläufig."

Es muß jedoch auch gesagt werden, daß der Mangel an Berufungen zum Priestertum in brasilien auch auf das schreckliche Beispiel zurückgeführt werden kann, den ein Teil des Klerus dieses Landes gibt- wenn es denn wahr ist, wie ein so zuverlässiges und vertrauenswürdiges Katholisches Magazin wie "Il Regno" vor einer Weile die Lage beschrieb.

" Die Gläubigen haben keine andere Wahl als sich in der Kirche zu versammeln und eine Art priesterlosere Messe zu feiern, sogar in den Städten, wo es keinen Priestermangel gibt. Am Sonntag könnten sie in die verschiedenen Kirchen ausschwärmen, aber sie ziehen es statt dessen vor, untereinander zu konzelebrieren und die Gläubigen der Gande ungezügelter Fanatiker zu überlassen, falls die Fanatiker nicht selber sie Zelebranten sind, die manchmal die liturgischen Texte verändern, weil sie sie nicht verstehen, die das Singen des Sanktus in einen Tanzrhythmus umändern, die nicht für den Papst, den Bischof, die Verstorbenen beten. Priester die wie die Friseure in Italien Montags einen Tag frei nehmen und keine Messe feiern, nicht einmal in den Kathedralen. Oder sie besuchen die Kranken nicht, bringen das Viaticum nicht, sind nicht bei den Beerdigungen. Und sie können sich nicht für alles mit ihrer geringen Zahl rechtfertigen."

Ein anderer Faktor -aber kein unwichtiger- beim Marsch zu den viri probatio  in der Lateinischen Kirche, ist die Erlaubnis für Priester der Katholischen Ost-Kirchen, außerhalb ihrer traditionellen Gebiete zu wirken. Also nicht nur im Mittleren Osten und Ost-Europa sondern überall.

Diese Erlaubnis wurde von Papst Franziskus -durch die Vaticanische Kongregation für die Ostkirchen, der der argentinische Kardinal Leonardo Sandri vorsteht,  am 14. Juni 2014  gegeben. Und sie eliminierte eineinhalb Jahrhunderte eines unüberwindbaren Verbotes.

Zudem hatten in beiden Amerikas und Westeuropa die lateinisch katholische Hierarchie daran festgehalten daß die Anwesenheit verheirateter Priester auf ihrem Gebiet- die zu Beginn der Migration einsetzte, bei den Gläubigen "gravissimum scandalum" verursachen würde.
Papst Franziskus hat statt dessen eine solche Präsenz unter bestimmten Bedingungen erlaubt, Und er zitiert zu seiner Rechtfertigung die Apostolische Konstitution von 2008 "Anglicanorum Coetibus",  mit der Benedikt XVI die Anwesenheit verheirateter ex-anglikanischer Priester und Regionen zuließ, die noch unter dem Bann gegen die verheirateten Priester des Ost-Ritus standen.

Eine letzte Beobachtung: Die Ordination verheirateter Männer zum Priestertum "in besonderen Fällen und aus pastoraler Notwendigkeit"  wurde schon einmal von einer Synode geprüft-der von 1971- die " dem priesterlichen Amt und der Gerechtigkeit in der Welt" gewidmet war.

Die Hypothese wurde zur Abstimmung -gegen eine andere, die den Zölibat ohne Ausnahme für den gesamten lateinischen Klerus beibehalten wollte- zur Abstimmung gestellt.

Die Letztere gewann mit 107 zu 87 Stimmen.

Seitdem sind 45 Jahre vergangen und Papst Franziskus glaubt offenbar, daß die Zeit reif ist, die Frage neu zu überdenken und eine Öffnung für verheirateten Klerus zu schaffen, beginnend mit einigen wenigen Gebieten Latein-Amerikas, die besonders von Priestermangel betroffen sind.

Ohne Drama. Weil das-sagt er-"eine Frage der Disziplin ist, nicht des Glaubens."

Quelle: www.chiesa Sandro Magister

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Für die Schmerzfreien hier noch einige Links zu Artikeln zum gleichen Thema:

zur SZ :  > “Auch wer zölibatär lebt, braucht Intimität”

zur KNA zur Korrespondenz zwischen Müller und dem Papst::
> Zölibat, ein 'Päpstliches Nein' und die Sache mit dem richtigen Dreh

zum Interview von Radio Vatican Deutschland mit Bischof E. Kräutler vom 22. 12. 2015
 > Bischof Kräutler: Franziskus ist “väterlich und brüderlich”



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