Roberto de Mattei kommentiert bei Corrispondenza Romana die Frankreichreise des Hl. Vaters. Hier geht´s zum Original. kliken
"LEO XIV UND DIE PLACE DE LA CONCORDE"
Die Apostolische Reise von Leo XIV. nach Frankreich vom 25. bis 28. September 2026 erwies sich als ein Publikumserfolg, der selbst den Papst überraschte. Frankreich ist nämlich eines jener europäischen Länder, in denen sich ein aggressiver Säkularismus besonders stark manifestiert. Kurz vor dem Besuch des Papstes erschien ein fundierter Bericht des European Centre for Law and Justice (ECLJ) mit dem Titel *Souffrances et espérance de l’Église en France* (Leiden und Hoffnung der Kirche in Frankreich). Der von Grégor Puppinck und Constance Avenel erstellte Text dokumentiert den massiven Druck, den der laizistische Staat in den Bereichen Familie, Bildung, Gesundheitswesen und Bioethik ausübt. Hinzu kommen Gewalttaten gegen Kirchen, Wallfahrtsorte und Gläubige. Am 4. März 2024 hatte Frankreich als erstes Land der Welt das Recht auf Abtreibung in der Verfassung verankert, und am 19. August 2026 wurde im Amtsblatt ein neues Gesetz veröffentlicht, das assistierten Suizid und Euthanasie zulässt. Als Reaktion darauf gewinnen unabhängige katholische Schulen zunehmend an Bedeutung, die Zahl der Taufen steigt, und immer mehr junge Menschen nehmen an großen Wallfahrten wie jener nach Chartres teil. In diesem Jahr gab es in Frankreich 21.386 neue Taufen – 20 Prozent mehr als im Vorjahr –, darunter 8.152 Jugendliche und 13.234 Erwachsene, vorwiegend junge Menschen. „Ich bin erstaunt über die Zahl der Menschen, die wieder an die Schwelle des Glaubens zurückkehren“, sagte der Papst bei seinem Treffen am Institut Catholique am Morgen des 26. September.
Der Höhepunkt der Papstreise war die am Nachmittag des 26. auf der Place de la Concorde – im Herzen von Paris – gefeierte Messe, vor einer riesigen Menschenmenge, die auf 800.000 Personen geschätzt wurde. Ein Ereignis von symbolischer Bedeutung angesichts dessen, wofür dieser Platz einst stand
Die Place de la Concorde, 1755 von dem Architekten Ange-Jacques Gabriel entworfen, hieß ursprünglich Place Louis XV. Die Französische Revolution veränderte die Geschichte dieses Ortes für immer. Der große Platz wurde zum Hauptschauplatz der Hinrichtungen durch die Jakobiner und 1792 in Place de la Révolution umbenannt. Die Guillotine verwandelte die Todesstrafe in ein Schauspiel, bei dem die Republik ihre Macht demonstrierte, alle „Feinde des Volkes“ zu vernichten. Am 21. Januar 1793 wurde dort Ludwig XVI. enthauptet, am 16. Oktober desselben Jahres Königin Marie-Antoinette. Das Verbrechen Ludwigs XVI. bestand darin, ein König zu sein. Was vom Revolutionstribunal zum Tode verurteilt wurde, war nicht der Mensch, sondern die monarchische Institution, die er verkörperte. Der Platz, der einst zur Verherrlichung der ältesten katholischen Monarchie Europas konzipiert worden war, wurde so zum Ort ihrer symbolischen Vernichtung. „Allein schon der Titel ‚König‘“, so verkündete Robespierre, „zieht die Geißeln des Krieges über die erschütterte Nation.“ Doch auch Robespierre wurde – nach Danton – im Jahr 1794 auf der Place de la Concorde guillotiniert: Die Revolution fraß erbarmungslos ihre eigenen Kinder: