Donnerstag, 28. April 2016

Amoris Laetitia, das Fest der Interpretationen

Sandro Magister kommentiert bei Settimo Cielo L´Espresso das, was er ein "Fest der Interpretationen" nennt.
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                   "AMORIS LAETITIA- DAS FEST DER INTERPRETATIONEN"

Pater Guido I. Gargano schreibt, daß er viel Freude an der Lektüre der postsynodalen Exhortation "Amoris Laetitia" gehabt habe. Er sagt, weil der darin das gefunden habe, was auch er in seinem Artikel schrieb, der in einer theologischen Zeitschrift in der Zeit zwischen den beiden Synoden veröffentlicht wurde und was er in zahlreichen Diskussionen wiederholt hat.

amoris

Gargano, Camaldolensischer Mönch, Prior des Klosters San Gregorio al Celio, geschätzter Spezialist für Kirchenväter am Päpstlichen Bibelinstitut der Urbaniana-Universität, hat sich nicht darauf beschränkt, die Ehe-Lehre der Kirche neu zu interpretieren. Er ist an die Primärquellen dieser Lehre gegangen, zu dem, was Jesus im Matthäus-Evangelium sagt und liest sie auf radikal neue Weise neu.

Nach seinem Urteil hat Jesus die mosaische Erlaubnis des Verstoßens weder widerrufen noch habe er je die, die sich wegen Verhärtung der Herzen ihrer noch bedienen, vom Himmlischen Königreich ausgeschlossen.Diese kühne Exegese hat sehr kritische Reaktionen hervorgerufen, aber auch Zustimmung. Kardinal Walter Kasper, Unterstützer der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen hat sie in der deutschen jesuitischen Zeitschrift "Stimmen der Zeit" zitiert.Allerdings scheint nichts aus der Exegese Pater Garganos in die Synoden-Debatte im vergangenen Jahr eingegangen zu sein. Auch nicht in Amoris Laetitia.
Aber das ist es nicht, auch wenn der gelehrte Patrologe einen ganz gegenteiligen Eindruck bei seiner Lektüre der postsynodalen Exhortation gewonnen hat.

Den gesamten Kommentar Pater Garganos kann man hier lesen:
Es ist aufschlußreich ihn im Ganzen zu lesen.
Aber um zu verstehen, in welchem Sinne Pater Gargano seine These bei Papst Franziskus gefunden hat, genügt es die 3 "Bemerkungen" wiederzugeben, in denen er seine Freude ausdrückt.
Die erste Notiz folgt einer Empfehlung des Papstes an die Bischöfe und Priester "wir sind aufgerufen, die Gewissen zu formen, nicht vorzugeben, es zu ersetzen,"
Und er sagt:
"Eine Forderung an mich, die mich in dem bestätigte, was ich schon in einem Artikel geschrieben hatte und der solche Reaktionen in den Monaten zwischen der ersten und zweiten Synodensitzung hervorgerufen hat."

Die zweite Bemerkung beschließt die Passage von Amoris Laetitia, in der Franziskus auf der Gradualität der Wahrnehmung der Sünde besteht, die auf der idealen Natur der von Jesus gepredigten Unauflöslichkeit der Ehe basiert, und deshalb auf der Notwendigkeit einer von Fall-zu-Fall-Differenzierung.
Und er sagt
"Auch das macht mir viel Freude, weil ich das bereits in meinem Artikel, der mehr als eine ablehnende Reaktion hervorgerufen hatte, geschrieben habe: die Notwendigkeit immer zwischen Vorsatz und Ziel zu unterscheiden bei der Interpretation der Worte Jesu. Das resultiert meiner Meinung nach aus einer Exegese, die gegenüber der Passage im Matthäus-Evangelium aufmerksam ist, die auch der Papst zitiert.
Und ich versuche zu sagen, daß eine ähnliche Differenzierung, eine konsequente Aufmerksamkeit auch der Gradualität zusteht, die meine Interpretation Jesus Moses zuerkennt, den er in nichts widerlegen will. Und die ihnen erlaubte, sich auf die Härte der Herzen zu berufen, ohne deshalb aud das "Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen" zu verzichten," (Mt. 19,6)

Auch die dritte Bemerkung betrifft die Gradualität nach der das Gesetz das angestrebte Ziel bewußt macht, auch wenn es noch nicht erreicht wurde." auch wenn es selbst noch nicht erreicht ist,"
Und er sagt:
"Auch in diesem Fall erneuert sich meine Freude die ich schon bei der ersten Notiz spürte..Franziskus traut sich deshalb nicht, (in § 295 von Amoris Laetitia) auf den Text von Matthäus 19,8 hin in dem Jesus erklärt: "Wegen der Verhärtung eurer Herzen hat Mosds euch erlaubt, eure Frauen zu verstoßen, aber am Anfang war es nicht so."

Wahrscheinlich läßt er das aus, weil der präzise Kontext , in dem er spricht, sich nicht genau auf getrennte, wiederverheiratete Paare nach einer Verstoßung oder Scheidung bezieht, sondern einfach nur auf Paare, die in einer nur zivilen Ehe oder nur in einer de-facto-Verbindung zusammen leben,

Es ist deshalb schwierig zu denken,daß die vom Papst vorgeschlagene Orientierung auch nicht vom Matthäus-Text abweicht, in dem der Unterschied zwischen dem, was das Gesetz des Mose erlauben konnte und was im Gegenteil der Plan des Schöpfergottes von Anfang an war, mit der Konsequenz der "Härte der Herzen" eine Interpretation zu geben, die man ruhig mit dem in Verbindung kann, was der Papst, die Menschen nennt, die nicht in der Lage sind, die objektiven Anforderungen des Gesetzes voll zu verstehen, einzuschätzen und zu befolgen.

Wie man aus diesen drei einfachen Notizen, kommentaren eines geschätzten Patrologen und Theologen wie Pater Gargano sehen kann, sind sie ein leuchtender Beweis dafür daß in Amoris Laetitia jeder das lesen kann, was er will.
Es genügt, an diese ebenfalls positive aber diametral entgegengesetgzte Lektüre der Exhortation durch einen Spezialisten der Familienpastoral wie Juan José Perez-Soba zu erinnern, Priester der Diözese Madrid und  Dozent des Päpstlichen Institutes Johannes Paul II für Studien zu he-und Familienfragen der Lateranuniversität.
Aber es gibt keinen Grund, zu denken, daß Papst Franziskus sich geirrt hat, und so -----ausgelöst hat sein Lehramt so deformiert. Es ist richtiger, zu denken, daß er das vorsätzlich getan hat.
Mit dem Effekt daß es nicht mehr die Doktrin ist, die entscheidet sondern die pastorale und differenzierte Praxis. 
Quelle: Settimo Cielo, Sandro Magister

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