Mittwoch, 28. Juni 2017

"Das Heilige Land nicht als Gegengift gegen die Reduzierung des Glaubens zu nutzen ist nicht Reife sondern Dummheit."

Der emeritierte Erzbischof von Ferrara Msgr. Luigi Negri hat zum Abschluss seiner Amtszeit das Hl. LAnd besucht und berichtet in einem Interview mit Benedetta Frigerio von La Nuova Bussola Quotidiana
Besonders beeindruckend ist der himmelweite Unterschied dieser wahrhaft spirituellen Reise an Den Ort des Geschehens zu der Reise einer deutschen gemischtkonfessionellen deutschen Bischofsdelegation, die es in Jerusalem für angebracht erachtete, ihre Brustkreuze abzulegen, quasi als negatives Glaubenszeugnis. Ebenso bedenkenswert sind die Diagnose "Gnosis", die er der zeitgenössischen Kirche stellt und die Therapie, die er vorschlagt: die Rückkehr ins Hl. Land.
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"KEHREN WIR INS HEILIGE LAND, ZURÜCK UM DEN GLAUBEN ZU RETTEN"

                     

"Um den Gauben vor der Gnosis zu retten, müssen wir ins Heilige Land zurückkehren. Es sind die Pilgerfahrten, die eine Gesellschaft blühen lassen. Das sagt Msgr. Luigi Negri, der emeritierte Erzbischof von Ferrara-Comacchio in einem Gespräch mit La Nuova Bussola Quotidiana in einer Bar in Jerusalem am Ende einer von einigen Freunden von "Istoria Viaggi" organisierten Pilgerfahrt vom 19.-25. Juni.

"Msgr. Negri, nach 12 Jahren sind Sie erneut im Hl. Land. Zu Beginn Ihres Episkopates sind Sie gekommen und am Ende Ihrer Amtszeit in der Diözese von Ferrara-Comacchio. Was haben Sie in diesen Tagen in Ihrem Herzen?"

"Wie so oft passieren die wichtigsten Dinge wie zufällig. Zu der Zeit als eine Gruppe von Freunden darauf drängte, gemeinsam ins Land Christi zu kommen, überschnitt sich dasg mit dem Ende meiner Amtszeit: mir schien der Augenblick gekommen, ja zu sagen und ich muß sagen, daß ich mich darüber freue. Es war der Abschluss meines Episkopates, in dem ich unnachiebig das Christentum als Realität verteidigen wollte. 
Ich habe in der Tat gegen die weitverbreitete Tendenz in der Kirche gekämpft, das Christentum auf eine Botschaft, die sie protestantisiert, zu reduzieren, Eine Botschaft, deren Kontextualisierung man den Philosophen und Interpreten überlassen kann, wie neulich der Ordengeneral der Jesuiten zu verstehen gegeben hat.

Das Heilige Land als Verteidigung des wahren Glaubens, interessant.

"Wer an diese Orte kommt, versteht, daß das Christentum keine Botschaft ist. Die historiche Aufgabe des Hl. Landes ist es, diesen Aussatz des Christentums zu bekämpfen, die Gnosis von einer Botschaft, die man benutzt, um mit der weltlichen Mentalität zu dialogisieren."





Wie haben Sie Ihre Freunde dabei begleitet, sich in die Tatsachen der Geburt, des Lebens und Todes Christi einzufühlen?

"Ich bin dankbar, daß sie mich eingeladen haben und für die unmittelbar erlebte Gemeinschaft mit den anwesenden Freunden, einer Gemeinschaft, die möglich war, weil jeder hier für Christus in Christus verwurzelt war. Und so haben wir untereinander eine wahre Nächstenliebe erlebt. 
Besonders bei unserer vorbildlichen Führung durch einen bestens vorbereiteten einheimischen Christen. der uns sagte, daß er mit den Gruppen von Istoria Viaggi besonders verbunden sei, was für andere nicht zutreffe,
Es ist also offensichtlich, daß wir nicht nur tote Steine besucht, sondern die Tatsache Christus nacherlebt haben, hier und unter uns präsent, und mit ihm die historischen Momente, an denen er beteiligt war, noch einmal gegangen sind.

Wie kehren Sie nach Hause zurück?

"Die Menschen, die das Hl. Land in Pilgerfahrten besuchen, fühlen die Notwendigkeit, das Herz für den Ursprung weit zu öffnen, die Banalität des täglichen Lebens in der Tiefe zu überwinden, um seine wahre Dimension zu finden, in der unsere Geschichte mit der Christi verbunden ist, seine Geburt, seinen Tod und seine Auferstehung, die auch wir erleben müssen."

"Außer als über eine Botschaft- sprechen andere in der Kirche von der Essentialität des Christentums als Ereignis, stellen aber die Zeichen, die Orte, die Geschichte, die Tradition an die zweite Stelle, also auch die Lehre, die sie so darstellen, als sei Christus mit alle dem nicht eins. Und zu denken, daß die Franziskaner sich hier haben töten lassen, um auch die verborgensten Orte im Leben Christi zu verteidigen."

"Ein Ereignis ohne Zeichen ist kein Ereignis. Das menschliche Leben wird durch verschiedene Zeichen, abhängig von den Stationen des Lebens, bezeichnet. Nimmt man dem Leben die Zeichen, was bleibt dann? Man hätte weder Erinnerungen noch eine Identität. Wir wären nicht die, die wir sind.
Über Ereignisse ohne diese Zeichen zu sprechen, ist eine andere Art das Christentum- ohne es zu sagen- auf eine Botschaft zu  reduzieren. Im Gegenteil- ich wiederhole das- das Heilige Land ist ein Gegengift zur Reduzierung des Glaubens: es nicht zu nutzn ist nicht Reife sondern Dummheit."

Und dennoch- im Buch von Claudel "Die Verkündigung an Maria", das Don Giussani so liebte, ruft Anna Vercors, die nach Jerusalem aufbricht, wie um die schreckliche Situiation in der sich die Kirche und Frankreich befinden zu heilen, angesichts des verborgenen Opfers ihrer Tochter aus: "Welches Ende des Lebens ist es, zu leben? Sollen die Kinder Gottes vielleicht mit ihren Füßen fest aus dieser erbärmlichen Erde stehen bleiben? Nicht zu leben sondern zu sterben, bedeutet nicht das Kreuz zu schmälern sondern es zu besteigen und ihm in Freude zu geben, was wir haben. Das ist die wahre Freude."

"Es stimmt, daß es im Leben eher um das tägliche Opfer geht als um die großen Unternehmungen, aber Anna hat das beim Pilgern verstanden. Die Menschen im Mittelalter gingen auf Pilgerfahrt um den Glauben zu nähren: es ist wie einen Hauch von Sauerstoff einzuatmen, sich an die Tatsache und die Methode, das Leben erblühen zu lassen, zu erinnern, der zwar nicht die Banalität des Täglichen wegnimmt aber ihm den wahren Atem zurückgibt. Tatsächlich- würde man dem Mittelalter die zahlreichen Pilgerfahrten seines Volkes nehmen, würde man das schlagende Herz der größten christlichen Zivilisation vergessen. Alles ist aus diesem Pilgern entstanden."

Erklären Sie uns warum

"Weil es dem Volk Gottes erlaubte, im täglichen Leben beschäftigt, aber mit dem Herzen in Christus verwurzelt zu sein und auf das endgültige Ende des Lebens- das Paradies- ausgerichtet zu sein.
Deshalb bietet die Kirche seit jeher nicht nur eine,Regelung an, die uns ein wenig individuelle Freiheit gibt,(ein Beispiel ist Polen mit der Verehrung der Madonna von Czenstochau) sondern sie bezeichnet auch den Wallfahrtsort, wo das Ereignis Inkarnierter Gott wieder passiert, damit der Glaube nicht aus ihr verschwindet sondern sie tief durchdringt und verklärt."

Manche behaupten, daß die Zahl der italienischen Pilger sich aus Angst vor Attentaten auf ein Minimum reduziert hat. Stimmen Sie dem zu?

"Das hat die Christen nie aufgehalten: die Zahl der Pilger nimmt mit dem Glauben ab. Ich greife besonders deshalb ein, um an die Notwendigkeit zu pilgern, zu erinnern, damit der Glaube nicht schwindet sondern sich erneuert."

Was können Sie z.B über unseren fragilen und kurzsichtigen Glauben sagen, in diesem Land, und wie die montheistischen Religionen mit starker Identität und starken Wurzeln zusammen leben?

"Die Religionen sich in ihrer Verschiedenheit mit großem Respekt begegnen zu sehen, in der Kraft ihrer Identität. ist bewegend. Hier sind die tiefen in einem Zusammenleben gereiften Unterschiede zu sehen und sicher nicht in gelehrten Studien in den Seminaren. 
Die Kraft dieser Identität - Ellbogen an Ellbogen gelebt- und als solche -sollte die, die in diesem Land leben verstehen lassen, daß sie auf eine einzigartige Weise mit einer größeren Aufgabe leben."

Was haben Sie vom Islam in Israel  wahrgenommen?
"Sicher -wenn man hier ist und nicht auf den doktrinalen Islam schaut, sondern den der Menschen, die hier arbeiten, gehen, leben, um das Ende des Monats zu erleben, nehmen sie nicht die gleiche Offenheit wie bei uns wahr. Und das sage ich nicht als Vorwurf sondern als etwas Gegebenes: ich habe Menschen mit solcher Traurigkeit im Gesicht gesehen, wie man sie auch im Westen sieht.
Im Gegensatz dazu sind die Christen hier sehr zufrieden, wie um zu bestätigen, daß die Rettung des Westens aus dem Osten und vom Christentum kommt. Wenn der Westen nicht zu Christus zurückkehrt, bleibt er übersättigt und verzweifelt, während der Orient, wenn er Christus nicht begegnet, zu einem schweren Schicksal bestimmt ist."

Quelle: Benedetta Frigeria, la Nuova Bussola Quotidiana


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