Samstag, 26. August 2017

Amoris Laetitia und kein Ende. Sandro Magister kommentiert

Sandro Magister kommentiert bei Settimo Cielo die Aufnahme des letztjährigen, zunächst privaten Briefes des amtierenden Pontifex an den Sekretär der argentinischen Bischöfe der Region Buenos Aires zu ihrer Interpretation von Amoris Laetitia und die Versuche "des Theologen der dem Papst am nächsten steht" Victor Fernández, dem Magister süffisant gerade einmal allenfalls mittelmäßige Qualität zuerkennt, das zu rechtfertigen,
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"DER STURM UM AMORIS LAETITIA UND KEIN ENDE. FRANZISKUS MAG DIE LEISEN DINGE NICHT."

" Das Schreiben ist sehr gut und erklärt völlig die Bedeutung von Kapitel VIII... Es gibt keine anderen Interpretationen." Mit diesen Worten hat Papst Franziskus in einem am 5. September des letzten Jahres datierten Brief eine Aussendung der Bischöfe der Region Argentinien anerkannt, die die postsynodale Exhortation "Amoris Laetitia"  so interpretierte, daß sie die Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion, die fortwährend more uxorio zusammenleben ermöglicht.

Aber das stand in einem privaten Brief an einen im Sekretariat dieser Bischofsgruppe angestellten argentinischen Msgr.  Und selbst das vom Papst approbierte Schriftstück der Bischöfe war ursprünglich nicht zur Veröffentlichung gedacht und trägt keine Unterschrift.
Zu wenig und zu Dürftiges ist getan worden, um auf definitive Weise, die authentische Bedeutung zu
klären- die mit Sicherheit dem Autor von "Amoris Laetitia" zuzuschreiben ist.

Ein Versuch dazu ist in den letzten Tagen von dem Theologen, der dem Papst am nächsten steht, gemacht worden- dem Argentinier Victor Manuel Fernández- und mit der lauwarmen Hilfe des Osservatore Romano. Aber ohne Erfolg.

Und das konnte nicht anders sein. Weil am Ursprung die Verwirrung steht. Sie ist im Text von Amoris Laetitia selbst, der niemals ganz, auf klare unmißverständliche Weise  sagt, worauf der Papst anspielt.

Die Passage die dem am nächsten kommt ist Paragraph 305:

"Wegen Formen der konditionierenden und mildernden Faktoren ist es möglich, daß in einer objektiv sündigen Situation- die subjektiv nicht schuldhaft oder nur schuldhaft sein kann-ein Mensch in Gottes Gnade leben, lieben und auch im Leben in Gnade und Barmherzigkeit wachsen kann, während er, um das zu erreichen, die Hilfe der Kirche bekommt."

Und in der dazugehörigen  Fußnote 351:
"In bestimmten Fällen, kann das die Hilfe durch die Sakramente einschließen" Also "möchte ich die Priester daran erinnnern, daß der Beichtstuhl keine Folterkammer sein soll sondern eher eine Begegnung mit der Barmherzigkeit des Herrn" (Apostolische Exhortation Evagelii Gaudium 44), ich würde auch darauf hinweisen, daß die Eucharistie "nicht ein Preis für die Perfekten ist sondern eine kraftvolle Medizin und Nahrung für die Schwachen."

Wie sehr gut bekannt ist, ist Franziskus in verschiedener Form und mehrmals gebeten worden, einen so wirren und stümperhaften Text klarzustellen. Besonders seitens der vier Kardinäle, denen der Papst keine Antwort geben und nicht einmal eine Audienz gewähren wollte.




Aber hier kommt Fernández, um zu predigen, daß der Brief an die Bischöfe von Buenos Aires genügt und daß einige von ihnen "wissen wollen, wie der Papst selbst interpretiert, was er geschrieben hat".

Und denen, die einwenden. daß ein Brief dieser Art zu wenig ist, erwidert Fernández -indem er einen
Präzedenzfall vom Staub befreit, der die Interpretation des I. Vaticanischen Konzils betraf, als Pius IX 1875 einen kontroversen Punkt klärte, indem er sich hinter einen Brief der deutschen Bischöfe an Reichskanzler Bismarck stellte.

"Wenn der Papst das einzigartige Charisma der Kirche für den Dienst an der richtigen Interpretation des Wortes Gottes empfangen hat" schreibt Fernández kategorisch "kann das seine Fähigkeit, die Dokumente, die er selbst geschrieben hat, zu interpretieren. nicht ausschließen.
Es kommt nicht darauf an, wie und wann er das  tut, wichtig ist, daß man weiß.,, daß der "Krieg" gegen ihn vorbei ist."

"Was nach dem Sturm übrig ist" ist der Titel, den der vertraute Theologe des Papstes für seinen Essay gewählt hat, den er in der letzten Ausgabe von "Medellin", der theologischen Zeitung des Rates der Lateinamerikanischen Episcopalkirchen veröffentlicht hat- in Vorbereitung der Reise Franziskus´ nach Columbien im September und nach Chile und Peru im kommenden Januar.

        "Kapitel VIII von "Amoris Laetitia" : Was bleibt nach dem Sturm?"

Weil der Autor des Artikels nicht nur Jorge Mario Bergoglio sehr nahe steht, sondern de facto auch der Architekt großer Teile von Amoris Laetitia ist- in seinem solchen Ausmaß, daß die Exhortation
ganze Abschnitte aus seinen Artikeln von vor ungefähr einem Jahrzehnt enthält, wurde diese Äußerung sofort als vom Papst selbst inspiriert interpretiert.
Dessen Absicht sei gewesen, durch Fernández als seinen ausgewählten Sprecher vor allem zwei Dinge ein für alle mal zu klären.

Erstens daß die Interpretation der Argentinischen Bischöfe auch die seine und die richtige ist.

Zweitens, daß Franziskus es vorgezogen hat, den Weg zur Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen nicht im Textkörper von Amoris Laetitia freizumachen, sondern nur in dürftigen Fußnoten, weil er das auf "diskrete Weise tun wollte, weil er das nicht als Kernaussage des Dokumentes betrachtet, sondern die Kapitel, "die der Liebe gewidmet sind."

Aber die Frage bleibt: welches Niveau an Autorität kann einem Aritkel beigemessen werden, wie dem der in der Zeitung "Medellin" erscheint und von einem Theologen unterschrieben ist, der weltweit für weniger als mittelmäßig angesehen wird? 

Im Vatican wurde ein  Versuch unternommen, ihn durch zwei aufeinanderfolgende Schritte auf eine höhere Ebene zu heben: einem vor und einem nach der Veröffentlichung des Artikels.

Sogar bevor Fernández Artikel herauskam, waren sowohl die Aussage der Bischöf der Region von Buenos Aires und der Brief von Franziskus an ihren "Delegierten" Sergio Alfredo Fenoy  auf die offizielle website aufgenommen worden, die die vollständige Sammlung der päpstlichen Schriftstücke und Reden präsentiert.

> "Querido hermano…"  (Lieber Bruder...) 

Während nach der Veröffentlichung des Artikels der Osservatore Romano, "die Zeitung des Hl. Stuhls", die die Story am 22. August gebracht hatte, und außerdem erklärt hatte, daß "wenn das 8. Kapitel von Amoris Laetitia besonders im Hinblick auf die Zulassung zur Eucharistischen Kommunion für Geschiedene in einer neuen Verbindung interpretiert wird, das genau so getan werden muß, wie es in Fernández´ Artikel in "Medellin" festgestellt wird.
Was bedeutet: 

"Es ist es wert, mit der Interpretation zu beginnen, die Franziskus selbst kategorisch in seiner Antwort an die Bischöfe der Region von Buenos Aires von seinem Text gibt,
Franziskus schlug einen Schritt vorwärts vor, der eine Veränderung der aktuellen Disziplin beinhaltet.
Indem die Unterscheidung zwischen dem objektiv Guten und der subjektiven Schuld aufrecht erhalten wird und das Prinzip, daß absolute moralische Standards keine Ausnahme zulassen, wird zwischen den Normen und ihrer Formulierung unterschieden- und das erfordert eine besondere Aufmerksamkeit für mildernde Einschränkungen. Diese beziehen sich nicht nur auf die Kenntnis der Normen sondern besonders auch auf die wirklichen Möglichkeiten zur Entscheidung in der konkreten Realität."

Beide Passagen jedoch erscheinen alles andere als deutlich.

Zu allererst sagt das Hinzufügen dieses Briefes von Franziskus an die Argentinischen Bischöfe zur Dokumentensammlung des Pontifikates nichts über das Niveau seiner Autorrität aus, weil diese Sammlung extrem unterschiedlich ist und z.B. auch seine spontanen Plaudereien auf jedem Rückflug von seinen Reisen umfaßt.

Zweitens gibt es ein auffälllig lauwarmes Zögern in der Art wie der Osservatore Romano Fernández´
hoctrabenden Artikel wiedergegeben hat. Auf Seite 6, ohne jede Information auf der Titelseite und mit einer Schlagzeile, die keinerlei Hinweis auf den Inhalt gibt.


("Die pastorale Unterscheidung. In der letzten Ausgabe von Medellin, der Theologiezeitschrift der Celam, die dem Lehramt des Papstes gewidmet ist.")
Und das ist nicht alles. Das Zitat durch den Osservatore stammt nicht aus dem aktuellen Artikel von Fernández sondern aus seiner Zusammenfassung und gibt nur die erste Hälfte wieder.

Kurz gesagt: die Ursünde des wirren und stümperhaften Aufbaus von Amoris Laetitia und besonders des 8. Kapitels bleibt bestehen. Aber das ist offensichtlich die Art, die Franziskus mag.

Quelle: Settimo Cielo, S. Magister

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