Dienstag, 1. August 2017

Reformen oder Revolution? A. Gagliarducci zum Stand der Dinge bei der Römischen Kurienreform....

In seiner wöchentlichen Kolumne Monday in The Vatican fragt sich A. Gagliarducci nach den Zielen die Papst Franziskus -unabhängig von den Wünschen seiner Großwähler- mit der Kirche hat.
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"PAPST FRANZISKUS: REFORMIEREN BEDEUTET NICHT DIE VERGANGENHEIT ABZUSCHNEIDEN."
Seit Franziskus Papst geworden ist, steht die Lesart, daß er gewählt wurde um alles in der Kirche zu verändern. Die alten Traditionen abzuschaffen. Die Kirche auszuleeren, um sie für die Armen arm zu machen. Sogar um- zum Wohl einer spirituelleren Kirche- alle jene Institutionen abzuschaffen, die Teil des Hl. stuhls und des Vatican-Staates waren.  Der Papst aus der Peripherie war auch aufgerufen, die Regierung der Kirche zu denzentralisieren, den Ortskirchen mehr Gewicht zu geben und eher mehr Wert auf die pastorale Arbeit zulegen als auf die Doktrin. 

Sind das wirklich die Ziele des Pontifex. Oder ist ein Papst aufgerufen auf die Zeichen der Zeit zu achten ohne das Erbe aufzugeben, das die Kirche für zwei Jahrtausende bewahrt hat?

Von außen gesehen erscheint es notwendig, mit der Vergangenheit zu brechen, weil viele Traditionen nutzlos erscheinen. Wahr ist, daß jene, die keinen Sinn für die Römische Tradition haben, die Kirchentraditionen überhaupt nicht verstehen können. Ohne ein Verstehen der Kirchentraditionen können die den Sinn der Romanitas an der Basis der Wahrnehmung der Römischen Katholischen und Apostolischen Kirche nicht erfassen.

Am 26. Juli, dem Tag der Hl. Anna, hat die Erzbruderschaft der Palafrenieri - die sich nach den Reitknechten nennt, ihren Festtag mit einer Messe in der ihnen anvertrauten Kirche, Santa Caterina della Rota in Rom gefeiert.

Ihre Pflichen haben sich geändert: in alter Zeit gehörten sie zu den ersten Beratern des Papstes und standen dem Pontifex sehr nahe. Heute- so erklärt die website der Erzbruderschaft- "ist der Geist der alten Zeit durch eine neue Form der Aufmerksamkeit ersetzt worden, die nach dem II. Vaticanischen Konzil  als Gemeinschaftsmission der Laien geschaffen wurde, die in der säkularen Welt mit zeitlichen Dingen umgehen, aber ihnen nach der Kirchenlehre eine Ordnung geben und  sie als Zeugnis eines Lebens zeigen, das die Tradition respektiert, die die Bruderschaft mehr als 6 Jahrhunderte gekennzeichnet hat."




Das bedeutet, daß die päpstliche Familie Form und Aufgabe verändert hat und daß viele der alten Titel nicht mehr existieren, weil sich die Zeiten geändert haben. Dennoch spielt diese Welt im Leben des Vaticans noch eine wichtige Rolle. Zu den Mitgliedern der Erzbruderschaft gehören die "Sediari pontifici", jene, die einst den Stuhl des Papstes (sedia gestatoria)  trugen und heute Staatsoberhäupter und Monarchen bei ihrem Besuch beim Papst begleiten, nach einem sehr alten Zeremoniell. das das Gewicht und die Geschichte des Hl. Stuhls zeigt, wenn Gäste kommen, um dem Stellverteter Christi zu treffen.

Daß sich die alten Titel verändern haben aber nicht verloren gehen, wird durch die Entwicklung des Titels "Monsignor" gezeigt.

Paul VI hat den Titel auf jeden ausgeweitet, der zum Päpstlichen Haushalt gehört. Es war ein Ehrentitel. der nicht länger an die Funktionen eines Hofes und an Dienste in der Umgebung des Papstes im Apostolischen Palast gebunden ist.
Es gab drei Ränge des Monsignor: Kaplan seiner Heiligkeit für Priester die mindestens 35 Jahre alt sind und seit 5 Jahren Priester; Prälat seiner Heiligkeit, für Priester, die älter als 45 Jahre und 15 Jahre im Priesteramt sind, und Apostolischer Protonotator für Priester die älter sind als 55 und seit 20 Jahren Priester.

Papst Franziskus hat einen weiteren Schritt unternommen: am 7. Januar 2014 bat er den Staatssekretär  eine Regel zu formulieren, die den Rang eines Kaplans seiner Heiligkeit auf Diözesanpriester im Alter von 65 Jahren und mehr zu beschränken. Für Mitarbeiter des Hl. Stuhls wurde nichts geändert. Insgesamt eine kleine Änderung.

Die Entscheidung, den Titel Monsignor außerhalb Roms zu vergeben, wurde gemacht, um sich jeden als Teil der Römischen Kirche fühlen zu lassen und vereint im Dienst am Papst, einem universalen Kriterium entsprechend.

Das war das Ansinnen Pauls VI, als er 1968 das Dekret zur Reform der Titel und des Päpstlichen Haushalts "Pontificalis Domus"  unterzeichnete. Das Dokument zu lesen, hift uns zu verstehen, daß Paul VI niemals den Päsptlichen Hof abgeschafft, sondern nur die alten Funktionen an den Zeitgeist angepaßt hat. Nichts in dem Dokument kann uns denken lassen, daß Paul VI die Kirche ausleeren wollte. Es zeigt vielmehr, daß der Selige Papst kein Komma der Vergangenheit verlieren wollte.

Das Motu Proprio beginnt damit, zu erklären daß der Päpstliche Haushalt sich im Lauf der Jahrhunderte "in einem langen, mannigfaltigen und komplexen Prozess" entwickelt hat, der den vielfältigen Anforderungen an die Person und die Mission des Papstes folgte." Der Päpstliche Haushalt - fuhr der Papst fort- "war immer eine besondere, ehrwürdige und nützliche Einrichtung um den Stuhl Petri, der sowohl das spirituelle Zentrum der Katholischen Kirche als auch der Sitz des Stellvertreters Christi  sein sollte." 

Paul VI notiert, daß "weil der Papst das sichtbare Oberhaupt der Katholischen Kirche und König eines von zivilen Autoritäten und etlichen Völkern anerkannten zeitlichen Staates ist, haben die Päpste immer "gläubige, passende und fähige Leute" unter Priestern und Laien ausgewählt, um die Notwendigkeiten des liturgischen Dienstes und den Dienst im zeitlichen Staat abzudecken."

Der Papst betonte aber. daß "wegen der bekannten historischen Veränderungen der modernen Zeit viele der den Mitgliedern des Päpstlichen Haushaltes anvertraute Pflichten ihrer Funktion beraubt haben und daß sie nur ehrenhalber aufrecht erhalten wurden, während sie der konkreten Situation der Zeit nicht entsprachen."

Zur selben Zeit - fügte er hinzu- "nahm die religiöse Mission des Römischen Pontifikates täglich neue Formen und Dimensionen an, so daß der Apostolische Stuhl durch einen realistischen Blick auf die konkrete Lage gezwungen ist, nur das zu behalten, was essentiell und für das Erbe seiner Institutionen und Gebräuche wichtig ist."

Diese Entscheidung- stellte der Papst fest- wurde auch durch die Tatsache gerechtfertigt, daß nach dem II. Vaticanischen Konzil eine neue Sensibilität entstand. Sowohl in der Kirche als auch in der Öffentlichen Meinung, gab es eine Wahrnehmung des Primats, der spirituellen Werte, der Notwendikeit zur Wahrheit, Ordnung und Realismus -zusammen mit Respekt vor dem Notwendigen, Funktionalen und Logischen- im Vergleich zu dem, was nur äußerlich, dekorativ und nominalistisch ist."

Daher die Erneuerung der Titel mit dem Ziel "einerseits die essentiell spirituelle Mission  des Römischen Pontifex zu unterstreichen und andererseit die speziellen Funktionen (die der Papst hat) im zivilen und internationalen Leben hat." Mit den neuen Titeln würden sowohl die Mitglieder des Päpstlichen Haushalts als auch der Päpstlichen Familie "effektive Funktionen und Aktivitäten auf spirituellem und zeitlichen Gebiet erfüllen, und so als angepaßte Version der alten Realität geformt werden."

Warum wurde nichts abgeschafft? Weil Päpste immer eine aus Klerus und Laien gebildete Familie um sich hatten; sie haben immer kollegiale Verwaltungen geschaffen und dabei alle sozialen Schichten eingebunden und den Kardinälen eine wichtige Rolle bei den Entscheidungen der Kirche gegeben.

Die gleichen alten Funktionen, die seit Jahrhunderten die Stürme der Geschichte überlebt haben, weil sie immer in der Lage waren, sich selbst zu erneuern, sind konstitutioneller Teil der Kirchengeschichte. Diese Funktionen repräsentieren das Leben der Kirche, gleichzeitig hierarchisch als auch für das Volk da zu sein; gleichzeitig ein Staat zu sein, der den Menschen schützt und die Stimme Gottes in der Welt zu verbreiten und auch eine spirituelle Einheit, die das auf dem Evangelium basierende Licht anbietet.

Skandale zu manipulieren, um die Kirche anzugreifen, so wie es antiklerikale Kampagnen immer getan haben- hat nie der Prüfung durch die Zeit stangehalten. Menschliche Fehler sind immer durch diese große Tradition, die alle um die universale Mission : die Evangelisierung- herum sammelt, überwunden worden.

Ohne Kontinuität mit der Vergangenheit gibt es keine Reform in der Kirche. Es ist kein Zufall, daß Benedikt XVI sein Pontifikat damit begann und beendete, über das Zweite Vaticanische Konzil zu sprechen und von der Hermeneutik der Konitnität, und noch einmal gezeigt hat, daß die Stärke der Kirche nicht aus einer äußeren Revolution besteht sondern in der Umkehr der Herzen.

Es ist kein Zufall, daß Papst Franziskus immer von der Umkehr der Herzen gesprochen hat, während er ohne Enthusiasmus zu sein scheint, wenn er über die Kurienreform spricht.

Aber sein Lobpreis der Peripherien hat uns dazu gebracht, über einen zunehmende Ablösung von der Römischen Tradition nachzudenken. Indem er Kardinäle kreierte, die anscheinend Kriterien der Repräsentanz folgen und die er nach der Geographie rekrutiert, scheint Papst Franziskus auf die Tradition zurück zu greifen, jeden zu einem Teil Roms machen zu wollen.

Andererseits nach dem Lobpreis der örtlichen Bischofskonferenzen- sogar auf Kosten doktrinaler Themen- macht die Kurie zu einem der vielen Zentren. Diese Punkte einer Rationale der Demontage , die die Feinde der Kirche nur anerkennen können, während die Kirche Gefahr läuft, ihre konstitutive Identität zu verlieren.

Am Ende ist da die Notwendigkeit, die Romanitas wieder zu verstehen, Wie die Historikerin Angela Pelliciari unterstreicht, wollen säkulare Kräfte Rom erobern, weil Rom die Welt repräsentiert, Der Apostelfürst kam nach Rom umd der außerordentlichen Geschichte der Evangelisierung Nachdruck zu verleihen, die mit der Inkarnation des Sohnes Gottes begann."

Quelle: Monday in the Vatican, A. Gagliarducci


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