Montag, 12. Februar 2018

Marco Tosatti über ein trauriges klerikales Panoptikum

Marco Tosatti stellt sich bei Stilum Curiae die Frage ob ein Papst lügen darf- oder ein Kardinal und betrachtet in diesem Sinn die jüngsten Äußerungen der Kardinäle Cupich und Galantino.
Was er den Italienischen Bischöfen bzgl. ihrer Stellungnahmen zur Immigration ins Stammbuch schreibt, gilt übrigens so auch für deren deutsche Brüder im Amt.
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"EIN KLERIKALES PANOPTIKUM. DARF DER PAPST LÜGEN? UND KARDINAL BLAISE CUPICH? GALANTINO, DIE KIRCHE UND DIE POLITIK."

Das ist ein trauriges klerikales Panoptikum. Trauriger als man sich vorstellen kann. Geben wir dem einen Grund: der römische Pontifex lügt vielleicht. Und das- erlauben Sie mir, das zu sagen,- ist zumindest für mich ein starker Grund zur Traurigkeit.
Darf der Papst lügen? 

Aber die letzte Episode - leider nicht die einzige- ist die des von Pater Karadima in Chile begangenen sexuellen Mißbrauchs, bei dem auch jener Barros teilgenommen haben soll, der jetzt von Papst Franziskus zum Bischof von Osorno ernannt wurde.

Die Opfer hätten den Papst bei seinem Besuch im Januar 2018 treffen wollen. Das ist ihnen nicht gewährt worden.Während des Rückflugs hat der Papst, wie Catholic World News schrieb- Beweise für die Anschuldigungen verlangt und gesagt, er habe keine erhalten.
So hat die Kollegin Franca Giansoldati im Messagero geschrieben: "Ich hab kein einziges Opfer von Barros gehört, Sie sind nicht gekommen, ich konnte mit keinem von ihnen sprechen, sie haben sich nicht gezeigt. Wenn eine Person mit einem Beweis kommt, bin ich der Erste, der ihm zuhört."

Nun hatten die Opfer von Barros darum gebeten, während der Chile-Reise vom Pontifex empfangen zu werden. Der dann aber andere Mißbrauchsopfer empfing, sehr diskret, aber nicht sie.
Dann ist es die Kollegin Nicole Winfield von AP die einen Brief veröffentlichte, den die Opfer Barros´ 2015 an den Papst geschrieben haben.
Wie Catholic World News schrieb: "Kardinal Sean O´Malley , der der Päpstlichen Spezialkommission für Mißbrauch vorsitzt, hat die Mitglieder der Kommission unterrichtet, daß er dem Pontifex einen Brief der Opfer ausgehändigt habe.
Juan Carlos Cruz, Autor dieses Briefes, sagte AP, daß Kardinal O ´Malley ihm versichert habe, daß der Papst seinen Brief 2015 erhalten habe."





Leider ist das nicht das erstemal, daß- sagen wir mal so- es Diskrepanzen dieser Art gibt.
Ohne nähere Recherchen gemacht zu haben, rufe ich in Erinnerung, daß der Pontifex vor einigen Jahren in etwa sagte: "ich entlasse niemanden, bevor ich mit ihm gesprochen habe."
Dennoch wurde Rogelio Livieres Plano, Bischof von Ciudad del Este aus seiner Diözese verjagt, und verbrachte dann 2 Wochen in Rom mit der Bitte vom Papst empfangen zu werden - ohne Erfolg- bevor er nach Argentinien zurückkehrte und kurze Zeit später an einem Tumor verstarb.
Bei einer anderen Gelegenheit -als er auf eine Frage antwortete, warum ohne Begründung und gegen den Willen von Kardinal Müller drei mutige und fähige Mitarbeiter der Glaubenskongregation entlassen wurden, sagte er: "Die Leitung des Disziplinamtes der Glaubenskongregation hat gewechselt, der bisherige Direktor war sehr gut war aber ein bißchen müde, und er ist nach Hause zurückgekehrt, um die selbe Arbeit für seinen Episkopat zu machen"
Dieser Direktor des Disziplinaramtes war einer der  drei willlkürlich entlassenen Mitarbeiter. Und er war keineswegs müde. Und er hatte keineswegs den Wunsch, in sein Heimatland zurück zu kehren.

Und wieder bei einem Flug: in einem unvergessenen Interview - unmittelbar nach seiner Nichhterneuerung seines Vertrages sagte Kardinal Müller, daß der Pontifex ihm seine Entscheidung so erklärt habe: ab jetzt solle keiner über das Alter von 75 Jahren hinaus sein Amt behalten und ich sei der Erste, auf den diese Entscheidung angewandt würde.
Heute fehlt es bis in die höchsten Ränge der Kurie hinein nicht an gegenteiligen Beipielen: die Kardinäle Amato, Stella, Coccopalmero sind die ersten, die mir in den Sinn kommen. Nicht nur das : in der Terzia Loggia sagen sie mir, daß man eine Maßnahme erwägt, die Amtsdauer von Bischöfen und Verantwortungsträgern in der Kurie auf ein Alter von 78 Jahren anzuheben, oder alternativ eine Norm zu erlassen, die noch deutlicher macht und festlegt, daß der Papst ad libitum entlassen oder beauftragen kann. Kurz gesagt, wir überlegen und Folgendes: wenn  wir nicht sagen wollen, daß der Papst lügt (das tut man nicht!) geben wir zu, daß er ein bißchen zerstreut ist....

Auch du, Cupich....
Und diese Zerstreutheit muß eine ansteckende Krankheit sein, wenn der Kardinal von Chicago, Blaise Cupich,  sich von Edward Pentin, vom Catholic Register,  korrigieren lassen mußte, als er seine Version von der Familiensynode erzählte, die zu Amoris Laetitia führte, den Unklarheiten und Kontroversen, die noch immer andauern und die Kirche spalten.
In diesem Interview sagt Kardinal Cupich an einem gewissen Punkt: "Die Bischöfe waren unter diesem Aspekt einig und haben am Ende mit 2/3 Mehrheit für den größten Teil der Vorschläge gestimmt  haben- quasi einstimmig."
Edward Pentin schreibt: "Eminenz, wie jeder, der die Synode verfolgt hat, weiß, stimmt das nicht."
Der Kollege erinnnert an einen sehr interessanten Artikel, dem wir diesen Abschnitt entnehmen:

"Wir vergessen oft... daß trotz intensiven Bemühens des Synodensekretärs und anderer die Synodenväter zu manipulieren und dazu zu bewegen, die kontroversen Vorschläge anzunehmen...es bei der ersten Synode 2014 keinem der drei umstrittensten Vorschläge gelang, eine Zweidrittelmehrheit zu erreichen."
Das erklärt auch, warum Amoris Laetitia so unklar konzipiert wurde. Wie es Erzbischof  Bruno Forte bezugnehmend auf einen Ratschlag des Papstes, so gut ausdrückte: "Wenn wir ausdrücklich von der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen sprechen", sagte Mgr Forte, "wissen Sie nicht, was für ein Durcheinander über uns hereinbricht. Also sprechen wir nicht direkt darüber, das stellt sicher, daß es die Bedingungen für die Schlussfolgerungen gibt, die ich dann ziehen werde. " Nachdem er diesen Witz wiedergegeben hatte, scherzte derselbe Forte: "Typisch für einen Jesuiten".

Galantino, die Politik und die Kirche
Das scheint Ihnen noch nicht traurig genug zu sein? Aber wir haben da noch etwas-  damit hat sich gestern Pezzo Grosso beschäftigt: das Fernsehinterview von Msgr. Galantino.
Der u.a. gesagt hat: "Die Kirche hat sich immer mit dem Thema Immigration befaßt und sich mit dem Thema der Geschichte, der Vorkommnisse und der Migranten beschäftigt. Sie hat sich nicht mit Politik befaßt, weil die Politik weder die Bischöfe noch den Papst etwas interessiert."
Finden Sie, daß das der Realität entspricht?
Ich habe starke Zweifel, weil es schon zu Zeiten der DC eine solche Nähe der Führenden der CEI zu einer politischen Partei in der Regierung gab.
Und leider ist es nicht einfach, die Vorstellung abzulegen, daß über eine ideologische Nähe hinaus, die für sich schon ziemlich außergewöhnlich ist, gegenüber einer Partei, die Gesetzen zugestimmt hat, die den christlichen Werten widersprechen, ein erhebliches Interesse daran besteht.
Aber auch wenn die Absichten so rein wie Schnee waren, sollten die italienischen Bischöfe-auch ohne Politik zu machen- ein politisches Wort dazu sagen. Und wie!
Sie sollten als Hirten eines bestimmten, ihnen anvertrauten Volkes, den Herrschenden sagen, daß es nicht Recht ist, einer regellosen, fremdgesteuerte Migrationspolitik den Vorzug zu geben und sich zu Komplizen des Phänomens des Menschenhandels zu machen.
Die Bischöfe sollten sich daran erinnern,, daß man mit diesem Gemisch nicht spielen darf, ohne früher oder später eine Explosion zu riskieren.
Sie sollten vielleicht darauf hören, was die afrikanischen Bischöfe  und die Regierenden darüber sagen und es sich zu Herzen nehmen. Und sich nicht hinter dem bequemen Minimalismus einzelner Fälle verstecken, denen wir alle zustimmen können. Sollten sie- wenn sie die Größe, die Verantwortung und die Fähigkeit hätten.

Jetzt wissen Sie, warum dies ein trauriges Panoptikum ist.

Quelle: Stilum Curiae, Marco Tosatti




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