Donnerstag, 3. April 2025

1700 Jahre Credo von Nizäa

Vatican-news veröffentlicht anläßlich des bevorstehenden Jahrestages des Konzils von Nizäa einen Kommentar zum Dokument der Internationalen Theologen-Kommission über das Credo. 
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DAS CREDO VON NIZÄA: DER  PERSONALAUSWEIS DER CHRISTEN

Die Internationale Theologische Kommission hat ein Dokument mit dem Titel „Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser – 1700. Jahrestag des ökumenischen Konzils von Nizäa 325-2025“ veröffentlicht. Es beschäftigt sich mit der Versammlung, die durch ihr Glaubensbekenntnis in die Geschichte eingegangen ist. Vier Kapitel im Zeichen von Ökumene und kirchlicher Synodalität.

Am kommenden 20. Mai begeht die christliche Welt den 1700. Jahrestag der Eröffnung des ersten Ökumenischen Konzils, das 325 in Nizäa stattfand. Es ging vor allem wegen des Glaubensbekenntnisses (auch: Symbol, gr. symbolon) in die Geschichte ein: Hier wurde der Glaube an die Erlösung in Jesus Christus und an den einen Gott in drei Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) auf den Punkt gebracht, definiert und verkündet. Zusammen mit einem Zusatz, den das spätere Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 anfügte, ist das Nizäanische Credo in der Praxis zum Personalausweis des von der Kirche bekannten Glaubens geworden.

Aus diesem Grund hat die Internationale Theologische Kommission (CTI) beschlossen, dem von Kaiser Konstantin nach Kleinasien einberufenen Konzil ein fast siebzigseitiges Dokument zu widmen. Der Text ruft zum einen die grundlegende Bedeutung des Glaubensbekenntnisses in Erinnerung; zum anderen hebt er die außerordentlichen Ressourcen dieses Bekenntnisses hervor, und zwar im Hinblick auf die neue Etappe der Evangelisierung, welche sich die Kirche in der gegenwärtigen Epochenwende auf die Fahnen geschrieben hat. Im Übrigen fällt ja der Jahrestag in die Zeit des Heiligen Jahres der Hoffnung und zugleich in ein Jahr, in dem alle Christen im Osten und im Westen zur selben Zeit Ostern feiern.

„Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser – 1700. Jahrestag des ökumenischen Konzils von Nizäa 325-2025“: Das ist der Titel des am heutigen Donnerstag, 3. April, veröffentlichten Dokuments. Es will kein bloß akademischer Text sein, sondern eine Art Synthese, um dabei zu helfen, den Glauben zu vertiefen und ihn im Leben der christlichen Gemeinschaft zu bezeugen. Immerhin sind in Nizäa zum ersten Mal die Einheit und die Sendung der Kirche auf einer universalen Ebene (daher die Bezeichnung „ökumenisch“) in ihrer spezifisch synodalen Form des Vorwärtsgehens zum Ausdruck gebracht worden – ein Bezugspunkt, eine Inspiration auch für den synodalen Prozess, den die katholische Kirche derzeit durchführt.

Das Dokument ist in 124 Punkte gegliedert; Ausgangspunkt ist die Absicht der CTI, sich in einem Zeitraum von fünf Jahren ausführlicher mit der dogmatischen Aktualität von Nizäa zu beschäftigen. Die Arbeit wurde von einer Unterkommission unter dem Vorsitz des französischen Priesters Philippe Vallin durchgeführt, der die Bischöfe Antonio Luiz Catelan Ferreira und Etienne Vetö, die Priester Mario Angel Flores Ramos, Gaby Alfred Hachem und Karl-Heinz Menke sowie die Professorinnen Marianne Schlosser und Robin Darling Young angehörten. Der Text wurde im Jahr 2024 in forma specifica einstimmig beschlossen und anschließend dem Präsidenten der Kommission, Kardinal Víctor Manuel Fernández, zur Genehmigung vorgelegt. Fernández ist Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, bei dem die Kommission eingerichtet ist. Nach der Zustimmung von Papst Franziskus hat der argentinische Kardinal die Veröffentlichung am 16. Dezember erlaubt.


"Als Geschwister nach Nizäa zurückkehren"

A. Tornielli kommentiert bei vatican-news den bevorstehenden 1700. Jahrestag des Konzils von Nizäa am 20. Mai und das Dokument, das die Internationale Theologen-Kommission zu diesem Anlass verfaßt hat. Hier geht´s zum Original:  klicken

"ALS GESCHWISTER NACH NIZÄA ZURÜCKKEHREN"

"Die Aktualität des ersten ökumenischen Konzils im Dokument der Internationalen Theologischen Kommission – ein Leitartikel von unserem Chefredakteur Andrea Tornielli.

1700 Jahre danach, im Jubiläumsjahr 2025, nach Nizäa zurückzukehren, bedeutet vor allem, sich mit allen Christen der Welt als Geschwister wiederzufinden: Das Glaubensbekenntnis, das aus dem ersten ökumenischen Konzil hervorging, wird nämlich nicht nur von den Ostkirchen, den orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche geteilt, sondern es ist auch den aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften gemeinsam. Es bedeutet, sich unter Geschwistern um das wirklich Wesentliche zu versammeln, denn das, was uns eint, ist stärker als das, was uns trennt: „Gemeinsam glauben wir an den dreieinigen Gott, an Christus, der wahrer Mensch und wahrer Gott ist, an das Heil in Jesus Christus, gemäß der Schrift, die in der Kirche und unter der Führung des Heiligen Geistes gelesen wird. Gemeinsam bekennen wir uns zur Kirche, zur Taufe, zur Auferstehung der Toten und zum ewigen Leben.“ Das ist ein Schwerpunkt des Dokuments „Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser“, das von der Internationalen Theologischen Kommission zum Gedenken an Nizäa veröffentlicht wurde.

Gemeinsames Osterdatum

Das erste ökumenische Konzil hatte unter anderem zum Ziel, ein gemeinsames Datum für die Feier des Osterfestes festzulegen, das bereits in der Kirche der ersten Jahrhunderte umstritten war: Einige feierten es in Verbindung mit dem jüdischen Pessachfest am 14. des Monats Nisan, andere am Sonntag nach dem jüdischen Pessachfest. Nizäa trug dazu bei, ein gemeinsames Datum zu finden, indem es den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond als Datum für das Osterfest festlegte. Die Situation änderte sich im 16. Jahrhundert mit der Kalenderreform durch Gregor XIII.: Die Kirchen im Westen berechnen das Datum nun nach diesem Kalender, während die Kirchen im Osten weiterhin den julianischen Kalender verwenden, der vor der gregorianischen Reform in der gesamten Kirche galt. Es ist jedoch bezeichnend und prophetisch, dass genau im Jubiläumsjahr von Nizäa alle christlichen Kirchen Ostern am selben Tag feiern, nämlich am Sonntag, 20. April. Es ist ein Zeichen und eine Hoffnung, so bald wie möglich zu einem von allen akzeptierten Datum zu gelangen.

Christus als Mensch und als Gott

Neben dem ökumenischen Aspekt gibt es noch einen zweiten Aspekt, der diese Rückkehr nach Nizäa so aktuell macht. Bereits im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts wies der damalige Kardinal Joseph Ratzinger auf eine echte Herausforderung für das Christentum hin, nämlich die wachsende Schwierigkeit, die Göttlichkeit Jesu anzuerkennen, wie sie im christologischen Glauben der Kirche bekundet wird: Er wird als großer Mann, als Revolutionär, als außergewöhnlicher Lehrer, aber nicht als Gott angesehen. Es gibt jedoch noch eine andere Gefahr, die in dem neuen Dokument ebenfalls hervorgehoben wird, und zwar die genau spiegelbildliche und entgegengesetzte Gefahr, also die Tatsache, dass es schwierig wird, die volle Menschlichkeit Christi anzuerkennen. Jesus kann Müdigkeit, Traurigkeit und Verlassenheit, aber auch Zorn empfinden. Der Sohn hat sich in der Tat entschieden, unser Menschsein in vollem Umfang zu leben. In ihm, in der Menschlichkeit, die in jedem Augenblick zum Ausdruck kommt, darin, dass er sich von der Wirklichkeit „verwunden“ lässt, dass er sich vom Leiden der Menschen, denen er begegnet, berühren lässt, dass er zu den Bitten der Armen, die ihn um Hilfe bitten, „Ja“ sagt, sehen wir verstärkt widergespiegelt, was es bedeutet, Mensch zu sein, und gleichzeitig sehen wir die Macht einer Gottheit widergespiegelt, die sich entschieden hat, sich herabzulassen und sich zu entäußern, um uns beizustehen und uns zu retten."


Quelle : A: Tornielli, vaticannews.va

Fundstück

Felizitas Küble veröffentlicht im Christlichen Forum einen Beitrag von Magdalena S. Gmehling anläßlich seines bevorstehenden 50. Todestages am 5. Mai zur Erinnerung an Ungarns heldenhaften Primas Kardinal Mindsczenty. Hier geht´s zum Original: klicken

Unter dem Titel: 

"KARDINAL MINDSZENTY: VOR 50 JAHREN STARB UNGARNS FÜRSTPRIMAS UND FREIHEITSHELD"

beginnt der Beitrag so - ZITAT

"Sehr genau entsinne ich mich des Aufsehens, welches seinerzeit die am 1. Oktober 1974 im renommierten Propyläen-Verlag erschienenen Memoiren des Fürstprimas von Ungarn, Kardinal József Mindszenty, erregten.

Das Werk von über 400 Seiten erschien noch im gleichen Jahr in vier Auflagen. Der durch den Kampf gegen den Kommunismus berühmt gewordene Bekenner schildert in seinen Erinnerungen, die in allen Sprachen der nichtkommunistischen Welt erschienen, minutiös die Zustände einer brutalen und chaotischen Epoche." (...)

Quelle:  M.S. Gmehling, Christliches Forum

Vigil für den Hl. Johannes Paul II auf dem Petersplatz

Paweł Rytel-Andrianik und Artur Hanula - berichten für Vatican-news von der Vigil zum 20. Todestag des Hl. Johannes Paul II. Hier geht´s zum Original:  klicken 

"TAUSENDE BEI DER VIGILZUM 20. TODESTAG VON JOHANNES PAUL II"

Ein bewusster Dank für das, was der heilige Johannes Paul II. bewirkt hat. Und ein Aufruf, sich an seinem mutigen Glaubensbekenntnis ein Beispiel zu nehmen: Unter dieser Prämisse stand die Vigil am 2. April im Gedenken an den vor 20 Jahren verstorbenen polnischen Papst. Geleitet wurde sie von Erzbischof Tadeusz Wojda, dem Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz.

 „Wir erinnern uns an den Moment, als die Menschen hier auf diesem Platz knieten. Einige weinten, andere fragten sich, warum er gegangen war, denn es schien, dass er für immer bei uns bleiben musste“, sagte Erzbischof Wojda mit Blick auf die Ereignisse vor 20 Jahren. „Heute erinnern wir uns an dieses Ereignis, um Gott für dieses große, große Pontifikat zu danken. Es ist eines der größten in der Geschichte des Papsttums“, fügte er hinzu.

Ein Vorbild in der Nachfolge Christi und ein Vorbild an Mut

Der Danziger Metropolit betonte bei der Vigil auf dem Petersplatz, die von tausenden Menschen besucht wurde: „Johannes Paul II. hat uns als unser großer Landsmann so viel hinterlassen - vor allem hat er uns den Weg zu Christus gezeigt“. Ebenso habe er aufgezeigt, wie man im Alltag trotz aller Widrigkeiten mit Jesus gehen und anderen dienen könne. „Er war ein Mann des Gebets, ein Mann der Liebe, ein Mann des ständigen Dienstes am Nächsten“, so Erzbischof Wojda.

Gebet für den Frieden und für Papst Franziskus


Die Teilnehmer der Vigil beteten für den Frieden in der Welt, insbesondere in der Ukraine, im Heiligen Land und in allen afrikanischen Ländern. „Wir wollen auch um Gesundheit für Papst Franziskus bitten, damit er wieder zu Kräften kommt und unsere Kirche weiter führen kann“, lud Erzbischof Wojda ein. Er bat auch darum, für die Familien zu beten und darum, dass „wir, gestützt auf die Lehre von Johannes Paul II., erkennen, was wahr ist, und immer auf der Seite des Wortes und des Willens Gottes stehen. In diesem Sinne beten wir zum Heiligen Johannes Paul II. auch für unser Heimatland, das sich ebenfalls in Schwierigkeiten befindet“.

Mehrere tausend Teilnehmer


Römer, Pilger und polnische Emigranten nahmen in großer Zahl an der Vigil auf dem Petersplatz teil. Die Betrachtungen während des Rosenkranzgebets waren inspiriert von der Lehre des heiligen Johannes Paul II. und enthielten zahlreiche Zitate des Papstes.

An der Veranstaltung nahmen unter anderem der Botschafter der Republik Polen beim Heiligen Stuhl, Adam Kwiatkowski, der Generalkonsul in Rom, Bartosz Skwarczyński, und die polnischen Bischöfe Erzbischof Tadeusz Wojda, Erzbischof Stanisław Budzik, Erzbischof Wiktor Skworc und Bischof Artur Miziński teil. Auch Mirosław Kalinowski, Rektor der Katholischen Universität Johannes Paul II. in Lublin, war anwesend.


Johannes Paul II. sei jedoch auch ein Vorbild an Mut. „In der heutigen Welt scheint es manchmal so schwierig zu sein, unseren Glauben zu bekennen. Uns fehlt der Mut, uns fehlt die Kraft. Manchmal machen es die Annehmlichkeiten des Lebens, manchmal andere Dinge den Menschen so leicht, Gott zu vergessen“, sagte der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz. „Und deshalb ist es notwendig, zu Johannes Paul II. zurückzukehren, nicht als ein Gefühl, sondern vor allem als eine Lehre“.


QuellePaweł Rytel-Andrianik und Artur Hanula, vatican-news

Die Stellung der Kirche im gestörten Gleichgewicht der entchristllichten Pseudozivilisation

Roberto de Mattei kommentiert bei Corrispondenza Romana die Stellung der Kirche in der Gesellschaft und speziell in den Internationalen Krisen, die nie neutral sein kann und nennt die aus der Französischen Revolution hervorgegangene westliche Gesellschaft eine Pseudozivilisation im Gegensatz zur christlichen. Hier geht´s zum Original:  klicken

INTERNATIONALE KRISEN: DIE KIRCHE IST NIE NEUTRAL

"Die heutige Weltlage ist so komplex, dass sie von jedem, der seinen Weg finden möchte, große innere Ruhe und Klarheit erfordert. Die Pandemie, der russisch-ukrainische Krieg und die Wahl Donald Trumps haben ein falsches internationales Gleichgewicht gestört. Die politische und intellektuelle Klasse, die seit der Französischen Revolution die Welt regierte, erlebt heute den Zerfall ihrer Macht und ihrer Illusionen. Katholiken können sich nur über den Zusammenbruch der aus der Französischen Revolution hervorgegangenen Pseudozivilisation freuen und dürfen nicht vergessen, dass es nur eine Zivilisation gibt, die diesen Namen verdient: die christliche Zivilisation. Heute jedoch ist die natürliche und christliche Ordnung durch ein globales Chaos bedroht, zu dem alle Positionen beitragen, die von den unveränderlichen Lehren der Kirche abweichen. Und im Lichte dieser Lehren muss auch die komplexe internationale Situation beurteilt werden. Die Anstrengung, die Katholiken in dieser Zeit unternehmen müssen, besteht darin, von einer rein politischen Lesart der Ereignisse zu einer übernatürlichen Lesart überzugehen, die in erster Linie die Interessen Gottes und der Kirche berücksichtigt. 

Um dies zu verstehen, muss man die päpstlichen Lehren der Mönche von Solesmes in den beiden „ La Paix Internationale“ (Desclée, Paris 1956) gewidmeten Bänden, die 1962 von Edizioni Paoline ins Italienische übersetzt wurden, noch einmal sorgfältig lesen, insbesondere die Radiobotschaft von Pius XII. an die ganze Welt, die sie am 24. Dezember 1951, dem Vorabend des Heiligen Weihnachtsfestes, richtete (Band II, 615–627; vollständiger Text in AAS, Band 44 (1952), Nr. 1, S. 5–15). In diesem wichtigen Dokument geht der Papst auf die Frage des Beitrags der Kirche zur Sache des Friedens ein und erklärt, worin dieser wirklich besteht .

Der Papst möchte den Irrtum jener ausräumen, die „ die Kirche fast wie jede irdische Macht betrachten, als eine Art Weltreich “ und von ihr verlangen, entweder politisch Partei zu ergreifen, zugunsten der einen oder anderen Partei, oder im Gegenteil, eine Position der politischen Neutralität einzunehmen. Dabei vergessen sie, dass die Kirche sich nicht in den Dienst rein politischer Interessen stellen kann . Deshalb warnt Pius XII.: „ Politiker und manchmal sogar Männer der Kirche, die die Braut Christi zu ihrem Verbündeten oder zum Instrument ihrer nationalen oder internationalen politischen Machenschaften machen wollen, würden dem Wesen der Kirche schaden und ihrem Leben selbst schaden; mit einem Wort, sie würden es auf die gleiche Ebene herabsetzen, auf der Konflikte zeitlicher Interessen diskutiert werden. Und das gilt und bleibt auch dann, wenn es zu an sich legitimen Zwecken und Interessen geschieht .“

Die Kirche trägt nicht durch politische Entscheidungen zum Frieden bei, sondern indem sie die Welt an die großen Wahrheiten erinnert, die über die Politik hinausgehen. „ Wer also die Kirche von ihrer angeblichen Neutralität abbringen oder sie in Friedensfragen unter Druck setzen oder ihr Recht einschränken möchte, frei zu entscheiden, ob, wann und wie sie in verschiedenen Konflikten Partei ergreifen möchte, wird ihre Mitarbeit am Werk des Friedens nicht erleichtern, denn eine solche Parteinahme seitens der Kirche kann, auch in politischen Fragen, niemals rein politisch sein, sondern muss immer „sub specie aeternitatis“ im Licht des göttlichen Gesetzes, seiner Ordnung, seiner Werte und seiner Normen erfolgen .“ 

Der Papst fügt hinzu: „ Es kommt nicht selten vor, dass rein irdische Mächte und Institutionen ihre Neutralität aufgeben und heute auf der einen Seite stehen, morgen vielleicht auf der anderen.“ Es handelt sich um ein Kombinationsspiel, das sich durch die ständige Fluktuation zeitlicher Interessen erklären lässt. Doch die Kirche hält sich von solchen wechselnden Kombinationen fern. Wenn sie urteilt, ist es nicht ihre Aufgabe, von der bis dahin gewahrten Neutralität abzuweichen, denn Gott ist gegenüber menschlichen Dingen im Lauf der Geschichte niemals neutral und daher kann auch seine Kirche dies nicht sein. Wenn er spricht, geschieht dies aufgrund seiner von Gott gewünschten göttlichen Mission. Wenn er spricht und über die Probleme des Tages urteilt, geschieht dies mit dem reinen Gewissen, in der Kraft des Heiligen Geistes das Urteil vorwegzunehmen, das sein Herr und Oberhaupt, der Richter des Universums, am Ende der Zeiten bestätigen und sanktionieren wird .

Der Papst betont, dass Gott in menschlichen Angelegenheiten niemals neutral sei und die Kirche dies noch weniger sein könne. Sie ist nie „neutral“, sie nimmt an den Kämpfen der Welt teil, aber ihre Kriterien sind nicht politisch, weil sie keine weltlichen Interessen im Auge haben. von Nationen oder Einzelpersonen, sondern die Ehre Gottes und das Wohl der Seelen. Die Kirche, warnt Pius XII., „ kann es nicht zulassen, dass nach ausschließlich politischen Kriterien geurteilt wird; sie kann die Interessen der Religion nicht an Vorgaben knüpfen, die von rein irdischen Zielen bestimmt werden; sie kann sich nicht der Gefahr aussetzen, dass an ihrer Religiosität begründete Zweifel aufkommen; sie darf nicht einmal für einen Augenblick vergessen, dass ihre Eigenschaft als Vertreterin Gottes auf Erden es ihr nicht erlaubt, auch nur für einen einzigen Augenblick zwischen ‚Gut‘ und ‚Böse‘ in menschlichen Angelegenheiten gleichgültig zu bleiben . “

„ Das Kind, das in Bethlehem in der Wiege liegt “, betont er, „ ist der ewige, menschgewordene Sohn Gottes, und sein Name ist ‚Princeps pacis‘ , Fürst des Friedens .“ Doch „ wenn die Kirche und ihr oberster Hirte aus der süßen, friedvollen und herzerwärmenden Vertrautheit des Kindes von Bethlehem in die Welt hinübergehen, die fern von Christus lebt, fühlen sie sich, als ob sie von einem eisigen Luftzug getroffen würden.“ Diese Welt spricht nur vom Frieden, aber es gibt keinen Frieden. Sie beansprucht für sich alle möglichen und unmöglichen Rechtsansprüche auf die Herstellung des Friedens, kennt oder erkennt jedoch nicht jene befriedende Mission an, die unmittelbar von Gott ausgeht, die Friedensmission der religiösen Autorität der Kirche. Arme, kurzsichtige Menschen, deren eingeschränktes Blickfeld nicht über die erkennbaren Möglichkeiten der gegenwärtigen Stunde, über die Zahlen des militärischen und wirtschaftlichen Potenzials hinausreicht! Wie konnten sie auch nur die geringste Ahnung von der Bedeutung und dem Gewicht religiöser Autorität bei der Lösung des Friedensproblems haben? Wie könnten oberflächliche Geister, die nicht in der Lage sind, den Wert und die schöpferische Kraft des Christentums in seiner ganzen Wahrheit und Breite zu erkennen, nicht skeptisch und verächtlich gegenüber der befriedenden Kraft der Kirche bleiben? ».

 Pius XII. fährt fort und schließt: „ Auch heute, wie bei anderen Gelegenheiten, vor der Krippe des göttlichen Friedensfürsten, sehen wir uns gezwungen zu erklären: Die Welt ist weit entfernt von jener Ordnung, die Gott in Christus gewollt hat und die einen wahren und dauerhaften Frieden garantiert .“ Es ist daher unerlässlich, „ unseren Blick auf die christliche Ordnung zu richten, die heute zu viele aus den Augen verloren haben, wenn wir den Kern des Problems erkennen wollen, wie es sich heute darstellt, wenn wir nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch den Beitrag begreifen wollen, den jeder und vor allem die Kirche selbst unter widrigen Umständen und trotz Skeptikern und Pessimisten leisten kann. (…) Der Kern des Friedensproblems ist gegenwärtig spiritueller Natur, es handelt sich um einen spirituellen Mangel oder Defekt. In der heutigen Welt gibt es zu wenig tiefes christliches Bewusstsein; es gibt zu wenige wahre und vollkommene Christen. Auf diese Weise legen die Menschen selbst Hindernisse in den Weg zur Verwirklichung der von Gott gewollten Ordnung. Alle müssen von diesem spirituellen Charakter überzeugt sein, der der Kriegsgefahr innewohnt. Diese Überzeugung zu wecken, ist in erster Linie die Aufgabe der Kirche und heute ihr erster Beitrag zum Frieden .“

Wir sind davon überzeugt, und angesichts des russisch-ukrainischen Konflikts und aller Krisen unserer Zeit fassen wir unsere Position folgendermaßen zusammen: Nationale und internationale politische Ereignisse müssen immer und ausschließlich „ sub specie aeternitatis “ beurteilt werden, „ im Licht des göttlichen Gesetzes, seiner Ordnung, seiner Werte, seiner Normen “, denn nur die von Gott in Christus gewollte Ordnung hält Kriege fern und garantiert jenen echten und dauerhaften Frieden, der nichts mit dem falschen Frieden zu tun hat, den Politiker und Weltmenschen beschwören."

Quelle: R.d.Mattei, Corrispondenza Romana


 

Mittwoch, 2. April 2025

Johannes Paul II : nicht nur Trauriges....

 

           

Die Allmacht Christi - in der Lehre des Hl. Johannes Paul II

Stephen Brunnen erinnert bei LaNuovaBussolaQuotidiana anläßlich des 20. Todestages von Papst Johannes Paul II an dessen Botschaft, daß Christus die höchste Macht innehat- über die Herzen und über das öffentliche Leben.  Hier geht´s zum Original:  klicken

Zwanzig Jahre seit Wojtyłas Tod

DIE KRAFRT CHRISTI, der grosse ruf des heiligen johannes paul ii

Der heilige Johannes Paul II. hatte das große Verdienst, die „höchste Macht Christi“ nicht nur über die Herzen, sondern auch über das öffentliche Leben zu verkünden. Eine Mahnung, die er während seines gesamten Pontifikats wiederholte, auch im Hinblick auf das Zweite Vatikanische Konzil. Zu seinen großen Kämpfen gehörten Menschenrechte und Freiheit, die auf dem Gesetz Gottes und der Wahrheit gründen sollten. Am 2. April 2005 um 21.37 Uhr starb Johannes Paul II. im Alter von 84 Jahren. Die Erinnerungen an sein langes und in vielerlei Hinsicht grandioses Pontifikat sind zahlreich, doch bei einer Gesamtbetrachtung konzentriert man sich fast zwangsläufig auf eine bestimmte Erinnerung: seinen Appell am 22. Oktober 1978, in seiner ersten Predigt als Papst, keine Angst zu haben: „Habt keine Angst!“ Öffnet, ja, reißt die Türen für Christus auf! Öffnen Sie seiner rettenden Kraft die Grenzen der Staaten, der wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Felder der Kultur, Zivilisation und Entwicklung. Hab keine Angst! Christus weiß, „was im Inneren des Menschen vorgeht“. Nur Er weiß es! Auch heute noch ist dieser Verweis auf die Potestas Christi, ein Begriff, der der vorkonziliaren Kirche am Herzen lag, von der nachkonziliaren Kirche jedoch kaum akzeptiert wurde, erstaunlich. In derselben Predigt hatte der neue Papst beschlossen, in die Fußstapfen Pauls VI. zu treten und die Tiara nicht als Symbol der weltlichen Macht der Kirche auf sein Haupt zu setzen. Er gab jedoch nicht auf, die „höchste Macht Christi selbst“ zu verkünden und sie auf Staaten, wirtschaftliche und politische Systeme auszudehnen, also nicht nur auf die Herzen, sondern auch auf das öffentliche Leben. Das Wort Macht taucht in der Predigt mehrfach auf: „Helft dem Papst und allen, die Christus dienen wollen und mit der Macht Christi dem Menschen und der ganzen Menschheit dienen wollen!“

Mit diesen Worten bezog sich der neue Papst auf das Zweite Vatikanische Konzil und schlug eine „personalistische“ Version der Macht Christi vor: Seine Macht bestehe darin, dem Menschen sich selbst zu offenbaren und daher, so könnte man meinen, darin, die Verkündigung Christi durch den Menschen geschehen zu lassen, durch eine indirekte und säkularisierte Präsenz der Kirche auf der sozialen und politischen Bühne. Eine Art „anthropologische Entscheidung“, könnte man meinen. Dieser Aspekt wird jedoch durch die Ausdehnung der Macht Christi auf alle Bereiche des sozialen und politischen Lebens, einschließlich der Staaten, überwunden und weist somit auf eine katholische „identitäre“ Präsenz in der Gesellschaft hin, sowohl durch die Tätigkeit der Laien, die wir als indirekt bezeichnen können, als auch durch die Tätigkeit der Kirche selbst, insbesondere durch die Sakramente, die wir als direkt bezeichnen können. Johannes Paul II. wiederholte nicht buchstabengetreu die Positionen von Leo XIII. oder Pius X. Das Konzil hatte stattgefunden und er hatte mit absoluter Überzeugung daran teilgenommen, wobei er stets auch die umstrittenen Teile und einige Textpassagen verteidigte, die noch heute Zweifel aufwerfen. Er hatte an Gaudium et Spes mitgearbeitet und es stets verteidigt, obwohl es der Text war, der sowohl von den Theologen, die als Experten an der Arbeit beteiligt waren, als auch von anderen maßgeblichen Kommentatoren am meisten kritisiert wurde. Auch aus konziliarer Perspektive wollte Johannes Paul II. die Lehre von der Potestas Christi, von seinem sozialen und nicht nur geistlichen Königtum und dem Ziel, in ihm alle Dinge, die des Himmels und die der Erde, zu vereinen, nicht aufgeben.

Heute vor 220 Jahren...

am 2. 4. 1805 wurde Hans Christian Andersen in Odense auf der Insel Fünen geboren. Die Tagespost veröffentlicht eine Hommage des Märchendichters von Uwe Wolff. 
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unter dem Titel

HANS CHRISTIAN ANDERSEN: EIN MÄRCHENERZÄHLER FÜR DIE GANZE MENSCHHEIT

beginnt die Hommage so - ZITAT

"Weltruhm war dem wunderlichen Sohn eines armen dänischen Schusters wahrlich nicht in die Wiege gelegt. Aber eine Wahrsagerin hatte der Mutter prophezeit: „Ihm zu Ehren wird einst die Stadt Odense illuminiert werden.“ 1867 wurde Andersen Ehrenbürger von Fünens Hauptstadt. Sie trägt den Namen des nordischen Gottes Odin. In A.C. Perch’s Teegeschäft gegenüber der Domkirche Sankt Knud gibt es zu Ehren des Dichters den „Fairytale Blend“. Im einst katholischen Gotteshaus erinnert eine Gedenktafel an Andersens Konfirmation. Vergessen hinter dem Altar liegen die Reliquien des Heiligen Knut (1043-1086). " (...)

Quelle: U. Wolff, Die Tagespost   

Heute vor 20 Jahren...als der Hl. Johannes Paul II zum Haus des Vaters ging,

am 2. April 2025, starb der große Papst, der Hl. Johannes Paul II. Keiner, der sein Leiden und Sterben damals miterlebte - sei es vor Ort, wo der Zustrom der  Gläubigen minütlich zu nie gesehener Menge anschwoll , oder weltweit vor den Fernsehbildschirmen - wird das je vergessen. Alle katholischen Medien  erinnern heute an diesen Tag, an dem der polnische Papst "zum Vater ging". Besonders lesenswert ist der Beitrag von Michael Hesemann bei kathnet.

Alexander Folz erinnert bei CNA an dieses Geschehen. Hier geht´s zum Original: klicken

"HEUTE VOR 20 JAHREN STARB JOHANNES PAUL II" 

Wer Papst Franziskus in jüngster Zeit bei öffentlichen Auftritten beobachtet, wird unweigerlich an die letzten Tage seines Vorgängers Johannes Paul II. erinnert. Vor genau 20 Jahren, am 2. April 2005, starb der polnische Papst nach langem Leiden vor den Augen der Weltöffentlichkeit.

Unvergessen sind die Bilder seiner letzten Osterauftritte, bei denen ihm die Stimme versagte. Die Nachricht von seinem Tod überbrachte Erzbischof Leonardo Sandri den Gläubigen, die in stiller Anteilnahme auf dem Petersplatz versammelt waren, mit den Worten: „Um 21.37 Uhr ist unser Heiliger Vater zum Haus des Vaters zurückgekehrt.“

Die letzten Lebensmonate von Johannes Paul II. waren geprägt von großem körperlichem Leiden und tiefer geistlicher Haltung. Seit Anfang 2005 hatte sich seine Parkinson-Krankheit dramatisch verschlimmert. Zweimal musste er in die Gemelli-Klinik eingeliefert werden, wo die Ärzte versuchten, ihm mit einem Luftröhrenschnitt Linderung zu verschaffen. Zuletzt kehrte er am 9. Februar im beleuchteten Papamobil in den Vatikan zurück – es sollte die letzte Fahrt Johannes Pauls II. durch seine Bischofsstadt werden.

Die Karwoche verfolgte er nur noch über einen Bildschirm in seiner Privatkapelle. Beim Ostersegen „Urbi et orbi“ versagte ihm gänzlich die Stimme. Stumm und von Schmerzen gezeichnet machte er das Kreuzzeichen. In diesen Momenten wurde der Papst zu einem lebendigen Zeugnis der Leidensnachfolge Christi. Am 30. März 2005 zeigte er sich zum letzten Mal in der Öffentlichkeit, bereits über eine Dauersonde in der Nase künstlich ernährt.

Am 1. April bekam er Fieber und empfing die Krankensalbung. Einen Tag später, am 2. April 2005, gegen 15:30 Uhr, sprach er seine letzten Worte auf Polnisch mit sehr schwacher und gebrochener Stimme: „Lasst mich ins Haus des Vaters gehen!“ Kurz vor 19 Uhr fiel er ins Koma. Um 21:37 Uhr starb Johannes Paul II. während einer Messe, die an seinem Krankenbett gefeiert wurde.

Wer war Papst Johannes Paul II.?

Karol Wojtyła wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice (Polen) geboren. Nach dem frühen Tod seiner Mutter und seines älteren Bruders interessierte er sich zunächst für Literatur und Theater und begann ein Studium der Polonistik. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der Tod seines Vaters weckten in dem jungen Mann eine andere Berufung: Er entschied sich für das Priestertum, für das er im von den Nazis besetzten Krakau im Untergrund ausgebildet wurde.

Nach erfolgreicher Promotion in Rom und Habilitation über den deutschen Denker Max Scheler wurde Wojtyła während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) zum Erzbischof von Krakau ernannt. 1967 folgte die Kardinalswürde durch Paul VI. und schließlich am 16. Oktober 1978 die Wahl zum Papst. Er war der erste Pole und der erste Nicht-Italiener seit 456 Jahren auf dem Stuhl Petri. Den Namen Johannes Paul II. wählte Wojtyła zu Ehren seines Vorgängers Johannes Paul I., der nur 33 Tage im Amt war.

Sein Leiden beschränkte sich nicht auf die letzten Lebensjahre. Bereits 1981 überlebte Johannes Paul II. ein Attentat auf dem Petersplatz. Am 13. Mai gab ein türkischer Attentäter aus nächster Nähe mindestens zwei Schüsse auf ihn ab. Eine Kugel traf den Papst an der linken Hand und an der Schulter, eine zweite drang in seinen Unterleib ein. Nur eine sofortige Operation konnte sein Leben retten.

Johannes Paul II. sah sein Überleben als Wirken der Mutter Gottes an, da das Attentat am Gedenktag der Muttergottes von Fatima stattfand. Papst Franziskus hat später in Bezug auf dieses Ereignis gesagt: „Der heilige Johannes Paul vergoss sein Blut für die Kirche.“ Nach seiner Genesung vergab der Papst seinem Attentäter in einem beispiellosen Akt christlicher Nächstenliebe.

Im Zentrum unseres Glaubens -das Opfer Christi

Myriam Tothill bespricht bei Rorate Caeli Pater Serafino Lanzettas Buch "Das glorreiche Opfer des Lammes. Die Messe und das christliche Leben" und macht sich bei dieser Gelegenheit Gedanken über die Natur des Opfers und des Leidens. Hier geht´s zum Original    klicken

              "DAS GLORREICHE OPFER DES LAMMES"

Ruhm ist kein Wort, das oft mit Opfer in Verbindung gebracht wird. Schon im Titel seines Werkes präsentiert uns Pater Serafino ein, insbesondere für moderne Ohren, ungewöhnliches Konzept, etwas, das uns zum Nachdenken anregt, um ein viel zu oft verwendetes Wort zu verwenden: unkonventionell. „Glorreich“ wird oft verwendet, um Schönheit und Leistung zu beschreiben. Andererseits leben wir in einer Gesellschaft, die Schmerz jeglicher Art verabscheut, lieber stirbt, als ihn zu ertragen, ja sogar lieber tötet, als anderen dabei zuzusehen, wie sie ihn ertragen. Das Wort Opfer wird fast ausschließlich mit Schmerz und Leid assoziiert. Die Gegenüberstellung dieser Begriffe erinnert an Simeons Prophezeiung über Christus: „Er wird ein Zeichen des Widerspruchs sein …“ Wir wissen also von Anfang an, noch bevor wir das Buch überhaupt geöffnet haben, dass dieses Werk uns dazu anregen wird, auf ungewohnte Weise über die Messe nachzudenken.


Indem er die wahre Natur des Opfers – etwas heilig zu machen – erforscht, führt uns der Autor zu einer Neubewertung unserer Einstellung zum Schmerz und lässt uns erkennen, dass dieser untrennbar mit Leistung und Schönheit verbunden ist: die überwältigende Schönheit tiefer Liebe, die sich in der Bereitschaft offenbart, jedes Leid für den Geliebten zu ertragen. Je größer das bereitwillig ertragene Leid – und das Johannesevangelium macht deutlich, dass Christus es voll und ganz auf sich nahm –, desto größer ist die Tiefe und Schönheit der Liebe, die dieses Aushalten offenbart. Praktisch gesehen schlägt der Autor vor, uns vor der Messe eine Weile von den Ablenkungen der endlosen Aktivität und dem damit verbundenen Lärm zu lösen, um in Stille tief darüber nachzudenken und die Tiefe der Liebe, die Christus uns in diesem höchsten Opfer entgegenbringt, besser zu verstehen. Je mehr wir darüber nachdenken, desto mehr können wir uns dazu hingezogen fühlen, diese Liebe auf jede erdenkliche Weise zu erwidern und unsere Dankbarkeit zu zeigen. 


Auch auf praktischer Ebene wird eine klare Erklärung zur aktiven Teilnahme gegeben. Dies beinhaltet nicht unbedingt körperliche oder verbale Aktivität, sondern die Teilnahme des Geistes und Willens, anzubeten und zu danken, was auch bedeutet, das erste Gebot zu befolgen: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Verstand, deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele. Die Tatsache, dass niemand uns tatsächlich sehen oder hören kann, wie wir dem Herrn Jesus für alles danken, was er für uns getan hat, macht die Aktion nicht ungeschehen. Ebenso wird die Handlung, als Einzelne vor der Wandlung still alles, was wir sind und haben, zusammen mit Hostie und Wein darzubringen, durch das Schweigen nicht passiv. Der freie Wille wird als positive Handlung dargestellt: Wir entscheiden uns, Christus nachzufolgen und seine Liebe zu erwidern, wie es sowohl Christus („Fiat voluntas Tua“) als auch seine Mutter („Fiat mihi secundum verbum Tuum“) taten.


Dieses Buch eignet sich besonders gut als Fastenlektüre, da Pater Serafino das Ostertriduum detailliert analysiert und tiefgründige Meditationen bietet, die das Verständnis der Messe und der Rolle Christi und seiner Mutter, der Heiligen Jungfrau Maria, bei unserer Erlösung bereichern. Diese Erklärungen schärfen das Bewusstsein des Lesers für den Wert des Leidens für Christus und fördern den Wunsch, ihm und seiner Mutter nachzufolgen, indem wir dankbar unser eigenes Kreuz auf uns nehmen, weil wir die Möglichkeit haben, unsere Liebe zu beiden zu zeigen, anstatt uns in Gehorsam seinem Gebot zu unterwerfen. Die Anleitung zur schrittweisen Konzentration auf die Passion während des Rituals fügt einen praktischen Aspekt hinzu, der besonders im Kampf gegen Ablenkungen sehr hilfreich ist.


Obwohl der Rosenkranz in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ein kleines Comeback erlebt, nachdem er heruntergespielt und sogar offen verachtet wurde, ist die Vorstellung, die Rolle seiner Mutter in die gedankliche Nacherzählung der Passion Christi einzubeziehen, für viele neuartig. Pater Serafino weist jedoch darauf hin, dass das Ignorieren der Rolle Marias unsere spirituelle Erfahrung verarmen und den Nutzen, den wir daraus ziehen, mindern würde. Er erklärt sehr ausführlich, dass die Passion ohne ihr „Fiat“ nicht hätte stattfinden können und dass auch wir unsere Rolle als Kinder Gottes ohne sie nicht erfüllen können, genauso wie Christus seine Rolle nicht hätte erfüllen können, wenn er nicht ihr Sohn geworden wäre. Ihre Fürsprache ist lebenswichtig, ob wir sie anerkennen oder nicht, aber wenn wir es tun, können wir unseren eigenen freien Willen ausüben, indem wir dem heiligen Johannes bewusst nacheifern und sie zu uns nehmen. Durch sie kam Gott zu uns und somit gelangen auch wir zu ihm. Der sicherste Weg, daran teilzuhaben, besteht darin, ihr mit Herz und Verstand zu folgen, während sie ihren Sohn begleitet, und ihr nachzueifern, indem wir ihn bei seinem Opfer mit stiller Anbetung und Danksagung unterstützen.


Obwohl die vorgestellten Konzepte sehr tiefgründig sind, sind sie leicht verständlich. Niemand benötigt einen Abschluss in Theologie oder mehr als eine grundlegende Ausbildung in der Lehre, um ihre Hauptpunkte zu verstehen. Dennoch würde regelmäßiges Lesen unser Verständnis in einem Ausmaß bereichern, das uns überraschen könnte, und uns gleichzeitig alle, selbst Theologieabsolventen, daran erinnern, dass die Messe ein Mysterium ist, das jedermanns volles Verständnis übersteigt.


Das glorreiche Opfer des Lammes eignet sich für alle Arten von Messen: traditionelle lateinische, moderne Riten mit all ihren Abweichungen und sogar östliche Riten. Denn es konzentriert sich auf das Wesentliche der Messe, ein Wesentliches, das leicht übersehen werden kann, wenn man sich auf Hymnen und Aktivitäten konzentriert – Stehen, Sitzen, Stehen, Knien, Stehen, Knien, Geld in den Klingelbeutel werfen –, die alle je nach Geschmack und den häufigen, von den Behörden auferlegten Änderungen variieren können. Es ist nicht leicht, bei den vielen Ablenkungen, die eine öffentliche Messe, insbesondere eine Sonntagsmesse, mit sich bringt, die Konzentration zu bewahren, aber die in diesem Werk enthaltenen Ideen werden uns sicherlich helfen, die heilige Messe auf eine Weise zu besuchen, die es uns ermöglicht, uns stärker auf Gott und seine Wünsche zu konzentrieren als auf uns selbst und unsere Wünsche.


Quelle: M. Tothill, Rorate Caeli

Dienstag, 1. April 2025

Überlegungen zum Kreuz in der Fastenzeit

Luigi C. veröffentlicht bei Messa in Latino eine Überlegung über den Wert und die Bedeutung des Kreuzes für das Cristentum. Hier geht´s zum Original: klicken

WARUM EIN CHRISTENTUM OHNE DAS KREUZ NICHT MÖGLICH IST?

Eine Überlegung zur aktuellen Fastenzeit über den Wert des Kreuzes. Luigi C 

1. Wir wissen daß das Leiden für das Christentum kein "Wert" an sich ist. Wert hat nur, was Gott gewollt und geschaffen hat, und das Leiden hat Gott weder gewollt noch erschaffen, sondern wahr ist, daß es durch die Ursünde zum Weg der Erlösung geworden ist. Der Herr ist niemandem Rechenschaft schuldig. Er hätte sich ohne Leiden retten können, dennoch hat er gelitten - und wie er gelitten hat! Der Film „Die Passion“ von Mel Gibson ist übrigens auch ein Rätsel. Kein Drehbuch, kein Film kann auch nur annähernd dem Leiden Jesu nahe kommen.   

2. Stellen wir uns eine Frage: Kann es ein Christentum geben, das nicht auf dem Kreuz gründet? Das ist – leider! – eine Frage, die alles andere als unbegründet ist. Seit einigen Jahren ist von einer Theologie die Rede, die grundsätzlich ohne das Kreuz auskommt. Dies zeigt sich in der Ablehnung jener traditionellen Andachten, die sich stark auf das erlösende Leiden Jesu konzentrierten. In Wirklichkeit entspringt dieser Versuch, das Kreuz aus der christlichen Botschaft zu entfernen, einer klaren Absicht: Man will vermeiden, dass Gott als ein Wesen dargestellt wird, das nach Blut und Leid giert. Man geht davon aus, dass die Betonung der Bedeutung des Leidens bedeutet, Gott vor allem unter dem Aspekt der rachsüchtigen Gerechtigkeit darzustellen. Doch wir erkennen nicht, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Wenn wir die zentrale Bedeutung des Kreuzes aus der christlichen Botschaft entfernen, verliert alles seine Bedeutung … und Gott wird wahrhaftig böse. Warum leidet ein Kind? Warum Kriege? Warum die Katastrophen? Warum lässt Gott all dies zu, wenn Leiden für die Erlösung nicht notwendig ist?

3. Natürlich ist das Kreuz nicht der Abschluss des Christentums; die Schlussfolgerung ist die Auferstehung, und zwar so sehr, dass der heilige Paulus sagt, wenn Jesus nicht auferstanden wäre, wäre der Glaube nutzlos (1. Korinther 15:17); Doch zweifellos stellt das Kreuz den Höhepunkt und den repräsentativsten Moment des Christentums selbst dar, da es die große Liebe Gottes zum Menschen demonstriert. All dies ist natürlich auf die Erbsünde zurückzuführen. Wäre diese Sünde nicht geschehen, wäre alles anders gekommen

4. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum die zeitgenössische Theologie dazu neigt, die Notwendigkeit des Leidens außer Acht zu lassen. Diese Theologie tendiert dazu, die christliche Botschaft zu immanentisieren, das heißt, sie neigt dazu, die Botschaft Jesu nur als „Antwort“ für das irdische Leben darzustellen. Über das ewige Leben wird selten gesprochen, ganz zu schweigen von der fast völligen Vergessenheit der Hölle. Wenn nun das irdische Leben zur wichtigsten Sorge wird, wenn die Hölle nicht existiert und der Himmel als eine Art Kaufhaus präsentiert wird, in das man eintreten kann, wann und wo man will, warum sollte man dann leiden? Warum sollte man das Leiden Christi betonen, der auf diese Weise genau deshalb gelitten hat, um uns vor der Hölle zu retten? Und warum sollte das Leiden im Leben eines Christen als Mittel zur Erlösung für sich selbst und für andere geschätzt werden?

5. Das Ergebnis ist jedoch immer dasselbe. Nicht nur wird das Ziel nicht erreicht, sondern man gelangt auch zu einem völlig anderen Ergebnis. Ohne die Wertschätzung des Leidens wird das Leben nicht schöner, sondern trauriger. Das einzige Glück, das auf dieser Erde erreicht werden kann, ist nicht die Beseitigung des Schmerzes, sondern die Beseitigung der Verzweiflung, das heißt die Unfähigkeit, dem Schmerz einen Sinn zu geben. Warum muss ich leiden? Die Passion Jesu gibt mir die Antwort. Aber welchen Sinn kann ich dem Schmerz geben, wenn Jesus nicht leidet? Das „Warum“ bleibt gnadenlos unbeantwortet.

6. Heute glaubt man, das Christentum sei ein „Spaziergang im Park“. Die Heiligen haben jedoch immer gelehrt und werden immer lehren, dass dies nicht der Fall ist. Aus diesem Grund wird das christliche Leben üblicherweise in drei Wege unterteilt: den reinigenden Weg, den erleuchtenden Weg und den vereinenden Weg. Und das ist nichts anderes als die Kodifizierung der Lehre Jesu: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst (der Weg der Reinigung), nehme sein Kreuz auf sich (der Weg der Erleuchtung) und folge mir nach (der Weg der Einheit). Könnte es klarer sein?

Quelle: Luigi C. MiL 

1700 Jahre Nicäa & die Ökumene

A. Gagliarducci kommentiert bei aciStampa einen Text des vaticanischen Dicasteriums für die Ökumene und des Ökumenischen Rates der Kirchen zur Vorbereitung der Konferenz, die im Laufe des Jahres in Alexandria stattfinden soll. Hier geht´s zum Original:  klicken

1700 JAHRE NICÄA. WIE REAGIERT DIE ÖKUMENE AUF DAS DOKUMENT "DER BISCHOF VON ROM"? 

Der erste Schritt war die Veröffentlichung des Dokuments „Der Bischof von Rom“ im vergangenen Jahr, das hervorhebt, wie die Schwesterkirchen die Rolle des Primats des Papstes sehen. Als nächstes findet im Oktober 2025 in der Nähe von Alexandria (Ägypten) eine Konferenz mit dem Thema „Welche Zukunft hat die sichtbare Einheit?“ statt. In der Mitte die Erinnerung an den 1700. Jahrestag des Konzils von Nicäa, den Konstantinopel noch immer mit dem Papst feiern möchte.

Zur Vorbereitung des Treffens in Alexandria am 18. März haben der Ökumenische Rat der Kirchen und das Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen ein gemeinsames Webinar zum Thema „Der Bischof von Rom und die Einheit der Christen organisiert...

Letztlich war die Frage des Primats des Bischofs von Rom der Kernpunkt, an dem sich die Spaltung zwischen den christlichen Kirchen am stärksten entwickelt hat. Dies ging so weit, dass sich die Gemeinsame Kommission für den katholischen und orthodoxen theologischen Dialog in den letzten Jahren in zwei Dokumenten mit der Frage des Primats im ersten und zweiten Jahrtausend der Kirchengeschichte befasste. Diese Diskussionen waren eine Folge der Einladung von Johannes Paul II. in der Enzyklika „Ut Unum Sint“ von 1995, gemeinsam zu erörtern, wie das Petrusamt auf eine für alle Christen akzeptable Weise ausgeübt werden könnte.

Im Jahr 2020 gedachten wir des 25. Jahrestages der Enzyklika von Johannes Paul II. und es wurde ein Prozess eingeleitet, der im vergangenen Jahr zur Veröffentlichung des Dokuments „Der Bischof von Rom“ führte. Das Webinar vom 18. März brachte in einer Diskussion mit rund 200 Teilnehmenden ökumenische Ansichten und Entwicklungen zusammen und stand in der Hoffnung, dass es zu weiteren theologischen Überlegungen und ökumenischen Diskussionen anregen wird.

Juan Usma Gomez, ein Mitarbeiter  des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, bezeichnete in seiner Präsentation das Dokument „Der Bischof von Rom“ als „einen Ankunfts- und einen Ausgangspunkt“. Ein Zielpunkt, weil er versucht, alle Standpunkte zusammenzubringen, und „ökumenisch in Bezug auf Ressourcen, Entwurfsprozess und Zielsetzung“ ist und eine erneute Reflexion über den Bischof von Rom aus „einer besonderen persönlichen Perspektive“ vorschlägt.

Fundstück

In seinem wie immer sehr lesenswerten Montagskick bei kathnet befaßt sich Peter Winnemöller mit der "Theologie des Leibes" des Hl. Papstes Johannes Paul II. Die selbstverständlich so gar nicht zu den derzeitigen woken Diversitätsbehauptungen passt. Hier geht´s zum Original: klicken

Unter dem Titel

"BREITE REZEPTION FÜR EINE VERMEINTLICH GESCHEITERTE THEOLOGIE"

beginnt der Beitrag so - ZITAT

"Seit der Heilige Papst Johannes Paul II. in den Jahren 1979 bis 1984 seine 133 Mittwochskatechesen zur Theologie des Leibes hielt, erfreut sich dieser außerordentlich innovative Beitrag zur christlichen Anthropologie und zu einer Neuorientierung in der Moraltheologie großer Beliebtheit. Nicht weniger groß ist von anderer Seite die Kritik an dem Opus Magnum des Papstes der Jugend. Tatsächlich sind es besonders junge Katholiken unserer Tage, die sich von der Theologie des Leibes besonders angezogen fühlen. Es ist diese Kongruenz zwischen Person und Leib, die Betonung der Personalität in jeder Situation des Menschen, die in unserer Zeit ein Gegenprogramm zur woken diversen Weltsicht des Relativismus und der Beliebigkeit bietet. Andererseits ist es besonders bei deutschen Moraltheologen geradezu Pflichtprogramm die Theologie des Leibes zu verwerfen. In das Konzept des Synodalen Weges mit seiner Idee der völligen Dekonstruktion der katholischen Moral passt so etwas erst recht nicht. So verwundert es nicht, wenn der Mainzer Moraltheologe Stephan Goertz die Theologie des Leibes als einen gescheiterten Versuch wertet. In zwei Debattenartikeln widmet sich die Herder Korrespondenz der Theologie des Leibes. Stephan Goertz veröffentlichte hier einen Totalverriss, Johannes Brantl verteidigt die Theologie des Leibes als „eine wichtige prophetische Vision“. (...)

Quelle: P. Winnemöller, kathnet