Samstag, 26. September 2026

Das Gebet in Lourdes

Veröffentlicht bei vaticannews: 

Unsere liebe Frau von Lourdes, Unbefleckte Empfängnis, an diesem gesegneten Ort, an dem du so sanft und liebevoll zur heiligen Bernadette, dieser demütigen Tochter des französischen Volkes, gesprochen hast, um der Welt eine leuchtende Botschaft des Gebets, der Bekehrung und der Hoffnung zu übermitteln, eilen wir voll Vertrauen zu dir; du bist die Mutter, die uns Jesus geschenkt hat, und du hast ein offenes Ohr für all unsere Nöte.

„Wir bitten dich, Unsere Liebe Frau, für Frankreich, dessen Patronin du bist und das du seit so vielen Jahrhunderten mit deinem Schutz umgeben hast. Erwirke für sein Volk die Gabe brüderlicher Eintracht“

Wir bitten dich, Unsere Liebe Frau, für Frankreich, dessen Patronin du bist und das du seit so vielen Jahrhunderten mit deinem Schutz umgeben hast. Erwirke für sein Volk die Gabe brüderlicher Eintracht. Möge es in er Lage sein, eine harmonische Gesellschaft zu bilden, die alle Gewalt und allen Hass verbannt und es allen ermöglicht, zu arbeiten, eine Familie zu gründen und das Leben ganz in Ruhe und Gelassenheit zu leben. 


„Erbitte Frankreich weise und großherzige Regierende, die bereit sind, sich aufzuopfern, die fähig sind, sich den Herausforderungen zu stellen und die sich danach sehnen, dem Gemeinwohl zu dienen".


Mögen die Benachteiligten und Ärmsten stets Unterstützung erfahren. Erbitte Frankreich weise und großherzige Regierende, die bereit sind, sich aufzuopfern, die fähig sind, sich den Herausforderungen zu stellen und die sich danach sehnen, dem Gemeinwohl zu dienen. Mögen sie das Land im Konzert der Nationen in Frieden bewahren. Mögen sie seiner Stimme Gehör verschaffen, zur Verteidigung der grundlegenden Menschenrechte und zur Förderung des Friedens in der Welt, indem sie die Logik des Krieges für immer zurückweisen.


„Mögen sie das Land im Konzert der Nationen in Frieden bewahren. Mögen sie seiner Stimme Gehör verschaffen, zur Verteidigung der grundlegenden Menschenrechte und zur Förderung des Friedens in der Welt, indem sie die Logik des Krieges für immer zurückweisen“


Heilige Jungfrau Maria, wir empfehlen dir das Volk Gottes in diesem Land an, das du durch deine Nähe so geprägt hast. Erneuere den Glauben und den Eifer der christlichen Familien, die dir so sehr am Herzen liegen, sodass sie Tag für Tag aus der Gegenwart Jesu, aus seiner Gnade und mit seinem Beistand die Schwierigkeiten meistern können, denen sie im Leben begegnen. Mögen sie großherzig für das Leben offen sein, und möge Gott in ihnen Berufungen wecken, insbesondere zum Priester- und Ordensleben. Gewähre deiner Kirche in Frankreich, dass sie vor allem den Jüngsten den leuchtenden Weg des Evangeliums weist, um jene gerechte und brüderliche Gesellschaft aufbauen zu können, nach der sie sich sehnen.


„Schließlich, liebevolle Mutter, vertrauen wir dir unsere drängendsten persönlichen Anliegen an, insbesondere die der Kranken und Leidenden sowie all jener, die sie begleiten und die gemeinsam hierhergekommen sind, um Kraft und Heilung zu erlangen


Schließlich, liebevolle Mutter, vertrauen wir dir unsere drängendsten persönlichen Anliegen an, insbesondere die der Kranken und Leidenden sowie all jener, die sie begleiten und die gemeinsam hierhergekommen sind, um Kraft und Heilung zu erlangen. Wir vertrauen dir unsere Angehörigen und unsere lieben Verstorbenen an. Bitte beseitige alle Hindernisse, die uns noch von deinem geliebten Sohn trennen, und gib, dass er in allen Herzen herrsche.


Amen."


Quelle: vaticannews

Gebet an der Grotte in Lourdes

               

Auf dem Weg nach Lourdes

               

Die Predigt

veröffentlicht bei vaticannews

                                  Liebe Brüder und Schwestern,

ich danke Gott für die Gnade, die er mir geschenkt hat, hier auf diesem Platz der Eintracht zu sein, um die Eucharistie zu feiern. Ja, wie schön und wie gut ist es für Brüder und Schwestern, sich zusammenzufinden (vgl. Ps 133,1), um die Größe Gottes zu preisen! Möge meine Anwesenheit in eurer Mitte euren Glauben stärken und euch ermutigen, das Leben, den Frieden und die Liebe unseres geliebten Herrn Jesus Christus unaufhörlich auszustrahlen und weiterzugeben.

»Wer Durst hat, komme zu mir und […] trinke« (Joh 7,37). Brüder und Schwestern, unsere dürstende Gemeinschaft streckt sich nach Christus aus, der Quelle des lebendigen Wassers; des Wassers, das den Durst stillt und das Leben erblühen lässt, des Wassers der Liebe Gottes, die „durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist, in unsere Herzen ausgegossen ist“ (vgl. Röm 5,5).

             „Die Sehnsucht nach Gott wohnt im Innersten unseres Herzens“

Die Sehnsucht nach Gott wohnt im Innersten unseres Herzens, und wir rufen mit dem Psalmisten: »Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott« (Ps 42,3). Das ist der Ruf eines Menschen, demütig und leidenschaftlich, dessen innerster und tiefster Durst immer weiter wächst. Nun ist es Jesus Christus, der durch seine Menschwerdung jedem Menschen in seiner Lebensgeschichte entgegenkommt und sich ihm als die wahre Quelle lebendigen Wassers offenbart, die seinen Durst stillen kann. Es handelt sich dabei nicht so sehr um einen materiellen Durst, sondern vielmehr um einen Durst nach Sinn, nach Wahrheit und nach Erfüllung, der dem Herzen eines jeden Menschen innewohnt. Jesus antwortet auf dieses tiefe Verlangen nach Beziehung, nach Gemeinschaft mit Gott, in der das Leben seine ewige Erfüllung findet.


In der ersten Lesung sieht der Prophet Ezechiel, wie Wasser aus dem Tempel fließt und sich in der Wüste ausbreitet, um alles zu reinigen und fruchtbar zu machen (vgl. Ez 47,1-2.8-9.12). Später wird der heilige Johannes sehen, wie Wasser aus der durchbohrten Seite Jesu fließt, der seinen Geist übergab (vgl. Joh 19,30-34). Alle können sich nun an dieser Quelle laben, um wiedergeboren zu werden und die Gabe des Heiligen Geistes zu empfangen, um Kinder Gottes und neue Schöpfung zu werden.


                              „Was suchen wir wirklich im Leben?“


Brüder und Schwestern, man muss anerkennen, dass uns hier auf Erden nichts jemals voll und ganz zufriedenstellen kann. Wenn wir glauben, unsere Aufgabe sei endlich erfüllt und unsere Anstrengungen hätten sich gelohnt, taucht sehr oft die innere Leere wieder auf – und zwar noch tiefgreifender. Um diese Leere zu füllen, kann es dann vorkommen, dass wir nach neuen Freuden suchen, dass wir neue Dinge besitzen wollen, dass wir alles tun, um „Spaß zu haben“, nur um dieses innere Unbehagen nicht zu spüren!

Die heutige Liturgie des Wortes lädt uns ein, unser Herz zu ergründen: Was ist unser tiefster Durst? Was suchen wir wirklich im Leben? Wir alle sehnen uns nach Glück, nach Liebe, nach Selbstverwirklichung. Aber an welcher Quelle versuchen wir, unseren Durst zu stillen?

Begnügen wir uns mit materiellen Gütern, mit sofortiger Befriedigung, mit den vielen kleinen Götzen, die uns das Blaue vom Himmel versprechen, unser Herz aber leer zurücklassen? Mit der Taufe haben wir das lebendige Wasser empfangen, von dem das Evangelium spricht, aber sind wir Christus wirklich persönlich begegnet? Der Mensch ist im Grunde ein „sich sehnendes“ Wesen, und nur Gott kann diese innere Leere füllen.

„Der Mensch ist im Grunde ein „sich sehnendes“ Wesen, und nur Gott kann diese innere Leere füllen“

Ja, Brüder und Schwestern, Jesus Christus, der Gute Hirte, führt uns – wie ein Hirte seine Schafe führt – zur Quelle des Glücks und des Friedens. Er kennt jeden und jede von uns mit Namen. Nichts von unseren Geheimnissen, unseren Absichten und unseren Schwächen bleibt ihm verborgen. Er blickt in die Tiefen unseres Herzens. Er hat sein Leben für uns hingegeben und gibt es durch die Sakramente immer weiter für uns hin. Er trägt die müden oder verletzten Schafe auf seinen Schultern und bringt diejenigen, die sich verirrt haben, behutsam zurück. Jesus offenbart uns die bedingungslose Liebe Gottes zu uns. In seinen Augen ist keiner von uns eine Nummer auf einem Personalausweis oder ein Identifikationscode, sondern ein Mensch, eine einzigartige und unersetzliche Person.

Hl. Messe auf der Place de la Concorde

 

                

Auf den Champs Elysees unterwegs

 zur Hl. Messe auf der Place de la Concorde

               

Zu den Neugetauften und Taufbewerbern

 

              

Vor der Hl. Messe in Paris

 

             

Treffen mit der französischen Synodalversammlung

               

Besuch in la Maison Bakhita

              

Freitag, 25. September 2026

Vigil im Stade de France

 

              

Die Predigt bei der Vesper in Notre Dame

veröffentlicht bei vaticannews                                    

                                   Liebe Brüder und Schwestern,

das Abendgebet versammelt uns an diesem Ort, der Paris seit Jahrhunderten mehr als jeder andere dazu einlädt, den Blick zum Himmel zu erheben. Sieben Jahre sind vergangen, seit die ganze Welt mit angehaltenem Atem miterlebte, wie die Kathedrale in Flammen stand. Auch damals hatten wir den Blick erhoben, bestürzt und im Bewusstsein der menschlichen Ohnmacht angesichts dieses unfassbaren Ereignisses. Diesen Schmerz empfanden nicht nur die Katholiken, nicht nur gläubige Menschen. In dieser dramatischen Stunde wurde uns bewusst, dass Notre-Dame mehr ist als nur ein Denkmal. Die gemeinsame Beteiligung am Wiederaufbau wie nun auch dieses prachtvolle Ergebnis zeigen, dass an diesem Ort das Herz eines Volkes schlägt, dass wir uns im Herzen einer Gesellschaft befinden, dass Vergangenheit und Zukunft einander umarmen, dass Himmel und Erde sich begegnen.

Es war mein Wunsch, dass die Begegnung mit euch an diesem für die Kirche in Frankreich so bedeutsamen Ort stattfindet. Es war mir eine Freude, als ich vorhin die Schwelle überschritten habe, so wie es täglich Tausende von Brüdern und Schwestern tun, die aus aller Welt hierherkommen. Gleich schon beim Betreten dieses Raumes begegnen wir einer Schönheit, die zu unserem unruhigen Herzen spricht und es zum Frieden ruft. Mit der Rückgabe dieses Ortes an die gesamte Menschheit wurde deutlich, wie jeder Besucher durch das, was er sieht, hört und empfindet, neue Kraft schöpfen kann. Die an der Restaurierung von Notre-Dame beteiligten öffentlichen, kirchlichen und privaten Institutionen haben so durch ihren jeweiligen Beitrag daran mitgewirkt, die kulturellen, existenziellen und spirituellen Dimensionen der Kathedrale neu zu erschließen. Die Kirche sah dabei ihre Aufgabe nicht nur in der Bewahrung, sondern auch in der Kreativität, und ließ die Tradition mit dem Mut derer lebendig werden, die Glauben haben und Hoffnung. Dafür möchte ich dem Erzbischof, seinen Mitarbeitern und der Diözesangemeinschaft von Paris danken, die zudem einen pastoralen Weg der Erstverkündigung und christlichen Initiation konzipiert haben, der allen zugänglich ist. Das Taufbecken, das sich als Segen und Einladung im Eingangsbereich befindet, ist ein Zeichen dafür.


Der Wiederaufbau der Kathedrale war der Anlass für eine Begegnung, die die Räume der Gastfreundschaft und Teilhabe über die Grenzen der kirchlichen Zugehörigkeit hinaus erweitert hat. Liebe Bischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute und Seminaristen Frankreichs: Lasst euch von dem inspirieren, was hier geschehen ist! Stellt allem die Freude des Evangeliums (Evangelii gaudium) voran, d. h. jene missionarische Umkehr, die Papst Franziskus von seinem ersten Apostolischen Schreiben an bezeugt hat.

Im Galaterbrief haben wir gehört, warum wir keine Angst haben müssen: „Gott sandte seinen Sohn“ (vgl. Gal 4,4). Er hat ihn zu uns, in unsere Welt gesandt! Im paulinischen Text beschreibt das Verb ein reales, historisches Ereignis und nicht etwas Unwirkliches. Christen weichen der Komplexität nicht aus, denn Gott selbst hat sie berufen, seinem Sohn in eine Welt zu folgen, die bereits bewohnt ist, bereits in Bewegung ist, bereits geprägt ist vom Elend und von der Güte der Menschen. Der Kreuzweg offenbart zwar die Finsternis, die die Welt durchzieht, aber noch radikaler die Liebe Gottes, die über den Tod triumphiert.

Der kreuzförmige Grundriss der Kathedrale, in der Stein und Licht sich vereinen, erinnert an die Begegnung zwischen Erde und Himmel. Er nimmt die Ereignisse der Geschichte, die von menschlichen Freuden und Leiden durchwirkt ist, auf und ordnet sie. Er hält sie in einer symbolischen Dynamik zusammen, die aus verschiedenen Ausdrucksformen eine lebendige Sprache schafft, indem sie diese zu einer Einheit verbindet.


Liebe Freunde, aus der Menschwerdung – „Gott sandte seinen Sohn“ – ergibt sich die Identität der Kirche, die dazu berufen ist, stets „hinauszugehen“. Als Jünger Christi wisst ihr wohl, dass die christliche Gemeinschaft kein abgeschlossener Bereich ist, in den man sich zurückzieht, um sich vor der eigenen Zeit zu schützen. Im Gegenteil, sie möchte nach dem Vorbild der alten Kathedralen ein Ort sein, an dem alle Annahme, Respekt, Offenbarung und Sinn zuteilwird. Darin liegt die Kraft einer lebendigen Kirche: im Annehmen der Ränder, die sich bereits in ihrem Herzen befinden, der Fernen, die in Wirklichkeit schon nah sind, der Fremden, in denen Christus bereits an die Tür klopft.

Wenn Notre-Dame das Zeichen dieser Begegnung im Herzen von Paris ist, dann werden erst recht die anderen Städte und Regionen Frankreichs – selbst die entlegensten und ländlichsten – durch eine einfache und wohlwollende Sendung verwandelt werden, die auch dazu beiträgt, kulturelle Unterschiede zu überbrücken und die Wunden in unseren Gesellschaften zu heilen. Seid eine lebendige, facettenreiche und nahbare Kirche – von den Küsten des Nordens bis zum Mittelmeer, vom Landesinneren bis zu den Übersee-Departements. Das Fehlen materieller Mittel steht der Mission nicht im Wege, denn es ist die Gnade Gottes, die die innere Freiheit und die Einfachheit des Lebens fördert, so, dass sie den Stil des Evangeliums widerspiegeln. Setzt dabei voll Vertrauen auf die Sendung der Laien, die der lebendige Vorposten der Kirche an den Schnittstellen des Alltags sind.


Andererseits, liebe Brüder und Schwestern, dürfen wir nicht vergessen, dass der Zweck, zu dem dieses Gotteshaus – wie alle anderen Kirchen auch – errichtet wurde, das Gebet und der Lobpreis Gottes ist. Es ist der Ort, an dem die christliche Gemeinde die höchste Form des Gebets und des Lobpreises feiert, indem sie in der Eucharistie das Erlösungsopfer Christi erneuert. Die Kathedrale ist keine bewundernswerte Hülle aus Stein. Sie lebt in dem heiligen Geheimnis, das dort gefeiert wird. Ohne die Liturgie würde sie ihre Seele verlieren. Hier in Notre-Dame wird diese Wahrheit durch die Position des Altars in der Mitte des Raumes deutlich. So befindet sich die Gemeinde, die den Herrn preist, in der Mitte des Gebäudes, und die Besucher gehen, auch während der Feiern, um sie herum und beobachten sie. Die Kirche erscheint hier als das, was sie ist: ein lebendiger Organismus, eine gläubige Gemeinschaft, die im Lobpreis alles vereint, was ihr Kultur und Tradition überliefern. Sie ist ein Leib, der gerade mit dieser Feier einem jeden den Grund seines Daseins erschließt.

Heute leben wir mehr denn je in einer Zeit, der es an Fülle, Tiefe und Verheißungen zu mangeln scheint. Die edle Einfachheit des Gesangs, des Wortes und der liturgischen Gesten kann für viele ein Hoffnungsschimmer sein, eine Oase des Friedens in einer hypervernetzten und lauten Gesellschaft, in der man die Gegenwart des Urhebers der größten Liebe erfahren kann: »Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn« (Gal 4,4). Die Feier des liturgischen Jahres, der Sonntage und Festtage, macht uns auch zu Zeitgenossen Christi, die aufmerksam die verschiedenen Momente seines Lebens betrachten, das er dem Vater für die Welt hingegeben hat. Auf diese Weise werden wir auch sensibler und offener für die Zeichen der Zeit. Denn das gemeinschaftliche Hören auf die Heilige Schrift und das Gebet befähigen uns dazu, die geschichtlichen Ereignisse im Lichte Gottes zu sehen, indem sie uns unsere Verantwortung bewusster werden lassen; ungerechte Machtverhältnisse zu entlarven und die zarten Sprosse der Gerechtigkeit und des Friedens zu behüten. Es ist also die Hoffnung, die uns bewegt, und nicht die Resignation. Und daraus entstehen Bande größerer Geschwisterlichkeit, Netzwerke der Solidarität, die Frucht der gemeinschaftlichen Teilhabe am einzigen Opfer Christi sind.


An euch, die ihr täglich die Eucharistie feiert, richte ich die Bitte, darauf zu achten, dass die liturgischen Feiern stets in Würde und gebührender Weise begangen werden, auch dort, wo sich kleinere Gemeinschaften versammeln. Seid die bewussten Erben der Kirchenväter und Heiligen, die uns im Laufe der Jahrhunderte die tiefe Bedeutung und die Schönheit der Liturgie überliefert haben und dabei stets große Demut gegenüber dem gefeierten Geheimnis bezeugten. Das Zweite Vatikanische Konzil, dessen Reichtum Frankreich viel zu verdanken hat, hat dieses Erbe in herausragender Weise aufgegriffen und vertieft und dabei seine zentrale Rolle im kirchlichen Leben anerkannt (vgl. Sacrosanctum Concilium, 10). Daher ermahne ich euch alle, Bischöfe, Priester, Diakone und Ordensleute, eine echte Liebe zur Liturgie zu pflegen und Zeugen und Diener der prophetischen, priesterlichen und königlichen Berufung des ganzen Volkes Gottes zu sein.

Die Liturgie bleibt in dieser Hinsicht ein Spiegelbild des Lebens. Die eucharistische Freude setzt sich durch und breitet sich dort aus, wo man wieder zur Eintracht findet, wo die Würde wieder hergestellt wird, wo Autorität zum Dienst wird, wo die Freiheit wieder in Gang kommt. Das ist das größte Geschenk, das wir miteinander teilen können. Stellt also die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit der Kirche über eure persönlichen Befindlichkeiten, um die Einheit des Volkes Gottes zu pflegen. Gemeinsam werden wir ein prophetisches Zeichen dafür sein, dass eine versöhnte Welt möglich ist.


Liebe Bischöfe, Priester, Seminaristen und Ordensleute, die ihr berufen seid, Christus nachzufolgen, ich danke euch für eure Antwort und eure Treue zum Herrn. Vernachlässigt niemals diese vom Herrn gewollte Freundschaft, die im persönlichen Gebet, dem wesentlichen Fundament jeder Berufung, gepflegt werden muss. Wie Madeleine Delbrêl sagte: »Ohne das Gebet würden wir den Gott der Liebe nicht lieben. Wir wären vielleicht seine Diener, seine Kämpfer, ja sogar seine Jünger; aber wir wären weder die liebenden Kinder unseres Vaters noch die Freunde […] Jesu Christi« (Notre vie, Band XV. der Œuvres complètes, Nouvelle Cité 2017, S. 41). Pflegt also euer inneres Leben mit dem Herrn in der Schule der vielen Heiligen, die euch vorausgegangen sind, und schöpft dabei im stillen Gebet stets aus der Quelle der unendlichen Liebe Gottes. Eure Mission entspringt vor allem dieser innigen Beziehung zum Herrn, der dort auf euch wartet.
Im Herzen der Stadt ist die offene Kathedrale das Zeichen einer Gemeinschaft, die den Herrn preist und Gastfreundschaft nicht als gelegentliche Geste, sondern ihre Lebensform versteht, damit sich alle zu Hause fühlen können und in einer Welt im Wandel nicht länger unterdrückt oder an den Rand gedrängt werden. »Gott sandte seinen Sohn, geboren von einer Frau […] damit wir die Sohnschaft erlangen« (Gal 4,4-5). Und »bist du aber Sohn, dann auch Erbe« (Gal 4,7). Erben aus Gnade, liebe hier versammelte Brüder und Schwestern. Nun liegt es an einem jedem von euch, an dieser betenden und lebendigen Gemeinde, dieser Verheißung eine konkrete Gestalt und Stimme zu verleihen.

Liebe Hirten und Ordensleute Frankreichs, ihr seid berufen, die ersten Hüter dieses offenen Hauses zu sein, lebendige Steine einer Kirche, die hofft und die Zukunft nicht fürchtet. Diese Kathedrale ist wiedergeboren, damit ihr im Elan der Heiligkeit und eurer täglichen Mission mit ihr wiedergeboren werden könnt. Seid inmitten eures Volkes ein klarer Ausdruck der göttlichen Mutterschaft der Kirche Gottes, die durch das Zeugnis der Liebe Gottes die Menschheitsfamilie wiederaufbaut und heilt.

Erheben wir unseren Blick zur Statue der Jungfrau mit dem Kind aus dem 14. Jahrhundert, die vom Feuer verschont geblieben ist und nun erneut vor uns erstrahlt. Maria, die das Wort in ihrem Schoß bewahrt hat, bewahre euch in der Treue. Sie sei der Stern, der das Wirken der Kirche in Frankreich leitet. Heilige Maria, Unsere Liebe Frau von Paris und Mutter der Kirche, bitte für das französische Volk, stehe seinen Hirten bei und gehe stets an unserer Seite."

Quelle: vaticannews

Auf dem Weg zu Notre Dame, Vesper

             

Besuch bei der UNESCO in Paris

              

Die Ansprache des Hl. Vaters im Wortlaut

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Herr Präsident,

verehrte Autoritäten und Mitglieder des Diplomatischen Korps,

meine Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, heute unter Ihnen zu sein. Ich bin Ihnen, Herr Präsident, insbesondere dankbar für die herzliche Einladung zu diesem Besuch in Frankreich und ich danke Ihnen für die Begrüßungsworte, die Sie soeben an mich gerichtet haben. Mit Ihnen grüße ich auch alle, die in diesem Land mit seinem reichen kulturellen und religiösen Erbe leben. Gemeinsam bilden sie ein Volk, in dem die Vielfalt der Herkünfte dazu beiträgt, das Zusammenleben und die Demokratie zu beleben und zu bereichern. Ich möchte Ihnen, Herr Präsident, meine Damen und Herren, ebenfalls versichern, dass Frankreich im Gebet des Papstes, der seine familiären Wurzeln in der Normandie und im Béarn nicht vergisst, sehr oft einen zentralen Platz einnimmt.

Kultureller, künstlerischer und geistiger Leuchtturm

            

Meine Reise nach Frankreich beginnt in der Hauptstadt Ihres Landes, Paris, die oft als die Ville lumière bezeichnet wird. Seit Jahrhunderten erstrahlt Frankreich als kultureller, künstlerischer und geistiger Leuchtturm, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Mit seinen Kathedralschulen, Universitäten und Akademien – wichtigen Stätten der Wahrheitssuche – hat Frankreich stark dazu beigetragen, die Geistesbildung der Völker weit über seine Grenzen hinaus zu prägen. Die Geistesgröße außergewöhnlicher französischer Persönlichkeiten, die zugleich große Katholiken waren, macht deutlich, welche Bedeutung die Wissenschaften, die Künste, die Literatur und die Philosophie für das Wohl der Menschheit haben können, sofern sie auf die Suche nach dem Schönen, dem Guten und dem Wahren ausgerichtet sind, damit die Welt das Leben hat.

Das französische savoir-faire steht in vielen Bereichen für Exzellenz. Dies hat sich insbesondere bei den umfangreichen Restaurierungsarbeiten an der Kathedrale Notre-Dame de Paris auf bemerkenswerte Weise gezeigt, an denen von Beginn an zahlreiche private wie auch öffentliche Institutionen beteiligt waren und denen Sie, Herr Präsident, besondere Aufmerksamkeit geschenkt haben, wofür ich Ihnen danke. Mit Dankbarkeit grüße ich alle Handwerker und Gewerke, die daran mitgewirkt haben. Die kürzlich erfolgte Wiedereröffnung der Kathedrale für den Gottesdienst wie auch für die Besucher aus aller Welt ist nicht nur die Krönung einer technischen Leistung, sondern auch ein Sinnbild für eine wiedergewonnene Hoffnung, der Beweis dafür, dass das, was man für immer zerstört glaubte, dank der Zusammenarbeit aller wiedererstehen kann, und ein Zeugnis für die Einheit, die durch das gemeinsame Streben entstanden ist. Eine so großartige Leistung dürfte alle Akteure des politischen, gesellschaftlichen und religiösen Lebens des Landes neu anspornen, in einem Geist der Einheit und mit der Kraft einer lebendigen Hoffnung unermüdlich weiterzumachen.

Tiefe christliche Wurzeln

            

Frankreich ist auch ein Land mit tiefen christlichen Wurzeln. Seit dem heiligen Irenäus und der Taufe Chlodwigs hat sich die Seele Ihres Vaterlandes entfaltet, indem sie aus dem Christentum eine spirituelle, kulturelle, intellektuelle, künstlerische und missionarische Kraft schöpfte, die heute in der ganzen Welt ihren Widerschein findet. So blühte im Frankreich des 16. Jahrhunderts der Humanismus auf, der versuchte, das griechisch-römische Erbe und den christlichen Glauben zu verbinden. Auf die berühmten Denker der Renaissance und später des Grand Siècle folgten jene der Aufklärung, und Frankreich bescherte der Welt damals wahre Errungenschaften; darunter die Anerkennung der Menschenrechte, die in der Natur des Menschen verankert sind, insbesondere die Religionsfreiheit. Diese beständige Achtung der jedem Menschen innewohnenden Würde findet ihren Widerhall in Ihrem nationalen Wahlspruch. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind nicht bloß Worte, die auf den Giebeln Ihrer öffentlichen Gebäude zu lesen sind, sondern verweisen auf allgemeine ethische Ansprüche, die auch in der Botschaft des Evangeliums eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration und Erfüllung finden.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die in dieser Stadt Paris verkündet wurde – und an deren Ausarbeitung der französische Jurist und Friedensnobelpreisträger René Cassin maßgeblich beteiligt war –, hatte zum Ziel, ein allgemeines Bewusstsein für die unveräußerliche Würde des Menschen zu schaffen. Der heilige Johannes Paul II., der dieses Dokument als »wahren Meilenstein auf dem Weg des moralischen Fortschritts der Menschheit« ansah, war sich bewusst, dass »jede Bedrohung der Menschenrechte, sei es im Bereich der materiellen, sei es im Bereich der geistigen Werte, gleich gefährlich für den Frieden ist, weil dieser sich immer auf den Menschen in seiner Ganzheit bezieht«.

In Paris

               

Die Ankunft


               

Abflug nach Paris


                                                                                                                      

Donnerstag, 24. September 2026

Amoris Laetitia & die Folgen...

Roberto de Mattei kommentiert bei Corrispondenza Romana das geplante Treffen der Oberhäupter der Katholischen Ostkirchen und der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen mit Papst Leo im Vatikan. Hier geht´s zum Original:  klicken

   "DIE HÖCHSTEN BESTIMMUNGEN  DES MENSCHEN"

Das angekündigte Treffen zwischen Papst Leo XIV., den Oberhäuptern der katholischen Ostkirchen sui iuris und den Präsidenten der Bischofskonferenzen findet vom 7. bis 14. Oktober 2026 im Vatikan statt. Die Veranstaltung wurde mit der Absicht konzipiert , „durch gegenseitiges Zuhören zu einer synodalen Entscheidung über die notwendigen Schritte zu gelangen, um das Evangelium heute den Familien im Lichte von Amoris Laetitia zu verkünden und dabei die Errungenschaften der Ortskirchen zu berücksichtigen .“

Zur Vorbereitung der Arbeit der Versammlung veröffentlichte das Generalsekretariat der Bischofssynode und des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben am 6. Juli einen thematischen Leitfaden , der an die Ortskirchen versandt wurde. Der vierte Punkt des Textes mit dem Titel „ In den Schwierigkeiten des Lebens: Begleiten und Unterstützen. Familien in komplexen Situationen begleiten “ greift mit folgenden Worten das zentrale Thema des achten Kapitels des nachsynodalen Schreibens Amoris Laetitia auf : „ Welche Schritte wurden unternommen, um Menschen in schwierigen oder prekären Lebenslagen zu unterstützen? Welche Widerstände treten auf? Wie können wir christliche Gemeinschaften aufbauen, in denen sich Menschen, die Leid, Verlassenheit, Trennung und Scheidung erfahren haben, wirklich gehört, einbezogen und mitverantwortlich fühlen? Welche konkreten Erfahrungen zeigen schon heute das Antlitz einer Kirche, die zunehmend fähig ist zu Nähe, Unterscheidungsvermögen, Begleitung und Wertschätzung und die Einzelpersonen und Familien hilft, Vertrauen wiederzuentdecken, sich als Teil der Gemeinschaft zu erkennen und Gottes Barmherzigkeit zu erfahren? “ 

Gemäß dem Schreiben Amoris Laetitia vom 19. März 2016 muss die Kirche angesichts des Leids derer, deren Ehe gescheitert ist, seelsorgerisch tätig werden und sich als einladende und barmherzige Heimat erweisen. Doch wie weit kann diese Akzeptanz reichen? Ist es möglich, Menschen, die sich dauerhaft in einer objektiv schweren Sünde befinden, wie etwa Geschiedene und Wiederverheiratete, zu den Sakramenten zuzulassen, ohne gegen das natürliche und göttliche Recht zu verstoßen?

Amoris laetitia scheint diese Frage positiv zu beantworten, wenn es in Nr. 301 feststellt: „ Es ist nicht mehr möglich zu sagen, dass alle, die sich in einer sogenannten ‚irregulären‘ Situation befinden, im Zustand der Todsünde leben und der heiligmachenden Gnade beraubt sind .“ In Nr. 305 heißt es weiter: „ Aufgrund bedingter oder mildernder Umstände ist es möglich, dass man innerhalb einer objektiven Situation der Sünde – die subjektiv nicht oder nicht vollständig schuldig ist – in Gottes Gnade leben, lieben und sogar im Leben der Gnade und Liebe wachsen kann, indem man die Hilfe der Kirche zu diesem Zweck in Anspruch nimmt .“

Es stimmt, dass die katholische Moraltheologie stets zwischen der objektiven Schwere einer Tat und der vollen subjektiven Verantwortung des Täters unterschieden hat. Unwissenheit, Angst, Gewalt, tief verwurzelte Gewohnheiten und andere prägende Faktoren können die persönliche Verantwortung mindern. Doch das Problem, das Amoris Laetitia aufwirft , betrifft nicht allein das Urteil des individuellen Gewissens, das letztlich Gott obliegt. Es geht vielmehr um die Möglichkeit, die kluge Beurteilung eines Beichtvaters in eine kirchliche Praxis umzuwandeln, die jenen den Zugang zur Eucharistie ermöglicht, die öffentlich weiterhin in einem Zustand leben, der einem göttlichen Gebot widerspricht, ohne die Absicht zu haben, dieses aufzugeben.

Aus diesem Grund stellten vier Kardinäle – Raymond Leo Burke, Walter Brandmüller, Carlo Caffarra und Joachim Meisner – Papst Franziskus im Jahr 2016 fünf Dubia (Fragen) , in denen sie unter anderem fragten, ob es nach Amoris laetitia Nr. 301 noch möglich sei, zu behaupten, dass „ eine Person, die gewohnheitsmäßig im Widerspruch zu einem Gebot des Gesetzes Gottes lebt, wie etwa dem Verbot des Ehebruchs (vgl. Mt 19,3–9), sich objektiv in einer Situation schwerer gewohnheitsmäßiger Sünde befindet “. Weder diese Frage noch die anderen von den Kardinälen formulierten Dubia wurden jemals beantwortet.

Mittwoch, 23. September 2026

Audienz

Papst Leo XIV hat heute den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer in Audienz empfangen. 

              

vaticannews berichtet. Hier geht´s zum Original:  klicken

Unter dem Titel:

"SACHSENS MINISTERPRÄSIDENT SPRACH MIT DEM PAPST ÜBER KI UND DEUTSCHLAND"

beginnt der Bericht so  -ZITAT

"Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist heute im Vatikan von Papst Leo in Privataudienz empfangen worden. Anlass war das 30-jährige Bestehen des Staatskirchenvertrags zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Heiligen Stuhl. Bei dem 20minütigen Gespräch mit dem Papst ging es auch um die politische Lage in Deutschland vor dem Hintergrund der jüngsten AfD-Wahlerfolge, wie Kretschmer im Anschluss vor den Medien bestätigte.

Kretschmer sagte, Deutschlands politische Entwicklung werde auch im Vatikan wahrgenommen. „Es geht nicht um einen Teil unseres Landes, sondern es geht um Gesamtdeutschland. Und da gibt es sehr, sehr viele Sorgen. Dass das auch hier in Rom gesehen wird, ist klar – Deutschland ist ein wichtiges Land innerhalb der Europäischen Union“, so der seit 2017 in Sachsen regierende CDU-Ministerpräsident nach der Audienz. " (...)

Quelle: vaticannews