Samstag, 19. September 2026

Papst Leo XIV an die Priester seines Bistums

 Wie Stefan von Kempis für vaticannews berichtet, hat Papst Leo XIV gestern Abend "sein Bistum Rom dazu aufgefordert, seine Seelsorge stärker auf die Begegnung der Menschen mit Christus auszurichten. „Manchmal häufen sich die Vorschläge, Aktivitäten und Begegnungen, und man verliert den Kern, den evangeliumsgemäßen Sinn dessen, was man tut, aus den Augen.“

"LEO XIV: "PASTORAL AUF BEGEGNUNG MIT CHRISTUS AUSRICHTEN" 

Das sagte er an diesem Freitagabend bei einer römischen Diözesanversammlung in der Lateran-Basilika, seiner bischöflichen Kathedrale. Man treffe Christus, wenn man sich von ihm beim Namen gerufen fühle, „auf welche Weise das auch immer geschehen mag“. Von hier müsse jede pastorale Aktion neu ausgehen: „Sich nicht so sehr fragen, was man tun soll, sondern eher, wem man begegnen will, und wie.“

Leo lobte bisherige Reformprozesse im Bistum; die Beschäftigung mit „geistlichen Krankheiten“ habe gezeigt, was im kirchlichen Leben korrigiert werden müsse, und die synodale Orientierung führe zu einer breiteren Mitverantwortung von Laien. Wichtig sei ihm allerdings eine dritte Dimension, nämlich eine Überprüfung der Seelsorge.

Die Seelsorge überprüfen

„Im Licht des Heiligen Geistes zu überprüfen bedeutet, innezuhalten, das Geschehene noch einmal zu betrachten, zu erkennen, was Früchte getragen hat, zu verstehen, was nicht funktioniert hat, und gemeinsam nach den Gründen dafür zu suchen. Es bedeutet, kurz gesagt, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Ich lade euch ein, diese Überprüfung unter Einbeziehung der gesamten Gemeinschaft durchzuführen und dabei, soweit möglich, auch Menschen zuzuhören, die nicht zur Gemeinschaft gehören und die Dinge sozusagen von außen betrachten.“

„Förderung unsere Aktivitäten das Wachstum im Glauben?“

Für die gewünschte Überprüfung zählte Papst Leo mehrere Kriterien auf: Die Begegnung mit Christus ermöglichen; Gemeinschaft bilden; und der Stadtgemeinschaft dienen. „Zu diesen drei Prüfkriterien kommt ein viertes hinzu, das alle anderen durchzieht: die Bildung des Volkes Gottes. Fördern unsere Aktivitäten das Wachstum im Glauben? Bilden sie missionarische Jünger aus? Tragen sie dazu bei, kirchliche Verantwortung zu entwickeln? Führen sie zu einem reifen Glauben, der sich in konkreten Entscheidungen im Leben und im Dienst niederschlägt?“

Das Herzstück der Methode, die er hier vorschlage, bestehe in dem einfachen Wörtchen „wozu“. „Es geht darum, gemeinsam innezuhalten und sich bei allem, was wir tun, zu fragen: Warum tun wir das? Welche evangelische Absicht bewegt uns, auf welches tatsächliche Bedürfnis wollen wir eingehen, inwiefern entspricht diese Entscheidung dem Auftrag der Kirche? Dann der zweite Schritt: Warum erzielen wir diese Ergebnisse und keine anderen? Warum führen manche Initiativen zu neuen Wegen, während andere isoliert bleiben? Warum beteiligen sich manche Menschen, während andere am Rande stehen bleiben?“

Niemand trägt seine Last allein

Der Papst bedankte sich ausdrücklich bei allen geweihten Amtsträgern in seinem Bistum: Das sei „nicht bloß eine Formalität“. Er wisse, dass der pastorale Dienst heute anstrengender sei als früher; darum ermutige er dazu, die Last nicht allein zu tragen. „Niemand ist dazu berufen, alles allein zu machen. Das Presbyterium ist nicht die Summe der Priester, die sich aus organisatorischen Gründen treffen, sondern eine brüderliche Gemeinschaft.“

Quelle: S.v.Kempis, vaticannews

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