Freitag, 30. Oktober 2026

Lob Gottes - kein grünes Manifest: der Sonnengesang "Laudato si´ mi´ Signore"

Miłosz Manasterski hat sich anläßlich der 800. Wiederkehr des Todestages des Hl. Franziskus von Assisi in La Nuova Bussola Quotidiana  Gedanken über den Sonnengesang gemacht und warnt mit dem Satz: "Ökologie nicht Ideologie" vor dessen in Anspruchnahme duch Ideologie und Politik. 
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DER SONNENGESANG IST EIN  LOB DES SCHÖPFERS  (KEIN GRÜNES MANIFEST)

Das „Laudato si’, mi’ Signore“ bildet den Refrain des berühmten Gebets des heiligen Franziskus, in dem die Geschöpfe als Anlass zum Lobpreis erscheinen. Eine Veranstaltung in Polen erinnerte an die Notwendigkeit, „von der Schöpfung in der Sprache des Glaubens zu sprechen – ohne Ideologie und ohne Parteipolitik.

Acht hundert Jahre nach dem Tod des heiligen Franziskus fordern polnische Priester, die für die „Laudato Si’“-Seelsorge zuständig sind, dazu auf, über die Schöpfung „ohne Ideologie“ zu sprechen. Es ist eine katholische Antwort auf den Klimatismus der Linken: Ausgangspunkt ist der Schöpfer, das Klima folgt erst danach.

Am 3. Oktober 1226 starb Franziskus in der Portiuncula-Kapelle. Acht hundert Jahre später hat Italien dies mit einem Feiertag gewürdigt: Durch das Gesetz Nr. 151 aus dem Jahr 2025 wurde der 4. Oktober zum nationalen Gedenktag des heiligen Franziskus erklärt.

Der „Poverello“ (der kleine Arme) ist bei allen beliebt – und genau deshalb versuchen auch alle, ihn für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Bestimmte progressive Kreise haben ihn zum ersten Umweltschützer der Geschichte stilisiert und zitieren den „Sonnengesang“ (Cantico delle creature), als handele es sich dabei um ein ökologisches Programm. Man muss ihn allerdings nur einmal genau lesen. Der Refrain „Laudato si’, mi’ Signore“ (Gelobt seist du, mein Herr) macht deutlich: Es ist ein Gebet, das an Gott gerichtet ist, und die Geschöpfe erscheinen darin als Anlass zum Lobpreis.

Die Erde ist „unsere Schwester und Mutter“, die „uns ernährt und lenkt“. Sie ist eine Schwester, von der der Mensch sein Brot empfängt – von einer Göttin, die man besänftigen müsste, kann also keine Rede sein. Und kurz vor dem Ende findet sich ein Vers, der auf den Transparenten von Umweltaktivisten kaum je zu lesen ist: „Wehe jenen, die in Todsünden sterben.“

Vom Beichtstuhl auf die Dächer

Don Zbigniew Kucharski, Sekretär der bischöflichen Arbeitsgruppe für Ökologie, erinnerte in einem Interview aus dem Jahr 2024 daran, dass die Kirche die Schöpfung nicht erst mit der Enzyklika „Laudato si’“ für sich entdeckt hat; schon Johannes Paul II. sprach von einer „ökologischen Umkehr“. Im selben Interview nannte er ein Beispiel, das in Polen – wo ein beträchtlicher Teil des winterlichen Smogs aus privaten Schornsteinen stammt – jeder sofort versteht: Jemand verbrennt bewusst Abfälle im Ofen und vergiftet damit die Luft seiner Nachbarn. Neben den fälligen Geldstrafen, so Kucharski, sollte sich eine solche Person auch fragen, ob sie dies beichten müsse. Er fügte hinzu: „Gott hat uns die Erde nicht anvertraut, damit wir sie dem Verfall preisgeben.“


Derselbe Realismus zeigt sich auch auf den Dächern. In Polen sind Photovoltaikanlagen auf kirchlichen Gebäuden längst keine Seltenheit mehr: Sie finden sich beispielsweise auf dem Priesterseminar in Świdnica sowie auf dem Pfarrhaus in Głuszyca, das zur selben Diözese gehört. Pfarreien und Diözesen tauschen Heizsysteme aus und dämmen historische Gebäude – oft unter Denkmalschutz stehende Bauten –, um den Energieverbrauch und die Heizkosten zu senken.

Der wohl kurioseste Fall stammt aus Stary Sącz im Süden des Landes. Am Papstaltar, an dem Johannes Paul II. im Jahr 1999 die heilige Kinga heiligsprach, hat das Wallfahrtszentrum „Opoka“ eine Photovoltaikanlage errichtet. Sie speist eine kostenlose Ladestation für Elektroautos und deckt zudem einen Teil des Energiebedarfs des Zentrumsgebäudes. Geleitet wurde das Zentrum von Pfarrer Marcin Kokoszka, der seit Dezember 2024 als Ökonom der Polnischen Bischofskonferenz tätig ist. „Ökologie ist eine neue Art zu denken. Wir respektieren die Natur, nutzen aber auch neue Technologien“, erklärte er.

Es handelt sich um eine Ökologie im Sinne guter Verwalter: Die Pfarreien sparen Kosten, und von den Gläubigen wird keineswegs verlangt, dass sie sich wegen der Kinder, die sie in die Welt setzen, schuldig fühlen.

Schwerter und Pflugscharen

Der rote Faden des Treffens war ein Vers aus dem Buch Jesaja, in dem es heißt, dass die Völker „ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden“ werden (Jes 2,4). Papst Franziskus wählte diesen Vers als Leitgedanken für seine Botschaft zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung am 1. September. Der Papst sieht darin einen Aufruf, das, was Leben zerstört, in etwas zu verwandeln, das Leben erhält.

Der entscheidende Punkt ist hier die Sprache. Don Sławomir Augustynowicz, Verantwortlicher für die „Laudato Si’“-Pastoral in der Diözese Świdnica, hat es klar zum Ausdruck gebracht: „Unsere pastorale Arbeit erfordert auch Aufmerksamkeit und Einsatz für eine wirksame Kommunikation in unseren Gemeinschaften.“ Sowohl in Polen als auch in Italien wurde das Vokabular rund um das Klima von der Politik vereinnahmt. Der Kirche bleibt die Sprache des Sonnengesangs – eine Sprache, die beim Namen des Schöpfers ansetzt und noch vor ihrem Ende von Vergebung und Sünde spricht."

Quelle: M. Manasterski, LNBQ

  

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