"Die Hermeneutik der Kontinuität war 35 Jahre lang der Polarstern der Pontifikate von Johannes Paul II und Benedikt XVI , von 1978 bis 2013.
Aber in diesen 35 Jahren konnte -trotz der Bemühungen von zwei Päpsten, die sich auf der selben Linie bewegten- die Hermeneutik der Kontinuität den Prozess der Selbstzerstörung der Kirche nicht aufhalten, den Paul VI zuerst vor 50 Jahren beklagte. Sie konnten ihn nicht aufhalten, weil man einen historischen Prozess nicht mit Diskussionen über Hermeneutik aufhalten kann.
Wenn die Vertreter der Hermeneutik der Kontinuität in den letzten 50 Jahren nicht siegten, sondern eher jene, die eine Hermeneutik der Diskontinuität vertreten, ist der Grund dafür, daß Erstere sich selbst darüber täuschten, daß sie glaubten, sie könnten die Diskussion auf die hermeneutische Ebene, die Ebene der Interpretation von Dokumenten, begrenzen, während Letztere, d.h. die Progressiven, die Dokumente ignorierten und auf das Gebiet der Praxis vorrückten und dabei den Geist von Vatican II beibehielten, der den Primat der Pastoral behauptete, d.h. den Primat der Praxis über die Lehre.
Wenn die Vertreter der Hermeneutik der Kontinuität in den letzten 50 Jahren nicht siegten, sondern eher jene, die eine Hermeneutik der Diskontinuität vertreten, ist der Grund dafür, daß Erstere sich selbst darüber täuschten, daß sie glaubten, sie könnten die Diskussion auf die hermeneutische Ebene, die Ebene der Interpretation von Dokumenten, begrenzen, während Letztere, d.h. die Progressiven, die Dokumente ignorierten und auf das Gebiet der Praxis vorrückten und dabei den Geist von Vatican II beibehielten, der den Primat der Pastoral behauptete, d.h. den Primat der Praxis über die Lehre.
Die Essenz des II.Vaticanischen Konzils war der Triumph der Pastoral über die Lehre, die Umwandlung der Pastoral in eine Theologie der Praxis und die Applikation der Philosophie der Marxistischen Praxis auf das Leben der Kirche.
Der Verzicht Benedikts XVI auf sein Pontifikat am 11. Februar 2013, stellt meiner Meinung nach, das Fehlschlagen seines Versuchs dar, die postkonziliare Praxis vom II.Vaticanischen Konzil zu trennen und seine Texte von der Geschichte zu isolieren.
Papst Franziskus verkörpert die entgegengesetzte These zu der Ratzingers. Er interessiert sich weder für die theologische Debatte noch für eine hermeneutische. Papst Franziskus repräsentiert das Ausspielen von Vatican II und -in seiner Person- den Triumph der Pastoral über die Theologie. Deshalb gibt es keine Ruptur zwischen dem II.Vaticanischen Konzil und Papst Franziskus sondern eher eine historische Kontinuität- Papst Franziskus repräsentiert die reife Frucht von Vatican II.
Papst Franziskus´ Pontifikat stellt sicher einen "Paradigmenwechsel" dar, wie Ureta zu Recht bemerkt, aber der wahre große Wendepunkt dieser 5-Jahres-Periode ist meiner Meinung nach nicht das Pontifikat von Papst Franziskus sondern die Reaktion, die dieses Pontifikat in aller Welt bei den Katholiken hervorgerufen hat. Papst Franziskus´ Pontifikat hat- gerade weil es katastrophal ist, das Bestehen der Krise der Kirche beleuchtet, die sonst ignoriert worden wäre.