Dienstag, 4. Juli 2017

"Kardinal Müllers guter Kampf"

Aldo M. Valli kommentiert auf seinem blog den Umgang des Pontifex und seiner Entourage mit dem Glaubenshüter im Sant´Uffizio. Und man kann nicht umhin, sich über den arroganten Ton der lateinamerikanischen Papstgetreuen und ihrer medialen Gefolgschaft unter der Überschrift "Barmherzigkeit über alles" zu wundern.
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        "KARDINALMÜLLERS GUTER KAMPF"

"Der vom Papst Kardinal Gerhard L.Müller erteilte Marschbefehl  - exakt am Ende der 5 Jahre seines Mandats- hat den Geruch eines Hinausjagens. Franziskus hat auf die Uhr geschaut: keine Minute ist dem Herrn Präfekten konzediert worden. Andererseits war schon seit einer Weile klar, daß es zwischen Franziskus und Müller keine Gefühle (feeling) gibt.

Welches sind die Motive? Verschiedene und auf verschiedenen Ebenen.

Der deutsche Kardinal -schreibt die argentinische Tageszeitung "Clarin"- hat sich Franziskus´ Reformen entgegen gestellt, und in einigen Entscheidungen des Papstes einen Angriff auf die Lehre gesehen. Wirklich hat er sich dem Papst niemals entgegengestellt, sondern seine Autoruität dazu benutzt, um einige Probleme aufzuzeigen.

Wie er auch in einem Interview, das er diesem blog gewährte, sagte: war die Verteidigung der wahren Lehre und dem Papst zu helfen das Herzensanliegen Müllers,- also gemäß ihrer Statuten- die Hauptaufgaben der Glaubenskongregation. Die Römische Kurie-erkläre er- ist ein Organ im Dienst des Papstes und seines Lehramtes.
"Wir dürfen nie vergessen, daß die wichtigste Aufgabe des Papstes das Bekennen des Katholischen Glaubens ist- durch den alle Katholischen Kirchen vereint sind und die Bekräftigung der Katholischen Lehre, deren erster Zeuge eben der Nachfolger Petri ist."

Diese Betonung haben in Santa Marta und Umgebung nicht gefallen. Den Glauben bezeugen und die Doktrin bekräftigen? Es scheint unbestritten, daß der Präfekt der Galubenskongregation dem Papst gegenüber diese primären Pflichten erfüllt hat.
Und dennoch hat jemand in Müllers Worten fast eine Provokation gelesen und hat den Anspruch auf eine bedeutende Rolle in der Kongregation, in der Verteidigung des Glaubens und der Kirche zum Wohl der Seelen für inakzeptabel befunden.

"Das Papsttum theologisch strukturieren": so hat der Kardinal einmal seine Aufgabe beschrieben, auch in diesem Fall war er in perfekter Übereinstimmung mit dem Statut der Kongregation, deren Amtsinhaber er war. Aber dieser Wille-auch wenn er als Hilfsangebot gedacht war- angesichts eines Pontifex, der sicher keine spezifische Vorbereitung auf theologischem Gebiet besitzt, wurde als Widerstand gegen Franziskus interpretiert.

In Büchern, Artikeln und in Interviews hat Müller sich nie versteckt. Als beispielsweise Marie Collins die Entlassung der Kommission zum Schutz Minderjähriger verlangte und von zu schwacher Hilfe aus der Kurie sprach, antwortete Müller, daß man dem Klischee des Papstes, der Reformen will und der Kurie, die gegenan rudert, ein Ende machen solle.

Über "Amoris Laetitia"   sagte er, daß man sie im Licht der Kirchendoktrin interpretieren müsse, daß die Bischöfe sie nicht jeder auf seine eigene Weise lesen und anwenden dürfe, und daß die Lehre von "Familiaris Consortio" über die wiederverheirateten geschiedenen Paare gültig bleibt, ebenso wie die von "Veritatis splendor" für  Moralthemen. Seine Worte waren stark: "Für uns ist die Ehe der Ausdruck der Teilnahme an der Einheit zwischen Christus als Bräutigam und der Kirche seiner Braut.
Das ist nicht -wie manche bei der Synode sagten- eine einfache, vage Analogie. Nein.
Das ist die Substanz des Sakramentes und keine Macht im Himmel oder auf der Erde, weder ein Engel noch der Papst, weder ein Konzil noch ein Gesetz der Bischöfe kann das ändern."





Wie soll man die Linie Müllers definieren?  Wenn man einen Ausdruck, der Franziskus teuer ist benutzt: Parrhesia, also Freiheit und Klarheit. Parrhesia, die aber- wenn auch erfoderlich- oft nicht willkommen ist.
Am Rande müssen wir auch an die Beleidigungen erinnern, denen der Kardinal unter dem Pontifkat von Franziskus ausgesetzt war.
Wenn wir an die Wichtigkeit seiner Rolle und das Prestige seiner Aufgabe denken, ist Müller unglaublich schlecht behandelt worden.
hm wurde vor der Veröffentlichung kein Exemplar von Amoris Laetitia zur doktrinalen Revision ausgehändigt, und mehrmals hat der Papst gezeigt, daß er ihn nicht in Erwägung zog und statt dessen die Rolle anderer Kardinäle aufwertete, wie Walter Kasper, Christoph Schönborn und Oscar Maradiaga.
Als der Papst während eines Interviews während eines Fluges erhellende  Fragen zu Amoris Laetitia gestellt wurden (April 2016 auf dem Rückflug von der Insel Lesbos), wies Franziskus als doktrinalen Referenzpunkt auf Kardinal Müller hin, aber Schönborn- es ist immer Schönborn und nicht Müller,- wurde mit der Präsentation des Dokumentes vor den Journalisten in der Sala Stampa beauftragt. Eine wahre Ohrfeige.

Als dann Maradiaga ziemlich respektlos über Müller sprach ("Er ist ein deutscher Theologieprofessor- in seiner Mentalität gibt es nur richtig und falsch. Aber mein Bruder- die Welt ist nicht so, du müßtest ein bißchen flexibler sein.") verstand der Präfekt, daß das Beil -barmherzig- auf ihn  herabfallen würde.,

Gleiches gilt für die Worte eines anderen Intimus von Papst Franziskus, Msgr. Victor Manuel Fernandez, der in einem Interview über Müller und seine Rolle als Präfekt des Ex- Sant´Uffizio sagte:
"Ich habe gelesen, daß manche sagen, daß die Römische Kurie ein essentieller Teil der Mission der Kirche ist oder der ein Präfekt im Vatican der sichere Kompass ist, der die Kirche daran hindert, in oberflächliches Denken (light) zu verfallen ; oder daß dieser Präfekt die Einheit des Glaubens sichert und dem Pontifex eine ersnthafte Theologie garantiert. Aber die Katholiken, die das Evangelium lesen, wissen, daß Christus speziell dem Papst in Gemeinschaft mit den Bischöfen Führung und Erleuchtung zugesichert hat und nicht einem Präfekten oder einer anderen Struktur."

Unter den Beleidungen gegen Müller sollte man sich auch an die vom Papst gewollte "en bloc"-Entlassung von drei Priestern der Glaubenskongregation erinnern, ohne genaues Motiv und ohne, daß der Präfekt seine Mitarbeiter hätte verteidigen können. Und einer dieser drei Entlassenen, der Niederländer Christophe J. Kruijen, ein wertvoller Theologe, wurde einfach aus Gründen der Abwicklung entlassen.
Ich will mit den Worten schließen, die der Kardinal mir in dem Interview im vergangenen November sagte: "Hier sind wir sicher für die Wahrheit des Glaubens verantwortlich, aber auch für die Rettung der Seelen. Das ist das endgültige Ziel. Also arbeiten wir für den Nachfolger Petri, für die Kirche und das Reich Gottes,"

Müller darf sagen. den guten Kampf gekämpft zu haben.

Quelle: A.Valli
     

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