auf dem Petersplatz
Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!
Im Evangelium von heute (vgl. Mt 22,34-40) führt uns der Herr erneut zur Mitte unseres Glaubens. Ein Gesetzeslehrer fragt Jesus, um ihn auf die Probe zu stellen: »Welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?« (V. 36). Der Meister antwortet mit einem Zitat aus dem Buch Deuteronomium: »Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft« (V. 37; vgl. Dtn 6,5). Christus stellt die Dimension der Liebe in den Mittelpunkt der Beziehung zu Gott. Es reicht nämlich nicht aus, zu wissen, dass Gott existiert, dass er der Einzige ist oder dass er der Allmächtige ist; der Herr erwartet von uns eine persönliche Beziehung: Der einzige wahre Gott möchte unser Gott werden.
„Christus stellt die Dimension der Liebe in den Mittelpunkt der Beziehung zu Gott. Es reicht nämlich nicht aus, zu wissen, dass Gott existiert, dass er der Einzige ist oder dass er der Allmächtige ist; der Herr erwartet von uns eine persönliche Beziehung: Der einzige wahre Gott möchte unser Gott werden“
In der Begegnung mit ihm ist das Gebot der Liebe weder eine Verpflichtung noch ein Zwang. Man kann nämlich nicht „auf Befehl“ lieben. Die Liebe zu Gott ist das der menschlichen Sehnsucht eigene Bedürfnis, das seine Erfüllung in der Gemeinschaft mit ihm findet. Deshalb ist unsere Liebe nur dann echt, wenn sie Antwort auf seine Liebe ist, die uns immer vorausgeht. Daraus ergibt sich das Bedürfnis nach einer Gesamtheit, die den ganzen Menschen umfasst: Herz, Seele und Verstand.
„Man kann nämlich nicht „auf Befehl“ lieben. Die Liebe zu Gott ist das der menschlichen Sehnsucht eigene Bedürfnis, das seine Erfüllung in der Gemeinschaft mit ihm findet. Deshalb ist unsere Liebe nur dann echt, wenn sie Antwort auf seine Liebe ist, die uns immer vorausgeht“
Dem ersten Gebot fügt der Herr ein zweites hinzu: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Mt 22,39). Diese Lebensregel entspringt derselben Quelle; deshalb, so sagt Jesus, gleicht sie dem ersten Gebot. Aus der innigen Gottesbeziehung heraus werden wir fähig, uns selbst und unseren Nächsten mit dem Blick Christi zu betrachten, aus seiner Perspektive. Auf diese Weise wird der Egoismus überwunden und die Selbstliebe wird zur Nächstenliebe: Unser Leben wendet sich den anderen zu und wird zu einem Geschenk für die Menschen in unserer Nähe.
„Aus der innigen Gottesbeziehung heraus werden wir fähig, uns selbst und unseren Nächsten mit dem Blick Christi zu betrachten, aus seiner Perspektive. Auf diese Weise wird der Egoismus überwunden und die Selbstliebe wird zur Nächstenliebe“
Die heilige Theresia vom Kinde Jesu hat dies gut verstanden: »Nur die Liebe«, so schrieb sie, »treibt die Glieder der Kirche zum Handeln an; wäre diese Liebe erloschen, würde sie das Evangelium nicht mehr verkünden« (vgl. Gesammelte Werke, Manuskript B, 3v°, Rom 1997, 223). Ohne sie würde unser Glaube nämlich seines Inhalts beraubt, unsere guten Werke würden sich auf Moralismus reduzieren, unsere Hoffnung wäre vergeblich.
Meine Lieben, wir können Gott nicht wirklich lieben, ohne dass diese Liebe in die Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern überfließt. Und wir können unseren Nächsten nur dann wirklich lieben, wenn wir uns als Kinder desselben Vaters verstehen, der uns in seinem Sohn Jesus zuerst geliebt hat.
„Wir können Gott nicht wirklich lieben, ohne dass diese Liebe in die Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern überfließt. Und wir können unseren Nächsten nur dann wirklich lieben, wenn wir uns als Kinder desselben Vaters verstehen, der uns in seinem Sohn Jesus zuerst geliebt hat“
Bitten wir den Herrn um die Gnade eines neuen Herzens, das fähig ist, dieses bedeutende Gebot anzunehmen und zu leben. Die Jungfrau Maria, in deren unbeflecktem Herzen nichts als Liebe ist, möge für uns Fürsprache einlegen."
Quelle: vaticannews
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