Freitag, 25. September 2026
Donnerstag, 24. September 2026
Amoris Laetitia & die Folgen...
Roberto de Mattei kommentiert bei Corrispondenza Romana das geplante Treffen der Oberhäupter der Katholischen Ostkirchen und der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen mit Papst Leo im Vatikan. Hier geht´s zum Original: klicken
"DIE HÖCHSTEN BESTIMMUNGEN DES MENSCHEN"
Das angekündigte Treffen zwischen Papst Leo XIV., den Oberhäuptern der katholischen Ostkirchen sui iuris und den Präsidenten der Bischofskonferenzen findet vom 7. bis 14. Oktober 2026 im Vatikan statt. Die Veranstaltung wurde mit der Absicht konzipiert , „durch gegenseitiges Zuhören zu einer synodalen Entscheidung über die notwendigen Schritte zu gelangen, um das Evangelium heute den Familien im Lichte von Amoris Laetitia zu verkünden und dabei die Errungenschaften der Ortskirchen zu berücksichtigen .“
Zur Vorbereitung der Arbeit der Versammlung veröffentlichte das Generalsekretariat der Bischofssynode und des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben am 6. Juli einen thematischen Leitfaden , der an die Ortskirchen versandt wurde. Der vierte Punkt des Textes mit dem Titel „ In den Schwierigkeiten des Lebens: Begleiten und Unterstützen. Familien in komplexen Situationen begleiten “ greift mit folgenden Worten das zentrale Thema des achten Kapitels des nachsynodalen Schreibens Amoris Laetitia auf : „ Welche Schritte wurden unternommen, um Menschen in schwierigen oder prekären Lebenslagen zu unterstützen? Welche Widerstände treten auf? Wie können wir christliche Gemeinschaften aufbauen, in denen sich Menschen, die Leid, Verlassenheit, Trennung und Scheidung erfahren haben, wirklich gehört, einbezogen und mitverantwortlich fühlen? Welche konkreten Erfahrungen zeigen schon heute das Antlitz einer Kirche, die zunehmend fähig ist zu Nähe, Unterscheidungsvermögen, Begleitung und Wertschätzung und die Einzelpersonen und Familien hilft, Vertrauen wiederzuentdecken, sich als Teil der Gemeinschaft zu erkennen und Gottes Barmherzigkeit zu erfahren? “
Gemäß dem Schreiben Amoris Laetitia vom 19. März 2016 muss die Kirche angesichts des Leids derer, deren Ehe gescheitert ist, seelsorgerisch tätig werden und sich als einladende und barmherzige Heimat erweisen. Doch wie weit kann diese Akzeptanz reichen? Ist es möglich, Menschen, die sich dauerhaft in einer objektiv schweren Sünde befinden, wie etwa Geschiedene und Wiederverheiratete, zu den Sakramenten zuzulassen, ohne gegen das natürliche und göttliche Recht zu verstoßen?
Amoris laetitia scheint diese Frage positiv zu beantworten, wenn es in Nr. 301 feststellt: „ Es ist nicht mehr möglich zu sagen, dass alle, die sich in einer sogenannten ‚irregulären‘ Situation befinden, im Zustand der Todsünde leben und der heiligmachenden Gnade beraubt sind .“ In Nr. 305 heißt es weiter: „ Aufgrund bedingter oder mildernder Umstände ist es möglich, dass man innerhalb einer objektiven Situation der Sünde – die subjektiv nicht oder nicht vollständig schuldig ist – in Gottes Gnade leben, lieben und sogar im Leben der Gnade und Liebe wachsen kann, indem man die Hilfe der Kirche zu diesem Zweck in Anspruch nimmt .“
Es stimmt, dass die katholische Moraltheologie stets zwischen der objektiven Schwere einer Tat und der vollen subjektiven Verantwortung des Täters unterschieden hat. Unwissenheit, Angst, Gewalt, tief verwurzelte Gewohnheiten und andere prägende Faktoren können die persönliche Verantwortung mindern. Doch das Problem, das Amoris Laetitia aufwirft , betrifft nicht allein das Urteil des individuellen Gewissens, das letztlich Gott obliegt. Es geht vielmehr um die Möglichkeit, die kluge Beurteilung eines Beichtvaters in eine kirchliche Praxis umzuwandeln, die jenen den Zugang zur Eucharistie ermöglicht, die öffentlich weiterhin in einem Zustand leben, der einem göttlichen Gebot widerspricht, ohne die Absicht zu haben, dieses aufzugeben.
Aus diesem Grund stellten vier Kardinäle – Raymond Leo Burke, Walter Brandmüller, Carlo Caffarra und Joachim Meisner – Papst Franziskus im Jahr 2016 fünf Dubia (Fragen) , in denen sie unter anderem fragten, ob es nach Amoris laetitia Nr. 301 noch möglich sei, zu behaupten, dass „ eine Person, die gewohnheitsmäßig im Widerspruch zu einem Gebot des Gesetzes Gottes lebt, wie etwa dem Verbot des Ehebruchs (vgl. Mt 19,3–9), sich objektiv in einer Situation schwerer gewohnheitsmäßiger Sünde befindet “. Weder diese Frage noch die anderen von den Kardinälen formulierten Dubia wurden jemals beantwortet.
Mittwoch, 23. September 2026
Audienz
Papst Leo XIV hat heute den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer in Audienz empfangen.
Die Katechese
Vaticannews veröffentlicht den Wortlaut der Katechese des Hl. Vaters bei der heutigen Generalaudienz.
Hier geht´s zum Original: klicken
Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen und herzlich Willkommen!
Wenn wir unseren Weg durch die Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ des Zweiten Vatikanischen Konzils fortsetzen, gelangen wir zum dritten Kapitel des ersten Teils, das einen ansprechenden Titel trägt: „das Menschliche Schaffen in der Welt“. Die grundlegende Frage lautet wie folgt: Welchen Wert hat das menschliche Handeln in der Welt und damit der technische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Fortschritt? Wir können uns daran erinnern, dass weniger als vier Jahre nach Abschluss des Konzils, in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969, der Mensch zum ersten Mal den Mond betrat.
Dienstag, 22. September 2026
Was der Apostolische Nuntius in Frankreich ankündigt...
Vaticannews berichtet über die Pläne des Hl. VAters, während seiner Frankreichreise, Katechumenen und Neugetaufte zu treffen. Hier geht´s zum Original: klicken
Unter dem Titel:
"FRANKREICH: DIE WACHSENDE NACHFRAGE NACH ERWACHSENENTAUFEN WECKT DAS INTERESSE DES PAPSTES"
beginnt der Artikel so - ZITAT
Immer mehr Erwachsene in Frankreich interessieren sich für die Taufe und den christlichen Glauben. Diese Entwicklung habe bei Papst Leo XIV. großes Interesse geweckt, berichtet der Apostolische Nuntius in Frankreich, Erzbischof Celestino Migliore. Bei seiner bevorstehenden Frankreichreise will der Papst deshalb besonders Katechumenen und Neugetauften begegnen.
Die wachsende Zahl junger Menschen und Erwachsener, die in Frankreich den Weg zum christlichen Glauben suchen, wird auch bei der bevorstehenden Reise von Papst Leo XIV. eine Rolle spielen. Der Papst wolle die französischen Christen in ihrem Glauben bestärken und dabei insbesondere Menschen begegnen, die sich auf die Taufe vorbereiten oder erst vor kurzem getauft wurden. Das sagte der Apostolische Nuntius in Frankreich, Erzbischof Celestino Migliore, im Gespräch mit der italienischen Nachrichtenagentur SIR. Die steigende Nachfrage nach der Erwachsenentaufe habe bei Leo XIV. „großes Interesse, Bewunderung und Ermutigung“ hervorgerufen." (...)
Quelle: sir, vaticannews
Montag, 21. September 2026
Heute vor 350 Jahren,
am 21. September 1676 wurde Kardinal Benedetto Odesccalchi zum Papst gewählt. Unter dem Namen Innozenz XI wurde er ein bedeutender Pontifex. Nicola Scapin berichtet bei OnePeterFive über sein Wirken. Hier geht´s zum Original: klicken
Die feierliche Krönung am 4. Oktober im Petersdom war ein Moment außergewöhnlicher musikalischer Pracht. Wie Stefano Gizzi anmerkt, erklang während des Fußkusses und der Schlüsselübergabe die majestätische Motette „ Tu es Petrus“ , vermutlich von Giovanni Pierluigi da Palestrina (†1594), durch den Dom. Den musikalischen Höhepunkt der Feier bildete die Motette „ In Diademate Capitis Aaron“ von Felice Anerio (†1614) während des Offertoriums , während der abschließende Segen von der Loggia aus durch Palestrinas fünfstimmige Polyphonie „ Corona aurea super caput ejus“ geweiht wurde.
Das Pontifikat Innozenz’ XI., das über zwölf Jahre währte, hinterließ einen unauslöschlichen Eindruck in der Kirche. Drei Jahrhunderte später, im Jahr 1956, feierte Papst Pius XII. (†1958) die Seligsprechung des in Como geborenen Papstes und hob in einer leidenschaftlichen Radioansprache aus Castel Gandolfo hervor, wie „die Heiligkeit Innozenz’ XI. unmittelbar nach seinem Tod nicht nur von den katholischen Gläubigen, sondern auch von vielen Nichtkatholiken verkündet wurde.“
Trotz dieses sofortigen Rufs der Heiligkeit verzögerten andere Erwägungen seinen Weg zum Altar, die erst durch sorgfältige historische Forschung endgültig geklärt wurden.
Pius XII. hob die Tugenden hervor, die Odescalchi auszeichneten : Demut, Askese und Hingabe an die Armen. „Er lebte in Einfachheit, fernab jeglichen Luxus, und in seiner Demut suchte er nie im Mittelpunkt zu stehen“, bemerkte der Papst. „Er liebte die Armen und half ihnen mit väterlicher Zärtlichkeit und schonte weder seine Kraft noch seinen Besitz.“
Neben seiner persönlichen Askese war Innozenz XI. ein unermüdlicher Reformer. Er arbeitete daran, die Römische Kurie effizienter und nüchterner zu gestalten, bekämpfte Vetternwirtschaft und ernannte Bischöfe von vorbildlicher Tugend. Pius XII. erinnerte sich an ihn als einen Papst, der „die Würde und Effizienz der Römischen Kurie wiederherstellen wollte, Vetternwirtschaft bekämpfte und würdige und vorbildliche Bischöfe auswählte“
.Seine Entschlossenheit zeigte sich auch im Umgang mit politischen Mächten, insbesondere mit Ludwig XIV. (†1715) von Frankreich. Innozenz XI. widersetzte sich mutig den Ansprüchen des Absolutismus: „Er wehrte sich entschieden gegen die Anmaßungen absoluter Macht, nicht aus Rebellion, sondern aus Treue zum von Christus empfangenen Auftrag.“
Welche Normalität?
In seiner heutigen Kolumne für Monday at the Vatican stellt A.Gagliarducci sich die Frage, welche Normalität Papst Leo XIV anstrebt. Hier geht´s zum Original: klicken
"LEO XIV, WELCHE NORMALITÄT?"
Die Nachricht, daß Leo XIV beschlossen hat, die von Papst Franziskus angeordnete Gehaltskürzung für die Kardinäle zurückzunehmen, hat eine größere symbolische Wirkung erzielt, als man annehmen konnte.
Während der Covid-19-Pandemie und der Wirtschaftskrise hat Papst Franziskus die Gehälter der Kardinäle, den sog. Kardinalsteller- gekürzt und das hat Schlagzeilen gemacht.
Leo XIV bringt die Normalität zurück und das kann in der Diskussion nur zu zwei Rückschlüssen führen, entweder hat der Papst die Dinge zur Normalität zurückgebracht, nachdem die Krisensituation zu Ende ist, oder er widerruft das vorangegangene Pontifikat und stellt die Privilegien der Kardinäle wieder her.
Diese beiden Interpretationen erklären jedoch wahrscheinlich nicht ganz, was heute passiert.
Leo XIV ist kein Mann radikaler Veränderungen und er will sich sicher nicht als der PApst positionieren, der die Kontinuität zu seinen Vorgängern, insbesondere seinem unmittelbaren Vorgänger, Franziskus, unterbrochen hat.
Aber er zeigt als ein Papst mit eigenem Pragmatismus, der es ihm erlaubt, bestimmte Maßnahmen "anzupassen".
Franziskus hat tatsächlich nicht nur die Gehälter der Kardinäle gekürzt. Er ordnete zudem an, dass alle für die ihnen aufgrund ihres Amtes zugewiesenen Wohnungen eine marktübliche Miete zahlen müssen – womit er unmissverständlich signalisierte, dass er den Kardinälen ihre Privilegien entziehen und – auch in ihren Lebensumständen – nah bei den Menschen bleiben wollte.
Obwohl diese Entscheidungen ein erhebliches Medienecho hervorriefen, offenbarten sie auch die Tendenz, die Führungskräfte der Kirche zu Sündenböcken für alle Übel zu machen.
Das vatikanische System wurde nämlich nicht geschaffen, um Einzelne zu bereichern oder Privilegien zu verteilen. Vielmehr sollte es allen, die im Vatikan arbeiten, ein würdevolles Leben ermöglichen. Die Gehälter im Vatikan sind nicht besonders hoch; das gilt auch für die Bezüge der Kardinäle.
Sonntag, 20. September 2026
Angelus
auf dem Petersplatz
vaticannnews veröffentlicht den Wortlaut der Katechese. Hier geht´s zum Original: klicken
Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!
Durch den Mund des Propheten Jesaja gibt uns der Herr in der heutigen Liturgie einen bedeutenden Grund zur Hoffnung, wenn er uns sagt, dass seine Gedanken nicht unsere Gedanken und seine Wege nicht unsere Wege sind (vgl. Jes 55,8). Ja, Gottes Pläne sind unendlich viel größer und, sagen wir ruhig, „menschlicher“ als das, was wir von der Sünde gezeichnete Männer und Frauen begreifen und realisieren können. Deshalb ergeht an uns der Aufruf des Propheten, der heute aktueller ist denn je: unsere verkehrten Wege zu verlassen und umzukehren zum Herrn, der Barmherzigkeit und Vergebung ist .
Im Evangelium beschreiben die Gleichnisse Jesu das Neue, das Gott für uns bereithält, aber oft zeigen sie auch unseren Widerstand gegen eine großzügigere Gerechtigkeit und eine größere Liebe. Heute etwa hören wir die Geschichte von den Arbeitern, die zur Arbeit in den Weinberg gerufen werden (vgl. Mt 20,1-16): die einen für den ganzen Tag, die anderen nur für ein paar Stunden, wieder andere erst kurz vor Sonnenuntergang. Doch die zentrale Stelle des Gleichnisses ist der Augenblick der Entlohnung, als der Gutsherr gegenüber den Arbeitern der ersten Stunde Wort hält und sie wie vereinbart bezahlt, aber möchte, dass sie seine Güte erkennen, und die Letzten – vor ihren Augen – genauso behandelt wie sie
Ein Detail dürfen wir nämlich nicht übersehen. Der Herr gibt dem Verwalter eine genaue Reihenfolge vor: Die Arbeiter sollen »angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten« bezahlt werden (Mt 20,8). Die ablehnende Reaktion derer, die den ganzen Tag gearbeitet hatten, hätte also leicht vermieden werden können, doch sie ist beabsichtigt, denn die Offenbarung der Güte Gottes gilt für alle, nicht nur für einige
„Wir alle gewinnen jedoch an Freude, Verständnis und Zukunft, wenn das Gesetz der Liebe das Gesetz des Kalküls aufbricht“
Gott hat andere Wege und neue Gedanken auch für jene, die sich für die Ersten halten und glauben, sie hätten das, was sie sind, verdient und das erreichte Ergebnis stünde ihnen zu. Wir alle gewinnen jedoch an Freude, Verständnis und Zukunft, wenn das Gesetz der Liebe das Gesetz des Kalküls aufbricht, wenn die Erfahrung des Erbarmens die des Verdienens weitet, wenn das Geschenk des Friedens Rivalitäten aufhebt und uns in Dankbarkeit einander näherbringt.
Brüder und Schwestern, es ist eine Gnade, Mitarbeiter Gottes zu sein, in seinem Weinberg zu arbeiten, seinem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu dienen! Dort, wo das Neue hereinbricht, das Gott für uns bereithält, ist kein Platz für Neid und Spaltung. Lasst uns also den Herrn suchen, solange er sich finden lässt, lasst uns ihn anrufen, solange er nahe ist; und verlassen wir unsere verkehrten Wege und unsere ungerechten Gedanken (vgl. Jes 55,6-7)!
Blicken wir auf unsere heilige Mutter: Sie ist ein Geschöpf wie wir, aber ohne Makel; deshalb hilft sie uns, auf Gott zu hoffen und uns seiner Barmherzigkeit anzuvertrauen, damit seine Wege zu unseren Wegen und seine Gedanken zu unseren Gedanken werden."
Quelle: vaticannews
In Illo Tempore
Fr. John Zuhlsdorf setzt bei OnePeterFive seine Katechese zur Bedeutung der Liturgie für die Sonntage im Kirchenjahr fort. Hier geht´s zum Original: klicken
"IN JENER ZEIT: DER 17. SONNTAG NACH PFINGSTEN"
Der September galt als der alte „siebte Monat“, und in Rom stand die Ernte im Mittelpunkt des kirchlichen Gebets. Die Felder werden eingebracht, das Jahr neigt sich dem Ende zu, und die Liturgie nimmt jene herbstlichen Töne an, die mit jedem Sonntag stärker in den Vordergrund treten: Gericht, Beharrlichkeit, das Ende der Zeit, die Sammlung des Volkes Gottes. Der 17. Sonntag nach Pfingsten folgt im traditionellen römischen Kalender unmittelbar auf die Quatembertage im Herbst, jene alten Tage des Fastens, des Gebets, des Dankes und der Ordination, die den Wechsel der Jahreszeiten heiligen.
Vor diesem Hintergrund beginnt der Introitus mit Psalm 118: „ Iustus es, Domine, et rectum iudicium tuum … Du bist gerecht, Herr, und dein Urteil ist richtig“, und der Psalmvers fügt hinzu: „ Beati immaculati in via … Wohl denen, die unbefleckt auf dem Weg sind.“ Ein Weg ist vor uns. Wir sollen ihn unbefleckt beschreiten.
Dann folgt eines jener knappen römischen Kollekten, die mit wenigen Worten eine ganze Theologie eröffnen können:
Da, quaesumus, Domine, populo tuo
diabolica vitare contagia:
et te solum Deum pura mente sectari.
Gewähre, wir bitten Dich, o Herr, Deinem Volk,
dass es sich von teuflischer Verunreinigung fernhalte
und Dir, dem einzigen Gott, mit reinem Herzen folge.
S^^ o dicht. So römisch.
Der Dreh- und Angelpunkt liegt in diesen beiden gegensätzlichen Bewegungen, vitare und sectari . Vitare bedeutet „meiden, ausweichen, fliehen“. Sectari , ein Deponensverb mit aktiver Bedeutung, bedeutet „eifrig folgen, verfolgen, begleiten“. Das christliche Leben hat somit eine Richtung. Etwas muss gemieden und jemandem muss gefolgt werden. Dazwischen steht der Zustand der Seele: Ansteckung auf der einen Seite, Reinheit auf der anderen.
Contagio kann einfaches „Kontakt“ bedeuten, dann aber auch „Infektion, Verunreinigung, Kontamination“ oder sogar „verderbliche Gemeinschaft“. Purus bedeutet „rein, unvermischt, unbefleckt“. Mens ist vielschichtiger als unser deutsches „mind“ (verstanden). Im Kontext kann es „Intellekt, Veranlagung, Herz, Seele, das Innere des Menschen“ umfassen. Die Bitte erbittet Gott, sein Volk zu befähigen, alles zu meiden, was das innere Leben verunreinigt, und sich ihm allein, ganz und ungeteilt, anzuschließen.
Dieses „allein“ zählt. Te solum Deum . Das Gebet klingt wie das erste Gebot und das Schma Jisrael (vgl. Dtn 6). Es bereitet uns auch auf das Evangelium vor, in dem der Gesetzeslehrer Christus um das größte Gebot bittet und die Antwort erhält: Liebe Gott von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Über das Wirken der Bischöfe in der Gegenwart...-
Mario Galgano berichtet bei Vatican News über ein Schreiben, mit dem sich Papst Leo an die Bischöfe Südamerikas und der Karibik gewandt hat. Hier geht´s zum Original: klicken
Unter dem Titel:
"LEO ZIEHT LEHREN AUS DEM INGRESSRITUS FÜR DEN BISCHÖFLICHEN DIENST"
beginnt der Bericht so-ZITAT
"Anlässlich des dreihundertsten Jahrestages der Heiligsprechung des heiligen Turibio von Mogrovejo hat Papst Leo XIV. ein Schreiben an die Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik gerichtet. Darin nutzt das Oberhaupt der katholischen Kirche die einzelnen Stationen des Ingresses (auch Possessio genannt) – des feierlichen Empfangs eines Bischofs an der Tür seiner Kathedrale – als metaphorischen und praktischen Leitfaden für das bischöfliche Wirken in der Gegenwart." (...)
Quelle: M. Galgano, vaticannews
Samstag, 19. September 2026
Weniger und mehr
Vaticannews berichtet weiterhin über das Treffen des Hl. Vaters mit den Priestern seiner römischen Diözese. Hier geht´s zum Original: klicken
PAPST RUFT DIE DIÖZESE ROM ZUR PASTORALEN EVALUIERUNG AUF: "MACHT WENIGER UND MACHT ES BESSER:"
Zum Auftakt des neuen Pastoraljahres der Diözese Rom ruft der Papst zu einem gemeinsamen Prozess der pastoralen Evaluation auf, der die Begegnung mit Christus, die Gemeinschaft und den Dienst an der Stadt in den Mittelpunkt stellt.
Papst Leo XIV. hat das Bistum Rom dazu aufgerufen, das neue Pastoraljahr mit einer Phase des Zuhörens, der Reflexion und der Bewertung der eigenen Aktivitäten zu beginnen, anstatt einfach neue Initiativen zu starten.
In seiner Ansprache vor der Diözesanversammlung in der Lateranbasilika am Freitag erklärte der Papst, er präsentiere kein neues Pastoralprogramm, sondern schlage eine gemeinsame Methode der „Pastoral Evaluation“ vor.
Der Prozess, so erklärte er, bedeute, innezuhalten, das Geschehene noch einmal zu betrachten, die Früchte der Arbeit zu würdigen, zu verstehen, was nicht funktioniert hat, und gemeinsam nach den Gründen dafür zu suchen. Er solle die gesamte kirchliche Gemeinschaft einbeziehen und, wo immer möglich, auch jene anhören, die nicht regelmäßig am kirchlichen Leben teilnehmen.
„Warum eröffnen manche Initiativen neue Wege, während andere isoliert bleiben?“
„Warum weinst du? Wen suchst du?“ Papst Leo begann seine Betrachtung mit der Evangeliumserzählung von Maria Magdalena am leeren Grab am Ostermorgen. Er legte Jesu Fragen an sie – „Warum weinst du? Wen suchst du?“ – als Fragen an die Kirche und die Stadt Rom dar.
Er hob die bereits vorhandene Lebendigkeit in der Diözese hervor, darunter Pfarreien, Vereine, Bewegungen und andere kirchliche Einrichtungen, die sich der Evangelisierung, der Nächstenliebe und dem Gebet widmen. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Fülle an Aktivitäten dazu führen kann, dass Gemeinden ihren evangelischen Kern aus den Augen verlieren.
Der Papst sagte, pastorales Handeln solle daher nicht einfach mit der Frage beginnen, was zu tun sei, sondern mit der Frage, wem und wie man begegnen solle.
Wenn Maria Jesus ihren Namen rufen höre, so sagte er, erkenne sie ihn. Ebenso sollten Menschen in kirchlichen Gemeinschaften nicht anonym oder unsichtbar bleiben, sondern gesehen, erkannt und mit Namen angesprochen werden. Eine authentische Begegnung mit Christus wird dann zur Quelle missionarischer Freude.
Die Kirche existiert nicht für sich selbst, sondern um jeden Menschen zur Begegnung mit dem Herrn zu führen.“
Quelle: vaticannews