In seiner gestrigen Kolumne in Monday at the Vatican hat sich A. Gagliarducci mit dem Rücktrittsbrief, den Papst Franziskus im Interview mit der Zeitung ABC erwähnt hat, befaßt.
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"PAPST FRANZISKUS, RÜCKTRITT ODER ENDE DES PONTIFIKATES?"
In einem am 18. Dezember von der Zeitung ABC veröffentlichten Interview hat Papst Franziskus bekannt gegeben, daß er ein Rücktrittsschreiben geschrieben hatte und dieses Kardinal Tarcisio Bertone, dem damaligen Staatssekretär des Vatikans, zugestellt wurde. Der Rücktritt würde wirksam werden, wenn der Papst aus gesundheitlichen Gründen daran gehindert ist, die Aufgaben eines Pontifex` wahrzunehmen.
Diese Erklärung läßt viele Fragen offen. Sie offenbart einiges über die Art, wie Papst Franziskus agiert, was sich auch im Pontifikat widerspiegelt.
Zunächst ist es verblüffend, daß der Papst erst jetzt im Falle des behinderten Sitzes von einem möglichen Rücktritt spricht. Man könnte sagen, daß es vorher keine Gelegenheit dazu gab, aber das ist nicht wahr. Der Papst hat viele Interviews gegeben und bei vielen Gelegenheiten war die Rede von einem Papsttum emeritus, der Gleichzeitigkeit mit Benedikt XVI und sogar von seinen möglichen Entscheidungen in dem Fall. Kein einziges mal hat der Papst einen Hinweis darauf gegeben, daß er eine solche Nachricht hinterlassen hat.
Das hat er erst jetzt getan und wir müssen uns fragen: was ihn dazu gebracht hat, diese Bekanntgabe zu machen?
Tatsächlich befindet sich das Pontifikat in einer komplizierten Lage. Papst Franziskus hat kritische Momente überstanden und obwohl seine Gesundheit nicht die beste ist- wann ist sie das mit 86?- ist es wahr, daß eine mögliche, notwendige Nachfolge nicht unmittelbar nötig ist.
Dennoch wird seit einiger Zeit über die Nachfolge gesprochen. Sogar bevor man sagen konnte, daß die Darmoperation vom 4.Juli 2021 die Möglichkeit eines Konklaves konkreter werden ließ. Tatsächlich hat Papst Franziskus den Jesuiten in der Slowakei offenbart, daß manche "ihn schon begraben hätten".
Aber vor dieser Episode muß ein Artikel bedacht werden, den Fr. Antonio Spadaro im 2020 im Magazin der Jesuiten "La Civiltà Cattolica" fragte, ob das Pontifikat von Papst Franziskus seine vorwärtsdrängende Energie verloren habe (Spoiler-Alarm: laut Spadaro offensichtlich nicht). Und dann war da noch ein Buch von Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio und häufiger Besucher der Domus Sanctae Marthae, mit dem Titel „Die Kirche brennt“, in dem es um das Thema einer Krise in der Kirche selbst ging.