Sonntag, 28. Mai 2023

Der Becciu-Prozess: eine unendliche Geschichte...

A. Gagliarducci berichtet bei aciStampa über den Verlauf und derzeitigen Stand im Vaticanprozess um die Londone Immobilie.
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"DER PROZESS UM DIE LONDONER IMMOBILIE, DIE BITTERKEIT DER VERTEIDIGUNG BECCIUS"

Der Antrag, die Gesprächs-Protokolle zur Verfügung zu stellen und einige der Gespräche der Verteidigung Beccius freizugeben, wurde abgelehnt. Nachdem es keine Ausnahmen gibt, kann der Prozess weitergehen. 

Die Bitterkeit von Kardinal Angelo Becciu kommt in einer spontanen Erklärung zum Ausdruck, in der hervorgehoben wird, daß es einerseits für seine Verteidigung schwierig ist, Beweise zu erhalten, weil das Gericht dem Antrag auf "Entsperrung“ der ausgeschlossenen Unterhaltung zwischen Genevieve Ciferri und Staatsanwalt Alessandro Diddi nicht stattgegeben hat, es aber andererseits eine Verschwörung gibt, die, wie der Kardinal es ausdrückte, "zur Instrumentalisierung des Papstes“ geführt hätte.

Das sind harte Worte, die einer komplexen Anordnung von Giuseppe Pignatone, dem Präsidenten des Vatikanischen Gerichtshofs, folgen, der auf verschiedene Ausnahmen reagiert, vor allem aber auf die Bitte der Becciu-Verteidigung, den gesamten Chat von Staatsanwalt Alessandro Diddi mit Genevieve Ciferri freizugeben, aber auch die Verhöre von Monsignore Perlasca durch den Staatsanwalt Förderer der Gerechtigkeit, auch solche, die ausgeschlossen wurde.

Der Prozess

Aber um alles zu verstehen, muß man einen Schritt zurück gehen. Um richtig mit dem Thema des Prozesses zu beginnen, der im Grunde allgemein die Handhabung der Guthaben des Staatssekretariates betrifft. Ein Teil betrifft die Investition seitens des Staatssekretariates in eine Luxusimmobilie in London, die zuerst dem Broker Raffaele Mincione übergeben und dann Luigi Torzi, dann wieder vom Staatssekretariat übernommen, als man bemerkte, daß man nicht die Kontrolle über die Immobilie hatte, blieb sie bei Torzi , der sich ein Stimmrecht vorbehalten hatte. Der zweite Teil betrifft das Geschehen auf Sardinien, mit der Beschuldigung der Unterschlagung gegen Kardinal Angelo Becciu, während der Zeit als er Substitut im Staatssekretariat war und eine Geldsumme an die Caritas von Ozieri für ein Projekt der Cooperative SPES bewilligte- Geld, das unter anderem im Besitz der Caritas verbleibt, weil es mit der Realisierung des Projekts verbunden ist. Und der dritte Teil betrifft Cecilia Marogna, die selbsternannte Geheimdienstexpertin, die unter bestimmten Umständen mit dem Staatssekretariat zusammenarbeitete und später die vom Heiligen Stuhl den Missionen zugewiesenen Beträge für ihre persönlichen Ausgaben verwendete.

Allen ein gesegnetes Pfingstfest!

Pfingsten in Rom- wenn es Rosenblätter regnet...in der Kirche Santa Maria ad Martyres - dem früheren Pantheon

             

Samstag, 27. Mai 2023

Notre-Dame de Paris

 Der Dachstuhl wächst....

               

Fundstück

Stefan Rehder kommentiert in "Die Tagespost" die Bemühungen der Bundesregierung ein erweitertes Recht auch Abtreibung durchzusetzen und gleichzeitig ihre Absicht zu verschleiern.
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Unter dem Titel:

              "DAS ENDE DES DRAMAS IST MACHBAR" 

beginnt der Beitrag so: ZITAT

"Am Sonntag jährt sich zum 30. Mal der Jahrestag des sogenannten 2. Abtreibungsurteils des Bundesverfassungsgerichts. Die Entscheidung, mit der die Richter des Zweiten Senats das von SPD und FDP erarbeitete und vom Bundestag mehrheitlich beschlossene Schwangeren- und Familienhilfegesetz vom 27. Juni 1992 in wesentlichen Teilen für verfassungswidrig erklärten, mündete schließlich in das „Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetz“ vom 21. August 1995. Obgleich dieses in der Vergangenheit mehrfach modifiziert wurde, bildet es im Wesentlichen nach wie vor die Grundlage für die rechtliche Regelung der Durchführung vorgeburtlicher Kindstötungen in Deutschland."  (...)

Quelle: S. Rehder, Die Tagespost

Fr. Hunwicke spricht...

bei liturgicalnotes - angereichert mit Reminiszenzen früherer Zeiten- über eine Shopping-Tour im traditionsreichen Oxford. Hier geht´s zum Original:  klicken 

                             "VOM SHOPPEN IN OXFORDS NORDEN"

Ich habe mich auf den Weg zum Einkaufen gemacht. Heutzutage wird der alte Standort des Radcliffe Hospitals in Nord-Oxford, das um den viel größeren Titel "Radcliffe Observatory Quarter“ erweitert wurde, "saniert“; Man kann also von der Woodstock Road zur Walton Street laufen und im Norden den absolut exquisiten Turm der Winde sehen, der vor ein paar tausend Jahren von Andronicus von Cyrrhus erbaut wurde, als er Oxford einen seiner Stippvisiten abstattete. . oder sind meine Angaben hier etwas durcheinander geraten ...?

Es war ein herrlich sonniger Frühlingstag, und die Oxford-Sonne, ganz anders als jede andere bekannte Sonne, schien direkt auf den goldenen Sandstein des Turms und zeichnete die Eingravierungen der Winde und des Tierkreises hervor: Kann es eine schönere Architektur geben? Gruppierung als diese? Ich kämpfte gegen die Ablenkung an, indem ich mir selbst das Versprechen tröstete, den gleichen Weg zurückzugehen; und indem wir uns daran erinnern, wie die Gazette zu unserer Studienzeit diese jährliche Bekanntmachung veröffentlichte: Der Direktor des Universitätsobservatoriums gibt bekannt, dass an schönen und klaren Donnerstagabenden in den Michaelis- und Hilary-Terminen zwischen acht und zehn Himmelsobjekten gezeigt werden durch das Teleskop an Universitätsangehörige und sie begleitende Freunde. Ich frage mich, ob das immer noch der Fall ist. Männliche Studenten machten die üblichen jugendlichen Witze darüber, welche Studentinnen als Himmelsobjekte gelten könnten.

Während der Turm gebaut wurde, nahm Andronicus, so unser ehrwürdiges Paradoxon, seine Mahlzeiten in der Walton Street in der nahegelegenen griechischen Taverne und dem Feinkostladen ein, zu dem ich ging: Manos's. Spetsofai, Melitzanosalata, was auch immer: Ich habe mich mit Leckereien für ein paar Tage eingedeckt. Während ich zurückging, ereignete sich, wie so oft, eine Katastrophe. War Ihnen das aufgefallen?

Sie wissen, wie es ist, wenn Sie Ihre Schritte in die entgegengesetzte Richtung zurückverfolgen. Es fallen einem Dinge ins Auge ... visuell, meine ich ..., die man auf der ersten Etappe des Spaziergangs noch nicht gesehen hat. Was mir jetzt südwestlich des Turms der Winde ins Auge fiel, war ein höchst einzigartiges Bauwerk; So etwas wie Käse, die unordentlich übereinander gestapelt und mit Glas bedeckt sind. Glauben Sie, daß Aristophanes es in einem seiner schüchterneren Momente das Hyalotyropyrgom genannt hätte? Ich habe recherchiert. Es wurde Blavatnik School of Government genannt. Callimachos könnte gezwungen gewesen sein, seiner Aitia ein fünftes Buch hinzuzufügen, um solch ein unwahrscheinliches Gebäude zu erklären.

Ronald Knox* hätte wahrscheinlich einen Streifen für seinen Gaisford-Preis dazu gewonnen, wenn er sich Andronicus vorgestellt hätte, wie er auf der Schnitzerei des Windturmes saß und durch sein Teleskop auf den Blavatnik blickte, während er klagende, aber perfekte griechische Elegien rezitierte. Ich frage mich, wie dieser arme junge Jesuit, Gerard Manley Hopkins, wenn er der Alyoggers-Kapelle gegenüber gewandert wäre, es in seinem Gedicht über Oxford beschrieben hätte ("Glassy Towery City and Yank-Surrounded“?).

Ich bin mir sicher, daß die Blavatnik ihren listigen Trick umsetzen wird, architektonische Ästheten (sowie wohlhabende ausländische Studenten) von der Tochteruniversität wegzulocken. Warum sollten sie wertvolle Zeit damit verschwenden, die Fens zu besuchen, um die Geschichtsfakultätsbibliothek von Cambridge zu bestaunen, wenn Sie nach Oxford kommen und die Blavatnik-School  bestaunen können?"

Quelle: liturgicalnotes, Fr. J. Hunwicke
 
*Robert Knox: britischer Theologe, Priester, Satiriker und Kriminalschriftsteller, der in den zwischen 1910 und 1937 in Oxford studierte und wirkte. 

Pilgern nach Chartres

Luisella Scrosati kommentiert bei La Nuova Bussola Quotidiana die Pfingst-Wallfahrt von Paris nach Chartres und analysiert, warum sie gerade bei jungen Katholiken so beliebt ist, daß die Organisatoren nach Erreichen von 16.000 Teilnehmern die Registrierung schließen mußten. 
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"PARIS-CHARTRES: DER ALTE RITUS IST BEI JUNGEN LEUTEN BELIEBT"
Trotz der Einschränkungen fühlen sich die jüngeren Generationen so sehr von der traditionellen Liturgie angezogen, daß die "historischen"  Franzosen die Anmeldungen für die Wallfahrt schließen müssen: Es gibt nicht genügend Plätze. Unter den Pilgern sind auch viele Teilnehmer des Weltjugendtags. Die Zahlen und das Durchschnittsalter sprechen für sich: Tradition ist keine Rückständigkeit, sondern Zukunft.

Die französische Wallfahrt von Paris nach Chartres, organisiert vom Verein Notre-Dame de Chrétienté, wird vierzig Jahre alt. Und in diesem Jahr mussten die Organisatoren zum ersten Mal widerwillig mitteilen, daß sie keine weiteren Anmeldungen annehmen können. Überbuchung. Für die Altersgruppe der 13- bis 17-Jährigen gibt es nur noch wenige Plätze, aber die Realität, schreiben die Organisatoren, ist gnadenlos: "Die Größe der Biwaks, die Anzahl der Zelte, die aufgestellt werden können, die Länge der beweglichen Kolonne, die 2 Stunden überschreiten würde, würde die Ankunft der letzten Pilger zu sehr verzögern".

Eine Kolonne von 16.000 jungen Pilgern und vier Züge, die für die Rückkehr nach Paris gebucht wurden: So begann heute die historische Wallfahrt, die 1983 ohne großes Aufsehen gegründet wurde, als Wallfahrt des Centre Henri Charlier, ein Zeichen des katholischen Frankreichs mit einer monastischen Seele, das auf die Entchristlichung und die gnadenlose Säkularisierung reagieren sollte. Bereits zwei Jahre später konnten die Pilger die Kathedrale von Chartres betreten, um die Abschlussmesse zu feiern. Mit der Krise der Bischofsweihen durch Erzbischof Marcel Lefebvre blieben die Türen der Kathedrale bis 1989 geschlossen, als Johannes Paul II. mit dem Motu Proprio Ecclesia Dei afflicta für alle Realitäten einen Platz in der Kirche anerkannte, die voller mit dem alten römischen Ritus verbundenen junger Familien war.

Weil die Messe im alten Ritus neue Einschränkungen erfahren hat, ist die Zahl der Wallfahrtsteilnehmer dramatisch gestiegen. Ein Traditionis-Custodes-Effekt? Vielleicht. Auf jeden Fall sollte es der "Gamaliel-Effekt" sein, der die kirchlichen Autoritäten zum Nachdenken anregt und sie dazu bringt, ihre Schritte zurückzuverfolgen; um sich nicht im Kampf gegen Gott wiederzufinden. Zumal eine von der Zeitung La Croix (siehe hier und hier) durchgeführte Umfrage unter 30 Tausend jungen Franzosen, die am nächsten Weltjugendtag in Lissabon teilnehmen werden, zeigt, daß fast 40% von ihnen die Messe im alten Ritus schätzen; ebenso viele glauben, daß sie sich nicht zu ihm hingezogen fühlen, aber auch nicht dagegen sind, während nur 12% die Stigmatisierung des Rückzugs verinnerlicht zu haben scheinen, weil sie glauben, daß der alte Ritus eine nutzlose Rückkehr in die Vergangenheit darstellt. Das ist für diejenigen, die nur Augen für Zahlen haben; Aber wenn jemand die Realität erkennen will, was nicht schaden würde, würde es ausreichen, mit diesen jungen Leuten zu sprechen. So wie Matthieu Lasserre es für die katholisch inspirierte französische Zeitung tat.

Auf dem Weg nach Chartres

Nach der Messe & dem Empfang der Hl. Kommunion - "ich bin das Brot der Engel, das vom Himmel herab gekommen ist" in und vor St. Sulpice Paris sind die Pilger nach Chartres aufgebrochen.

Freitag, 26. Mai 2023

Christliche Kunst

Die Mosaiken in der antiken Kirche Hosios David in Thessaloniki

            

Der Ritus der Traditionellen Messe zieht junge Menschen an

Matthieu Lasserre veröffentlicht und kommentiert bei Rorate Caeli eine Umfrage zur Traditionellen Messe, die La Croix bei jungen Katholiken durchgeführt hat.  
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LA CROIX: "EXKLUSIVE UMFRAGE- DIE TRADITIONELLE MESSE - EIN RITUS, DER JUNGE MENSCHEN ANZIEHT".

Exklusive Umfrage: zwischen Heiligkeit, Tradition und Identität fühlen sich manche junge französische Katholiken von der Tridentinische Messe angezogen. Die 2023 Chartres-Wallfahrt mußte die Teilnehmerzahl wegen der großen Zahl junger Menschen begrenzen. 

                                                                     *   *   *

Seit Menschengedenken eine Premiere.  Die Chartres-Wallfahrt, die von der Notre Dame de Chrétienté -Assoziation organisiert wird, ist an diesem Pfingstfest ausverkauft: eine Rekordzahl von 16.000 Pilgern wird erwartet. Und zum ersten mal in der Geschichte dieser Wallfahrt, bei der die Messe nach dem prä-konziliare Missale zelebriert wird, wurden die Organisatoren gezwungen, angesichts des Zustroms an Pilgern, wobei die Hälfte unter 20 Jahre alt ist, die Registrierungen zu beenden. 

Können wir daraus schließen, daß die Traditionelle Messe bei den jungen Menschen Eindruck macht? Mindestens einige von ihnen lieben sie.  Laut einer Umfrage, die von La Croix bei Teilnehmern des WYD in Lissabon durchgeführt wurde, sagen 38%, daß sie diese Liturgie wertschätzen- 8% sagen, es sei ihre bevorzugte Messe, 11% sagen, daß sie sie ebenso gern mögen, wie die Französische Messe und 19% nehmen gelegentlich an ihr teil. In vielen Kirchen machen die 18-35 Jährigen einen großen Teil der Gemeinde aus, "ein gutes Drittel, die Kinder nicht eingeschlossen, wobei viele von ihnen zu verschiedenen französischen Diözesen gehören. 

"Ein Sinn für das Heilige"

Das erste Argument, das von jungen Leuten zugunsten der Messe des Hl. Pius V  vorgebracht wird, ist, daß sie "den Sinn für das Heilige" betont. In der Tridentinischen Liturgie (Ergebnis der Reform des Konzils von Trient im 16. Jahrhundert), steht der Zelebrant dem Altar gegenüber, rezitiert die Gebete mit leiser Stimme, in Latein. Ich habe das Gefühl, daß ich dort zuerst und nur für Christus bin" sagt Jeanne, eine 28-jährige Pariser, Mutter aus einer Familie die die Messe des II. Vaticanums besuchte. Ich vergesse, wer der Priester ist, seine Persönlichkeit ist nicht so wichtig und ich bin auf das fokussiert, was essentiell ist: die Wichtigkeit des Hl. Opfers."

Wie sie schätzt Albane die Ritualität der präkonziliaren Messe. Ich achte auf jede Geste, bis hin zur kleinsten Kniebeuge, weil sie mir helfen, das Mysterium der Eucharistie zu verstehen" stimmt ein 30 Jahre alter Marseillaner zu. Und der große Raum, der dem Schweigen überlassen ist und dem Gebet förderlich ist. 

Ist die Kirche, ist der Westen noch zu retten?

P. J. Leithart kommentiert bei firstthings eine Prognose  über Zustand und Zukunft der Kirche und des Christentums, die Paul Kingsnorth bei "Unherd" veröffentlicht hat. 
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"CHRISTENTUM: WEDER REVOLUTIONÄR NOCH KONSERVATIV"

Paul Kingsnorth hat früher in dieser Woche bei Unherd eine düstere Prognose für die Westliche Welt gestellt, seit der Aufklärung in Auflösung, im Niedergang, Zusammenbruch, sterbend oder sogar Selbstmord begehend- in einem Crescendo. "Viele schlagen vor, das Ganze abzustützen, aber Kingsnorth betrachtet diese Bemühungen als oberflächlich. "Die Küken der Moderne, die der Westen geschaffen und exportiert hat, sind heimgekehrt, um sich niederzulassen, und wir sind alle mit ihrem Guano bedeckt." Unsere post-humane, post-natürliche, Post-Wahrheit, post-christliche Welt ist der Versuchung der Schlange erlegen. In einer solchen Welt, fragt Kingsnorth, was bewahrt werden soll? Seine düstere Antwort ist: "nichts". Wir "müssen bis zu den Fundamenten graben" und vor allem beten. 

Eine extreme Diagnose? Ich denke nicht. Es ist schwer, einen einzigen Bereich der Westlichen Gesellschaft zu finden, in dem die Christliche Überzeugungen und Instinkte, die Kingsnorth zu Recht als das Zentrum des Westens nennt, überlebten. Sogar vieles in der Kirche ist den kulturellen  Strömungen angepaßt worden. Aber wir treiben auch nicht in einem mehrdeutigen Grenzbereich. Unsere Institutionen und kulturellen Normen werden von einer vorsätzlich nicht-christlichen, oft anti-christlichen Sicht der Realität geformt. 1948 hatte T.S. Eliot einen guten Grund, zu sagen, daß der Westen immer noch christlich war - auf der Basis daß "eine Gesellschaft nicht aufhört christlich zu sein, bis sie positiv etwas anderes geworden ist."  Diesen Punkt haben wir lange überschritten. Wir sind etwas anderes geworden, etwas monströses.

Unsere historische Zeit offenbart die Grenzen des Konservatismus. Wie kann der Konservatismus uns leiten, wenn es nichts mehr zu bewahren gibt? Das ist nicht der erste solche Zeitpunkt. Die Geschichte des Westens ist voller Revolutionen, Epochen, in denen antike Regimes zerstört wurden, wenn etablierte Glaubensinhalte auf den Kopf gestellt wurden, als die Dinge auseinander fielen und alles das, was solide war, sich in nichts auflöste. Das römische Reich umfaßte das Mittelmeer, aber es ist verschwunden. Das westliche Christentum war eine wunderbare Errungenschaft, aber es starb. Byzanz war Goldener Glanz, jetzt liegt es in einem vergoldeten Grab. Das protestantische Europa wich der Aufklärung. Jedes mal ging es mit der Welt weiter, anders. 

Zehn theologische Prinzipien Benedikts XVI ... Fortsetzung

Fortsetzung von hier und hier

5. Die Lehre der Kirche entwickelt sich organisch

Weil die Kirche ohne Wahrheit ihre Lehre nicht auf die Art entwickeln wir politische Parteien das tun. "Wahrheit wird nicht durch die Mehrheitsmeinung bestimmt," war eine der Aussagen von Ratzinger. Wahrheit wird nicht durch Meinungsumfragen und die Suche nach Übereinstimmung erkannt. In einem Essay, der im Buch "Demokratie in der Kirche" veröffentlicht wurde, bemerkte Ratzinger: 

Tatsächlich wird der Glaube durch seine eigene Natur aufgehoben, wenn er dem Mehrheitsprinzip unterworfen wird. Warum sollten Herr Müller oder Frau Huber mich dazu verpflichten können, dieses oder jenes zu glauben, was sie mehr oder weniger zufällig für richtig halten? Warum sollte ich verpflichtet sein, daß es heute eine Mehrheit gibt, die morgen von einer entgegengesetzten Mehrheit ersetzt wird? Entweder gibt es eine andere Autorisierung im Glauben der Kirche als für eine menschliche Wahrheit oder nicht. Wenn nicht, dann gibt es keinen Glauben, aber jeder glaubt, daß was immer er denkt, wahr ist. (S. 88).

Genau so wie Ratzinger von Newmans Verständnis der Gewissens beeinflußt wurde, war er von Newmans Verständnis von der sich entwickelnden Lehre beeinflußt. Newman betonte, daß die Lehre sic nur aus dem ursprünglichen depositum fidei entwickeln kann. Das bedeutet. daß diese Lehren subtil sein können, aber daß die doktrinale Tradition nicht hin und her wechselt oder ins Gegenteil, und heute das für Wahrheit hält, was gestern noch Häresie war. Es muß  auch eine innere Kohärenz zwischenden Lehren in den verschiedenen Bereichen der Theologie geben. 

Die Zweige der Theologie sind nicht vollkommen getrennte Gebiete des Verstehens,  sondern passen eher so zusammen, wie eine gotische Kathedrale strukturiert ist, so daß unterschiedlichen Teile (die hohen, spitzen Bögen, die äußeren Strebepfeiler, die gerippten Gewölbe, die bunten Glasfenster und die Wasserspeier) alle eine Rolle bei der Erhaltung der Stabilität des Gebäudes spielen. Theologen müssen sich dessen bewu0t sein, daß eine Veränderung einer Lehre auf einem Gebiet der Theologie  dramatische Rückwirkungen auf andere haben kann. 

6. Das Verhältnis von Glaube und Vernunft

Für Ratzinger ist das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft symbiotisch. Sie müssen sich gegenseitig reinigen. Die katholische intellektuelle Tradition repräsentiert eine Synthese oder Integration der beiden. Aus diesem Grund wurde der Lehrstuhl von Romano Guardini an  der Universität München als Lehrstuhl für die Christliche Weltanschauung beschrieben, weil Guardini gleichzeitig auf den Feldern Philosophie  und Theologie arbeiten wollte. Das ging gegen die post-kantianische Tendenz, die Philosophie von der Theologie zu trennen. In Prinzipien der Katholischen Theologie argumentiert  Ratzinger, daß die Krise, die wir in der Kirche und der Menschheit erleben, eng mit dem Ausschluß Gottes verbunden ist, als einem Thema, mit dem die Vernunft sich angemessen befassen kann, -ein Ausschluss, der zur Degeneration der Theologie -zuerst zum Historismus, dann zum Soziologismus und gleichzeitig zur Verarmung der Philosophie." (S. 316). Er stand damit im Gegensatz zu sowohl zu einer Trennung der "reinen Vernunft" im Kant-Stil vom Glauben und einer Art Reserve wie die Barths- gegenüber den Verdiensten der Philosophie. Für Ratzinger wurde Philosophie in vormoderner Weise als Offenheit für das Göttliche verstanden.

Donnerstag, 25. Mai 2023

Erinnerungen...

Papst Benedikt XVI besuchte das Kartäuserkloster San Stefano del Bosco in Serra San Bruno, das vo, Hl. Bruno, dem Kartäuser gegründet wurde.  

            

Zehn theologische Prinzipien Benedikts XVI

Tracey Rowland erklärt auf der website "What we need to know", warum Benedikt XVI zum Kirchenlehrer erklärt werden wird.
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"10 THEOLOGISCHE PRINZIPIEN AUS DEM SCHATZ BENEDIKTS XVI" 

Eine kürzlich erschienene Ausgabe des "Spectator" enthielt einen Artikel von Dan Hitchens, in dem er Richard Rex, einen Historiker der Universität Cambrigde mit der Aussage zitiert, daß es in der  Kirchengeschichte 3 große Krisen gab. In der ersten ging es um die Natur Gottes (alle diese Auseinandersetzungen um die Christologie in der frühen Kirche), bei der zweiten um die Natur der Kirche selbst (alle dies protestantischen Abspaltungen im 16. Jahrhundert) und jetzt um einen Kampf über die Natur des Menschen (alle diese Streitereien, was wir mit unserem Körper tun oder lassen dürfen).
Das trifft es punktgenau, aber hinter der  Krise um die Natur des Menschen verbirgt sich eine Krise um die Natur der Katholischen Theologie.  In diesem Augenblick im Leben der Kirche zerreißen die Streitigkeiten über fundamentale theologische Themen die Gemeinden. 
Einer der Gründe, warum Benedikt XVI zum Kirchenvater erklärt werden könnte, ist, daß er verstand, daß ein Fehler an der Basis eines theologischen Systems das ganze System zerstören. Wenn es jetzt Katholiken gibt, deren Überzeugungen sich nicht von denen Meghan Markles unterscheiden und die 2000 Jahren christlicher Lehre widersprechen, dann müssen wir auf die Grundprinzipien schauen. 

1. Der Logos geht dem Ethos voran. 
Das erste ist, daß der Logos dem Ethos vorangehen muß. Ja, das klingt wirklich esoterisch! Das war aber ein Prinzip, das der große Romano Guardini zu betonen liebte, und es wurde von Ratzinger/Benedikt übernommen. Anders gesagt: die Wahrheit geht der Praxis voran. Unsere Praxis muß die Wahrheit beinhalten. Viele Theologen wollen diese Ordnung umstoßen und den Ethos, oder was Marxisten Praxis nennen, die Präzedenz übernehmen lassen. Ratzinger/Benedikt widerstrebte dieser Zugang zur Theologie ganz und gar. In seinem "Prinzipien der Katholischen Theologie" (1987) schrieb er:

-Wenn man die Bedeutung des Wortes "Orthopraxis" auf die radikalste Weise auslegt, bedeutet das, daß es keine Wahrheit gibt, die der Praxis vorangeht, sondern eher, daß die Wahrheit nur auf Basis eine korrekten Praxis etabliert werden kann, die die Aufgabe hat, Bedeutung aus und angesichts der Bedeutungslosigkeit zu schaffen. Die Theologie wurde dann zu einer bloßen Bedienungsanleitung, die-indem man über die Praxis reflektiert-, immer neue Arten von Praxis entwickelt. (S. 318) 

Er schloß, daß wenn die Praxis die Führung übernimmt, die Wahrheit ein Produkt des Menschen wird und der Mensch selbst eine Ware. 
Diese Entwicklung zeigt sich in der gefeierten Popkultur, in der Menschen ihre eigenen Erzählungen erfinden, die möglicherweise kaum oder gar nichts mit der Realität – das heißt mit der Wahrheit – zu tun haben, und sich dann auf der Grundlage der selbst konstruierten Erzählung daran machen, diese falschen Ichs der Welt gegenüber zu verkaufen.

Fr. Hunwicke spricht...

bei liturgicalnotes heute über die Darstellung der Haare Unserer Lieben Frau- speziell  in der mittelalterlichen und Renaissance-Malerei, die unbedeckt über Schultern und Arme fallen. 
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                   DIE HAARE UNSERER LIEBEN FRAU 

Ich habe gelegentlich festgestellt, daß spätmittelalterlicher Darstellungen unsere Allerseligste Jungfrau oft barhäuptig zeigen, wobei ihr das Haar über Schultern und Arme fällt. Ich denke da an das Marianische Banner im St. John´s College (in Duffy Fires reproduziert); und an die  Himmelfahrts-Statue in der Kirche in Sandford upon Thames. 

Und das Römische Pontifikale:  daß eine Königin, die zu ihrer Krönung geht, crine soluto (mit offenen Haaren) kommt. 

Einer der ´Horatianischen´ Dichter Urbans VIII der schrieb renaissance-artig : 

Tu [seine Freundin Rosa] rerum dominam canes,
Et sparsam Zephyrorum arbitrio comam
Nudis ludere bracchiis,
Et nimbos volucrum fundere crinium ...

Das Mittelalter ist vorausgegangen - denke ich-  Hand in Hand mit dem Barock."

Quelle: liturgicalnotes,  Fr. J. Hunwicke

George Weigel über die Enzyklika "Centesimus Annus"

George Weigel bei befaßt sich bei Firstthings mit der Enzyklika "Centesimus Annus" des Hl. Johannes Pauls II. Hier geht´s zum Original:  klicken

"JOHANNES PAULS II CENTESIMUS ANNUS UND DIE HEUTIGEN DISKUSSIONEN" 

In einem kürzlich in der Jesuiten-Zeitschrift La Civiltà Cattolica erschienenen Artikel hatte Fr. Fernando de la Iglesia Viguiristi, S.J.  folgendes zu einer Facette der historischen Enzyklika Johannes Pauls II Centesimus Annus zu sagen: 

Auf die Schlüsselfrage: "Ist der Kapitalismus nach dem Zusammenbruch des Kommunismus die einzige Alternative, die noch übrig ist?“ antwortete Wojtyła [d. h. Johannes Paul II.: "Wenn mit ‚Kapitalismus‘ ein System gemeint ist, in dem die Freiheit im Wirtschaftssektor nicht in einen strengen rechtlichen Rahmen eingegrenzt ist, der sie in den Dienst der menschlichen Freiheit in ihrer Gesamtheit stellt, und sie als besonderen Aspekt dieser Freiheit sieht, deren Kern ethisch und religiös ist, dann ist die Antwort sicherlich negativ“ (CA 42).

Immerhin ist das ein genaues Zitat. Aber warum läßt der Professor für Internationale Wirtschaft an der päpstlichen Gregoriana-Universität den Satz aus, der diesem negativen Urteil unmittelbar vorangeht- : 

"Wenn mit Kapitalismus ein Wirtschaftssystem gemeint ist, das die fundamentale und positive Rolle des Marktes, des Privateigentums und die daraus entstehende Verantwortung für die Produktion wie auch für die menschliche Kreativität auf dem Gebiet der Wirtschaft, dann  ist die Antwort sicher zustimmend, auch wenn es vielleicht passender wäre über eine "Unternehmenswirtschaft", "Marktwirtschaft" oder einfach "freie Wirtschaft" zu sprechen."

Ich stimme dem verstorbenen Papst völlig zu, daß "freie Wirtschaft" hier der bessere Ausdruck istund nicht nur, weil das das Wort Kapitalismus bei europäischen Akademikern offensichtlich scharenweise auszubrechen.

Eine freie Wirtschaft - eine, in der der Markt, nicht der Staat, Hauptakteur im Wirtschaftsleben ist- ist einer der drei ineinandergreifenden Sektoren der freien und tugendhaften Gesellschaft der Zukunft, die Johannes Paul II. in Centesimus Annus skizziert hat, die beiden anderen ein demokratisches Gemeinwesen und eine lebendige öffentliche Moralkultur sein. Nach Ansicht von Johannes Paul waren sowohl die demokratische politische Gemeinschaft als auch die öffentliche Moralkultur von entscheidender Bedeutung, um die enormen Energien, die freie Wirtschaften freizusetzen, zu zügeln und zu lenken, so daß diese Energien dem individuellen menschlichen Gedeihen und der sozialen Solidarität dienen. Das demokratische Gemeinwesen tut dies, indem es einen rechtlichen und regulatorischen Rahmen für die freie Wirtschaft schafft, der Ehrlichkeit und Kreativität belohnt und Korruption bestraft. Die öffentliche Moralkultur (die die Kirche mitgestaltet) tut dies, indem sie dabei hilft, eine Bürgerschaft zu bilden, die versteht, daß man manchen Gelüsten nicht nachgeben darf, weil sie dem Einzelnen schaden und die Tugenden zerstören, die notwendig sind, um die Freiheit – einschließlich der wirtschaftlichen Freiheit – nobel zu leben.

Angesichts der wirtschaftlichen und politischen Realitäten des 21. Jahrhunderts geht es nicht um die Wahl zwischen einer marktorientierten Wirtschaft und der sozialistischen Fantasie, die weiterhin Intellektuelle verführt. Die eigentliche Frage ist der Grad der Regulierung, der die Aktivitäten der freien Wirtschaft bestimmen sollte, von Mindestlöhnen über Pornografie und CO2-Emissionen bis hin zur Entwicklung künstlicher Intelligenz. Die Debatte über die ordnungsgemäße gesetzliche Regulierung der Wirtschaft dauert an, wie es auch sein sollte. Im Moment ist sie ziemlich hitzig, und zu den Akteuren in diesem Drama gehören nicht nur Liberale und Konservative alten Stils, sondern auch Populisten und "Nationalkonservative“, die mit dem Freihandel unzufrieden sind und von der nationalen Industriepolitik, wie sie von den Sozialdemokraten und anderen im linken Spektrum favorisiert wird, angetan zu sein scheinen.

Ich schlage vor, daß diese fortwährende Debatte zwei wichtige Lehren aus Centesimus Annus ziehen kann.

Die erste hat mit der Natur des Reichtums in einer postindustriellen Welt und seiner Auswirkungen auf die wirtschaftliche Gerechtigkeit zu tun. Wenn Wohlstand heute in erster Linie durch wirtschaftliche Vorstellungskraft und unternehmerische Fähigkeiten geschaffen wird, die durch disziplinierte und expandierende-Produktions- und Austauschnetzwerke wirken, dann ist das oberste Gebot der Gerechtigkeit in der Wirtschaft die Einbeziehung möglichst vieler Menschen in diese Netzwerke – was Armutsbekämpfung- Programme umfaßt, die sich für die Stärkung der Armen einsetzen. Im katholischen Kontext der USA unterstreicht diese wirtschaftliche Realität des 21. Jahrhunderts die Tatsache, daß die wirksamsten Programme der Kirche zur Armutsbekämpfung unsere innerstädtischen Schulen sind, deren Überleben einen moralischen und sozialen Imperativ darstellt.

Die zweite Lektion ist mit der ersten verbunden und berührt die scharf diskutierte Frage der "Globalisierung". Ohne Zweifel hatte die Globalisierung  für manche Amerikaner nachteilige Wirkung; sie hatte auch dazu beigetrage um die 2 Milliarden Menschen aus bitterer Armut zu erheben Die sozial-ethische Tugend der Solidarität, die so sehr von Johannes Paul II betont wurde, würde bedeuten, zwei Tatsachen, die dem Wirtschaftsleben des 21. Jahrhunderts gemeinsam sind- anzusprechen, sie nicht einander in einem nationalistischen Null-Summenspiel nach Art von "bettle Deinen Nachbarn an" gegenüber zu stellen

Die Fragenach dem "wie" überlasse ich den Wirtschaftsfachleuten. Das Prinzip ist, was die Kirche ansprechen sollte." 

Quelle: G.Weigel, Firstthings